Wir sind jetzt zum vierten Mal auf Bali gewesen. Das spricht eigentlich für die Insel, oder? Trotzdem werden immer mehr Stimmen laut, die etwas enttäuscht von Bali waren. So wie die Jungs von Home is where your bag is. Richtig ausgeholt hat aber Ute von bravebird. Einem Blog, den ich wirklich gerne lese. Auch oder gerade, wenn ich mal nicht ganz ihrer Meinung bin, wie in ihrem Artikel 7 gute Gründe, nicht nach Bali zu reisen. Weil ich durch die Familienbrille schaue? Ja, vielleicht.

Wir waren das erste Mal 2008 auf Bali und ich bin ehrlich: Ich war damals ziemlich enttäuscht. Wir hatten zwar noch keine Kinder, ich aber die Erwartung an Traumstrände im Gepäck. Diese wurde definitiv nicht erfüllt. Auch das Essen fand ich irgendwie im Vergleich mit anderen asiatischen Länder wie Thailand oder Vietnam nicht so doll. Wir waren mit dem eigenen Jeep auf der Insel unterwegs und das war seinerzeit einfach super genial. So konnten wir alle Sehenswürdigkeiten zu Randzeiten anschauen, sprich: Wir hatten gar nicht den Eindruck, als wäre es überlaufen. Wir waren auch auf Gili (sind mit einem Partyboot übergesetzt, was zwar x Stunden gedauert hat, aber ein Megaspaß war) und auf Lombok. Lombok hatte mir damals echt gut gefallen. Allerdings war so kurz nach dem Bombenanschlag auf Bali dort dann überhaupt nichts los. Wir und der Jeep haben oft gar keine Touristen gesehen. Das fand ich auch ein bisschen spooky.

2016 – also acht Jahre später und zwei Kinder im Gepäck haben wir Bali dann nochmal die Chance gegeben. Initial, da bin ich ehrlich, weil Bali eines der wenigen Fernreiseziele ist, die man auch gut in unserem Sommer besuchen kann.

Bali für Familien?

Bali bleibt für mich für Familien immer noch ein Traumreiseziel. Das liegt einfach an der unheimlich kinderfreundlichen Bevölkerung und familienfreundlichen Unterkünften. Für uns war unsere Elternzeitreise nach Bali wie der Himmel auf Erden. Mein Artikel Dem Himmel so nah – unsere Elternzeit mit Baby und Kleinkind auf Bali beschreibt sehr gut, wie wir uns damals gefühlt haben. Die Insel hat uns unsere Akkus wieder auftanken lassen. Das erste Jahr mit Baby und Kleinkind war wirklich anstrengend und Bali unser Happy Place – dafür spricht auch, dass wir die letzten beiden Jahre gleich wieder dort waren. Es bleibt natürlich unstrittig, dass solche Langstreckenflüge klimatechnisch unterste Schublade sind. Also auf jeden Fall wenigstens länger bleiben und noch besser: An ein Klimaschutzprojekt spenden um die Emissionen zu kompensieren.

Bin ich Massentourist auf Bali?

Ja, ein Stück weit schon. Vorsichtig gesagt bin ich das in Mexiko, Thailand und vielen andern Ländern aber auch. Es kommt eben immer auch darauf an, wo ich genau hinfahre. Nicht alle Orte an einem Urlaubsziel sind gleich. Und ganz ehrlich: Mit der Familie will man, glaube ich, jetzt auch nicht unbedingt Individualtourist sein. Das waren wir vor den Kindern. Mit dem Rucksack in die entlegensten Ecken (dort wo nur der lokale Überlandbus hinfährt). Touristische Erschlossenheit ist gerade für Familien mit kleineren Kindern in Bezug auf Ernährung oder medizinische Versorgung ja nun nicht das schlechteste. Trotzdem würde ich einige Orte auf Bali meiden, die dann doch bestenfalls das Mallorca der Australier sind. Kuta, Legian, Seminyak sind für mich vor allem eins: völlig überlaufen. Sucht man fürs Ankommen etwas nahe dem Flughafen, kann ich Sanur (später mehr) oder Jimbaran empfehlen.

Der Strand in Jimbaran ist wirklich schön und abends kann man toll ein Seafood Barbecue am Strand essen. Einziger Wermutstropfen: Für den Sonnenuntergang strömen ziemlich viele, vorwiegend chinesische Touristen auf den Strand. Apropos Strände:

Finde ich Traumstrände auf Bali?

Wer jetzt an die Südsee oder Karibik denkt, dem muss ich leider definitiv sagen: Nein! Und da bin ich auch sehr ehrlich, denn das war einer der Hauptgründe, der mich 2008 sehr enttäuscht hat. Es gibt ganz schöne Strände, aber eben nicht dieses Südseefeeling. Wir fahren nicht wegen der Strände nach Bali. Sondern wegen des Lebensgefühls. Der Gärten, der Gerüche, des relaxten, schönen Lebens.

Mit die schönsten Strände sind, finde ich, rund um Uluwatu. Namentlich Bingin, Dreamland, Padang Padang. Da das aber Surferstrände sind, ist hier eher weniger gut mit kleinen Kindern ins Wasser zu gehen.

Auch schön ist der White Sand Beach in der Nähe von Padang Bai und der Pasir Putih in der Nähe von Candidasa. Hier in der Ecke gibt es ohnehin ganz schöne Strände. Die Strände in Nusa Dua finde ich grundsätzlich auch schön. Allerdings gehören die meistens zu sehr großen Hotels. Das hatte uns nicht so gut gefallen. Ansonsten lohnt es sich auch der Strände wegen die Gilis und Lombok zu besuchen.

Gibt es wirklich soviel Müll?

Ja und nein. Denn Hand auf Herz: Hier in Deutschland gibt es ja nicht weniger – man sieht ihn nur nicht. Bali wird förmlich von Touristen überrollt. Die trinken haufenweise Wasser aus Plastikflaschen, wollen essen und ja, es gibt auch genug Deppen, die ihre Plastikflaschen und Tüten einfach am Strand liegen lassen. Aber das liegt nun nicht an Bali, das liegt sehr an uns – den Touristen. Für mein Empfinden gibt es nicht über die Maßen ersichtlichen Müll und es liegt an mir, genauso wie Zuhause auch, mich so zu verhalten, dass nicht noch mehr Müll entsteht. So gibt es in vielen Hotels mittlerweile Glaswasserflaschen zum nachfüllen und auch auf den Nebeninseln gibt es eben solche Projekte. Eine Tüte muss ich mir beim Einkauf, genau wie hier, nicht geben lassen, sondern nehme einen Jutebeutel mit.

Gesundheitliche Risiken

Diese schätze ich für mich und meine Kinder nicht höher ein als in den meisten anderen Fernreiseländer. Gerade das Dengue-Fieber, vor dem für Bali gewarnt wird, gibt es leider auch in sehr, sehr vielen anderen Ländern. Das zeigt auch ein Blick auf die weltweite Karte zur Verbreitung von Dengue. Einen Artikel zu Bali, Thailand, Malaysia mit Baby und Kind – Impfungen, Malaria, Dengue auf Fernreisen findet ihr bei mir auf dem Blog.

Und wo ist es nun am besten auf Bali? Welche Orte sind für Familien empfehlenswert?

Ja, in den letzten Jahren hat sich eine Menge auf Bali verändert, auch auf den Gilis. So sind wir persönlich froh, alle Sightseeing Plätze schon damals gesehen zu haben. Tanah Lot zu Sonnenauf- oder -untergang mag ich mir heute schon gar nicht mehr vorstellen. Auch Ubud – das sogenannte Kulturzentrum, ist längst nicht mehr das, was es mal war. Wo also hin?

Ich finde, als Familie nach einem langen Flug ist ein smoother Start ja total wichtig. Ich würde also ein Hotel in Jimbaran oder Sanur buchen. In Sanur waren wir bereits dreimal im Segara Village, was definitiv unsere vollste Empfehlung bekommt. Es ist eins der ältesten Hotels im Ort und immer noch familiengeführt. Manche der Mitarbeiter arbeiten schon über 40 Jahre dort. Das Hotel hat tolle Familienzimmer, Bungalows und Pools (alle neu oder renoviert). Die Anlage ist unheimlich weitläufig, mit einem wunderschönen Garten, Haustempel und direkt am Meer.

Das Essen im Segara ist das Beste, was wir auf Bali gegessen haben. Also, das Hotel ist Bombe, aber das ist nicht, was ich daran am besten finde. Das Beste ist, dass es ejner wirklichen balinesischen Familie gehört. Der Tempel nebendran ist der Segara Tempel. Hier werden viele Zeremonien gefeiert und die Balinesen waren immer offen und freundlich zu uns, wenn wir dazu kamen. Haben uns alles erklärt, uns eingeladen. Ich glaube echtes Interesse wird auch belohnt. So ging es uns auch bei den Damen vom kleinen Markt direkt vor dem Tempel. Ja, ich habe versucht, ihnen auch ein bisschen Business zu verschaffen – ist eh klar. Aber ich glaube, wir waren noch viel öfter einfach nur so da. Die Kinder haben die Katzenbabys und den Hund besucht und die Damen mit ihnen gespielt, geschnackt und den Kindern immer auch noch total lieb etwas geschenkt. Am Strand durften wir am späten Abend Wasserzeremonien beiwohnen.


Wer nicht so spirituell eingestellt ist (obgleich ich das mit das faszinierendste an Bali finde), der hat am späten Nachmittag die Chance am Strand einem wahren Spektakel beizuwohnen. Dann baden nämlich die Balinesen. Die Familien picknicken. Es gibt fliegende Mais- und Sate-Händler. Getränke werden angeboten und die Kinder spielen und spielen. Warum nicht auch eure Kinder mit den Einheimischen?

Ubud und alle Touri-Ziele drumherum haben mir diesmal nicht mehr gefallen. Obwohl wir wieder unsere wirklich schöne und zurückgezogene Unterkunft Sri Bungalows hatten, würde ich nicht wieder direkt in Ubud wohnen wollen. Der Ort ist völlig überfüllt, total laut und die Menschen habe ich größtenteils als unfreundlich erlebt. Auf dem Markt und noch schlimmer: die Taximafia. Gibt es auf Bali eigentlich Uber Taxis (bzw. die lokale Alternative BlueBird), so sind sie in Ubud „verboten“. Oder besser gesagt: Die Fahrer kriegen eins auf die Fresse, wenn sie doch reinfahren. Es will halt jeder der „privaten“ Fahrer gerne sein Geschäft machen. Wie das genau funktioniert, am Fiskus vorbei und mit Duldung der Polizei, das will ich gar nicht genau wissen. Auf jeden Fall will  ich nicht mehr drinstecken. Auch die Touri-Attraktionen rund um Ubud herum, wie die Tegallalang Reisterrassen, die wirklich schön sind, sehen mich wohl in Zukunft nicht mehr. Überall eine überteuerte Schaukel (wohl um DEN Fotomoment festzuhalten) und an jeder Ecke steht ein (angeblicher) Reisbauer, der nochmal 3,80 Euro Wegezoll kassiert, damit man an „seinem“ Feld entlanggehen kann. Angeblich für den Erhalt und die Sauberkeit – dann wäre ich ja auch fine damit. Aber wenn ich danach den ganzen Müll liegen sehe, dann frage ich mich doch, welcher Erhalt gemeint ist.

Also: raus aus Ubud. Ein Homestay oder ähnliches in den „normalen“ Reisfeldern. Die sind auch wunderschön.

Wer sich traut (wir nicht), mietet mit den Kindern einen Roller oder holt sich ein Taxi, wenn er doch mal nach Ubud rein will. Sehr empfehlen kann ich den traditionellen Markt. Da muss man aber früh aufstehen, denn er geht ungefähr bis 7 Uhr. Danach verwandelt sich alles in den Touri-Markt.

Ansonsten hat mir noch die Ecke rund um Candidasa gut gefallen. Hier kann man sowohl am Strand als auch in den Bergen ein paar wirklich schöne Ort finden. Wir sind diesmal aber direkt weiter auf die Gilis. Aber auch hier hat sich in nur einem Jahr einen Menge verändert. Ja, es geht schnell mit dem Tourismus. Aber ich kann es den Menschen auch nicht verdenken. Jeder will einfach seinen Teil vom Kuchen verdienen. Ich glaube, es liegt auch an uns Touristen, wie wir reisen. Wir waren wieder auf Gili Air. Ich würde mittlerweile eine Unterkunft im „Inland“ empfehlen. Einfach weil es dort viel, viel ruhiger ist. Am besten noch neben der Moschee. Denn ich muss sagen, ich mag es sehr, den Muezzin singen zu hören und außer auf Bali ist Indonesien ja auch fast rein muslimisch. Zu den Gilis schreibe ich euch aber nochmal etwas separat.

Dos and Don’ts

Wir empfinden die Balinesen nach wie vor als unheimlich gastfreundlich, herzlich, kinderliebend. Es lohnt sich, aufgeschlossen und interessiert zu sein. So erfährt man viele tolle Dinge über das Urlaubsziel und seinen Gastgeber. Kinder sind eigentlich ein Garant für Kommunikation, wenn man sie zulässt. Auf den Gilis ist es zum Beispiel Brauch, dass Kinder die ersten beiden Jahren nur und ausschließlich bei ihren Müttern bleiben. Danach kümmern sich dann alle ein bisschen mit um die Kinder. Das heißt, jeder auf der Insel gibt auf die Kinder Acht, ist aufmerksam. Gerade unsere Tochter durfte sich mit ihren 5 Jahren also überall frei bewegen. Mit jedem „quatschen“ und sie hat unheimlich viele neue Freunde gefunden. Das war unheimlich toll mitzukriegen.
Balinesen schenken gerade Kindern immer total gerne etwas. Wir haben dann häufiger auch etwas verschenkt. Für ihre Kinder, oder was man sonst noch so gebrauchen kann.

Nicht vergessen, dass Indonesien ja eigentlich ein muslimisches Land ist. Auch wenn Bali hinduistisch ist, finde ich, man sollte sich ein bisschen der Kultur anpassen. Das heißt, nicht halbnackig rumrennen, sich nicht bis zum Abwinken betrinken. Das finde ich einfach nicht angebracht und ok, passiert mit Kindern ja auch ohnehin nicht mehr so häufig :-)

Um Müll zu vermeiden am besten die immer häufiger werdenden Wasserauffüllmöglichkeiten in Hotels nutzen. Wenn man einkaufen geht, einfach einen Jutebeutel mitnehmen und am besten nichts Takeaway ordern. Hier zögern Balinesen nämlich nicht damit, den Touris alles einzeln in Styroporboxen einzupacken – obgleich sie für sich selbst Bananenblätter nutzen.

Bali – ja oder nein?

Für uns ist Bali nachwievor ein happy place. Nicht an allen Ecken, aber der Spirit auf Bali – der ist ein ganz besonderer.

Mehr zu einem Familienurlaub auf Bali, wie Unterkünfte, Kosten und so weiter

findet ihr in weiteren Blogposts von mir. Tipps zu den Gili-Inseln bereite ich gerade noch vor…
Elternzeit auf Bali mit Baby und Kind – Kosten, Orga und Must-brings
Familienfreundliche Hotels auf Bali – Kosten, Dauer, Buchungen