Ein Umzug mit Kindern ist nicht unbedingt das, was man sich so wünscht. Vor allem, wenn es nicht wie bei Leo Lausemaus nur einen Straße weiter geht, sondern gleich in eine andere Stadt. Wenn es auf einmal heißt, den Freunden, Kindergarten und/oder Schule „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Aber für uns stand nach Jahren einfach fest: wir wollen raus aus der Altbauwohnung mitten in der Großstadt. Raus ins Grüne, in ein Haus mit Garten.

Wir Eltern haben uns viele Gedanken gemacht. Gedanken darüber, was wir da mit den Kindern machen. Dass wir entscheiden, dass ihr Zuhause nun auf einmal ein anderes sein soll. Wie bereitet man sowas vor? Wie hilft man seinen Kindern damit gut zurecht zu kommen? Und wie macht man den Kindern den Start so einfach wie möglich?

Eltern googlen natürlich erstmal. Dann wird Amazon angeschmissen, ob man nicht vielleicht irgendwas einfach kaufen kann. Kann man natürlich. Es gibt Bücher und Hörspiele. Unsere drei Lieblinge stelle ich euch gerne am Ende des Posts vor. Aber es sind andere Dinge, die hier viel mehr geholfen haben.

Tipps und Tricks für den Umzug mit Kindern

Vorbereitung: Ich glaube, es war Leo Lausemaus oder doch Conni. Einer von beide hatte auf jeden Fall die grandiose Idee mit den eigenen Umzugskartons. Die haben wir gleich übernommen. So haben die Kinder vor dem Umzug ihre eigenen Kartons bunt mit Acrylfarbe angemalt. Einen roten und einen pinken und in dicken Buchstaben drauf ihre Namen.

Selbst packen: In diese Kartons durften sie all ihr Lieblingsspielzeug einpacken. Das, was als erstes raus soll. Den Kindern war es wichtig, dass diese Kartons nicht im großen Umzugscontainer mitfahren, sondern im Auto.

Abschied nehmen. Das ist wichtig und gehört auch dazu. Im Kindergarten gab es eine große Feier, in deren Planung unsere Kinder voll involviert waren. Es gab nach Wunsch eine große Eisbar mit vielen verschiedenen Streuseln und unsere Kinder haben allen ihr persönliches Wunscheis gemacht. Die Erzieher hatten viele Erinnerungen vorbereitet, die die Kinder mitnehmen konnten. Natürlich auch Fotos von der Kindergartenzeit.

Erinnerungen schaffen. Neben den zwei Kisten vom Kindergarten, haben wir von Freunden ein Hamburg-Buch bekommen und für die Kinder ein Fotoalbum gemacht. In diesem Album sind alle Freunde aus Hamburg, die Erzieher, einfach alle Menschen, die unsere Kinder in Hamburg begleitet haben.

Der Tag des Umzugs. Unsere Kinder haben das neue Haus zum ersten Mal am Tag des Umzugs gesehen. Vor ihnen waren schon die Umzugswichtel da. Vor der Tür standen Kuchen, Blumen, eine Willkommenskarte und kleine Geschenke für die Kinder. Das war Gold wert. (An dieser Stelle nochmal tausend Dank an unsere liebe Freundin, die uns damit überrascht hat!) Die Kinder waren im neuen Haus gleich ein bisschen beschäftigt und auch damit, dass sie hier ja jemand willkommen heißt: die Umzugswichtel.

Ein voller Kühlschrank. Dass dies wichtig für Kinder ist, musste ich mir auch erst sagen lassen. Klar steht in einem neuen Haus oder Wohnung noch nichts. Wenn man sich aber erst einmal ein Butterbrot machen kann und eine Schorle trinken, dann lässt das ungute Gefühl im Bauch schnell nach. Ohne Witz, die Kinder fühlen sich sicherer. Es ist nicht alles im Umbruch.

Was als erstes machen bei einem Umzug? Ganz klar: die Kinderzimmer! Oma und Opa haben unsere beiden abgeholt und dann haben wir erst einmal die Kinderzimmer fertig gemacht. Das war nämlich in der alten Wohnung in Hamburg eine ganz große Sorge. Dass ja dann das Kinderzimmer nicht mehr da ist und all ihre Sachen damit ja nun auch nicht mehr. Bis auf die zwei Kartons der Kinder haben wir also alles ausgepackt und eingeräumt. Danach haben wir uns viel Zeit genommen mit den Kindern die neuen Zimmer zu entdecken und sie durften dort ihre beiden Umzugskartons selbst auspacken und die Sachen einräumen. Einfach um sich mit allem vertraut zu machen.

Und was ist, wenn Kindern dann doch Heimweh kriegen?

Auch wenn uns die Leiterin unserer neuen Kita immer wieder versicherte „Kinder leben im Hier und Jetzt.“ kam das Heimweh doch. Nicht bei unserem Kleinen, der zum Zeitpunkt des Umzugs gerade mal zwei Jahre alt war. Unserer Tochter mit ihren vier Jahren ist der Abschied schon sehr viel schwerer befallen. Sie war es eben auch, die bewusst Freunde zurückgelassen hat und uns am Anfang hier auch fragte, mit wem sie denn spielen sollte. All ihre Freunde wären doch schließlich in Hamburg.

Ja, ich habe in den ersten Wochen schon oft geschluckt. Mir ist der Wegzug nach 12 Jahren Hamburg auch sehr, sehr schwer gefallen. Mir sass richtig der Kloss im Hals. Unserer Tochter auch, die richtig Heimweh empfunden hat. Denn die einzige Heimat, die sie kannte, war ja nun auch Hamburg.
Wichtig ist, glaube ich, dass man Heimweh und Frust über die neue Situation auch zulassen kann. Unsere Tochter hat sich anfangs oft im Wandschrank im Dachgeschoss verzogen. Aber anders als zu denken, sie muss ja da raus, wir müssen über alles reden, muss es auch einen Rückzugsort geben. Einen Ort, wo man all die Gedanken und neuen Eindrücke sammeln kann. Wir haben also kurzer Hand den Wandschrank als geheime Höhle umfunktioniert. Haben die Bretter rausgenommen, so dass oben ein richtiges Geheimversteck entstanden ist. Mit Kissen und Decken drin, mit Taschenlampe und Büchern.
Heimweh darf man auch zulassen. Verluste müssen auch betrauert werden dürfen um Platz für Neues zu schaffen.

Wie halte ich den Kontakt zu alten Freunden meiner Kinder nach dem Umzug?

Das finde ich ehrlich gesagt ein ziemlich schwieriges Thema, denn ja: Kinder leben im Hier und Jetzt. Wir sind, im Nachhinein betrachtet, zu früh wieder in die alte Welt meiner Tochter getaucht. Zwei Monate nach dem Umzug, war zum 5. Geburtstag unserer Tochter ihre beste Freundin da. Ein ganzes Wochenende lang und das war für die Mädels toll. Fast wie früher, als sie oft gegenseitig übernachtet haben.

Am Wochendne drauf sind wir dann gleich zum Geburtstag der Freundin nach Hamburg gefahren. Am Freitag wurde sogar der alte Kindergarten besucht und gleich für ein paar Stunden dageblieben. Am Sonntag, nach dem ganzen Trubel, ging es dann zurück: zum neuen Zuhause. Was dann am Montag passiert ist, hätte ich vielleicht ahnen können, aber hinterher ist man wohl klüger. Denn die kleinen Borken des Umzugs in die neue Stadt waren dick wieder ausgerissen. War es vor dem Umzug noch etwas, was man sich nicht so richtig vorstellen konnte, konnten die Mädels diesmal sogar drüber sprechen. Und klar, es kam auch das Thema auf, warum Lütti denn überhaupt umgezogen wäre und „ihre Freundin im Stich gelassen hat.“

Ja warum denn überhaupt? Diese Frage hat meine Tochter dann natürlich auch mir gestellt. Wir hatten das ja schließlich entschieden, nicht sie. Völlig legitim, denn sie hatte sich ja schließlich nicht für den Umzug entschieden, sondern wir als Eltern haben für sie entschieden. Das kann manchmal kacke sein und ja, es braucht Zeit, bis Wunden geheilt sind. Ich würde also in den ersten Wochen und Monaten bewusst dem neuen Leben den Raum geben und nicht immer wieder an das alte erinnern. Ich habe an mir selbst gemerkt, dass es nicht umbedingt richtig ist, einer sowieso schon Heimweh geplagten Seele immer wieder ihren Stoff zu geben – nämlich die alte Heimat.

Wenn das neue Zuhause wirklich das Zuhause geworden ist, dann ist auch wieder Platz. Platz für die besten Freunde, die nun in einer anderen Stadt wohne. Die wichtig sind. Jetzt sind die Wege weiter, der Alltag nicht mehr gemeinsam. Dafür schafft es auch Platz Zeit bewusster mit einander zu verbringen.

Und wie lange dauert es bis Kinder sich eingewöhnen?

Tja, ich glaube, das ist völlig individuell. Was man wohl sagen, dass es kleinen Kindern leichter fällt. Das liegt in der Natur der Sache, beschränkt sich ihr für sie wichtiges soziales Umfeld meist auf die Familienmitglieder. Unser Sohn mit seinen gerade zwei Jahren kam in die neue Kita eingeritten als wäre er hier schon ewig am Start und im Haus war er sofort mit „meins, meins, meins.“ unterwegs. Unsere Tochter hat mit ihren vier/fünf Jahren da schon länger gebraucht. Insgesamt kann man sagen, dass wir als Familie hier nach neun Monaten gut angekommen sind. Die Kinder finden ihr neues Zuhause, dass sie jetzt auch beide als solches benennen „viel besser als das alte“. Wollen hier nicht mehr weg und sind immer mehr hier angekommen. Ja, dazu gehört auch, dass der Abstand zur alten Heimat größer wird. Aber ehrlich: Wir wollen ja auch, dass unsere Kinder im Hier und Jetzt leben. Und hier und jetzt zu leben, diesen Umzug zu wagen, das war auf jeden Fall das Richtige. Für uns alle, die ganze Familie.

Bücher und Hörspiele zum Thema Umziehen mit Kindern

Unser Hörspielfavorit wie oben abgebildet und ja schon älter und einfach auf dem Flohmarkt gekauft, gibt es aber auch im Netz: Conni zieht um. Einfach eine super Folge (obgleich ich eigentlich bekennender Nicht-Conni Fan bin). Sowas ähnliches gibt es auch von Leo Lausemaus.

Um so einem Umzug mit allem drum und dran zu verstehen, eignet sich am besten ein Sachbuch für ganz Kleine: Wir ziehen um. Für Kleine ab 2 bestimmt auch toll: Luis Lümmelhase zieht um. Unserer Tochter haben wir Luna und der Katzenbär geschenkt. Ein Buch, bei dem ähnlich wie die Umzugswichtel, schon jemand im neuen Haus wohnt: der Katzenbär. Also ich mag es sehr. Schön sind bestimmt auch Butz und Rosi ziehen um, Tim und Pico ziehen um oder Wir ziehen um.

Was ich euch noch sagen wollte

Liebe Eltern, ein Umzug erfordert immer Mut. Es fällt schwer, einen vertrauten Ort zu verlassen. So ein Umzug bringt, viele Veränderungen mit sich. Natürlich müssen auch die Kinder damit erst einmal zurecht kommen. Genaus wie ihr. Die meisten Eltern wollen ja umbedingt raus aus der Stadt, ein Haus mit Garten haben. Und was ist wenn man es dann hat? Gebt euch Zeit, lasst auch Rückschritte zu. So ein neues Zuhause muss erst einmal erobert werden. Wir fühlen uns jetzt sehr wohl und es war es allemal wert.