Wunschkind in der Warteschleife

Eine wahre Kinderwunschgeschichte

Jahrelang habe ich verhütet – immer darauf bedacht NICHT schwanger zu werden. Nie hatte ich einen Gedanken daran verschwendet, dass es nicht klappen könnte, wenn ich es denn dann wollte. Aber so kam es. Am Anfang dachte ich noch, es dauere wohl „nur“ länger. Hand auf Herz: Ich hatte auch wirklich keine Ahnung von fruchtbaren Tagen und so weiter. Aber man oder besser frau wird bald Experte. Pinkelt täglich auf Ovulationstests um eben die fruchtbarsten Tage, also die mit der größten Chance schwanger zu werden, zu erwischen. An den Tagen um diesen Termin herum übt man sich geradezu wie ein Hochleistungssportler im Beischlaf. Was das alles gebracht hat: nix.

Zwei Jahre, zwei Kinderwunschkliniken und fünf künstliche Befruchtungen später war unsere Tochter ENDLICH unterwegs. Dieses Buch erzählt die Geschichte dazwischen. Davon, was unerfüllter Kinderwunsch eigentlich mit einem macht. Vom Umgang mit dem fruchtbaren Umfeld um uns herum, von Trostsytemen für „nicht schwanger“ und auch davon, wenn man irgendwann nach neuen Perspektiven schaut – einem Leben ohne Kind.

Heute, bald Mama von drei Kindern, habe ich den Mut unsere Geschichte zu veröffentlichen. Denn wir sind wieder diesen Weg gegangen. Auch unser drittes ErdenKind ist durch eine IVF entstanden und wir freuen uns, nochmal den Mut gehabt zu haben.

LESEPROBE

Meine Freundin hat schon seit Längerem eine Blasenentzündung. Dann erfahre ich, dass diese Blasenentzündung im August auf die Welt kommen soll. Ich freue mich für sie. Auf jeden Fall sind die beiden Glücklichen ein Paar, das bestimmt ganz tolle Eltern werden wird. Was ich allerdings nicht ganz verstehe, ist der Punkt, warum bei anderen anscheinend durch einmaligen Versuch – und ja, bei diesen beiden ist es wieder genauso – der quasi goldene Schuss sitzt und wir seit Monaten an einer Schwangerschaft vorbeischießen. Ungerecht. Naja, dafür werden unsere Kinder zusammen aufwachsen können und wir ein herrliches Jahr Elternzeit verbringen, mit viel Kaffeetrinken und Quatschen. Denn dem Fruchtbarkeitsrechner sei Dank, wird unser Kind ja wohl wahrscheinlich nur drei Monate später zu Welt kommen – denke ich zumindest. Pustekuchen…

Monate später…

Nach einigen sogenannten unterstützten und überwachten Zyklen, die entweder nur mit Eisprungspritze oder mit Eisprungspritze und zusätzlichen Hormonen in Tablettenform begleitet wurden, bin ich immer noch nicht schwanger. Es kann definitiv nicht an mangelndem Einsatz liegen, denn Stefan und ich habe in Sachen Fortpflanzungsakt wirklich Vorbildliches geleistet. Unsere Terminpläne penibel auf die Zeiten des Eisprungs abgestimmt, Reisen und Verabredungen verschoben, Arbeitstermine verlegt, gleich versucht am Tag des Eisprungs, davor und auch danach mindestens einmal täglich Sex zu haben. Und das wirklich unter vollen Einsatz. Zum Beispiel nach der Tagung noch schnell in der Mittagpause, bevor es wieder ins Büro. Da kann es dann zum Mittag auch mal nur ein Brötchen auf die Hand geben. Und bei dem ganzen MÜSSEN auch noch dem anderen gegenüber so zu tun, als würde einem das gar nichts ausmachen. Genützt hat es nichts. Auch wenn wir uns noch so bemüht haben, standen am Ende des Monats die Zeichen wieder auf Rot und uns die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

Monate später…

Unsere Kinder in spe verbringen das Wochenende bei angenehmen 37 Grad in der Klinik und wir haben sturmfrei! Ich hatte mir ja vorher einiges ausgemalt, was ich alles machen werde in den Tagen nach Auszug und vor Wiedereinzug der Eizellen. Das ein oder andere Gläschen Prosecco, vielleicht sogar nochmal ein bisschen feiern gehen, schön ungesund essen oder zumindest alles das, was ich (hoffentlich) die nächsten neun Monate nicht darf.
Gestern hatte man mir gesagt, man werde mich zwischen 12 und 16 Uhr anrufen um zu berichten, ob und wie die Eizellen befruchtet werden konnten und wann der genaue Termin für die Rückübertragung ist. Seit 11:30 Uhr ist mein Handy immer ganz nah bei mir, egal was ich mache. Von meinem Frühstücksplatz kann ich genau auf die Uhr an unserem Telefon sehen. 13:06 Uhr. Schlechtes Zeichen, ganz schlechtes Zeichen. Da stimmt bestimmt was nicht. Vielleicht wurden gar keine befruchtet. Als ich Stefan mitteile, dass die ja immer noch nicht angerufen haben, schaut er mich doch ziemlich verständnislos an. „Sagten die nicht, sie wollten zwischen 12 und 16(!) Uhr anrufen?“ Er versteht mich einfach nicht.

13:21 Uhr. Weiterhin kein Anruf. Ich muss wieder aufs Sofa und Stefan fragt sich, wie er auch noch die nächsten beiden Wochen überstehen soll. Das Telefon klingelt! Zwei wunderschöne, ja, „wunderschöne“, O-Ton(!), Eizellen sind dabei. Juchhuhhh, Juchhuhhh!!! Zwar sind insgesamt sogar vier befruchtet worden, aber bei den anderen beiden würde sich das Einfrieren nicht lohnen. Aber zwei! Wunderschöne! Umzugstermin Montag 9:15 Uhr. Schönes Wochenende. Ihnen auch.

Ich wundere mich immer noch, warum bei diesem ganzen Affentanz doch nur zwei Freunde übriggeblieben sind, freue mich aber auch sehr.

Inhalt/Kapitelübersicht „Wunschkind in der Warteschleife“

  • Prolog
  • Ein Kind? – Ja, jetzt hätte ich gerade Zeit
  • Hochzeit = sofortiger Nachwuchs?
  • Fruchtbarkeitsrechner – das Ding soll es jetzt richten
  • Wir haben den Übeltäter – Und ich brauche einen neuen Frauenarzt
  • Männeransichten: Premiere beim Urologen
  • Kinderwunschklinken – Hier werden Kinder gemacht!
  • Künstliche Befruchtung: erster Schritt Insemination
  • Männeransichten: Rendezvous bei Wohnzimmeratmosphäre
  • Wie aus zwei im Handumdrehen null werden können
  • Ein Kind – erwünschte Pause vom Berufsleben?
  • Eine Runde Aussetzen – und dann zweiter Versuch Insemination
  • Und warum werden die anderen „so einfach“ schwanger?
  • Neuer Ort, neues Glück. Wir haben die Kinderwunschklinik gewechselt
  • Es wird wieder ernst – wir starten die IVF
  • Tabletten, Spritzen und was noch so alles zu einer IVF dazu gehört
  • Der Tag vor der Punktion – Wie nervös kann man eigentlich sein?
  • Es wird ernst – Eizellenentnahme
  • Ein sturmfreies Wochenende – die Eizellen übernachten in der Klinik
  • Die Eizellen sind zurück und ich bin ein bisschen schwanger
  • Warten auf unser Christkind – 1.-4. Kläppchen
  • Warten auf unser Christkind – 5.-8. Kläppchen
  • Warten auf unser Christkind – 8.-12. Kläppchen
  • Die Weihnachtsbotschaft und das Fest danach
  • Happy New Year oder Danke für nichts
  • Neuer Versuch – Ja oder nein?
  • Traum von Amsterdam
  • Psycho – Ein Abend auf der Couch und die Frage: Nochmal IFV?
  • Wieder im Ring – Die zweite IVF
  • Freiheit, Freiheit, ist das Einzige, was zählt
  • Ein zweiter Abend auf der Couch – Bin ich eine Egoistin?
  • Friends and take it easy
  • Die richtig dicken Brummer
  • Sport ist Mord – Zumindest für Eizellen
  • Auf geht’s! – Zweiter Versuch
  • Warten, warten, abwarten und Kaffeetrinken
  • Auf Probe – Schwangerschaft, Elternschaft und was dazu gehört
  • Es wird heiß – Die letzten Tage
  • Tag der Wahrheit