Ein Wintertag – von Eisbildern und Entschleunigung im Familienalltag

Es ist eiskalt. Die Welt scheint irgendwie fast einen Moment still zu stehen. Das ist eigentlich genau das, was ich so sehr mag am Winter. Ist die Welt in Schnee gehüllt, wird alles ein bisschen leiser. Ruhiger. Gerade sind wir auch dem Schnee zurück gekommen und ich gebe zu, im ersten Moment war da das Bedauern. Um den Schnee, um den Urlaub, um die Freizeit. Aber geht es nicht eben darum den Alltag zu gestalten? Freie Zeit einzubauen? Nach draußen zu schauen und sich über das zu freuen, was man sieht?

Es ist eiskalt draußen. Die Sonne scheint. Auf den Felder glitzert der Raureif. Ich habe mich gestern nicht ins Auto geschwungen um die Kinder abzuholen. Ja, es ist eiskalt draußen, so schön kalt. Ich habe mich warm angezogen und bin zum Kindergarten gelaufen. Nicht direkt, sondern mit dem Umweg über das Feld. Habe die Pferde beobachtet, in die Sonne geschaut. Der Rücken, der vom am Schreibtisch sitzen schon wieder ganz krumm war, hat sich entspannt.

Der Weg vom Kindergarten zurück hat lange gedauert. So richtig schön lange. Warum? Weil wir uns einfach nichts vorgenommen haben außer rumzustreunern. Ja, unsere Kinder haben bewusst nicht viele Nachmittagstermine. Nein, wir hetzen nicht von Hobby zu Hobby. Warum? Sie sind 3 und 6 Jahre alt. Sie sind noch im Kindergarten. Das finde ich, ist schon Programm genug. Den halben Tag spielen sie mit vielen Kindern, streiten sich, kommunizieren. Müssen sich auch mal anpassen, sich an Regeln halten. Von dort aus direkt wieder los hetzen? Tut uns allen nicht gut. Ich bin ehrlich, es führt sogar oft zu schlechter Laune. Ich versuche also die Nachmittage so frei wie möglich zu halten. Zum Spielen, zum Ausruhen, zum Lesen, zum einfach Rumlachsen. Schule, Hobbies, feste Termine. Das kommt alles noch früh genug. Das Kind sein ist Gott sei Dank noch lang. Das frei Kind sein hört leider irgendwann auf.

Was wir also gestern gemacht haben? Wir haben auf dem Weg nach Hause Schätze gesucht. Schätze suchen unsere Kinder ohnehin total gerne. Wenn ihr mal in das Bastelzimmer meiner Tochter schauen würdet, auf die Stein- und Schneckenhäusersammlung, würde man vielleicht auch Messie-Tendenzen erkennen. Hat sie glaube ich von mir :-) Ich sammele auch gerne alles aus der Natur. Ich glaube, CJ konnte schon mit 1,5 das Wort Deko sagen :-) Ich sammle nämlich alles für Deko.

Gestern haben wir Schätze für Eisbilder gesammelt. Und wir haben Eisstücke eingesammelt, sind auf Eis gerutscht, haben Eis durchgebrochen und ja, auch mal ein bisschen was von dem Dreck-Eis probiert. Gehört dazu. Wir waren bis zur Dämmerung draußen, hatten unheimlich viel Spaß und sind eigentlich nur vom Kindergarten nach Hause gelaufen.

Daheim gab es dann warmen Kakao, Mama hat ihre neue Deko in die Vase gestellt und die Kinder haben Eisbilder gemacht. Den technischen Punkt mit den Bändern hat der Papa gemacht ;-) Im Anschluss wurde gewuselt, gespielt, Auflauf gemacht und ganz, ganz lange vorgelesen. Ein sooo perfekter Tag!

Und heute morgen? Fing es wieder an chaotisch zu werden. Wir wollten die Eisbilder noch anschauen, Stefan wollte schon los und hat zur Eile angetrieben. Ja, leider geht es manchmal vielleicht nicht ohne Eile. Ich bin aber der Meinung, dass das gehetzte Kommunizieren es nur noch schlimmer macht. „In einer Viertelstunde müssen wir los!“ versteht kein Kind. Kein Kind schaut auf die Armbanduhr. Gott sei Dank noch nicht. Dieses ’nicht auf die Uhr schauen müssen‘, das sollten sich unsere Kinder doch so lange wie möglich beibehalten dürfen. Ich glaube es ist an uns, nicht zu viele Termine wahrnehmen zu wollen, mehr Zeit einzuplanen. Fürs nichts tun, fürs spontan Abenteuer erleben. Denn das ist doch das Schöne an Kindheit.

Wenn ihr Lust habt auf Eisbilder, dann geht das ganz einfach:

  • Schöne Dinge draußen sammeln
  • Tupper Gefässe oder Kinderschalen nehmen
  • Wasser wenn möglich abkochen – dann wird es noch klarer – haben wir aber nicht gemacht
  • Schalen ca. 1 cm tief befüllen
  • Schätze reinlegen
  • Paketband oben rein, im besten Fall mit Klemmen festmachen, dann halten sie auch
  • über Nacht nach draußen stellen

FERTIG!


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4 Gedanken zu “Ein Wintertag – von Eisbildern und Entschleunigung im Familienalltag”

  1. Soooo schöne Eisbilder ich mache immer Eislichter.
    Entschleunigen im Alltag ist genau mein Ding aber mein Sohn fragt im Kiga schon wohin wir heute fahren

    • Das kenne ich; mein großer 6J. fragt jeden Tag „was haben wir heute vor“ und meist ist meine Antwort, wenn er kein schwimmen hat oder nicht mit einem Freund verabredet ist „gar nichts Schatz, wir können ja mal schauen worauf wir Lust haben“.
      Verstehe gar nicht woher das mit der Frage kommt

  2. Super schön die Idee mit den Eisbildern – auch perfekt um dann zu sehen, was passiert, wenn es wärmer wird ;) Und dein Entschleunigungstext spricht mir ebenso aus der Seele. Ich habe nun zwei Schulkinder – nun 1.&2. Klasse und selbst halte ich es noch sehr zurück mit Terminen. Jeder ein Hobby – das reicht, denn auch junge Schulkinder brauchen noch viel Zeit zum Spielen, die sie nun in der Schule nicht mehr haben und somit der Nachmittag dafür bereitsteht. Im Idealfall ohne Hausaufgaben! Und sie brauchen noch Zeit das Erlebte am Vormittag zu verarbeiten, wenn dann direkt (jeden Tag) Termine rufen, dann hätten wir jeden Abend Terror kurz vor dem Schlafengehen und das will hier auch keiner :)

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