Ein erstes kleines Fazit von unserer knapp zweimonatigen Reise. Einfach um die Gedanken zu ordnen. Die Gefühle, die auf uns oder besser mich einströmen, seitdem wir wieder da sind. Was hat die Reise mit uns gemacht? So, so viel. So viel, dass es zu jedem Reiseziel auf jeden Fall noch so ein, zwei Berichte geben wird. Was erst einmal bleibt ist ein großes WOW!

Aber fangen wir von vorne an. Denn ganz vorne stand eins: Respekt. Und zwar vor allem Respekt davor, die Zeit ununterbrochen zusammen zu verbringen. Ohne Kita, ohne Babysitter, ohne Oma und Opa. Aber genau eben das war auch mit der größte Grund, diese Reise überhaupt zu machen. Im Alltag mit zwei berufstätigen Eltern (und wir sind beide gerne berufstätig) kommt die Zeit als Familie und auch als ein Elternteil mit den Kindern für uns oft zu kurz. Auch wenn wir uns durch unsere Selbstständigkeit schon viele Freiräume schaffen können, bleibt machmal doch das Gefühl: Moment, bitte mal eben die Pause-Taste drücken und die Zeit mit den Kindern mehr genießen können. Aber ich weiß nicht, wie es euch geht, uns fällt das im Alltag oft schwer. Haushalt, Einkaufe, soziale Kontakte pflegen, lästiges um Versicherungen kümmern, Rechnungen bezahlen – fällt halt eben auch in die Zeit, die man außerhalb von Arbeit und Kita verbringt. Und schwuppdiwupp hat man irgendwie doch keine richtige Zeit miteinander verbracht.

Versteht mich jetzt nicht falsch. Ich war noch nie die Bastelmama, die sich ganze Nachmittage mit den lieben Kleinen hingesetzt hat. Ich bin eher die Mama, die in den Wald fährt, zum Reiten geht oder auf dem Sofa was vorliest (letzteres eher im Winter). Aber irgendwie bin ich auch oft getrieben – von den Dingen, die ich meine auch alle noch tun zu müssen. „Ja, gleich“, „Ja, wenn ich das und das gemacht habe“ ist wohl eine der häufigsten Antworten, die meine Kinder erhalten haben.

Nun sind wir also losgefahren und neben viel zu vielen Klamotten (dazu mehr ein anderes Mal…) haben wir viel zu viele Gedanken mitgenommen. Gedanken darüber, was wir alles mit unseren Kindern machen können. Dass ihnen der Input aus der Kita fehlt. Dass wir Schreib-, Rechen- und Malheft mitgenommen haben. Malbücher, weiß ich jetzt, kriegt man an jeder Ecke. Buchstaben kann man in den Sand oder mit Poolwasser auf die Steine malen. Farben kann man erraten an all den Früchten, an der Farbe des Himmels oder an den Bäumen. Zählen kann man Tiere – oder Unterwassersaltos. Ja, man braucht ehrlich gesagt kaum etwas. Und meine Kinder brauchen kein gezwungenes „Jetzt mache ich etwas mit dir“.

Unsere Kinder haben noch nie besser miteinander gespielt als in den zwei Monaten unserer Reise. Sie haben sich Spiele ausgedacht, hatten ihre Geheimnisse, ihre Geschichten. Ja, und sie hatten kaum Streit. Warum? Ich glaube, dass es unter anderem daran lag, dass wir kaum Spielzeug dabei hatten, um das sie sich hätten streiten können. Auf den Fahrten, ja, da haben wir die Tiptoi-Bücher usw. gebraucht. Ansonsten? Taschenlampe und Lupe waren im Einsatz. Aber eigentlich waren da vor allem Pferde, Katzen und sonstige Tiere und Gestalten in ihrer Fantasiewelt. Ja, ich habe meine Kinder noch nie soooo fantasievoll spielen sehen.

Und sie sind über sich hinaus gewachsen. Ist unser Sohn vor der Reise nur unter Gezeter unter die Dusche gegangen, taucht er jetzt. Wie seine große Schwester schnorchelt er im großen Ozean. Lütti kann plötzlich schwimmen mit ihren fünf Jahren. Und sie beide haben uns immer wieder damit überrascht, wie sie sich ohne wirklich englisch sprechen zu können mit den Locals verstanden haben.

Auf Inseln wie Gili Air, wo es keine motorisierten Fahrzeuge, nur Kutschen und Fahrräder gibt, haben wir unsere Tochter auch einfach laufen lassen. Für mich hier Zuhause kaum vorstellbar. Dort irgendwie kein Problem. Teilweise war sie wirklich lang bei den Locals und als wir abgefahren sind, kamen aus allen Ecken Menschen, die Lütti Tschüss sagen wollten. Das hat mich beeindruckt, sehr.

Auch unser Sohn, der mit seinen blonden, wilden, langen Locken oft Ausrufe wie „like an angel!“ hervorgerufen hat. Aber der Hype um seine Person hat ihn nicht etwa verängstigt, nein. CJ ist wie die Queen in der Kutsche oder im Kinderwagen gefahren und hat immer schon gewinkt und gelächelt. Wurde er angesprochen, hat er immer total süß „my name is…“ gesagt und high fives gegeben. Ihr glaubt nicht, wieviel Menschen er happy gemacht hat. Uns Eltern natürlich am meisten.

Ja, die Zeit mit der Familie hat mich glücklich gemacht. Und mich entspannt. Entschleunigt ist ja mittlerweile so DER Begriff, aber irgendwie passt er. Ich habe es genossen, abends einfach mal zu kochen, die Kinder spielen zusammen vor sich hin und ich bin endlich mal nur im Jetzt und Hier.

Und genau dieses Jetzt und Hier – das ist es. Der bewusstere Umgang mit unserem Leben, den ich mitnehmen möchte von dieser Reise. Dieses Bewusstmachen von schönen Dinge und die intensivere Auseinandersetzung mit unserem Leben. Wir haben auf dieser Reise so viel erlebt. Mit am beeindruckendsten war wohl, das gemeinsame Tauchen mit unseren Kindern und riesigen Meeresschildkröten. Ja, die Welt ist so bewundernswert. Das lohnt es sich bewusst zu machen. Und ja, unsere Klimabilanz ist mit den Flügen scheiße, und ja, darauf möchte ich trotzdem nicht verzichten. Aber auf was kann ich verzichten? Für unsere Familie ist das erstmal Fleisch. Und mit Verzicht meine ich nicht, dass ich nicht alle Jubeljahre mal ein richtig tolles Steak essen möchte. Aber das möchte ich bewusst machen – raus aus der vermeintlichen Bio-Discounter-Aufschnitt-Falle. Apropos Discounter – ich glaube, nie ist mir mehr aufgefallen, wieviel Müll wir eigentlich produzieren. Wir haben kein Müllproblem? Na, wir sehen es nur nicht. Wir wollen versuchen, Produkte wie Gemüse und Käse auf dem Markt zu kaufen – ohne Plastik.

Das sind so die Dinge, die wir uns schon im Urlaub vorgenommen haben. Aber was ist, seitdem wir wieder daheim sind? Es ist oft Streit, es wird viel gemotzt mit den Kindern. Freiheiten von der Reise fallen hier auf einmal wieder weg und die Angst, dass etwas passieren kann, wenn ich nicht 24/7 bei den Kindern bin, ist da. Es wird gestritten – meist über Spielzeug. Spielzeug liegt überall rum – und dann wird mit uns gestritten. Über das Aufräumen, über Ungerechtigkeiten, übers Fernsehschauen. Dinge, die ich von der Reise nicht kenne.

Also alles verkaufen, in den Sack hauen und auf große, unbestimmt lange Reise gehen? Unsere persönliche Antwort: Nein. Unsere Kinder wie auch wir, freuen uns ein Zuhause zu haben. Menschen, die uns begleiten, unseren Alltag bereichern. Die uns wichtig sind, die uns am Herzen liegen. Mit denen wir gerne unser Leben teilen. Im besonderen für unsere Kinder ist es wichtig Wurzeln zu haben. Zu wissen, wo sie hingehören. Freunde zu haben, ein Umfeld, auf das sie sich verlassen können. Tanten, Oma und Opa, Freunde. Sie gehören alle dazu. Für uns, für unsere Familie.

Die Reise hat dazu geführt, dass wir Eltern noch bewusster und intensiver unser Leben mit den Kindern leben wollen. Das viele materielle Dinge nicht wichtig sind, ja uns sogar lähmen. In den kommenden Wochen wollen wir hier ausmisten. Ballast rausschmeißen. Unser Leben leichter machen. Weniger Hab und Gut aufräumen müssen um das wichtigste Gut zu genießen:
Zeit miteinander.

Und ok, davor steht noch Zimmer und Keller ausräumen, viele nervige Ebay-Verkäufe und ein Flohmarkt. Aber: Gehen wir es an. Und dann? Dann kommt irgendwann die nächste große Reise. Denn auch, wenn unser größtes Ziel ist, unseren Alltag so zu gestalten, wie wir leben wollen, gehört das Reisen zu unserem Leben dazu. Das haben wir vier auf jeden Fall wieder festgestellt. Die Welt hält noch eine ganze Menge Wunder parat.