Kürzlich an einem Wasserbecken auf dem Spielplatz: „Frederik, bitte versuche doch dem Elia nicht ins Gesicht zu schießen.“
Dem Zweijährigen ist auf deutsch gesagt scheißegal, was seine liebe Mütter ihm da flüstert. Mir geht bei der Wortstellung aber auch mit Mitte 30 nicht auf, was er da machen soll. Ist das ein freundliche Empfehlung? Oder versucht sie ihn gerade zu erziehen?

Ok, es darf bereits darüber diskutiert werden, ob Zweijährige unbedingt mit Wasserpistolen rumrennen müssen, die mindestens halb so groß sind wie sie selbst und glaube ich auch Pumpgun genannt werden. Aber in Ordnung, Entscheidung der Eltern. Aber es geht weiter am Wasserbecken: „Versuchst du bitte dem Jungen nicht ins Gesicht zu schießen? Das magst du doch auch nicht.“ Keine Reaktion. Und wieder: „Frederik, bitte versuche doch dem Elia nicht ins Gesicht zu schießen. Frederik, bitte.“ Bitte, danke, versuch doch mal????!!!! Ich bin kurz davor aufzuspringen und dem Bengel das Ding eigenhändig aus den Händen zu reißen. Aber es geht noch weiter.

Frederik erweitert seinen Radius und der geht einmal im Kreis. „Frederik, nein, die Leute wollen hier nicht mit Wasser beschossen werden. Frederik, bitte versuche woanders hin zu schießen.“ Einen, den der liebe Frederik mitten ins Gesicht getroffen hat, ist mein einjähriger Sohn. Mir platzt der Arsch und ich sage laut und deutlich „FREDERIK, ICH ZÄHL BIS DREI UND DANN IST DAS SCHEISSDING WEG!“ Ok, das „scheiß“ hätte ich mir vielleicht aus pädagogischen Gesichtspunkten sparen können, aber sorry:

Wenn ihr eure Kinder schon nicht für euch selbst erzieht, dann doch bitte für die Gesellschaft!

Ja, ich habe bestimmt keine zwei Engel daheim und ich bin weit davon entfernt einen Erziehungsratgeber zu schreiben. Was ich aber schon als wichtig und richtig empfinde, ist Kindern KLARE Grenzen aufzuzeigen. Einen Radius, in dem sie sich bewegen. Wird die Grenze überschritten, gibt es eine Konsequenz. Und die muss es geben. Bitte und Danke ist ja schön, aber an irgendeinem Punkt auch über. Und ein Kind muss verstehen, was es darf und was es nicht darf und nicht ‚versuchen‘ etwas nicht zu machen. Jesper Juul, einer der bekanntesten Familientherapeuten, sagt, die meisten Konflikte in der Familie entstehen deshalb, weil ihre Mitglieder nicht in der Lage sind, Nein zu sagen, obwohl sie es möchten. Weil sie sich nicht abgrenzen und nicht deutlich genug ausdrücken. Dieses Verhalten hat Folgen. Wir scheuen die momentane Auseinandersetzung und produzieren damit umso mehr Konflikte in der Zukunft.