Rüpelhafte Rotzblagen – warum ich ein bisschen Erziehung nicht soooo schlecht finde

Heute hatte ich ein Erlebnis der dritten Art: ich bin im Supermarkt fast von einem Einkaufswagen mit Höchstgeschwindigkeit überfahren worden. Echt jetzt. Am Steuer: ein, sagen wir mal vorsichtig, recht extrovertierter 5-Jähriger, der seinen Drogeriemarktbesuch wohl gerne ein bisschen am Limit hat. Am Limit ist hier wohl das Stichwort: Zwei Jungs, beide schätzungsweise Kindergartenalter, tobten lautstark auf diesen kleinen Kindereinkaufswagen durch den Laden. Und zwar ungefähr so: Rennenderweise mit dem Ding in der Hand Anschwung nehmen, dann bauchlinks draufwerfen, um dann an der Wand vor Kopf gebremst zu werden. Lustig? Fand ich nicht so. Weder der Geräuschpegel noch das Fahren in die Regale. Die Begleitperson? Nicht zu sehen. Fast hatte ich mich ja schon „gefreut“, als sich einer der beiden lang machte, aber auch das aktivierte niemanden. Der Aufschlag an der Wand verleitete die Mutter, die irgendwo im Laden verschwunden war, nur zu einem müden „Aber xy, du kannst doch fahren, dann fahr doch bitte vorsichtig“.

Ähhhhh, WHAT??? Fahr doch bitte vorsichtig? Geht’s noch? Versteht mich nicht falsch, dieses Kind kann sich in seinem Garten, vor seiner Garageneinfahrt gerne den ganzen Nachmittag den Kopf einfahren. In einem Laden, mit einem Wagen, der ihm nicht gehört, in Ware, die noch verkauft werden soll, und ja, wo auch noch andere einkaufen möchten, geht das nicht.

„Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.“ (Kant)

Als ich mich gerade noch vor dem nächsten Wagenrennen auf den Gang retten konnte, habe ich die zwei dann auch mal gefragt, wo ihre Mutter ist. Denn was ihre Kinder vielleicht noch nicht wissen können, weiß sie bestimmt: so ein Verhalten ist wirklich nicht angebracht. Auch nicht von Kindern.

Ja, es gibt einen Aufsichtspflicht. Eine Erziehungspflicht gibt es leider nicht. Versteht mich nicht falsch, jeder erzieht anders. Klar, verstehe ich, kann ich insgesamt auch gut akzeptieren. Kinder sollen auch NEIN sagen lernen, Kinder müssen nicht spuren wie die Soldaten, Kinder müssen nicht aus Angst hören. Kinder sollen nicht klein gemacht werden, sondern groß. Kinder verdienen den gleichen Respekt wie Erwachsenen.

Kinder brauchen aber meiner Meinung nach Grenzen. Klare Grenzen. Ich habe auch zwei Kinder, die gerne am Limit sind. Manchmal auch mal drüber, keine Frage. Aber sie dürfen sich nicht verhalten wie die letzten Henker. Die Auslagen der Buchläden sind voll davon, wieviel Verständnis wir Erwachsenen unseren Kinder gegenüber bringen soll. Jedem „Ausflipper“geht eine Erklärung voraus. Darf ich was sagen: Nein, es muss nicht alles ausdiskutiert werden. Es gibt Regeln innerhalb einer Familie, an die muss sich auch gehalten werden. Denn nur wer dieses in seiner Kernfamilie lernt, der kann auch Regeln außerhalb dieser Familie akzeptieren.

Zurück zum letzten Henker. Uns gegenüber darf sich also nicht so verhalten werden und schon gar nicht anderen gegenüber. Denn man erzieht seine Kinder vor allem für eines: Damit sie selbst in unserer Welt und ihren sozialen Strukturen zurecht kommen. In dieser Welt ist es wichtig, ein gutes Miteinander zu haben und das lernt man leider nicht, indem man völlig grenzenlos unterwegs ist.

„Die Freiheit besteht darin, daß man alles das tun kann, was einem anderen nicht schadet.“

Jetzt zu Beginn der Schule wird mir sehr schön gezeigt, wo Grenzenlosigkeit hinführen kann und ich will ehrlich sein: Ich beneide keine GrundschullehrerIn. Gar nicht. Wenn andere von Anpassungsschwierigkeiten sprechen, spreche ich von absoluter Respektlosigkeit und das geht für mich gar nicht. Es geht mir nicht darum, dass Kinder Angst vor Erwachsenen haben sollen, ganz und gar nicht. Aber ein respektvoller Umgang miteinander, das ist etwas anderes als in der Schulklasse auf den Tischen rumzuspringen.

Ich kann mich noch sehr, sehr genau daran erinnern, als ich als Kind einmal meine Mutter beleidigt habe. Mein Opa hat mich SOFORT ins Bett geschickt und da blieb ich bis zum nächsten Morgen. Ja, früher war weiß Gott nicht alles besser, aber Regeln, die gibt es heute noch und damit müssen sich vor allem wir Eltern auseinander setzen. Freiheiten sind gut, aber können auch nur genossen werden, mit dem Wissen umgebener Grenzen dieser Freiheiten. Man selbst ist nicht wichtiger als das Gegenüber und jeder hat seinen Teil zu einer funktionierenden Gesellschaft beizutragen.


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34 Gedanken zu „Rüpelhafte Rotzblagen – warum ich ein bisschen Erziehung nicht soooo schlecht finde“

    • Liebe Sarah, du ist mit deiner Meinung nicht alleine. Kinder brauchen und möchten Grenzen, wie sollen sie denn sonst ihr eigenes Verhalten reflektieren. Ich bin Lehrerin an einer Schule mit schwierigen Kindern. Alle haben eins gemein: sie brauchen ganz feste Regeln und aeben auch Konsequenzen. Dieser Trend zur freien und selbstbestimmten Erziehung, empfinde ich als Qual furdie ganze Gesellschaft.
      Ganz lange haben mich auch genau diese unfassbar unverschämten und überzogenen Kinder davon abgehalten, eigene zu bekommen. Für mich war das unvorstellbar, dass das mein Leben bereichern soll, wenn ich mit kleinen Diktatoren zusammen lebe muss. Nun mit fast 36 erwarte ich mein erstes Kind und bin ihr sicher, mit Erziehung man man hoffentlich ganz viel erreichen. Zumindest hoffe ich das…

    • DEM kann man nix mehr hinzufügen. lAber habe ich als Mutter auch in der Vergangenheit erlebt das Erwachsene Kinder nicht Kinder sein lassen. Woran es liegt…..am gegenseitigen Verständnis auch mal hinterfragen worin besteht das Problem und dies ist wohl auch bei uns Erwachsene und auch bei den Kindern. Ich versuche meine Kinder zu anständige Menschen heranzuziehen was nicht immer leicht ist aber eins muß jeder Mensch egal ob groß oder klein Respekt vor anderen haben.

    • Ich bin ganz Deiner Meinung, schaue mit großer Sorge in die Zukunft. Rücksicht, Empathie, Höflichkeit scheinen kein Wert mehr zu haben. Mich macht das wütend und traurig!

    • Zunächst einmal stimme ich diesem Artikel auch zu, aber ich finde es schade, dass er nicht sehr differenziert ist und nicht danach fragt warum das so ist. Sondern diese Eltern eher verurteilt.
      Warum gibt es Eltern, die ihre Kinder scheinbar nicht erziehen?
      Ich schreibe als Mama von zwei Jungs, deren Erziehung eine Herausforderung ist und als Lehrerin, die immer wieder auch Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten hat.
      Ich sehe die Problematik ursächlich eher in unserer ganzen Gesellschaft, als nur individuell bei den Eltern. Erfreulicherweise hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten einiges verändert. Körperliche und psychische Misshandlung von Kindern sind keine adäquaten Erziehungsmittel mehr. Stattdessen soll man Kindern auf Augenhöhe begegnen. Soweit so gut. Klappt auch alles, solange man angepasste und kooperative Kinder hat. Denen man nur einfach sagen muss, was sie zu tun und zu lassen haben. Was aber, wenn Kind es dann nicht tut? Auch nicht, wenn man deutlicher wird, lauter wird? Was bleibt dann noch? Ja, genau, es muss Konsequenzen haben. Was, wenn Kind diese Konsequenz nur wenig interessiert? Im Nu kommt man dann in einen Machtkampf. Mittel, mit denen früher solche Machtkämpfe beendet wurden, indem das Kind beispielsweise geschlagen wurde, sind glücklicherweise nicht mehr akzeptiert. Ich denke, das viele Eltern an diesem Punkt einfach ratlos sind, wir sie richtig handeln können. Weil sich Erziehung im Wandel befindet, gibt es noch keine Vorbilder, was richtig ist. Das alte ist falsch, aber was kann ich stattdessen tun?
      Ich sehe und erlebe selbst oft Ratlosigkeit, was der richtige Weg ist. Das mag nicht jeder nachvollziehen können. Manche Kinder sind einfach angepasster als andere, wollen gefallen, ein was Erwachsene sagen. Dann mag es schnell erscheinen, das Erziehung doch eigentlich Recht einfach ist. Und es wird schwierig Verständnis für andere Eltern zu haben, denen es einfach nicht gelingen mag und die zu resignieren scheinen.
      Und ein zweiter Gedanke: die Freiheit des einen endet da, wo die Freiheit des anderen anfängt. Richtig, genau da liegen die Grenzen! Und zwar die Grenzen jedes einzelnen! Und genau da sehe ich ein großes gesellschaftliches Problem. Diese Grenzen zu wahren scheint die alleinige Aufgabe der Eltern geworden zu sein. Dabei ist jeder selbst für seine Grenzen verantwortlich. Wenn ich mich von dem Verhalten eines Kindes gestört fühle, habe ich das Recht und die Pflicht diesem Kind das mitzuteilen. Sonst kann ich nicht erwarten, dass das Kind es merkt, dass es soeben eine Grenze überschritten hat. Genau das, macht heute kaum noch einer. Ich als Mutter von meist alleine dafür verantwortlich zu schauen, ob meine Kinder vielleicht irgendwo jemands Grenze übertreten. Ich empfinde die Entscheidung oft als schwierig. Ist schränke ich meine Kinder zu früh ein und andere hätten sich gar nicht gestört gefühlt, manchmal zeigen Menschen nicht, ob sie sich gestört fühlen und man bekommt später mit, dass es so war – und ich frage mich: warum sagen sie es nicht einfach? Dazu kommt: wenn jemand fremdes etwas zu meinen Kindern sagt, zählt das viel mehr, als wenn ich als Mutter das tue.
      Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn mehr Menschen in unserer Gesellschaft diese Verantwortung wieder wahrnehmen, als sich darüber zu beschweren, wie schlimm Kinder heutzutage sind.

      • Liebe Sarah, ich stimme dir absolut zu! Allerdings fällt diese Respektlosigkeit mir nicht nur bei Kindern auf im Alltag, sondern auch bei Erwachsenen. Vor allem auch Rücksichtslosigkeit. Es gibt gewisse Grundregeln die man seinen Kindern weiter geben sollte und dazu gehört Respekt vorm anderen Gegenüber!

        Aber was anderes…du wurdest vom Opa fürs frech sein ins Bett geschickt! Wie machst du das bei deinen eigenen Lüttis?

        Liebe Grüße
        Sarah

    • Guten Tag,

      Kinder brauchen Grenzen. Das ist eine Tatsache. Ich gabe zwei wilde Jungs sie sind drei und neun Jahre alt.

      Ich lese hier zwischen den Zeilen, das Sie keine Kinder haben und höchstwahrscheinlich auch keine möchten.

      Sicher setzt man Kindern Grenzen bringt Ihnen Umgang und Manieren bei.

      JEDOCH ist es für Kinder nicht möglich dies stets und ständig umzusetzen.
      Kinder machen zwischen 0 – 18 einige Endwicklungsphasen durch.

      Es ist hier für die Eltern wichtig und von Nöten konsequent die aufgestellten Regen durchzusetzen damit das Kind versteht, lernt und die Endwicklungsphasen erfolgreich abschließt kann

      Auch bei der besten Erziehung kommt es zu denen von Ihnen beschrieben Szene.
      Der Alltag mit Kindern ist einfach so.

      Den Titel Ihres Artikel „rotzblagen“ finde ich erschreckend es ist beleidigend und abwerten.

      Vielleicht sollten Sie sich mal mit
      Ihrer Kindheit auseinander setzten.

      Mit freundlichen Grüßen
      Tanja

  1. Liebe Sarah,

    ich bin eine von denen, die du nicht beneidest .
    In den 15 Jahren seit meinem Berufseinstieg haben sich die Kinder wirklich sehr verändert. Ganz oft stehen nur der Einzelne und seine Bedürfnisse im Vordergrund. Sich zurücknehmen? Sich in eine Gemeinschaft integrieren? Respekt zeigen? Fehlanzeige.
    Es erklärt sich dann aber vieles, wenn man in Gesprächen mit Erziehungsberechtigten gesagt bekommt „Sie müssen sich den Respekt meines Kindes erst verdienen“.
    Ich Frage mich immer, wie wohl die Reaktion gewesen wäre, wenn ich gesagt hätte „Prima. Ihr Kind muss sich meinen Respekt dann aber auch erstmal verdienen“.

      • Manchmal denk ich die Kinder dürfen machen was sie wollen solange sie die Eltern nicht nerven!Aber ob der Nachbar oder Lehrer es ertragen muss ist scheissegal!Heute werden Kinder zu kleinen Egomanen erzogen ohne Manieren und Respekt!

      • Manchmal muss man sich einfach durchsetzen und das tun, was für einen selbst gut ist. Und dazu gehört es auch, Eltern genau solch reflektierende Antworten zu geben. Ich verstehe nicht, woher die Angst der Lehrer vor den Eltern kommt. Dem Beruf des Lehrers sollte in der Gesellschaft noch immer mit Respekt entgegen getreten werden!!
        Das sage ich als Vater zweier Kinder!

    • Manchmal denk ich die Kinder dürfen machen was sie wollen solange sie die Eltern nicht nerven!Aber ob der Nachbar oder Lehrer es ertragen muss ist scheissegal!Heute werden Kinder zu kleinen Egomanen erzogen ohne Manieren und Respekt!

    • Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich bin da ganz bei dir. Die Respektlosigkeit teilweise schon im Kindergartenalter macht mich oft sprachlos. Ich bin auch der Meinung das Kinder Grenzen brauchen, wie sollen sie sonst ein respekvolles Miteinander erlernen.

  2. Ich bin da ganz bei Dir! Grenzen sind wichtig! Man tut seinem Kind nicht weh, wenn man ihm die Grenzen plausibel und sachlich erklärt! Wir hatten gestern Elternrat und es ging genau um dieses Thema. Respektlosigkeit. Es ist leider inzwischen ein gesellschaftliches Problem geworden, welches sich durch alle Bildungsschichten zieht und ich bin oft man grübeln, wie man diesen „Trend“ in die richtigen Bahnen lenken kann.

  3. Genau solches habe ich erst heute Abend beim Schwimmverein wiederholt erlebt. Nur das Kind schickte seine Mutter vor und hatte sich wohl letzte Woche über den Schwimmunterricht beschwert. Aussage des Kindes gegenüber der Mutter „die Lehrerin sei so streng!“. Ich war diese Lehrerin, die auch Lehrerin außerhalb des Schwimmbades ist. Das Kind ist die Prinzessin in der Familie. Bekommt es seinen Willen nicht und die (ich betonte) komplette Aufmerksamkeit aller Anwesenden wird drauf los geheult und auf den Boden gestampft und rumgeschrien. Was das Kind möchte – das weiß es auf Nachfrage nicht. Aber alles ist aus Prinzip falsch. Laut Mutter müsse man Verständnis haben, denn das Kind habe Angst vorm schwimmen, aber mit den Eltern geht die kleine „Schwimmen“ oder wohl eher toben und plantschen.
    Im Rahmen Schwimmenlernen und das wirklich sehr sehr spielerisch, darauf hat das Kind keinen Bock und „der Mama bricht es das Herz das Kind so zu sehen“. Ich kann aber niemanden dazu zwingen, wenn alle freiwillig da sind und es behindert alle Kinder, die wirklich schwimmen lernen wollen.
    Ich nenne es nicht streng, sondern konsequent und so sollte auch manche Erziehung vieler Eltern sein und sich nicht um den Finger wickeln lassen. Ich persönlich glaube, dass es sowohl für Eltern als aber auch Kinder besser und entspannter wäre und für alle Mitmenschen sowieso.

  4. Liebe Sarah, danke danke danke für diesen Beitrag. Ja, ich habe noch keine Kinder, ändert sich im März. Ich hoffe ich werde meine Ansichten nicht ändern, wenn meine beiden Zwerge da sind. Ich habe schon so viele Situationen wie deine erlebt. Die letzte war bei uns im Bürgerhaus. Es war super voll. Eltern mit 2 Söhnen, ca. 4 und 2 Jahre alt. Hatten keinen Bock da zu warten bis sie dran sind. Kann ich sehr verstehen. Ich hatte auch keine Lust zu warten. Irgendwann war die langeweile so groß, dass pberall hingerannt wurde. Dann wurden die Eltern getreten, geschlagen und es wurde geschrien. Total toll für alle in diesem Raum. Beide Eltern immer und immer wieder: Es dauert nicht mehr lange. Bitte bleib jetzt hier sitzen. Mit deiner beschriebenen glockenklaren Stimme. Ist einem nicht vorher klar, dass das todes langweilig für Kinder ist. Kann ich dann nicht Bücher, Essen, Autos, malsachen ein packen. Nein, anscheinend müssen die Mitmenschen miterleben wie gelangweilte und genervte Kinder aussehen und sich anhören. Danke für nichts liebe Eltern diese beiden sehr aktiven meinungsstarken Jungs. Deshalb hoffe ich, dass ich auch Rücksicht auf meine Mitmenschen nehmen werde.
    Vielen Dank für diesen Beitrag. Darüber sprechen wirklich wenig. Denn manchmal muss einfach mal ne Grenze her und/oder eine alternative die für die Kinder gut ist und die Mitmenschen nicht gefährden.

  5. Jupp! Genau richtig! Und manchmal lasse ich meiner Wut dann auch freie Bahn und frage die dazugehörigen Begleitperson, denn als Erziehungsberechtigten kann man das dumpf danebenstehene Wesen ja nicht bezeichnen, ob der/diejenige das auch lustig finden würde, wenn ich mich so verhalten hätte! Meist ändert sich der dumpfe Gesichtsausdruck wenig bis gar nicht! Manchmal werd ich dann auch deutlicher und nicht selten erhält man zustimmendes Nicken der umstehenden Personen. Und ehrlich? Mir es ist völlig egal, ob beim Einkaufen, im Freibad oder an sonstigen öffentlichen Plätzen!

    • Liebe Sophia,

      gerade wenn es irgendwo um lange Wartezeiten geht ist es wirklich nicht immer einfach sein Kind zu beschäftigen, so dass sich niemand drum herum belästigt fühlt. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich manchmal an Spielsachen einpacken kann was man will, mein Kind findet die Welt um sich herum oft interessanter. Das kann für Eltern schon anstrengend werden, vor allem wenn sich die Leute drum herum gestört fühlen. Ich glaube, Eltern die nicht reagieren tun das auch nur weil sie entweder resignieren oder wissen das es in Geschrei und Gequängel endet, wovon dann auch alle anderen drumherum genervt wären. Es ist mit Kindern bestimmt nicht immer einfach, und mit mehreren vielleicht noch weniger und ja, es gibt mit Sicherheit auch schwierige kindliche Charaktere. Als Außenstehender hat man immer leicht reden…. deswegen finde ich den Kommentar dazu ehrlich gesagt ziemlich daneben. Ansonsten bin ich natürlich auch dafür, daß Kindern ein respektvollen Umgang beigebracht werden soll. Ich wünsche dir jedenfalls für zb eine Situation wie du sie beschrieben hast, maximale Erfolge.
      Liebe Grüße

      • @Claudia
        Ich glaube, du hast den Artikel nicht richtig verstanden!
        Es geht darum, dass die Mutter sich ÜBERHAUPT nicht in der Verantwortung gesehen hat, in einem öffentlichem Raum, ihre Kinder zu erziehen.
        Und bevor das Argument kommt – ich habe selbst 2, bin viel in Wartezimmern.
        Aber MIT den Kindern zB Buch lesen oder auf Augenhöhe erklären, dass hier noch andere Personen einkaufen, die sie vll verletzen, sich selbst verletzen, sie Waren kaputt machen – sie möchten bestimmt auch nicht, dass ein anderes Kind kommt und ihre Spielsachen kaputt macht – DAS sollten sie verstehen.
        Und wenn sie dann mit dem Wagen MIT Mama einkaufen dürfen, fühlen sie sich glücklich. Meine zumindest.
        LG

        • Ich frage mich, warum sie den Kindern denn nicht gesagt haben, dass sie ihr Verhalten nicht in Ordnung finden? Glauben Sie, dass nur die Eltern dafür zuständig sind? Wie sollen denn unsere Kinder lernen in der Gesellschaft klar zu kommen, wenn diese nicht genauso mithilft?
          Ich verstehe, dass Sie mit der Situation unzufrieden waren, aber ich bin der Meinung, dass Sie auch dafür verantwortlich sind, Ihre Gefühle mitzuteilen und nicht die Erziehungsberechtigten.

    • Das ist aber dann ja genau das, was das Kind tut, nur dass das Kind auf Grund der Unreife des Gehirns unfähig ist, an sich zu halten, währenddessen Sie sich dafür auf die Schulter klopfen.

      Sie lassen Ihren Gefühlen freien Lauf und fordern das von einem unreifen Kind anders. Sorry, aber so funktioniert das nicht.

      Die brüllenden Eltern: hier wird nicht gebrüllt.

      Nee, so läuft das nicht.

  6. Hallo!
    In der heutigen Zeit werden die Kinder zu Egoisten erzogen. Die Kinder die anders sind oder erzogen werden haben schnell verloren. Von den Eltern werden Leistungen erwartet, aber soziales Verhalten geht unter. Ich spreche aus Erfahrung meine Tochter geht in die 4Klasse. Und ich habe meine Tochter nicht zu einem Egoisten erzogen. Sie musste sich vieles gefallen lassen. Mittlerweile sage ich zu ihr sie soll auch mal an sich denken. Es geht leider nicht anders. Sie hat lange darunter gelitten. Trotzdem ist sie sehr sozial eingestellt. Auch bei uns zu Hause gibt es Regeln die eingehalten werden. Es sind die Eltern die haben einfach keine Lust mit dem Kind zu diskutieren und Grenzen zu setzen. Liebe Grüße

  7. Ein wirklich zutreffender Beitrag. Als Lehrerin erlebe ich mittlerweile jeden Tag rüpelhaftes, rücksichtsloses Verhalten schon von Fünftklässlern. Kommentare der angesprochenen Eltern: „Mein Kind ist völlig in Ordnung, die Lehrer sind wohl überfordert, brauchen eine Fortbildung.“ Das sagen sie auch gegenüber ihren Kindern. Die Kinder zum Lehrer: „Warum sind sie so frech zu mir?“ Diese Kinder würde ich gerne als Erwachsene erleben, wenn sie selber so völlig unerzogenen Kindern begegnen…

  8. Kinder sind immer das Produkt ihrer Eltern. Eltern die ihre Kinder annehmen in ihren Signalen, Bedürfnissen, vorlesen, beim Spazierengehen mit ihnen reden, auf die Natur aufmerksam machen, das kann man auch mit einem Baby!!! Wichtig ist die Sprache, der blckkontakt, die Konversation. Eltern die ihre Kinder mit wenigen Monaten in einer Krippe parken (es gibt Eltern, die müssen arbeiten.(??? 1jahr elternzeit??) Kinder, denen echte Aufmerksamkeit, Zuwendung fehlt. Können, müssen sich durch das beschriebene Verhalten Aufmerksamkeit ‚erringen‘. Die Eltern haben schlichtweg keine Lust auf Auseinandersetzung, Konsequenz heisst nämlich genau das. Kinder die bei (leider sehr oft fehlenden) Mahlzeiten vorgelebt bekommen, Handy hat Vorrang, was soll daraus werden???? Alles zu seiner Zeit. Investiert echte Zeit mit euren Kindern. Nochmal: Nehmt sie an.!!! Freunde, Handy, TV kann warten. Widmet euch in intensiver, (Qualität ist erforderlich) euren Kindern. Stellt sie nicht nach ausschließlich euren Bedürfnissen auf die Warteliste. LEBT VOR, was ihr euch von der gesellschaft wünscht. Dann klappt es. Ich habe 5 Kinder 2 enkel und arbeite seit Jahren mit den unterschiedlichsten Kindern. Das sind meine Beobachtungen.

  9. Hier wird unzureichend differenziert.

    Ja, es gibt sie: die Eltern, deren mangelhafte Erziehung deren „Ideal“ bzw. einer „Ideologie“ entspricht – das ist natürlich diskutabel.

    Was hier aber völlig vergessen wird: es gibt auch den Aspekt der Überforderung. Welcher nicht zuletzt aufgrund des gesellschaftlichen Wandels immer mehr betrifft. Es gibt viele Faktoren, welche dazu beitragen, dass Mütter erschöpft, depressiv etc. sind. Wenn diesen Müttern ständig vorgehalten wird, was sie alles falsch machen oder unzureichend tun (Stichwort „MOM-SHAMING“, bitte mal googlen) führt das nur zu einer Verschlimmerung des Gefühls von Unzulänglichkeit, Alleingelassen sein, Resignation und Überforderung.

    Ich finde, hier sollte die Gesellschaft wieder mehr zusammenwachsen, statt weiter auseinanderzudriften. Im Zweifelsfall vllt. die Mutter mal fragen, ob man sich kurz mit den Kindern beschäftigen soll, wenn man sieht, dass sie „nicht mehr kann“. Früher hieß es auch „Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen“ – und da ist was dran.

    Also, im Zweifelsfall es vielleicht wenigstens mal VERSUCHEN, die Brille der verständnislosen Vorverurteilung zu ersetzen durch die des Mitgefühls.

    (Ach ja, natürlich gibt es sie, die supertoughen Supermuttis, bei denen alles perfekt und wie am Schnürchen läuft. Und die deshalb prädestiniert dafür sind, alle anderen zu verurteilen, bei denen es nicht so läuft. Aber bitte dran denken: wenn dem so ist, kann es vielfältige Ursachen haben -die meisten sieht man halt nicht auf den ersten Blick. Und wenn man aufgrund „des ersten Blicks“ urteilt ohne alternative Erklärungen in Betracht zu ziehen, dann ist die Frage, wer es sich hier vllt. wirklich zu einfach macht.)

  10. Ich finde, das hat gar nix mit „Erziehung“ zu tun. Wir leben unerzogen, was heißt, dass mein Sohn (5) sich ausleben kann, Entscheidungen für sich selbst trifft und sein Leben bestimmt, SOLANGE niemand anderer sonst von seinem Verhalten beeinflusst wird/beeinträchtigt wird. An diesem Beispiel: Er kann den Kindereinkaufswagen (bzw, meiner steuert mittlerweile lieber den großen) fahren, solange er niemanden groß behindert, stört, verletzt oder die Aufbauten im Supermarkt anfährt. Für mich bedeutet das, dass er nich unbeaufsichtigt durch die Gänge rast, sondern ich bei ihm bin und im Notfall eingreifen kann und ggfls umlenke. Unerzogen heißt nich „renn rum, probiere dich aus und nimm in kauf was passiert“, sondern „ich begleite dich bei deiner Erkundung und passe auf, dass niemandem etwas passiert“. Ich muss mein Kind nicht „erziehen“, damit niemand persönlich oder Ware zu Schaden kommt, ich muss nur aktiv dabei bleiben, eingreifen, ggfls (ein)lenken, erklären und vorlegen. Es ist meine Verantwortung und (noch) nicht seine. Deswegen passe ich auf, dass wir nur bei guter Gemütslage zusammen einkaufen. Und wenn das nicht geht oder zwischenzeitlich Umschläge, greife ich ein. Denn unerzogen/ nicht erziehen heißt nicht, dass es keine Regeln und Grenzen gibt, das wird oft missverstanden. Sobald jmd von unseren Aktionen betroffen ist, gilt es den „Schwächeren“ zu schützen, Grenzen anderer gilt es zu wahren. Ein außer Kontrolle gebratenes Kind mit Einkaufswagen im Laden daran zu hindern, andere zu schädigen, ist nicht gleich „Erziehung“.

  11. Sehr Interessant. Vor allem die Aussage das die Freiheit da beginnt wo man einem anderen nicht schadet.

    Ich gehe davon aus das viele die diesem Text zustimmen, jeden Tag diese Grenze überschreiten. Vor allem dann, wenn Sie nichts ahnend Fleisch und Milch sowie Produkte aus Tierquälerei konsumieren. Die Läden sind aufgebaut um Menschen unserer Gesellschaft das Geld aus der Tasche zu ziehen und gerne auch über unsere Kinder. Die genannten Kinder, zum Glück, sahen nicht den krankhaften KONSUM in diesem Einkaufswagen der schon den lieben kleinen als Kunden von morgen beigebracht werden soll. Sondern Kindgerecht einen Wagen mit dem man Spass haben kann. Ich bin dafür das erst einmal da angefangen werden soll, bevor man sich weiter über die Mütter beschwert die einfach keine Lust mehr haben diesem krankhaften System zu dienen. Sondern das Wort Gemeinschaft mit mehr Werten wie wirkliche Freiheit gerecht werden wollen.

    Und das fängt dabei an Kinder nicht in eine Form zu pressen die unserer Konsumgesellschaft dient.

    Liebe Grüße von einer Mutter die einkaufen mit Kindern hasst, weil sie weiss wie die Kinder manipuliert werden und du als Mutter angehalten wirst immer Nein zu sagen oder nachzugeben. Wo ist da die Freiheit des anderen?!

  12. Das sehe ich absolut genauso. Große Teile unseres Wohlstands, unserer Freiheit und unserer Privilegien beruhen auf dem Schaden anderer.

    Also vielleicht lieber mal in diesen Kategorien denken – nämlich an den ECHTEN Schaden, den andere durch UNSERE Lebensweise und unser ausbeuterisches System erleiden – bevor vermeintlicher Schaden wie „ich fühle mich von fremden Kindern genervt“ moralisiert wird. Schließlich ist diese Art von Schaden – sich zwischendurch von anderen Menschen gestört/genervt zu fühlen – 1. in einer Gemeinschaft unvermeidbar und 2. absolut relativ: was mir tierisch auf die Nerven geht, kann für jemand anderen noch sehr neutral sein (so wird ja auch in kaum einem anderen Land dermaßen ablehnend auf kindverursachte „Störungen“ reagiert wie in Deutschland).

    Sprich: wenn hier schon die vermeintliche Eingrenzung der eigenen Freiheit (durch ein gestörtes Einkaufserlebnis) verurteilt wird – dann doch bitte vollständigkeitshalber auch reflektieren, ob man sich denn selbst konsequent an das eigene Postulat hält, seine Freiheit niemals auf Kosten anderer zu leben.

  13. Ich finde es furchtbar, dass allein das Wort Erziehung in unserer heutigen Gesellschaft einen negativen Beigeschmack hat. Es wird mit Beschneidung der Freiheit und Einschränkung gleich gesetzt. Denn Kindern wird gar kein Anwalt mehr mitgegeben, keine Grenzen, keine Idee von gutem und schlechten Verhalten. Ich persönlich empfinde diesen Trend als bedenklich, denn dadurch entstehen haufenweise Situationen, wie in diesem Beitrag beschrieben. Und wird sich aufgeregt, dass den Kindern heutzutage keine Toleranz mehr entgegengebracht wird, wie sollte das möglich sein, wenn Eltern ihren Kindern keine gesellschaftlichsverträglichen Regeln vermitteln?

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