Mehr Zeit für die Familie, auch für Papa – aber wie soll das gehen? Unsere Entscheidung

Seit 5 Jahren sind wir nun Eltern und gefühlt doch erst seit gestern. Die Zeit scheint uns aus den Händen zu rinnen. Erst gestern hielten wir doch noch unsere erste Tochter in den Armen, fing das Abenteuer Eltern doch gerade erst an. Ein Jahr mit diesem kleinen Baby ist verflogen und zack, tat sie schon ihre ersten Schritte. Eigentlich hatten wir uns gerade so ein bisschen ans Elternsein gewöhnt, da beamte sich Nr. 2 von den Sternen runter. Als ich mit dem kleinen Bruder schwanger war, war unser Lütti keine zwei Jahre alt. Ja, irgendwie ging alles für mich zu schnell, aber an diese Schnelligkeit, an die müssen Eltern sich wohl einfach gewöhnen. Gerade noch das kleine Baby, welches wir überall gerne hingetragen haben, dann schon der King on the Dancefloor. Ja, sprechen konnte Baby CJ da noch nicht, aber tanzen :-)

Seine große Schwester erklärt uns längst die Welt, wir sind so überrascht über ihre Argumentationsketten und oft sprachlos, welche Wörter alle aus ihr heraus kommen. „Peripher“ aus dem Mund einer 5-Jährigen hört sich einfach komisch an. Ihr Bruder ist der größte Scherzkeks, am besten ist es, wenn er sich mit seinen zwei Lenzen selbst über seine Scherze wegschmeißt. Und das, wo er doch gefühlt gestern erst auf seinen kleinen Beinchen laufen gelernt hat.

Ja, die Zeit verfliegt. Mindestens doppelt so schnell, das sieht man auch daran, wie wir die letzten 5 Jahre gealtert sind – aber das ist ein anders Thema. Ich glaube, keinen Eltern muss man die Sache mit dem Schlafentzug erklären. Es ist zwar nicht so, dass ich der Zeit hinterher trauere. Nein, jede Zeit mit dem Kind hat etwas tolles, etwas besonderes. Aber trotzdem habe ich ein Gefühl, was mich sehr bestimmt: Ich muss diese Zeit mit meinen Kindern nutzen, denn sie ist endlich.

Zeit, in der ich ihnen die Welt erklären darf. Zeit, in der sie noch an Wunder glauben. Zeit, in der allein Mama und Papa ihre größten Helden sind. Zeit, in der sie völlig unvoreingenommen an alles herangehen. Zeit, in der ihr Vertrauen in ihre Eltern ihr Glück bestimmt. Zeit, in der ihre Entwicklung im Überschlagstempo voranschreitet. Zeit, in der für sie jeder Tag noch etwas neues bereithält.

Ja, ich habe mich schon früh dazu entschieden, dass ich diese Zeit mit meinen Kindern intensiv nutzen möchte. Habe ich nach wenigen Monaten mit meiner erstern Tochter zuhause noch einen tollen Job angenommen, war bei Kind Nr. 2 klar: Ich möchte mich selbstständig machen. Ja, das bedeutet oft mehr Arbeit bei weniger Geld und höherem Risko. Das bedeutet aber oft auch viel mehr Flexibilität und freie Zeiteinteilung. Auch als mir im letztem Jahr um diese Zeit ein wirklicher Bombenjob angeboten wurde, habe ich diesen wohlüberlegt abgelehnt. Nicht jetzt. Jetzt ist etwas anderes für mich wichtig.

Aber Eltern, das sind doch zwei. Und ja, dem Papa geht es doch ganz genauso. Die Zeit rennt für ihn sogar oft noch viel schneller. Die Zeitfenster, wann er die Kinder aufwachsen sehen kann, sind häufig viel kürzer. Oft haben wir in den vergangenen Jahren darüber gesprochen, ob mein Mann seine Stunden reduziert. Dank eines sehr familienfreundlichen Arbeitgebers war es ihm möglich schon viel Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. Sie morgens zur Kita zu bringen, abends noch etwas mit ihnen zu spielen und häufig auch einen Nachmittag in der Woche mit ihnen zu verbringen. Das war toll. Das ist leider heute immer noch eher eine Ausnahme als die Regel. Das mussten wir auch feststellen, als mein Mann nach dem Umzug einen neuen Job angenommen hat.

Da hat sie uns wieder ereilt. Die Frage nach dem, was wirklich wichtig ist. Für uns ist das einfach ganz klar Zeit gemeinsam als Familie. Das steht ganz oben auf der Liste. Und damit meine ich nicht Mama mit den Kindern oder Papa mit den Kindern, sondern wir alle zusammen. Und so nach und nach, ist dann hier eine Entscheidung gereift. Es wurde die Rechnung aufgemacht, wieviel Geld eigentlich wirklich nötig ist. Ich meine so, wenn man jetzt nicht spart auf ein Eigenheim, eins abbezahlen muss, kein zweites Auto kauft – also dass man sich einmal anschaut, was braucht man wirklich. Und dann ist die Entscheidung gefallen: Wir wollen, zumindest erst einmal bis unsere Tochter zur Schule geht, uns weniger Geld als dafür Zeit verdienen. Denn Zeit ist für uns kostbarer.

Also alles schick? Ja wären da nicht die kleinen Bauchschmerzen. Mein Mann wird nicht weiterhin festangestellt arbeiten. Zwei Selbstständige heißt auch doppeltes Risiko. Das ist nichts für Menschen, die damit nicht ruhig schlafen können. Es heißt auch, dass man in der Zeit von Aufträgen hart und viel arbeiten muss. Das hat oft nichts mit einem 8 Stunden Arbeitstag und geregelten Arbeitszeiten zu tun. Wer das nicht mag, für den ist das nichts. Und nein, Aufträge befinden sich nicht immer direkt vor der Haustür. Manchmal muss man es in Kauf nehmen zu fahren, oder auch mal von Zuhause fort zu sein. Das ist auch nicht gerade einfach. Für den, der weg ist, und für die, die da bleiben. Wir wollen es ausprobieren. Ausprobieren immer so viel zu arbeiten, dass wir dann auch wieder frei machen können.

Ob das was für uns ist? Das wissen wir nicht. Ob das überhaupt funktionieren kann? Das wissen wir auch noch nicht. Aber was wir wissen: Wir sind Menschen, denen es wichtiger ist Dinge zu probieren, als immer zu sagen: Hätte, hätte, Fahrradkette. Also, es geht los. Auf ein spannendes 2018!


* Mit Sternchen gekennzeichnete Links sind Affiliate/Provisions-Links (zB für Amazon): Falls ihr über diesen Link etwas kauft, bekomme ich eine Provision. Für euch ist der Preis natürlich gleich!

9 Gedanken zu “Mehr Zeit für die Familie, auch für Papa – aber wie soll das gehen? Unsere Entscheidung”

  1. Hallo Sarah,
    Was für eine mutige Entscheidung von euch! Und auch meinen größten Respekt dafür. Eure Kinder werden sich sicher freuen wenn ihr mehr Zeit für Sie habt.
    Ich drücke euch ganz fest die Daumen das ihr erfolgreich seid und alles so wird wie ihr es euch wünscht

  2. Liebe Sarah,
    ich drücke Euch ganz, ganz fest die Daumen das Euer Plan aufgeht und Ihr mit dieser Entscheidung in ein Leben mit etwas mehr Familienzeit starten könnt. Langzeit-Erfolgreich und wirklich glücklich. Ich bin im letzten Jahr zurück gerudert. Über 9 Jahre waren wir beide selbstständig. Unsere Große wird in ein paar Tagen 9. Ja, die Zeit als selbstständige konnte ich mir frei einteilen und ja, das Geld war auch nicht schlecht. Die Arbeit hat irre Spaß gemacht… UlAllerdings war ich diejenige diejenige die nicht mehr richtig schlafen konnte. 2 Kinder, ein Haus, zwei Firmen. Die ständige Unruhe ob denn die Aufträge reichen. Um Gottes Willen ja niemand von uns beiden mal ernsthaft krank wird.. Es hat mich zermürbt. Ich bin nun fest angestellt. Immer noch recht flexibel in der Zeiteinteilung, weniger Geld. Und doch ist mir bei der Aufgabe des Gewerbes ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. So laut das es alle um mich herum gehört haben. Ein festes Gehalt im Haus. Die Geundbasis. Für mich nicht mehr anders denkbar…

  3. Hallo Sarah,
    was für eine mutige Entscheidung Leider ist es in Deutschland und in vielen, nein allen, westlichen Ländern so, dass die Arbeitgeber, häufig auch, in ihre Unternehmensleitbilder etwas von Vereinbarkeit von Familie und Beruf schreiben. In der Realität sieht es aber so aus, dass es nicht funktioniert. Vllt. haben die verschiedenen Anspruchsgruppen auch unterschiedliche Vorstellungen von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?! Für mich käme solch eine Entycheidung, wie ihr sie getroffen habt nicht in Frage. Ich bin alleinerziehend. In vielen Fällen klappt es mit dem Vater meiner Pippilotta gut. (Solange es seeeehr langfristig abgesprochen ist und selbst dann funktioniert es nicht) Das bedeutet natürlich auch, dass die Betreuungslast zu 95% bri mir liegt. Deshalb ist es mir wichtig, dass ich immer ausreichend Zeit und auch Geld für unser Leben habe. Ich habe das Glück, dass ich als Lehrerin einen Teil meines Tages frei einteilen kann. Das bedeutet natürlich auch, dass ich häufig noch spät abends am Arbeiten bin. Dafür genieße ich die Zeit mit meiner Pippilotta in vollen Zügen. Ich drücke euch die Daumen, dass es gut klappt. ✊
    Liebe Grüße

  4. Mutige aber vor allem tolle Entscheidung!!!
    Wie selten trifft man auf so mutige Menschen, die sich einfach mal trauen die Familie über den Job zu stellen und nicht nur davon reden. Toll!
    Ich muss in zwei Wochen nach meiner zweiten Elternzeit auch wieder ran. Diesmal aber mit weniger Stunden. Vollzeit ist für mich einfach zu wenig entspannte Zeit mit meinen Kindern und meinem Mann. Der mir übrigens auch die meiste Zeit den Rücken frei hält (als Student) und wenn er arbeitet weit weg ist. Das ist für uns alle schwer und für mich und die Kinder sehr anstrengend… Aber so verdient er unseren Urlaub, auf den wir auch nicht verzichten wollen.
    So haben wir alle unser Päckchen zu tragen ;-) aber zum Glück können wir es uns aussuchen… Und versuchen das Beste draus zu machen!!!
    Viel Erfolg für die Selbstständigkeit und viel Spaß mit der Familie!!!

  5. Ganz toll, dass Ihr das macht und Du darüber schreibst! Bei uns bin ich bei den Kindern zuhause und natürlich bedeutet das finanzielle Einbussen, wenn nicht beide voll oder zumindest eineinhalb Gehälter zusammen verdienen. Aber es geht um Prioritäten und da ist uns vor allem wichtig: morgens zusammen frühstücken, abends zusammen Abendessen. Und wenn möglich auch noch Zeit dazwischen. Im Moment habe ich das Glück, den Wochentag mit den Kindern zu haben. Aber wir planen in den Köpfen schon die Selbständigkeit… Danke für den Anstoß nochmal!!
    Liebe Grüße Insa

  6. Liebe Sarah, das sind ja aufregende Neuigkeiten! Ich drücke euch die Daumen, dass auch dieser Weg ein erfolgreicher wird und bewundere euch für euren Mut, diese Entscheidung zu treffen. Ich bin mir sicher, ihr werdet mit der wertvollsten Währung der Welt bezahlt: die Zeit füreinander <3
    Ganz liebe Grüße
    Dani

Schreibe einen Kommentar