Ja, große Worte. Aber genau das soll ein Blogger doch sein: authentisch und glaubwürdig. Mittlerweile hat sich ja auch der Begriff Influencer etabliert. Der gute Influencer strotzt natürlich vor Glaubwürdigkeit und Authentizität. Ob das bei allen auch wirklich so ist, das stelle ich mal in Frage. Aber gut, Zahlen sprechen für sich und offensichtlich kommen Scheinwelten ja auch gut an.

Oft bekomme ich die Rückmeldung, ich sei sehr authentisch. Ob das wirklich so ist, kann ja eigentlich nur ich selbt beurteilen, denn ich kenne ja beide Personen am besten. Die private Sarah und die Betreiberin des Blogs SarahPlusDrei. Die Autorin, die die vielen Bilder aus ihrem Alltag macht und die auf vielen Bildern drauf ist. Und ja, ich würde sagen, sehr viel davon ist authentisch. Trotzdem bin ich es nicht persönlich. Es ist ein digitales Abbild von mir. Und diese digitale Abbild von mir, das meinen einige Leute sehr gut zu kennen. Noch viel mehr. Sie haben offensichtlich ein Wunschbild im Kopf. Von mir als Person? Oder doch eher von sich. Jüngst darf ich mir wieder viel anhören. Nein, nicht auf Instagram. Da wird man ja zumeist nur mit Plüschbällen beworfen. Ok, manchmal geht auch einer übel ins Auge, aber das hatten wir ja neulich erst. Richtig zur Sache geht es auf Facebook oder dem Blog. Dort …

  • ist man dann gerne „maßlos von mir enttäuscht“,
  • ist es „wirklich sehr schade, dass du für Geld deine Prinzipien, die du sicherlich auch hast, verkaufst!“,
  • liest man auch nochmal „jetzt bin ich mehr als enttäuscht“,
  • macht man mir Vorschläge: „Vielleicht sollte man, seiner eigenen Ideologie entsprechend, auch mal Angebote ablehnen und nicht jeden Mist empfehlen, nur weil es sich „lohnt“. So bleibt man auch glaubwürdig!“;
  • oder gleich Feststellungen: „diese Blogger-Influencer-Sache ist insgesamt so unglaubwürdig. Schade, dass so viele ihre Familien und sich selbst lächerlich machen.“
  • Andere sind sogar „ein wenig traurig“.
  • Und am Ende kommt dann noch die Keule für alle: „Blogger werben fast nur noch für unbezahlbare Hotels, ungesundes Essen, unnötige Kosmetik-Produkte“.

Man hat mich übrigens nicht dabei erwischt wie ich im Pelzmantel 365 Tage um die Welt geflogen bin (und dabei Tierwelt und Planeten zu Grunde gerichtet habe) – nein, gerade bei letzterem hätte ich wahrscheinlich 1,5 Millionen Instagram Abonnenten. Ok, streiche Pelz und ergänze High Fashion Kleidung. Es ging um kleine bunte Joghurtbecher im Kühlschrank, es ging um Quetschies. Es ging aber auch schon um Wasser in PET-Flaschen und die falsche Babytrage.

Jetzt frage ich mich ja, wünschen sich die Leute, dass ich anders bin, oder besser: Wissen sie, dass ich eigentlich anders bin? Oder wünschen sie es sich vielmehr für sich selbst?

Beginnen wir mal mit mir:

  • Mama von zwei Kindern. Ja.
  • Ich habe diese beiden Kinder ein Jahr lang gestillt, aber in diesem Jahr auch immer teilweise Flaschenmilch aus Milchpulver gegeben. Einfach für meine persönlich Freiheit. Bin ich egoistisch? Mag sein.
  • Ich habe für beide Kinder Gemüsebrei selbstgekocht. Bei dem einen Kind erfolgreich, bei dem andern Kind weniger. Beide Kinder haben aber auch sehr gerne ab ca. 1,5 Jahren das Hipp-Herzchen-Menü gegessen. Das ist eine Herzform aus Plastik. Ja. Die Kinder mochten es gerne und ich hatte nicht immer die Zeit ein Drei-Komponenten-Menü in Bio-Qualität zu kaufen. Mögen andere besser machen.
  • Eine Mama, bei der es auch Süßigkeiten gibt und ja, wohl noch schlimmer: Bei der neben Fruchtzwergen auch Almighurt im Kühlschrank steht. Der hat nebenbei gesagt mehr Zucker als Fruchtzwerge. Aber ja, den gäbe es auch in Gläsern. Kaufe ich aber nicht, auch wenn das scheiße sein mag.
  • Stattdessen kaufe ich auch Fruchtquetschies. Wegwerfprodukte. Ja, gibt es auch zum Wiederbefüllen. Finde ich unhygienisch, ist aber natürlich umweltfreundlicher.
  • Ich kaufe auch bei H&M und Zara. Ich weiß, dass ist keine Baumwolle aus Deutschland und die Sachen werden auch nicht hier produziert. Trotzdem gefallen mir Design und Preis. Letzteres ist aber wissentlich auch kein Garant für bessere Herstellung.
  • Ich kaufe manchmal Dekoartikel auch bei Woolworth, ob das jetzt schlechter ist als tiger oder Housedoctor oder was ich hier sonst noch stehen habe? Ich weiß es nicht.
  • Ich nutze Produkte von L’Oreal genauso wie Weleda und dem Bodyshop.
  • Ja, ich versuche, dass wir wenig Fleisch essen. Die Kinder lieben Wurst, ich kaufe sie Bio. Das leider zu oft beim Discounter. Ich versuche aber mir gerade anzugewöhnen sie auf dem Markt bei einem echten Biohändler zu kaufen, denn ich weiß natürlich, dass das besser ist.
  • Wir fahren einen Golf Kombi – Diesel. Ja, das ist scheiße. Als wir das Auto kauften, haben wir es wegen der vielen langen Strecken getan, die wir jährlich fahren. Vom Kopf her weiß ich, dass ein Diesel, bzw. ein Verbrenner scheiße ist. Trotzdem verkaufe ich ihn nicht.
  • Wir haben als Paar und auch als Familie viele Fernreisen gemacht. Mein klimatischer Fußabdruck ist also für den Arsch und zwar so richtig.
  • Wir nutzen seit 12 Jahren Ökostrom.
  • Ich versuche Jutebeutel zu nutzen. Wenn ich den vergessen haben, kaufe ich eine Papiertüte. Wenn es die nicht gibt, nehme ich wie bei H&M Plastik. Ja, ist nicht doll.
  • Nach meiner Arbeit für eine Entwicklungshilfe Organisation in Südafrika spende ich. Ja, das ist nicht immens viel, aber ich tue es.

Ich verdiene mein Geld mit dem Bloggen

Vielleicht entspricht das nicht der Wunschvorstellung, die viele von mir haben, aber das bin ich. Zudem blogge ich auch. Ich schreibe Geschichten. Die sind offensichtlich nicht ganz so scheiße, wie man nach all den oben genannten Punkten denken könnte. Die lesen nämlich ein paar Leute. 3/4 der Geschichten auf meinem Blog sind dabei unbezahlt. Ich denke 90% meiner Instagrampostings sind unbezahlt. Aber ja, ein paar meiner Inhalte sind bezahlt. Das ist toll, denn dadurch kann ich den Blog weitermachen. Kann bloggen, kann Geschichten schreiben, tolle Fotos machen. Diese Kooperationen sind aber auch ausgewählt und ja, sehr viele Anfragen lehne ich ab. Weil ich nicht hinter dem Produkt stehe und/oder weil ich nicht zu viel Werbung auf dem Blog haben möchte.

Ja, ich verdienen mein Geld mit dem Bloggen – das meiste was ich für den Blog mache, ist aber völlig unbezahlt.

Aber was hat Bloggen mit Arbeit zu tun? Bekommt man da nicht alles nur umsonst?

Der Blog ermöglicht mir mittlerweile viel. Ja, auch Reisekooperationen. Die sind nicht umsonst, für die arbeite ich das ganze Jahr hart. Denn alles wird in Reichweite gemessen und diese fliegt niemanden zu. Für die schreibt er, fotografiert er, bearbeitet Bilder, teilt Inhalte. Moderiert Beiträge, übrigens oft um so Zeiten, wenn andere schon vor Netflix sitzen. Das sind vielleicht die Sachen, die man noch sieht. Was man nicht sieht? Die Stunden, die in der Email-Kommunikation stecken, im Angebote diskutieren und schreiben, die dann doch nicht angenommen werden. In Telefonaten, im Konzepte schreiben. Im Rechnungen erstellen, im Nachhaken nach unbezahlten Rechnungen, in der Buchhaltung, dem Steuerpapierkram und, und, und.
Nein, ich drehe ich hier keinen Tag nur Däumchen. Ich krieg hier nicht einfach nur umsonst.

Ich freue mich unheimlich, dass ich mit dem Bloggen auch Geld verdienen kann. Aber jeder, der mir das neidet, der ist ganz herzlich eingeladen noch heute mit seinem eigenen Blog zu starten. Es ist ein Traumjob – 365 Tage im Jahr.

Alles Konsum, alles teuer

Das kam ja auch schon und kommt auch immer wieder und genau an diesem Punkt frage ich mich wirklich oft, was mit diesen Leuten nicht stimmt und das meine ich ernst. Ja, unsere Welt dreht sich um Konsum. Man kann auch über „unseren“ Umgang mit den Entwicklungsländern leidlich diskutieren, vielleicht nutzt der globalisierte Konsum auch an vielen Stellen der Welt, Armut zu lindern? Am Ende des Tages ist aus meiner Sicht Konsum eben auch sinnvoll (das sagt nicht nur die Betriebswirtin in mir) – was ich nicht verstehen kann, wie Leute ihre eigene Zeit damit verschwenden können, zu sagen: Das ist zu teuer!

Ja, natürlich kann ich mir auch Sachen nicht leisten. Ein Porsche Cayenne mag für manche ein tolles Auto sein (für mich Gott sein dank nicht), aber trotzdem schreibt doch keiner an Porsche, das Auto sei viel zu teuer. Schreibe ich von einem 4- oder 5-Sterne Hotel, schrieben die Leute gerne, es sei zu teuer. Ja, sowas kostest mehr als eine Ferienwohnung, aber die Leistung ist doch auch eine ganz andere. Also warum hier die Zeit verschwenden? Ich versteh das ehrlich gesagt nicht. Ich folge vielen tollen Accounts, die das ganze Jahr durch die Welt fliegen, in tollen Hotels wohnen, traumhaft essen und High Fashion tragen. Ich würde niemals auf den Gedanken komme, denen drunter zu schreiben, das sei alles viel zu teuer. Ich nehme Reiseziele vielleicht als Inspiration und kaufe ähnliche Teile bei oben genannten Läden.

Zurückkommend zum Thema Glaubwürdigkeit, hier bezogen auf Reisen: Wir haben seit jeher das meiste unseres Geldes in Reisen investiert (ja, meist mehrere tausend Euro pro Reise). Da hat eigentlich nie jemand hinterfragt, warum wir dafür soviel Geld ausgeben. Jetzt, wo man uns ein wenig auf der Reise begleiten kann, sind aber die Hotels zu teuer, die Flüge zu teuer und so weiter. Teuer ist für mich etwas, wenn der Preis nicht zur Leistung passt. Mir schreiben ja ernsthaft Leute, dass ein Flug für 4 Personen nach Mexiko mit 500 Euro pro Person zu teuer ist. Wofür ihr euer Geld ausgeben möchtet und ausgeben könnt, ist doch ganz allein eure Entscheidung. Aber nein, ein Kommentar, wie teuer doch alles ist, ist auf meinem Account vergebene Liebesmüh. Da bin ich einfach nicht die richtige Adressatin.

Aber doch so viel umsonst

Entschuldigt, aber das musste einmal raus. Ich muss mir viel zu bezahltem Konsum anhören. Ich möchte das gerne mal zurückgeben. Denn ehrlich, meine Inhalte konsumieren meine Leser ja auch gerne „umsonst“.

75%-90% Prozent stelle hier auch völlig umsonst her, soll heißen: Dafür bezahlt mich niemand. Dieser Teil wird aber auch nicht kommentiert, wie toll man es findet, dass ich diese hier kostenfrei zur Verfügung stelle.
Für Zeitschriften und Magazine zahlt man ja sogar Geld und schreibt dann auch keine Leserbriefe an den Verlag, dass sich auch noch Anzeigen drin befinden. Hier zahlt man nichts, hat aber vor allem eine Meinung:

Ich darf auf keinen Fall etwas Bezahltes machen!

Jetzt mal ehrlich: Das kann doch niemands Ernst sein.

Für was stehst du eigentlich?

Ich bin, wie ich bin. Kein Weltverbesserer. Ich versuche irgendwie viel richtig zu machen. Alles klappt bestimmt nicht. Wer also gerne einen Non-Profit Blog eines Weltverbesserers liest, der ist hier bestimmt falsch. Ich bin, wie ich bin. Übrigens glaube ich, wie die meisten da draußen, wenn sie sich selbst einmal hinterfragen.

Jeder ist eingeladen es besser oder anders zu machen. Im eigenen, ganz persönlichen Leben und wenn er möchte, auch mit einem Blog. Den kann man heute starten.

Ich würde mir wünschen, dass dieses „den Mund aufmachen“ mal für wirklich wichtige Dinge genutzt würde. An Schrauben gedreht wird, die etwas bewegen können.

Ich habe viele tolle Leser, auf Augenhöhe, und das sind Gott sei Dank die meisten. Ich freue mich über Austausch, gerne auch kritisch, aber nicht unter der Gürtellinie. Wer sich hier wiederfindet, der ist herzlich willkommen. Allen anderen wünsche ich, dass sie ihren Gerechtigkeitssinn für wichtigere Dinge einsetzen. Es gibt da ganz tolle Sachen.

Ans Herz legen möchte ich euch einen Artikel, den mir gestern eine Leserin weitergeleitet hat. Von Ute, die auf bravebird schreibt. Meiner Meinung nach ist sie wirklich ein Weltbesserer, darauf will ich aber gar nicht hinaus. Jedem, der sich in den obigen Punkten wiederfindet, möchte ich gerne diese Absätze aus ihrem Artikel Tue etwas Gutes und werde… kritisiert! ans Herz legen, deren Anfänge ich hier einmal zitiere:

1. Deine Kritik ist DEIN Thema – nicht das Thema des anderen
Du liest oder siehst etwas, das nicht deinen Vorstellungen entspricht und reagierst darauf. Im Grunde teilst du dem anderen also mit, wie deine Erwartungen an ein Vorbild aussehen und wie es aus deiner Sicht besser gemacht werden sollte. In erster Linie hast du bei einem anderen nur etwas beobachtet, das dich persönlich stört… Weiterlesen

2. Du handelst nicht effizient
Grundsätzlich ist es super, wenn Menschen kritisch sind und nicht einfach alles hinnehmen, was ihnen aufgetischt wird. Nur stellt einem der Verstand hierbei gern böse Fallen, die einen nicht nur unnötig Zeit kosten, sondern auch oft an der falschen Stelle landen… Weiterlesen

3. Du verlierst eine Menge Karma-Punkte!
Wenn du jemand anderen kritisierst, befindest du dich im Mangel. Dem Verstand geht es in der Regel darum, das Gewissen zu beruhigen, das Gerechtigkeitsempfinden in Einklang zu bringen oder den anderen herabzusetzen, damit sich der eigene Neid ebenfalls reduzieren kann… Weiterlesen

4. Werde selbst ein Vorbild, wenn andere es scheinbar nicht schaffen!
Über andere meckern und herziehen ist bekanntlich leicht. Die bierbäuchigen Fußballfans wissen immer besser als die Profis, wie Fußball wirklich funktioniert. Gleiches gilt für die Politik und andere Bereiche. Mosern und Jammern ist nicht nur ebenfalls eine negative Eigenschaft, sondern es bringt auch einfach nichts. Was spräche also dagegen die Ärmel hochzukrempeln, das Thema selbst anzupacken und genau das Vorbild zu werden, das man sich von anderen immer gewünscht hat?… Weiterlesen