Ja, wer bin ich eigentlich? Keine Angst, diese Frage beschäftigt mich nicht selbst. Sie beschäftigt aber doch einige meiner Leser und so wollte ich mal eins: Euch Rede und Antwort stehen. Und wenn euch dann noch was einfällt: Denn man tau mit dem Fragen!

Ja, ich bin eine von Fünfen – von fünf Mädels, um genau zu sein. Alleine das könnte schon einen ganzen Blogartikel füllen, aber dazu vielleicht einmal an anderer Stelle. Ich bin auf jeden Fall eine von den Kindern, die immer zur Antwort bekommen, wenn sie nach Geschwistern gefragt werden: „Dein armer Vater!“. Ich selbst bin ein sogenanntes Sandwich-Kind. Auch wenn man in meinem Fall wohl eher von Club Sandwich sprechen kann, denn mit jeweils zwei Scheiben über und unter mir gab es auch eine Menge auszuhalten. Über mir zwei 9 und 10 Jahre ältere Schwestern, die sich fieseste Strafen für Vergehen wie Blumen Auseinanderpflücken, Glanzbilder Zerreißen oder Buch Vollkrickeln überlegten.

Von unten her hat sich ähnlicher Druck aufgebaut, denn meine früheren Vergehen wurden mir mit gleicher Münze von meinen beiden kleineren Schwestern (2,5 und 4 Jahre jünger) zurückgezahlt. Ich glaube, nie habe ich alle Türchen meines Schokokalenders allein geöffnet. Nein, der Feind ging stufenweise vor und schloss die Türchen nach dem Diebstahl auch wieder. Auch war keine Klamotte niet- und nagelfest vor zwei kleinen Geschwistern. Es gibt Partyoberteile, über deren Verlust ich heute noch nicht hinweg bin. Ja, mehr über das Leben mit vier Schwestern bestimmt mal in einem separaten Post. An dieser Stelle bin ich auch froh, dass sie keinen Blog haben. Hier würden bestimmt auch der Verlust von neonfarbenen Shorts thematisiert, oder dass ich an meine kleinen Schwestern immer alle denkbaren Sachen verkauft habe. Wassereis genauso wie abgelegte Klamotten von mir – also die, die nicht vorher schon inoffiziell den Besitzer gewechselt hatten.

Ja, meine Kindheit war laut, laut und bunt. Und sie fand draussen statt – eigentlich ausschließlich. Ich bin, wenn man so will, auf dem Land groß geworden. So bezeichnet es zumindest mein Mann. In einer münsterländer Metropole mit Bauernhof gegenüber. Ja, wir sind in meiner Kindheit noch jeden Abend Milch holen gegangen. So klassisch mit Kanne in der Hand. Ob ich eigentlich asbach uralt bin? Nein, ich bin ein Kind der 80er. Eines das Steckenpferd-Tuniere ausgerichtet hat (frei nach dem Motto „Wer in meinem Garten reitet, nimmt in Kauf, dass ich der Sieger bin!“), Wanderzirkusbetreiber mit meinem Zwergkaninchen Nicki an einer roten Katzenleine war – und Shetland Pony-Bändiger.

Ja, Tiere haben in meiner Kindheit einen hohen Stellewert eingenommen. Es begann mit einer Katze und aus einer Katze wurden dann irgendwann ein paar mehr. Denn das Kätzchen, was meine kleine Schwester mitgebracht hatte und laut Aussage meines Vaters nur eine Nacht bleiben sollte, blieb erstens länger und war zweitens sehr gebährfreudig. Nicht so freudig haben unsere Kanarienvögel den Katzensegen empfunden und so haben sich Teile unserer kleinen Kanarienzucht (ja, auch diese haben sich bei uns zum Brüten hinreißen lassen) in kleinen Gräbern in den Gartenbeeten wiedergefunden.

Aber das waren längt nicht alle Tiere, die wir hatten. Nicki machte mich im zarten Alter von 7 Jahren zum stolzen Zwergkaninchenbesitzer (oben original Bild aus meinem ersten eigenen Fotoalbum). Meine beiden kleinen Schwestern zogen schnell nach und auch hier ließ der Nachwuchs nicht lange auf sich warten. Einzig unsere drei Streifenhamster haben sich nie vermehrt. Dafür hatten sich ein schönes Leben mit Urlauben an der Ostsee, wo mein Vater sie hinter der Schrankwand wieder hervorlocken musste und wurden sportlich gefördert, indem wir mit den Nachbarskindern Turniere ausrichteten, wo die Tiere über Playmobil-Hindernisse springen mussten. Lohn für ihre Mühen waren sogenannte Joghurt-Drops. Sowas machen ambitionierte Mütter heute für ihre Kinder selbst. Damals gab es die von Vitakraft.

Meinem wilden Geist konnte auch die Einschulung keinen Abbruch tun. Ich hatte mir auch genug Energie aufgespart, denn ein Jahr vor Einschulung entschied ich, dass Kindergarten auch nichts mehr für mich wäre und blieb größtenteils zu Hause. Mit zwei kleinen Schwestern auch kein Ding. Ich glaube, meine Kindergärtnerin war ganz froh, denn ich kann mich noch an Glanzleistungen erinnern wie auf ihrer Motorhaube zu stehen und laut „Frau Schlottbum, Frau Schlottbum“ zu rufen. Nein, meine beiden besten Freunde, natürlich Jungs, waren ein Jahr älter als ich und folglich schon früher in der Schule.

Als ich dann endlich eingeschult wurde, begann mit meiner Schulkarriere auch gleich eine neue Lehrerin an der Schule und die hätte sich wohl auch einen anderen Start vorgestellt. Die Telefonleitung zu meiner Mutter war quasi auf Dauerschleife und es wurden sich immer wieder neue Sachen ausgedacht um meine Energie zu bremsen. Musste ich aus der Klasse, ging ich einfach auf den Schulhof und dachte mir dort für meine Mitschüler tolle Phantasiegeschichten aus. Dann musste ich irgendwann die Klinke runterdrücken, wenn ich aus der Klasse musste, und als das auch nicht klappte, nutze ich als Gipfel meiner Unverfrorenheit die Rückseite meiner Lehrerin dafür, ihr mal in den Popo zu zwicken. Passender weise hatte ich mich zu meinem ersten Karneval als Clown verkleidet.

Joah, meine Kindheit war vor allem eins: Facettenreich – und ja, ich glaube ich war jetzt auch kein Kind zum entspannt zurücklehnen. Dies also meine Karriere bis zum Eintritt in die Grundschule. Jugend inklusive Undercut und erster Lieben käme dann noch und dann natürlich der Ernst des Lebens, oder eben nicht, mit dem ersten Job in Hamburg, wildesten Partys und irgendwann die Kinder. Interessiert?