Das erste Jahr zu viert – Glück und Anstrengungen kennen keine Grenzen…

Ich kann mein Glück kaum beschreiben, als ich meinen Sohn in den Armen hielt. Es war unglaublich! Überhaupt, mein zweites Kind hat mich in meiner Mutterrolle so stark gemacht. Viele Zweifel, die ich bei meinem ersten Kind gehegt habe, viele Unsicherheiten waren auf einmal weg. Mein zweites Kind, das hat mich ankommen lassen in meiner Mutterrolle. Ich habe mich nie verunsichern lassen, habe andere gar nicht an mich rankommen lassen. Im ersten Jahr, da genügten uns weitläufig nur wir beide. Habe ich bei meiner Tochter andere Mütter gebraucht, den Austausch mit ihnen, gemeinsame Kurse, Treffen, habe ich das Jahr mit meinem Sohn allein genossen. Wir haben uns genügt, haben uns aufgesogen, nur wir zwei. Wir haben einen Kurs besucht, für Zweitmütter. Da war keine Mama dabei, die sich noch dreimal pro Woche auf Kaffee treffen wollte. Das war genau richtig – für uns.

Das zu den Zeiten zu zweit. Aber mein Sohn hat auch etwas ganz anderes in die Familie gebracht. Aus der sehr gut funktionieren Dreierkombination wurden auf einmal vier. Ein Elternteil zwei Kinder oder jeder eins. Kaum eine Pause, immer präsent sein, Fragen beantworten, Bedürfnisse erfüllen. Unsere Tochter war mit ihren 2,5 Jahren noch sehr klein, als sie von einem auf den anderen Tag große Schwester wurde. Sie hat das immer gut gemacht, nicht ein Mal ein Wort des Klagens über ihren Bruder, nicht ein Mal ein wegwünschen. Aber doch das sichere Gefühl nun nicht mehr die Kleinste zu sein. Die, auf die zwei Eltern schauen.

Das alles in einer Phase, wo meine Tochter wie gesagt noch sehr klein war. Das wird mir heute, ein Jahr später, mehr als bewusst. Mit ihren 2,5 Jahren konnte sich die Kleine natürlich weder selbstständig komplett anziehen, noch hat sie verstanden, dass sie den Buggy von einem auf den anderen Tag räumen sollte, noch war ihre aktuelle Trockenwerd-Phase, in der sie sich befand, der Entspannung unbedingt zuträglich.

Als wäre es gestern erinnere ich mich an viele Momente, in denen ich das eine Kind am Busen über den Flur gehetzt bin, um mit ihm an mir auf dem 1×1 qm großen Altbauklo versucht habe, Lütti zu helfen die Hose runterzuziehen. Erinnere mich an Momente, als ich den Kleinen vorn in der Trage und Lütti Huckepack aus der Schanze nach Hause getragen habe, weil sie nicht mehr konnte. Erinnere mich an Momente im Sommer 2015, als wir alle drei hier heulend auf dem Sofa saßen. Nach einem Heimweg durch die Stadt bei 30 Grad, bei dem das Baby weinte, weil es Hunger hatte, auf dem meine Tochter weinte, weil sie müde war und nicht mehr laufen konnte, und auf dem ich mich fragte, wie ich die beiden denn jetzt nach Hause kriegen sollte. Ich erinnere mich an einen Fahrt in die Heimat und an Freunde, die halfen, und einige der Familie, die in diesem Sommer nicht die so erhoffte Stütze gegeben haben. Ich erinnere mich an Überleben, das irgendwie Hinkriegen. Meist zu dritt, mit zwei kleinen Kindern, die das Recht haben 24 Stunden Bedürfnisse zu haben, und an mich als Mama, die irgendwie versuchte den Kopf über Wasser zu halten. Stark zu sein.

Das waren einige Momente zu dritt – die meisten waren schön, aber es gab eben auch diese. Und zu viert? Dieses Jahr war soooo anstrengend – für beide Eltern. Wir waren oft nur noch ein Schatten unserer selbst. Beide unserer Kinder haben schlecht geschlafen, unser Sohn schläft bis heute in unserer Mitte und an so machen Morgen habe ich meinen Mann bewundert, wie er nach wenigen, unterbrochenen Stunden Schlaf, morgens noch die Küche aufgeräumt hat, bevor er ins Büro gegangen ist. Wir kennen uns beide schon ewig. Ich empfinde das für mich als großen Vorteil. So haben wir viele Worte schon gesprochen, denn im letzten Jahr, da sind nicht viele Worte zwischen uns übriggeblieben. Waren wir abends oft viel zu müde um noch miteinander zu sprechen. Haben wir vielmehr organisiert und funktioniert als interagiert und kommuniziert. Ja, das Jahr war hart, auch für unsere Zweierbeziehung.

Und unterm Strich: Blicke ich heute ziemlich stolz auf unseren Sohn, unsere Tochter und auf uns Eltern. Wir haben zwei unheimlich tolle Kinder. Die jeder für sich ein unheimlich großes Geschenk sind, aber die sich gegenseitig das viel größere sind. Es ist unheimlich schön zwei Kinder zu haben. Und es ist noch schöner einen Partner zu haben, mit dem man das alles gemeistert hat. Ich würde mich immer wieder für mein zweites Kind entscheiden und für meine Kinder auch immer wieder für diesen relativ geringen Altersabstand.

Ich bin ziemlich stolz: auf mein Kinder, auf meinen Mann und auf MICH!

13 Gedanken zu “Das erste Jahr zu viert – Glück und Anstrengungen kennen keine Grenzen…”

  1. So wahr.
    So schön.
    So berechtigt.
    DANKE, liebe Sarah für diesen tollen Text!
    Welch eine Liebeserklärung an deine Familie!

  2. Mein erstes Jahr mit zweitem Baby konnte ich sehr entspannt genießen, trotz nur 21 Monaten Altersabstand. Genau wie du am Anfang schriebst, ohne die Zweifel beim ersten Kind. Dann kam gestern vor einem Jahr unser Kleinster, 2 Jahre nach der zweiten, und dieses erste Jahr hat mich sehr viel, fast alle meine Kraft gekostet. Dieses zwischen den Kindern zerrissen sein und in der Unterzahl, das schlechte Schlafen des Babys, das lange stillen.
    . Aber langsam erholen wir uns alle wieder, und das Glück das unser kleiner Mann in unser Leben gebracht hat ist eh nicht aufzuwiegen.

  3. Ganz genauso ist es hier auch und ich bin rückblickend auch sehr stolz auf uns! Danke für den schönen Text – du sprichst mir aus dem Herzen! Liebste Grüße, Kerstin

  4. Mein zweites Kind war so entspannt, dass es viel viel leichter war mit zwei Kindern als ich es je erträumt hätte. Vor allem nach den ganzen Horrorstorys die einem andere erzählen. Meine Tochter war grade 2 als mein Sohn geboren wurde. Bis heute ist es eigentlich nie so, dass ich ans „ende meiner Kräfte“ gehen musste. Außer vielleicht im Moment ;) ich erwarte das dritte und leide unter extremer Übelkeit mit Erbrechen. Das schränkt einen schon sehr ein…

  5. Toll in Worte gefasst, wirklich! Mein „Großer“ war zarte 16 Monate alt, als unsere Prinzessin geboren wurde. Er war gerade erst abgestillt, da hing schon wieder ein kleines Säugetier an mir. Das erste Jahr war gar nicht so schlimm – die Kleine schlief recht gut (der Große nicht…) und das Stillen lief glatt. Aber mit 11 Monaten begann Prinzessin zu laufen. Dann wurde alles anders. Mittlerweile ist der Thronfolger gerade drei geworden, Prinzessin wird im Frühjahr zwei – und im März kommt Nr. 3 auf die Welt. Wir müssen komplett verrückt sein!

  6. Ich habe geweint beim Lesen Deines Textes. So ist es! Oft meine Worte: „Es ist die Kombination aus grenzenloser Erschöpfung und grenzenloser Liebe.“ Unsere beiden Jungs sind knapp 20 Monate auseinander. Es ist wunderschön, sie sind zauberhaft, lieben sich gegenseitig, wir lieben sie und unser Leben als Familie. Zugleich schläft der Kleine immer schon schlecht, beide haben einen starken Willen und der Große geht seit ein paar Wochen in den Kindergarten und bringt jeden zweiten Tag eine neue Erkältung für uns alle mit. Manchmal frage ich mich schon morgens, wie ich den Tag schaffen soll. Abends, wenn beide schlafen, ruft der Haushalt. Und doch: Ich schaue meine Jungs an und denke nur eins „Ihr seid jede Anstrengung wert.“ Und nach guten Nächten sogar: „Och, ein drittes wäre auch schön.“ ;-)

  7. Wow! Super ehrlich und einfach die Wahrheit. Es geht mir genauso! Bzw uns! Und ich finde es so wahnsinnig toll, dass sich mittlerweile viele Frauen „trauen“ auszusprechen, dass eben nicht alles immer nur rosarot,stressfrei, unkompliziert ist. Denn alle die Mama sind kennen diese Situationen! Danke❤

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