Schwanger ja, aber ‚der Bauch gehört mir‘ oder ’so genau wollte ich das gar nicht wissen‘

Wie den meisten bekannt und offensichtlich, bin ich schwanger. Schon innerhalb meiner ersten Schwangerschaft habe ich feststellen müssen, dass der Bauch offensichtlich nicht mehr als Teil meines Körpers betrachtet wird. Anders kann ich es mir nicht erklären, wie Menschen (ja, auch Fremde) unangekündigt meinen Bauch anfassen. Mich irritiert das ziemlich. So geschehen wieder beim Zahnarzt. Ich liege bei der Zahnreinigung, also für mindestens eine halbe Stunde hilflos in der Waagerechten, mit einem Schlauch im Mund. Ohne die geringste Chance mich mit Worten, noch physisch zu wehren. Freiwild für Sprechstundenhilfen. Die eine fasst meinen Bauch an „Ah, sie sind ja auch schwanger!“ Was soll ich sagen? Nein? Ach was, sprechen kann ich mit dem Ding im Mund ja ohnehin nicht. Also ertragen. Was dann folgte war aber schwer zu ertragen. Die Zahnreinigerin (gibt’s das überhaupt?) sah im Anfassen des Bauches wohl ihren Startschuss ihre eigene Geschichte von Schwangerschaft und Geburt zu erzählen. So wusste ich eine halbe Stunde später alles. Wirklich alles. Die ungeschönte Version. Hier die Kurzfassung (nix für zarte Nerven):

  • die ersten 7 Monate hat sie nur gekotzt
  • dann Krankenhauskeim
  • als die Blase sprang dachte sie, sie hätte sich eingepinkelt
  • gewünschte Wassergeburt klappte nicht, da Antibiotikum
  • Dammriss und wie sie wieder hergestellt wurde
  • Sternzeichen, damit verbundenen Eigenschaften und Geburtstage aller Familienangehörigen
  • Wunsch nach dem zweiten Kind, biologische Uhr, in der Umsetzungsphase

Dann „so, ich glaube aber das hat schon ganz gut geklappt“. Schlauch aus meinem Mund. Mein Mund steht offen. Meint sie jetzt die zweite Befruchtung hat ihrer Meinung nach aber schon ganz gut geklappt und kommen hier weitere Details? Nein, jetzt ist die wieder bei meinen Zähnen. Gott sei Dank.

Leider war und ist sie wohl nicht die einzige die der Bauch dazu einlädt Schamgrenzen fallen zu lassen. Ich versuche das mal positiv zu sehen: man lernt sein Umfeld näher kennen….

Oder wie seht ihr das? Auch schon mal dabei erwischt einen Bauch anzufassen, der nicht der eigene war? (Ich gebe zu ‚ja‘ und habe mich dabei selbst erschrocken) Die fiesesten Geschichten gehört und mitfühlend gelächelt, obwohl ihr euch am liebsten in einen anderen Orbit gebeamt hättet? Oder andersrum: Seid ihr Opfer von mitteillungswütigen Schwangeren geworden? Oder noch schlimmer: musstet euch irgendwelche Geburtsgeschichten von noch vernebelten und hormongesteuerten Neumüttern anhören? Freue mich über eure Kommentare.

2 Gedanken zu “Schwanger ja, aber ‚der Bauch gehört mir‘ oder ’so genau wollte ich das gar nicht wissen‘”

  1. Oh ja! Ich erinnere mich noch sehr gut! Mir ging es so ähnlich wie Dir. Nur das die Zahnarzthelferin mir von ihrer Todgeburt erzählt hat kam noch dazu! :( das will man als Schwangere natürlich hören… Meine Schwangerschaft verlief leider auch nicht so rosig…da waren die Kommentare der Schwangeren die außer einem etwas größerem Bauch allerdings auch nicht unbedingt aufbauend!
    Aber das ist ein anderes Thema.
    Ich glaub schon das ein Babaybauch eine besondere Anziehungskraft hat, aber von Fremden möchte ich nicht angefasst werden und auch Freunde haben immer gefragt. Das finde ich ok. Und dann kann man selbst entscheiden,ob man es zu lässt oder nicht:)
    Ich wünsche Dir und Euch alles Liebe& Gute eine unkomplizierte Geburt und ein gesundes neues Familienmitglied:)
    LG Irena aus Hamburg

  2. @Irena erstmal ganz, ganz vielen Dank für deine lieben Wünsche! Gerade solche Horrorstorys kann man ja überhaupt nicht gebrauchen. Ja,ja Distanzlosigkeit… Als Schwangere fängt wohl schon an, was man als Mutter professionalisieren muss: trotz aller unerwünschter Kommentare, sich nicht verunsichern lassen. Ganz liebe Grüße, Sarah

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