Wir hatten uns ja entschieden. Entschieden, dass wir hier andere Zeiten aufziehen müssen, nachdem Baby CJ ja nun seit vier Monaten nachts die Sperrstunde nicht einhält, sonder kontinuierlich an der Theke hängt.

Folgendes hatten wir uns überlegt:

a) Monsieur schläft in SEINEM Bett – liegt wäre hier wohl die treffende Ausdrucksweise.
b) Das Bett wird zugemacht, also nicht als Anstellbett genutzt, und wenn er schläft, wird er ins Wohnzimmer gefahren. Also weg vom Elternbett und von der Geruchsquelle, welche Milch und Honig verspricht.
c) Wenn er aufwacht, probieren wir es mit einem von den 12 bereitgelegten Schnullern – nein, er nimmt eigentlich keinen Schnuller.
d) Tragen ihn, trösten ihn, lassen ihn aber nicht wie gewohnt andocken.
e) Wenn er wirklich Hunger auch nur haben könnte (also im 3-4 Stunden Rhythmus), wird er gestillt und wenn das nicht läuft, weil er dann wieder nur dauerschnuckeln will, gibt es die Flasche (die nimmt er allerdings eigentlich ja auch nicht mehr).

Vorab: die erste Nacht war die Hölle. Für alle. Nach ausführlichem Abendbrot mit Brei, 45 Minuten stillen, war der kleine Herr ja meiner Meinung nach bereit für wenigstens ein paar Stunden ohne Milchzufuhr. Also eingeschlafen wie immer. Heißt: beim Stillen und im großen Elternbett (welches leider auch zu seinem geworden ist) – und dann rüber gehoben in sein eigenes Bett und das rüber ins Wohnzimmer gefahren. Lief ja auch ein bisschen zu sehr wie am Schnürchen. 45 Minuten später ging hier die Sirene los. Mein Mann nahm in hoch und trug ihn durch die Gegend. Ihr wißt ja, Milch nicht riechen usw.

CJ war extrem in Rage und ich nah an den Tränen. Abbruch der Aktion „Papa macht das“. Ist vielleicht doch ein bisschen viel auf einmal. Stefan soll die Schnuller holen. Wir sind nicht gut genug vorbereitet. Das zumindest meine Meinung. Als der Herr des Hauses auch nur erwähnt, CJ würde den Schnuller nicht nehmen, explodiere ich. HIER WIRD NICHTS UNVERSUCHT GELASSEN meine Busen gegen einen Schnuller auszutauschen!!! 15 Minuten später liegen 12 verschiedene, frisch vaporisierte Exemplare neben mir. UND eine Flasche Milch. Ok, es nützt alles nichts. Ich trage ihn also herum, lege ihn wieder ins Bett, singe, lege ihm die Hand auf den Rücken, mache das ganze Programm nochmal von vorne, summe jetzt auch und mache zssscchhh, zssscchh Laute. Ca. 20 Minuten später schläft er wieder, diesmal auf dem Bauch. Ok. Knapp zwei Stunden später wacht er wieder auf. Diesmal machen wir das Tragen-, Singen-, Streicheln-, Summen-Programm knapp eine Stunde. Da es so lange dauert, ist es fast schon wieder Zeit, dass er möglicherweise wieder an die Brust darf, da vielleicht ja doch Hunger (so alle 3-4 Stunden). Aber jetzt will ich ihn erstmal wieder so in den Schlaf kriegen. Frei nach dem Motto: wenn er jetzt nach einer Stunde kriegt was er will, dann war die Stunde vorher umsonst.

War sie auch. Nach einer knappen Stunden schläft er nämlich wieder, wir innerhalb von Sekunden auch um keine 15 Minuten später wieder geweckt zu werden. Ok, ich stille. Kurze Verschaufpause. Nach dem Stillen wieder ins Bett, das geht auch ganz gut. Zwei Stunden später wacht der Kleinen wieder auf. Da es Hunger nicht sein kann, versucht jetzt Nr. 4 der Thronfolge sein Glück. Zwei Stunden lang! Dann schläft er kurz ein. Pardon, beide. Vier Stunden nach dem letzten Stillen wacht der Kleinen wieder auf und wird gestillt. In Summe hat der Kleine ca. drei Stunden und wir Eltern weitaus weniger in dieser Nacht geschlafen. Alle sind mehr als fertig. Sollen wir wirklich weiter machen?

Ja sollen wir, aber anders. Von unserem Sohn nach sechs Monaten im großen Bett mit der Mama und dem gewärmten Schnucki neben sich im eigenen Bett und nur Mahlzeiten nach Zuteilung zu erhalten läuft einfach nicht. Zuviel auf einmal. Bei mir wird’s auch gerade zuviel. Die Nächte ohne Schlaf und die beiden Kinder zehren extrem an meinen Nerven. Also Exitstrategie: Nr. 4 der Thronfolge übernimmt den Abend und ich gehe mit einer Freundin auf den Weihnachtsmarkt. MIT Glühwein. Extra. Extra damit ich bis in die Morgenstunden nicht stillen kann. CJ schläft also bei meinem Mann im großen Bett und aha! nimmt dort auch die Flasche. Ich stille ihn in den frühen Morgenstunden und habe auch Energie getankt. Es kann also weiter gehen.

Da die Kombi „ich auf dem Sofa, der Sohnemann im Ehebett“ gut funktioniert hat, machen wir das die kommende Nacht noch einmal. Ja, das hätte ich mir auch nie träumen lassen. Ich, die immer gesagt hat, dass ich sowas NIE machen würde. Mich oder meinen Partner aus unserem Ehebett vertreiben lassen. War bei Lütti auch nie nötig, bemerke ich erst jetzt… Ich schlafe ehrlich gesagt glücklich und zufrieden auf dem Sofa. Lese sogar was vor dem Einschlafen (ich glaube das habe ich sechs Monate nicht getan, denn wenn das Baby schläft, mache ich natürlich auf keinen Fall Licht an!). Ich stille in dieser Nacht zweimal. Sonst wacht er nur einmal zusätzlich auf und lässt sich sogar von Stefan mit dem Schnuller beruhigen. Wer jetzt denkt „läuft doch“, der hat Lütti vergessen und die kriegt in der zweiten Nachthälfte hohes Fieber. Nachdem ich viermal vom Wohnzimmer, am Schlafzimmer vorbei!, ins Kinderzimmer getingelt bin und die beiden Herren der Schöpfung schlummern wie die Steine, gibt’s Anschiss: So läuft das hier nicht!

  • Vom Sofa ins Schlafzimmer stillen,
  • vom Sofa ins Kinderzimmer trösten
  • vom Sofa ins Kinderzimmer was zu trinken bringen
  • vom Sofa ins Schlafzimmer stillen
  • vom Sofa ins Kinderzimmer mit zur Toilette gehen
  • vom Sofa ins Kinderzimmer Hörspiel anmachen

5:00 Uhr morgens und mir platzt der Arsch!

Nächste Nacht, neues Glück und neuer Schauplatz. Diesmal schlafe ich mit in Lüttis Zimmer, die mittlerweile über 40 Fieber hat. Die erste Nachtmahlzeit soll CJ eine Flasche kriegen, damit ich FALLS Lütti mal wirklich schläft, auch schlafen kann und erst nach der Hälfte der Nacht getauscht werden muss, damit ich drüben stillen kann. Um ehrlich zu sein glaube ich ja, CJ kriegt das Ganze mit. Er wacht wirklich nur zwei mal auf um zu trinken. Einmal Flasche, einmal Brust. Zumindest hier scheint es schon ein bisschen zu laufen.

Nacht Nummer fünf. Da es mit dem Stillen ohnehin insgesamt nicht sooo gut läuft (er beißt ja auch gern zu….) will ich ihm nicht häufiger die Flasche geben. Ich schlafe also zum ersten Mal seit vier Nächten wieder mit meinem Sohn in einem Bett. Mein Mann bei Lütti, die nach wie vor über 40 Fieber hat. Um ehrlich zu sein, denke ich das Ganze geht direkt von vorne los, wenn er mich riecht. Aber nein. Er wacht zwar vier Mal die Nacht auf, lässt sich aber zweimal mit Schnuller (welchen man festhalten muss) und Handauflegen beruhigen.

So gehen die Nächte übrigens weiter, außer dass wir manchmal sogar zu viert auf 160 cm schlafen, aber dies ein anders Thema. Nein, was ich sagen will, ist, dass CJ nun ca. zweimal die Nacht trinkt. Er wacht auch sonst mal auf. Lässt sich da aber von meinem Mann auch beruhigen. Wenn es nicht gut geht, nimmt er ihn hoch und trägt in ein bisschen. Zweimal nachts stillen ist für mich momentan noch in Ordnung. Zum einem weil ich glaube, er braucht diese Mama-Nähe nachts noch, da der Alltag als Geschwisterkind doch häufiger von seiner älteren Schwester bestimmt ist als von ihm. Zum anderen weil das Stillen über Tag kaum gut klappt, weil er entweder abgelenkt ist oder lieber ‚was Richtiges‘ isst. Da mit der Winterzeit hier auch die Erkältungszeit begonnen hat und der kleine Mann jeden Tag beim Abholen der Schwester den Virenpfuhl KiTa betritt, hoffe ich, dass die Muttermilch ihm vielleicht noch ein bisschen Schutz gibt. Wie gesagt, hoffe ich. Wissen tue ich das nicht.

Übrigens: Da ich über Instagram viele Rückmeldungen zum Thema Babys Schlaf bekommen habe, freue ich mich, eine Schlafberaterin als Interviewpartnerin gewonnen zu haben. Also falls euch was auf dem Herzen brennt, immer mal rausschießen die Fragen.