Warum fällt es uns so schwer das Heute zu genießen? Wie grüble ich weniger über morgen?

Vor ein paar Jahren schon habe ich mir einen Print gekauft und mir den Spruch als mein Lebensmotto genommen:
„Das Leben dauert zwei Tage. Einer davon ist jetzt.“

Ja, ich bin wie viele andere gerne ein Typ, der über morgen, übermorgen, in drei und in zehn Jahren grübelt. Kann ich sehr, sehr gut. Eigentlich sollte mein Leben ja auch nach Plan laufen. So à la erst Karriere, dann Haus, dann Kinder – diese sollten dann aber doch bitte neben der Karriere neben her laufen. Ok, es lief alles ein bisschen anders. Das weiß ich auch. Und auch, dass ich ein Typ bin, der zur Grübelei neigt. Hätte, hätte, Fahrradkette – lebe ich im Heute, Morgen oder Gestern?

Ja, es kam alles ein bisschen anders in meinem Leben, das Meiste vor allem später.  Aber hätte ich denn immer auf das Morgen warten sollen? Klare Antwort: NEIN!

Und wisst ihr, wer mir das immer, immer wieder sehr, sehr schön vor Augen führt? Das sind meine Kinder. Unsere fünfjährige Tochter hat letztes im Freibad den allerbesten Spruch gebracht. Es gab Pommes und die Kinder durften sich eine Fanta teilen. Die Fanta war aufgetrunken und Lütti meinte, wir sollten einfach noch eine kaufen. Stefan sagte darauf hin, sie könnte ja einfach beim nächsten Mal wieder eine bestellen – es gäbe schließlich noch genug Möglichkeiten eine Fanta zu trinken.

Lütti sagt daraufhin sehr ernst und sehr belehrend: „Ach Papa, das weiß man eben nicht!“

Ich habe laut gelacht, sie zu diesem schlauen Satz beglückwünscht. Besser hätte man es einfach nicht sagen können. Ja, Kinder leben im Hier und Jetzt und davon müssten wir uns mal ein paar Scheiben abschneiden. Ich meine damit nicht gleich ein tagtägliches Bad in Fanta. Aber ein Eis, wenn einem danach ist. Ein Buch lesen oder vorlesen. Ein über den Markt schlendern und in der Sonne sitzen bei gutem Wetter. Ein Picknick auf der Wiese. Ein Fußballspiel. Ein Treffen mit lieben Freunden.

Weniger danach leben, was wir alles noch erledigen müssen, als danach, was wir jetzt erledigen können und wollen. Weniger Dinge aufschieben. „Irgendwann, dann mache ich mal das und das“. Wann ist irgendwann und was ist heute?

Ich glaube, unsere große Reise hat mich verändert. Sie hat mich zufriedener gemacht. Es gibt weniger dieses Streben nach Glück, als das Glück heute als solches wahrzunehmen und zu genießen. Könnte alles noch toller sein? Joah. Könnte alles aber auch noch beschissener sein. Wie ich mir meine Zukunft ausmale? Gar nicht. Ist gerade gut, wie es ist. Zukunft ist für mich so das nächste Jahr. Was dann kommt, weiß ich gar nicht genau. Mal schauen.

Heute habe ich in der Stadt ein Gespräch einer Gruppe älterer Damen mitgehört, die im Café nett zusammen saßen. „Du willst nicht alt werden? Na, zum jung Sterben ist es jetzt für uns alle zu spät“.
In diesem Sinne: Wir können nicht alles zwischen Himmel und Erde beeinflussen. Einfach mal leben geht auch.

Gerade sind die Tage auf jeden Fall schön. Die Blätter sind bunt, dass Haus gemütlich. Wir verbringen viel Zeit mit Familie und Freunden. Und trinken Fanta – vielleicht auch mal eine zweite.Wir leben im hier und jetzt und gestalten uns eben diese schön. Denn das Leben dauert zwei Tage, einer davon ist jetzt.


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5 Gedanken zu „Warum fällt es uns so schwer das Heute zu genießen? Wie grüble ich weniger über morgen?“

  1. Wie war! Ein Beitrag nach Nachdenken und Schmunzeln. Früher grübelte ich so so oft. Seit unsere Kinder da sind, passiert so viel einfach und spontan und es ist wundervoll. Einfach innehalten und genießen. Ob Tier, Essen, Geruch, Moment… hier und jetzt! Doch muss ich es mir im Alltag auch immer wieder in Erinnerung rufen. Im Urlaub ist es einfacher. Danke für deine Gedanken!

  2. Ach ein Herzbeitrag. Kann man einfach nicht anders sagen und vor allem nicjt oft genug lesen! #teamzukunftsgrübler :D Danke für den schönen Text <3

  3. Danke für das Wachrütteln! Es stimmt! Oft bin ich unzufrieden und denke was da alles kommen muss und sollte. Dabei übersieht man gerne die Dinge die jetzt gerade toll sind und glücklich machen!

  4. Oh danke, Sarah. Das müssen wir uns wirklich immer wieder ins Gedächtnis rufen. Mir zumindest geht es so, dass ich es mir vornehme, etwas zu „entschleunigen“. Doch dann kommen Tag für Tag wieder neue Dinge hinzu, die einfach erledigt werden müssen. So ein Wachrütteln wie mit Deinem Beitrag ist also immer gut :)
    Und vielleicht die eigenen Prioritäten überdenken: Was ist MIR wirklich wichtig? Und danach dann entscheiden.

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