Wohl eine der häufigsten Fragen, die mich die letzten Wochen erreicht hat: Wie sieht es mit den Impfungen auf Fernreisen bei Kindern aus? Und ehrlich: Es gibt auf diese Frage nicht nur die eine richtige Antwort, denn die Impfentscheidung für Fernreisen ist genauso individuell wie die Impfentscheidung Zuhause. Viele Eltern lassen sich jedoch durch mögliche, empfohlene oder notwendige Impfungen von Fernreisen abschrecken. Das finde ich auch nicht verwunderlich. Schließlich will man seine Kinder nicht einer Gefahr aussetzen und alles, was Eltern tun, ist doch immer auch wohl überlegt. Aber ich bin auch der Meinung, dass man sich genau mit dem Thema auseinandersetzen sollte, bevor man für sich eine Entscheidung trifft, die man dann auch verantworten kann. Wie diese ausfällt, kann für jeden unterschiedlich sein.

Über die Impfung hinaus besteht auf Fernreisen auch immer wieder die Frage nach Malaria und Dengue. Die Quellen auf Google sind vielschichtig, oft sind es Blogs, die Antworten geben und auch, wenn ich selbst einen solchen betreibe: Für eure Entscheidung solltet ihr verschiedene Quellen zu Rate ziehen. Als allererstes steht bei den meisten die Empfehlung der Tropeninstitute. Hier kann man ganz einfach sein Reiseziel eingeben und erhält eine Übersicht.

Offizielle Impfempfehlung Indonesien (Bali), Thailand, Malaysia – was impfe ich Kindern?

Vom Tropeninstitut sieht die allgemeine Impfempfehlung für diese Länder aktuell (Mai 2018) so aus.

Indonesien:

  • Tetanus
  • Diphtherie
  • Poliomyelitis
  • Hepatitis A
  • Tollwut
  • Typhus
  • Masern für alle Kinder

Thailand:

  • Tetanus
  • Diphtherie
  • Hepatitis A
  • Tollwut

Malaysia:

  • Tetanus
  • Diphtherie
  • Hepatitis A

Neben gängigen Impfungen nach der deutschen Impfempfehlung (Tetanus, Diphtherie, Masern) geht es als vor allem um Hepatitis A, Tollwut und Typhus. Eine Impfentscheidung sollte meiner Meinung nach immer nach Risiko und Nutzen getroffen werden. Im Falle der Reiseimpfungen beziehe ich das Risiko auf die Auswirkungen der Impfung im Körper des Kindes. Anders als zum Beispiel bei Sozialimpfungen, die dazu dienen, dass Krankheiten in der Gesellschaft nicht wieder ausbrechen und schwächere Mitglieder der Gesellschaft (i.e. alte Menschen und Babys) vor Krankheiten schützen.

Da eine Hepatitis A Infektion bei Kindern meist harmlos verläuft und in den meisten Fällen nicht einmal festgestellt wird (Verglichen mit anderen Hepatitiden ist diese Erkrankung aber relativ milde. Besonders bei Kindern verläuft sie in der Regel harmlos, oft ganz asymptomatisch. Sie wird niemals chronisch und führt deshalb auch nicht zu einer dauerhaften Schädigung der Leber.), haben wir uns hier gegen die Impfung entschieden.

Typhus und Tollwut sind Krankheiten, über deren Impfung nach Art der Reise entschieden werden sollte. Die Typhus-Ansteckung erfolgt überwiegend durch kontaminiertes Trinkwasser oder Nahrungsmittel. Tollwut wird über Tiere übertragen. Wer also in Touristenzentren reist und Hotels mit einem guten Standard auswählt, ist weniger gefährdet.

Nach Absprache mit unserem Kinderarzt haben wir uns gegen beide Impfungen entschieden. Das ist natürlich keine Garantie und soll hier auch keine Empfehlung sein. Wie oben beschrieben: Impfentscheidungen sind individuell und man muss sich mit seiner Entscheidung wohl fühlen. Es bringt gar nichts, nicht zu impfen und sich dann bei jedem Hund auf der Straße und jedem Getränk, das die Kinder zu sich nehmen, innerlich zu winden, Angst zu haben, weil man nicht geimpft hat. Wer sich für die Impfung entscheidet, tut für sich genau das Richtige. Wir achten penibel darauf, dass Tiere nur angefasst werden dürfen, nachdem man sich vom Besitzer das OK geben hat, dass man es darf. Eigentlich genauso wie Zuhause. Denn das darf man auch nicht vergessen: Die Menschen hier haben Kinder wie wir. Nein, sie sind sogar sehr viel kinderfreundlicher und deshalb vertraue ich ein Stück weit darauf, dass infizierte Tiere nicht im direkten Umfeld oder besser gesagt im Besitz von Menschen sind. Umherstreunende Tiere sind für uns wie für unser Kinder tabu.

Malaria in Indonesien (Bali), Thailand und Malaysia

Malaria ist auf den Touristenpfaden dieser Länder eigentlich kein Thema. Gegen Malaria kann man übrigens nicht impfen, sondern muss ein Prophylaxe einnehmen. Es wird über Mücken übertragen. Nach Tropeninstitut gelten in Malaysia Städte und Küsten als malariafrei. In Thailand sind zentrale Gebiete in der Nordhälfte des Landes, Bangkok, Chanthaburi, Chiang Mai, Chiang Rai, Pattaya, Phuket und Ko Samui malariafrei. Auf den Inseln im Süden besteht ein geringes Risiko. Auch Bali ist aktuell malariafrei. Erst ab Lombok gen Osten besteht wieder ein Malaria Risiko. Wir haben aus diesem Grund gegen einen Besuch auf Lombok entschieden. Dies ist aber wiederum individuell, denn Mücken, die Krankheiten übertragen, gibt es auch in den Bereichen in denen wir unterwegs sind.

Dengue-Fieber in Indonesien (Bali), Thailand und Malaysia

Wer mich nach den bisherigen Zeilen als eher sorglos einschätzt (was ich weiß Gott nicht bin), der trifft hier meinen wunden Punkt: Dengue-Fieber. Dengue gibt es in Indonesien, Thailand und Malaysia. Vor allem in Städten ist es verbreitet. Genau wie bei Malaria kann man gegen Dengue nicht impfen und es wird auch über Mücken übertragen. Hört man von Malariainfektionen wenig, hatten wir bei Dengue schon zwei Fälle im Bekanntenkreis. Mit Blick auf die Dengue Map müsste man aber wahrscheinlich grundsätzlich von Fernreisen abraten. Dengue ist nämlich auf der Südhalbkugel mittlerweile fast überall verbreitet. Wenn man sich also für so eine Reise entscheidet, ist der einzige Weg, sich und im besonderen natürlich die Kinder vor einer Infektion so gut es geht zu schützen. Das heißt für uns jede Menge Mückenspray und lange, luftige Kleidung. Mücken stechen meist ab der Dämmerung, also hier besondere Vorsicht walten lassen. Am besten einen Satz lange Kleidung immer dabei haben. Ja, das vergisst man auch mal und ja, wir und die Kinder kriegen trotz aller Vorsicht auch mal einen Stich ab.

Will ich Kinder Fernreisen trotz Impfungen und möglichen Krankheiten zumuten?

Für uns steht unter diesem Satz ein klares JA. Denn uns unserer Sicht sind die Erfahrungen und Erlebnisse auf diesen Reisen ungeheuer wertvoll – für die Kinder und für uns! Aber diese Frage müssen sich alle Eltern selbst beantworten. Eltern sollen informierte Entscheidungen treffen. Wie alle Eltern hoffen wir, dass unsere Entscheidung richtig ist. Aber ehrlich: Hoffen wir Eltern das nicht eigentlich bei allen Entscheidungen, die wir für unsere Kinder treffen? Ja, es sind manchmal auch Fehlentscheidungen dabei. Damit müssen wir Eltern dann auch leben können. Bisher waren unser Entscheidungen bezogen auf Fernreisen richtig. Anders als bei Urlauben in Dänemark oder Österreich, wo wir schon die schlimmsten Magen-Darm-Grippen hatten, waren unsere Kinder bei Fernreisen bisher nie krank.

Also: Informiert euch und entscheidet dann individuell!