Waaaas, du stillst immer noch??!!

Ganz ehrlich: ich find’s zum Kotzen! Diese Menschen, die mit so unnachgefragten Aussagen, welche nur pro forma als Frage formuliert werden, dir ihre Scheißmeinung entgegenknallen. Danke: not needed! Sorry, dass ich mich jetzt wieder so aufrege, aber wer diesen Blog ein wenig kennt, der weiß, ich nehme ungern ein Blatt vor den Mund und das hier, das regt mich auf. By the way: mein Sohn ist 10 Monate. Vom Stillen bis zum Schulbus ist es also noch ein wenig hin…

Stillen ja oder nein?

Nein, ich bin nicht eine dieser Stillmamas. Nein, ich bin niemand, der Frauen ihre Meinung aufdrücken will, Stillen sei das einzig Richtige für ihr Baby. Ich hätte jetzt ja fast geschrieben: für sie und ihr Baby, aber diese Stillverfechter lassen die Mutter selbst ja meist außen vor. Da zählt nur der Nachwuchs und Stillen scheint Vorschrift. Ich bin recht liberal, was dieses Thema angeht. Jeder so wie er mag. Oder besser, wie sie mag. Leider weiß ich, dass viele hier anders unterwegs sind. Aus diesem Grunde hatte ich mal den Artikel geschrieben: Stillen – ein Thema das die Läger trennt, leider auch die der Mütter. Besonders bei meinem ersten Kind habe ich durch die Gesellschaft erlebt, dass gar keine Frage gibt: Stillen, ja oder nein? Wer nicht stillt, kann nicht stillen und ist arm dran. Oder aber, und da wird es für mich richtig schlimm: wer nicht stillt, ist eine Rabenmutter. Es ist meiner Meinung nach durchaus legitim, sich selbst die Frage zu stellen: Möchte ich stillen? Ich habe mir diese Frage bei Kind Nummer zwei mit Ja beantwortet. Und dieses Ja, dass war oft auch nicht gerade einfach. Das ist jetzt ehrlich gesagt ziemlich geschönt ausgedrückt. Ich hätte nämlich fast wieder abgestillt.

Was hilft beim Milcheinschuss?

Zur Hölle, sollte hier noch ergänzt werden. Ich habe gedacht, ich explodiere. Nach Kohl stinkend habe ich zwei heiße Fussbälle quasi der ganzen Welt zur Schau gestellt. Eine Bedeckung dieser war nämlich nicht möglich. Ich habe eine ganze Menge Tipps gekriegt, ich habe mir eine Menge einfallen lassen. Nach zu lesen unter Stillen – Überlebensstrategien einer Milchmaschine. Und ich bin an den Punkt gekommen, dass das Stillen insgesamt gut klappt und wir, mein Sohn und ich, das Stillen zum Großteil sehr genießen. Beide. Nebenbei befriedige ich auch die Norm der Gesellschaft: ich stille mein Kind. Offensichtlich gibt es zur Norm Stillen aber auch schon eine vorgefertigte Antwort der Gesellschaft auf die Frage:

Wie lange stillen?

Es geht sogar weiter mit: Wie lange ist Stillen normal? Und ich finde das schlägt doch jetzt dem Fass den Boden aus. Nicht nur, dass es bereits eine Antwort auf die Frage Stillen ja oder nein gibt, nein, auch die Dauer scheint die Gesellschaft schon für mich als Mutter bestimmt zu haben. Zumindest suggeriert sie mir das. Ich will der Gesellschaft einmal antworten: die durchschnittliche Gesamtstilldauer liegt bei 30 Monaten, wobei sich die Kulturen hier gravierend unterscheiden. In Frankreich wird zum Krippenstart (mit 6 Wochen) abgestillt oder gar nicht angefangen und in manchen afrikanischen Gegenden werden Kinder bis zu vier Jahren gestillt. Die WHO empfiehlt im übrigen auch Müttern in Industrienation ihr Kind begleitend zur Beikost bis zum zweiten Geburtstag oder sogar darüber hinaus zu stillen. Im übrigen mit dem Zusatz: Wenn es ihnen (also den Müttern) damit gut geht. Nach Umfrage der Zeitschrift Eltern geben übrigens die Hälfte der Befragten an, ihr Kind über den ersten Geburtstag hinaus gestillt zu haben. Mehr dazu übrigens hier, wo die Eltern sehr sympathisch fragte, wie lange WILL ICH meinem Kind die Brust geben.

Warum stillen?

Wir hier in Deutschland sind in der ziemlich prädestinierten Lage selber entscheiden zu können, ob wir unser Baby stillen möchten oder nicht. Ganz anders sieht das in den meisten Ländern der Welt aus. Wir Mütter können hier auf hochwertige Babynahrung zurückgreifen. Warum stille ich mein Kind also? Oder warum stille ich mein Kind noch? ist wohl die Frage einiger Personen in meinem Umfeld. Begleitend zur Beikost genießen ich und mein Kind diese Momente miteinander. Mein Baby fühlt sich geborgen, entspannt sich sogleich. Das gilt für alle möglichen Situationen: wenn er unruhig ist, nicht schlafen will, in ungewohnter Umgebung ist, ängstlich, ein bisschen krank, wenn er sonst gerade viel erlebt hat, wenn wir gerade viel oder viele Personen um uns rum hatten, wenn wir unterwegs sind, wenn er gerade wieder ganz viel Neues lernt, wenn ein Zahn kommt und und und. Diese Liste lässt sich wohl ins Unendliche weiter führen, ich will es kurz auf den Punkt bringen: wenn mein Baby mal wieder eine Portion Mama braucht. Da ich nicht beurteilen kann, ob dies bei Flaschenkinder mit der gewohnten Flasche und Mamas geborgenem Arm genauso ist, gibt es für mich noch einen anderen Grund:

Warum zur Beikost stillen?

Für mich hat das gerade, zu den vorher genannten, noch einen sehr wichtigen Grund: vor Krankheiten schützen. Für mich war irgendwie immer klar, dass ich über den Erkältungswinter hinaus bis in den Frühling stillen möchte. Nun fahren wir in wenigen Wochen für einen Monat nach Bali. Ein Grund, warum ich das unserem Baby zutraue: die wichtige Nahrungsquelle, die ihn vor Krankheiten schützt und die ihm das gute Gefühl gibt, doch immer zu Haus zu sein, bin ich.

Wann abstillen?

Wenn Du und nur Du merkst, du möchtest nicht mehr. Wenn du, also die Mama, entscheidest: ich will nicht mehr. Und da ist es egal, ob das nach Tagen, Wochen, Monaten, Jahren (ok, da finde ich kommt es drauf an, wieviele) ist. Falls du übrigens denkt, du musst abstillen, weil irgendwelche Ulknudeln dir das verkaufen wollen: No way, it’s your way!


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12 Gedanken zu “Waaaas, du stillst immer noch??!!”

  1. Wunderbar geschrieben. Es ist schrecklich, dass manche uns immer dafür verurteilen, ob und wie lange wir stillen. Dass man sich für diese Entscheidung der Gesellschaft rechtfertigen muss, dabei ist es doch das Natürlichste was uns die Mutternatur geschenk hat!

    • Ja die ewige Stilldiskussion, schrecklich! Als ich schwanger war war für mich völlig klar das ich stillen werde, dann wurde mein Sohn geboren und es hat einfach nicht geklappt. Wie lang hab ich mir Vorwürfe deswegen gemacht! Heute bin ich damit das ich eben nicht stillen konnte völlig im reinen aber ich finde es unmöglich das so viele meinen sich ein Urteil über so etwas bilden zu müssen. Aber das ist ja genau das Gleiche wie: Familienbett ja oder nein, oder: Wann mit Breikost anfangen und nur Biogemüse verwenden und so weiter und so fort…

  2. Ein wirklich toller Beitrag. Ich finde es ist wirklich so wie du sagst, wenn ich als Mutter das Gefühl habe ich möchte nicht mehr stillen, dann ist der Zeitpunkt gekommen ab zu stillen! Wobei ich auch der Meinung bin, das Kinder die zur Schule kommen, definitiv nicht mehr gestillt werden sollten!
    Und gerade bei einem Kind von 10 Monaten sollte man doch eigentlich meinen das es noch das normalste der Welt sein sollte.
    Ich merke in meinem Alltag leider auch oft das stillen ein Zwang oder auch eine “ Modeerscheinung“ für manche Frauen ist.
    Stillen ist das natürlichste auf der Welt, und vor allem ist es eine Sache zwischen Mutter und Kind, und da hat niemand das Recht sich ein zu mischen, egal wie!

  3. fühle dich gedrückt und unterstützt von einer stillmami ,die erst gar nicht stillen wollte und es jetzt seit 21 Monaten tut :)

  4. <3 Mal wieder: DANKE, Sarah! Im IKEA im doch eigentlich recht kinderfreundlichen Holland hat man mir gerade eben eine freundliche Mitarbeiterin nahegelegt, KleinF (9 Monate) doch im Wickelraum zu stillen, “wenn es denn dann noch unbedingt sein muss“! Antwort des großen Bruders: “Ja isst Du denn auch auf dem Klo? Wickelraum ist Baby-Klo und riecht auch so!“
    Die nächste Generation hats dann also auf jeden Fall schon mal verstanden… <3

  5. Lass dich nicht ärgern. 3jährige mit Milchpulle sind doch kein Problem?! Ich selbst bin Still- und Laktationsberaterin IBCLC, da lernte ich schon viel interessante Geschichten kennen. Beim 3. Kind werde ich auch gar nicht mehr gefragt, die meisten Familienangehörige und Freunde kennen ja meine Ansicht. Die ideale Antwort kann ich gar nicht finden auf die Frage. Ja, ich stille gerne Milch und Trost???
    Wunderbar. Ich finde es super, dass es bloggende Mamis gibt, die über die positiven und negativen Aspekte des Stillens schreiben und auch Stillbilder von älteren Babys bei Insta posten. Ich möchte gar nicht, dass alles glorifiziert wirst. Vielleicht trauen sich mehr Mütter das Stillen zu, wenn sie sehen, dass andere die gleichen Hürden genommen und nicht aufgegeben haben. Dass auch andere Mamas mit dummen Kommentaren konfrontiert werden und sich wehren und zu den eigenen Bedürfnissen und die ihrer Babys stehen.
    Alles Gute weiterhin für eich 2!

  6. Ich bin ja immer ein Fan des „natürlichen“ Weges und daher auch des Stillens. Trotzdem muss es selbstverständlich jede Mama selber entscheiden, ob sie stillt. Wenn sie es nicht möchte, hat sie sicher gute Gründe.
    Mein Kleiner ist jetzt bald ein Jahr alt und ich stille noch zu etwa 70%. Er mag eben noch nicht viel Beikost. Manche (der Kinderarzt, nerv…) finden das nicht so toll, aber für mich fühlt es sich total richtig an, so wie es ist.
    Mit dem Stillen in der Öffentlichkeit klappt es meist ganz gut und blöde Kommentare musste ich bisher noch nicht erleben. Zum Glück!!!
    Eigentlich weiß ich auch manchmal gar nicht, warum so ein Brimborium ums Stillen gemacht wird. Ich hoffe, bald sehen wir es auch hier in Deutschland als das an, was es ist: was ganz normales. Babyernährung halt.
    LG Karina

  7. Lasse Dir das Stillen bloß nicht madig machen. Ich musste meine Zwillinge mit 9 Monaten abstillen … meine Milch wurde immer weniger, da die zwei nur noch nachts die Brust wollten … da konnte ich dann aber quasi dauerstillen, sie kamen abwechselnd jeder jede Stunde und das dann für jeweils 20 Minuten. Das ging so nicht weiter.
    Ich hätte gerne weiter gestillt … wir haben es alle drei sehr genossen. An die doofen Fläschchen nachts mag ich mich immer noch nicht gewöhnen. :-/

  8. Zwei Kinder, Jedes ca. 1 Jahr gestillt. Von mir gesehen stillen mag ich nicht. Ich sah je dich dass meine Kinder es brauchen, genießen, lieben. Krankheiten kannten wir nicht. Es war auch gut so 1 Jahr mehr konnte ich nicht. Natürlich gab es viele doofe Kommentare. Nichts zu machen. für manche zu kurz für andere zu lange. Für mich lang genug.

  9. Hallo,

    Ich habe diesen Beitrag gerade durch Zufall gelesen und es spricht mir aus dem Herzen. Unsere Tochter ist auch fast 10 Monate und uns geht es hier genauso….wir fühlen uns wohl beim Stillen und genießen es beim 2.Kind ganz besonders aber diese ewige Fragerei und dieser Blick, wenn der Gegenüber hört, dass man immernoch stillt…ich kann es nicht mehr hören und mag mich auch nicht mehr rechtfertigen aber zum Glück gibt es auch Personen, die genau das toll finden und uns dafür bewundern

  10. Super geschrieben, so als würdest du hier neben mir sitzen und wir uns darüber unterhalten. Ich mag deinen Schreibstil, so direkt… Einige Sätze hätten von mir ein können das mag ich, das nicht alles „schön“ geschrieben wird ;-)

    Glg v

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