Stillen – ein Thema, das die Läger trennt, leider auch die der Mütter

Ja, ich stille mein Kind. Trotzdem bin ich keine Stillmami, die dies als einzig richtige Ernährung für einen Säugling sieht. Das Thema regt auf. Mich zumindest. Und das ist nicht das Stillen an sich, sondern der Umgang damit. Bei meiner ersten Tochter stellte sich gar nicht die Frage, ob ich stillen möchte oder nicht. Ich habe mich das nicht gefragt. Möchte ich das wirklich? Spätestens im Geburtsvorbereitungskurs wurde mir eingetrichtert, dass dies die einzige, wahre Ernährung für meinen Säugling wäre. Also habe ich gestillt. Mir brav wie im Krankenhaus gelernt auch nachts alle 2 bzw drei Stunden den Handywecker gestellt um zu stillen. Jede Seite 20 Minuten, dazwischen wickeln. War ein ganz schöner Stress. Im Rückbildungskurs ging das Ganze weiter. Eine Mutter gab ihrem Kind die Flasche. Unter Argussaugen der Hebamme und den anderen Still-Mamis. Warum sie so schauten? Ich weiß es nicht. Fragen wie „Kann sie nicht stillen?“ kamen auf. Wollte sie es nicht, kam gar nicht in Frage.

Das erste Mal, dass ich am eigenen Leib spürte, dass Stillen wohl ein Muss ist, war als unsere Tochter schon ein paar Monate alt war. Abends konnte sie keinen Schlaf finden und wir Eltern gingen schon auf dem Zahnfleisch. Nach Pezziball, Rumtragen, Haushaltsgeräusche App, etc.pp. gaben wir ihr eine große Flasche Pre-Milch. Sie schlief selig. Am kommenden Tag bei der Rückbildung fragte ich die Hebamme, ob möglicherweise meine Milch nicht mehr ausreicht. Mit dem Feedback hatte ich allerdings nicht gerechnet. Flasche Pre-Milch? Das sei ja wohl definitiv der erste Schritt zum Abstillen! Jedes Kind würde die sehr viel süßere Mich aus der sehr viel einfacher zu trinkenden Flasche der Brust vorziehen!!! Ich war platt. War ich eine Rabenmutter?

Gott sei Dank hatte ich Mütter an meiner Seite, die nicht so verurteilend waren. Ich habe für mich auch einen Weg gefunden das Stillen zu genießen und so meine Tochter fast 12 Monate gestillt. Ohne den Druck zu verspüren, das müsste ich machen.

Nun habe ich vor wenigen Wochen ein zweites Kind bekommen. Diesmal habe ich mir ganz bewusst die Frage gestellt, ob ich stillen möchte. Und ich habe mich dafür entschieden. Allerdings dafür, solange es für alle Beteiligten Sinn macht. Für alle Beteiligten heißt neben dem Säugling auch für mich als Mutter. Und das von Anfang an. Ich habe nach dieser Geburt nur eine Nacht im Krankenhaus verbracht. Eine, die in puncto Stillen völlig ausreicht, um nicht wieder völlig brain-washed nach Hause zu gehen. Denn in dieser Nacht wurden ich und mein Sohn viermal geweckt. Grund war die Nachfrage, ob ich auch gestillt hätte. Beim vierten Mal bin ich an die Decke gegangen. Darauf sagte die Hebamme, sie müsse darauf achten, dass die Kinder 10-12 Mal am Tag für 20 Minuten pro Seite angelegt werden. Aha. Ich weiß nicht wie es anderen nach der Geburt so geht, aber ich und mein Sohn brauchten vor allen Dingen eins: Ruhe und Schlaf. Das haben wir Zuhause gefunden. Hier haben wir Gott sei Dank eine Hebamme, die Stillen nach Bedarf wörtlich nimmt: nämlich dass sich das Kind meldet, wenn es Bedarf hat. Unser Baby ist momentan eher Mr. von und zu Schnarch. Heißt er pennt gerne. Vor allem nachts. Über Tag, vor allem vormittags, nimmt er gern 1-3 Frühstücke zu sich. Passt.

Stillen ist nicht immer praktisch. Fürs Stillen braucht man Zeit und Ruhe. Und man hat seinen Busen in der Öffentlichkeit raushängen. Da bin ich nicht so ein Freund von und die Blicke sind auch nicht immer schön. Flasche ist auch nicht immer praktisch, für die braucht man Zeit, Heißwasser, abgekochte Flaschen. Und die Blicke sind mit Sicherheit auch nicht schön. Vor allem die der Still-Mamis. Also kein Unterschied im Aufriss und in der Wahrnehmung.

Stillen ist inniger für Mutter und Kind. Sehe ich nicht so. Beim Fläschchengeben muss man die Flasche halten. Heißt Hände sind nicht frei für Telefon, Buch und Magazin. Zwar fehlt das am Busen nuckeln, dafür hat Baby aber wahrscheinlich eher Mamas Augen auf sich.

Muttermilch ist das Beste fürs Kind. Von der WHO sind sechs Monate empfohlen. Ja, die gehen aber in ihren Empfehlungen nicht unbedingt von Industrienationen wie Deutschland aus. Hier ist die Flaschennahrung sehr gut. Warum sonst kaufen uns die Chinesen den Markt leer?

Ich sehe also für mich keinen groben Nachteil für Flaschenkinder. Und keinen immensen Vorteil für Stillkinder. Jeder oder besser Jede soll entscheiden, was für ihr Kind und sie! der richtige Weg ist. Und wenn wir Mütter da nicht liberal sind, wer dann?


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16 Gedanken zu “Stillen – ein Thema, das die Läger trennt, leider auch die der Mütter”

  1. D A N K E !!!
    Ich konnte nicht (bzw. nur eine ganz ganz kurze Zeit) stillen und es war der Horror – also weder das Stillen noch das anschließende Nicht-Stillen sondern vielmehr die verletzenden Blicke und Kommentare des Umfelds! Hoffentlich finden wir in ein paar Wochen einen besseren Weg…

  2. Gut, dass du einen Weg für euch gefunden hast, trotz der merkwürdigen Panikmacherei. Als wären frische Mütter nicht sowieso schon gestresst und in vielen Dingen unsicher genug.

    Ich selber hatte zum Glück eher pragmatische Hebammen zur Seite, die mir bei anfänglichen Stillschwierigkeiten geholfen und Mut gemacht haben. Bei den Vor- und Nachteilen von Muttermilch und Flaschennahrung würde ich gerne noch einen Weg in der Mitte erwähnen: Die eigene abgepumpte Milch über die Flasche zu füttern. Dabei fällt zwar zusätzliche Zeit fürs Pumpen an, dafür hält diese Milch bei Zimmertemperatur 6-8 Stunden frisch, ist dann also sofort zur Hand wenn man sie braucht (kann aber auch problemlos eingefroren werden). Ganz wichtig ist dabei auch, dass dadurch die eigene Milchproduktion weiter angeregt wird.
    Ich nutze inzwischen alle drei Möglichkeiten nach Bedarf und seitdem ich das so akzeptiert habe, sind alle beteiligten deutlich entspannter, auch und vor allem beim Stillen.

  3. DANKE!
    Danke,dass jmd mal das sagt, was auch andere Frauen gerne sagen wollen, aber nicht können oder sich nicht trauen.
    Diese Blicke oder die Kommentare… All das habe auch ich erlebt und ich kann für mich selbst sagen: ja, es war anstrengend und frustrierend.
    Ich habe drei Monate gestillt und hätte es weiterhin geklappt, würde ich es immer noch tun,aber ab dem zweiten Monat hat mein Kind nicht mehr zugenommen. Ich habe alles gegeben: Stillen, abgepumpte Milch geben,dann abpumpen,dann abgepumpte Milch kühlen… Pumpe waschen…30-45 min pause und dann wieder das Gleiche von vorne-das habe ich vier Wochen gemacht, bis ich mit den Nerven und mit meiner Geduld am Ende war.
    Naja umso ernüchternd war das Ergebnis: nach vier Wochen hatte meine Maus keine 200gramm zugenommen :(
    Meine Hebamme hat mir mein schlechtes Gewissen bzgl des Abstillens genommen und ich fing an sofort die Flasche zu geben und siehe da: Baby nimmt zu, schreit nicht mehr und schläft wieder.

    Es sollte jedem selbst überlassen sein,wie man sein Baby ernährt. Ich bin eine Mutter und will das Beste für mein Baby, solange es.wächst und gedeiht, kann mir keiner mehr Vorwürfe machen, vor allem die Mütter selbst sollten sich das nicht antun,denn die Kleinen spüren das.

  4. GROßARTIG!!!
    Ich kann die Diskussion auch nicht verstehen!
    Wir haben das Glück und Privileg zwischen stillen und Flasche zu wählen! Und die Wahl des Mittels hängt von den Bedürfnissen von Mutter und Kind ab! Nicht von den Dogmen, die manche hierzu aufstellen!

  5. Liebe Sarah,

    VIELEN DANK für diesen wirklich unfassbar tollen Artikel. Ich habe erst vor kurzem einen StillPost geschrieben, der leider in einem ShitStorm endete,… wahrscheinlich habe ich zu emotional, zu „genervt“ geschrieben und nicht Sachlich genug. Nochmals Danke für Deinen Artikel. Chapeau! xx

  6. Die Stations-Hebamme zum Thema Stillen ( bei Kind Nummer drei): “ sie wissen ja alles, klappt alles? super!“ und das wars;-)! Ich bin ihr jetzt noch dankbar für die völlig stressfreie Zeit…ich hatte bei Kind zwei und drei jeweils total entspannte (ältere) Hebammen und obwohl es beide Male Kaiserschnitte waren hat alles einwandfrei funktioniert. Ich glaub die Atmosphäre macht UNGLAUBLICH viel aus. Und ich finde auch, dass jede Mutter für sich selber entscheiden sollte, was für SIE passt. Kinder brauchen keine gestresste Mamas sondern Zufriedene. Das wir Frauen da so hart miteinander ins Gericht gehen, geht gar nicht:-)

  7. „Muttermilch ist das Beste fürs Kind. Von der WHO sind sechs Monate empfohlen. Ja, die gehen aber in ihren Empfehlungen nicht unbedingt von Industrienationen wie Deutschland aus. Hier ist die Flaschennahrung sehr gut. “ – klar stimmt das das die Flaschennahrung hier bei uns sehr gut ist, trotzdem kommt sie in ihrer Zusammensetzung der Mumi nicht wirklich nach. #klugscheisern ;) finde den Artikel sonst gut geschrieben und finde es auch schrecklich das sich mütter unter sich so fertig machen! Vor allem in den ersten Monaten rechtfertigen sich die flaschenmuttis und in den späteren die stillmuttis! Ist doch bescheuert! Jeder doch so wie er mag und es passt!

  8. Hallo Sarah, der Artikel ist schon älter, aber ich bin beim Stöbern darauf gestoßen und wollte trotzdem mal da lassen, dass er großartig ist! Großes Thema… ich habe zwei Kinder nicht stillen können und hoffe, dass es jetzt bei Nummer 3 klappt.
    Danke für den Zuspruch und Deine differenzierte Haltung!
    Liebe Grüße, Sophia

    http://www.memamamini.com

  9. Ich fande stillen anfangs sehr anstrengend. Zum Glück hatte ich eine hebamme die mir geholfen hat das hinzubekommen. Froh froh weil ich vor kurzem eine reportage geschaut habeüber muttermilch und ihre Auswirkungen auf unsere Gesundheit bis zum späteren Alter also 60 +. Diabetes, Krebs…
    Im muttermilch haben die Wissenschaftler einen Enzym gerausgegunfen der in der krebstherapie eingesetzt wird.
    https://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/neue-studie-muttermilch-milchproteine-wirken-gegen-krebstumore-und-infektionen-20180507409263

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