Ich alleine fliegen mit zwei Kleinkindern. Joah, ich weiß auch nicht, in welchem geistig umnachteten Moment ich diese Entscheidung getroffen habe. Aber am Vortag noch drüber gesprochen und am nächsten Tag gebucht. Dann rausgefunden, dass der Zeitunterschied heißt: Nicht 2,5 Stunden Flug, sondern 3,5. Läuft. Gebucht haben wir übrigens einen Billigflieger. Komfort an Board könnte es schließlich einfacher machen, also besser drauf verzichten.

Aber mal von vorn: unsere Freunde sind in Portugal und wir eingeladen, sie zu besuchen. Hört sich gut an. Viel besser als die Hamburger Spielplätze. Also schau ich noch am Abend nach Fliegern und zack, habe ich schon am nächsten Morgen gebucht. Da es der einzige Flieger direkt hin und zurück ist, fällt die Wahl auf Ryanair. Umsteigen mit den Kids finde ich jetzt nicht gerade eine Option. Die Kids sind übrigens 1,5 und 4. Also schön im Alter „Mach ich nicht!“ oder „Alleine!“ Aber ok, fliegen, das kennen sie schon und das kann ja nun auch alleine mit den Kindern auch nicht so schlimm sein.

Wirklich nicht? Frage ich mich dann doch ein paar Tage später. Klappt das wohl? Mhmm. War das vielleicht doch ne Scheißidee? Ja, ich kann nicht sagen, dass mir nicht Zweifel aufkamen. Spätestens als ich die zwei ein paar Tage vorher nicht mal den Weg vom Spielplatz nach Hause gekriegt habe. 13 Kilo, die sich wie ein Aal auf meinem Arm winden und „leine, leine, leine“ (was soviel wie ‚alleine‘ heißt) schreien und eine 4-jährige, die den Sitzstreik einläutet. Nö, läuft, dachte ich. Locker fliege ich mit denen nach Lissabon – nicht.

Aber, wir machen es natürlich doch. Versuchen so wenig Gepäck wie möglich mitzunehmen, die 4-jährige zu überzeugen, dass es nur EINEN Kinderkoffer gibt, den sie im Notfall an den Kleinen abtreten muss und los. Ab zum Flughafen.

Es ist Dienstag, halb zehn, und warum auch immer tanzt am Flughafen der Papst im Kettenhemd. Aber es gibt ja eine Family Lane. Ok, die ist 5 Meter lang, dann geht man wie alle anderen auf 200 Meter völlig überfüllten Weg und in Schleifen bis zum Security Check. Nö, super. Ich trage 13 Kilo Baby, irgendwann zwei Kinder Rucksäcke, Handtasche und ziehe zwei kleine Koffer hinter mir her. Ok, ich bin in Schweiß. Erster kleiner Tipp an dieser Stelle

  • ja, es gibt Leihbuggys am Flughafen, am Sperrgepäckschalter

An der Sicherheitskontrolle dachte ich, ich frage mal, ob es nicht dort noch einen dieser Buggys gibt. Würde jetzt echt helfen. Bombentipp vom Beamten: „Die gibt’s am Sperrgepäckschalter, da müssen sie nochmal ganz zurück“. Vielen Dank für gar nichts, sagte ich da mal. Also ab zum Gate. Unseres ist A38, also am Ende des Flughafens oder am Arsch der Heide. Den Kleinen in die Trage und los geht’s. Ich und zwei Kinder, zwei Koffer, zwei Rucksäcke und eine Handtasche. Was ich dann das nächste Mal anders machen würde:

  • auch wenn das Gepäck was kostet, es macht durchaus Sinn fast alles aufzugeben

Am Schalter angekommen entsteht der Eindruck, wir wären am Sonntagnachmittag auf dem Weihnachtsmarkt. Vier Gates Billigflieger und man hat den Eindruck, es gäbe was ganz Tolles umsonst. Es ist mega überfüllt und ich frage, ob wir mit Kindern als erstes einsteigen dürfen. Nö, das hätte man gegen Aufpreis dazu buchen müssen. Im Nachhinein fast ein Glücksfall, denn des Einsteigen hat insgesamt, glaube ich, fast eine halbe Stunde gedauert:

  • mit Kindern als letztes einsteigen gibt denen viel mehr Zeit sich noch zu bewegen

Im Flieger steht unserer Sitznachbarin der Schreck in die Augen geschrieben, als sie sieht, dass die letzten, die da reinkommen, ausgerechnet eine Frau mit zwei kleinen Kindern sind. Nun ja, zugegebenermaßen sieht der Sechser im Lotto anders aus. Das Boardpersonal ist so freundlich, mir die letzten drei zu gehenden Sitzreihen mit dem Gepäck zu helfen. Nun ja. Was für Kinder ist an Board Fehlanzeige. Ok, ist ja auch ein Billigflieger, da sind Buntstifte oder so halt auch nicht drin. Aber haben wir alles dabei:

  • Buntstifte, ordentlich Süßes, Quetschies, was zu trinken, Laugenstange, Rosinenbrötchen, Pixies

Das rettet eine ganze Zeit im Flieger. So ’ne Stunde um genau zu sein. Dann kommt die erste Wunderwaffe an den Start:

  • Tablet mit Peppa Wutz, Bobo und Charlie und Lola

Zwei Kinder, ein Tablet läuft nur bedingt, aber jetzt kommt das Beste, was mir wirklich einen angenehmen Flug beschert hat: Nina vom Blog Juramama hat mir die besten App Tipps überhaupt gegeben und die kleine Katze hat mir quasi den Flug gerettet. Was wir sonst noch so runter geladen haben:

  • gute Apps für Kinder sind von Fox and Sheep besagtes Kätzchen, aber auch Ponys frisieren, Zirkus oder Tierarzt sind toll

In Lissabon angekommen, hatten wir leider Pech. Pünktlich gelandet, mussten wir noch 20 Minuten auf den Bus zum Flughafengebäude warten. Billigflieger eben. Startet am Arsch der Heide, landet am Arsch der Heide… Nun ja. Jetzt sind wir ja da. Das denkt man zumindest. Nur noch die Tasche mit dem Buggy vom Laufband holen und der Urlaub kann beginnen. Aber wo ist denn die Tasche? Auf dem Laufband jedenfalls nicht. Also ab zum Sperrgepäck. Joah, dafür hat man sich wieder einen besonderen Platz ausgedacht. Das mit der Heide war dann auch hier Programm. Wir also über den gesamten Flughafen. CJ in der Trage, das restliche Gepäck auf einem Wagen. Aber wenn es läuft, dann so richtig. Der Kinderkoffer fliegt im hohen Bogen runter und springt auf… Nun ja, brauche ich glaub‘ ich nicht sagen, was ich gesagt habe. Fängt mit „SCH“ an. Am Ende angekommen, ist vom Buggy wieder keine Spur. Also frage ich nach, was nun zu tun ist. Der Rynair-Schalter ist wo? Ja richtig, am anderen Ende des Flughafens. Also alle wieder zurück. Gott sei Dank nochmal geistesgegenwärtig am Gepäckband geschaut und was dreht da allein seine Runden? Die Buggytasche.

Alles in allem ist es echt gut gelaufen. Die Kinder waren einfach SPITZE. Kinder- oder Familienfreundlichkeit sieht aber, denke ich, anders aus…