Mamagefühle oder Wie nah kann man eigentlich am Wasser gebaut sein?

Ich bin kürzlich am Telefon in Tränen ausgebrochen. Es ist wohl soweit, ich denke, noch schlimmer kann es nicht werden mit den Muttergefühlen. Aber was war überhaupt passiert?

Es war wegen Reinhard Mey! Jetzt werden einige Väter vielleicht denken: ok, das ist auch zum Heulen. Aber nein, ich habe vor Rührung geheult. Wegen eines Liedes von Reinhard Mey, das in der Telefon-Warteschleife des Kinderarztes lief.

Aber hört selbst, Reinhard Mey: Keine ruhige Minute von 1983. Und ich sitze hier vor meinem Rechner und die Tränen laufen schon wieder. Peinlich! Einfach nur peinlich. Was ist nur aus mir geworden?

Dieser Songtext Keine ruhige Minute. Hier mal ein paar Auszüge davon.

Was habe ich in all den Jahren
Ohne dich eigentlich gemacht
Als Tage noch tagelang waren
Wie hab‘ ich sie nur rumgebracht?

Keine ruhige Minute
Ist seitdem mehr für mich drin
Und das geht so, wie ich vermute
Bis ich hundert Jahre bin

Früher glaubt‘ ich alles zu wissen
Bis du mir die Gewissheit nahmst
Nie glaubt‘ ich etwas zu vermissen
Bis an den Tag, an dem du kamst

Keine ruhige Minute
Ist seitdem mehr für mich drin
Und das geht so, wie ich vermute
Bis ich hundert Jahre bin

Das Haus fing doch erst an zu leben
Seit dein Krakeelen es durchdringt
Seit Türen knall’n und Flure beben
Und jemand drin Laterne singt

Berührt mich so sehr. Nein, Hand auf Herz, seien wir ehrlich: Ich weine vor Rührung wie ein Schlosshund. Schlimm. Bin ich etwa schon ein bisschen verrückt?

Ja, ich werde ehrlich gesagt fast irre vor Glück, wenn ich meine beiden Kinder sehe. Irre, verrückt, nennt es, wie ihr wollt. Diese beiden Menschen machen etwas aus mir, was ich gar nicht beschreiben kann – ok, Reinhard Mey kann es vielleicht ein bisschen – und damit ist das gewisse Irre wohl besiegelt.
Ich bin Mama und in dieser Rolle ein Löwe, unbesiegbar, zu allem bereit, würde jeden Kampf annehmen, mich jedem Konflikt stellen, in jeder Hinsicht über mich hinauswachsen. Eine Stärke beweisen, wie es sie sonst nicht gibt.
Muttergefühle machen mich auch verletzlich, empfindsam, so nah am Wasser gebaut, wie man es sich wohl überhaupt nicht vorstellen kann – es sei denn man gehört auch diesem Club an – dem der Mamas.

Ich mach mir dann also nochmal Reinhard Mey an. Ich habe mir die CD Apfelbäumchen jetzt nämlich gekauft. Ich sage euch, da sind nur schöne Lieder drauf :-)

6 Gedanken zu “Mamagefühle oder Wie nah kann man eigentlich am Wasser gebaut sein?”

  1. Ja das ganze Album (Apfelbäumchen) ist zum Heulen – vor Rührung. Bei mir sind alle Dämme gebrochen als ich das erste mal „die erste Stunde“ gehört habe. Oder auch das Apfelbäumchen ist wunderschön. Das läuft bei meiner Freundin jedes Mal zum Geburtstag ihrer Tochter <3 das mit den Mamagefühlen ist eben so eine Sache. ;)
    Wieder hast du mal den Nagel auf den Kopf getroffen. Danke und liebste Grüße in den Club ;)
    Laura

  2. Na toll, jetzt heul´ich auch…so wenige Worte, so präzise formuliert und auf den Punkt gebracht.
    Danke, das Du das mit uns teilst, denn ich kannte das Lied noch nicht.
    Und psst: ich gehöre auch zu diesen „nah am Wasser gebaut und fängt bei der kleinsten Kleinigkeit vor Rührung an zu heulen“-Mamas…:-)
    Liebe Grüße, Anna

  3. Liebe Sarah.
    du hast das wirklich sehr schön und treffend geschrieben. Ich sage sogar immer, dass ich wohl IM Wasser gebaut bin. So schnell wie ich weinen kann.
    Das Lied Apfelbäumchen kenne ich. Aber das hier werde ich mir auch mal anhören.
    Alles Liebe
    Yvonne

  4. Meine Mama hat mir die CD damals geschenkt als ich ausgezogen bin ;) Heulen muss ich allerdings erst bei den Liedern seitdem ich selber Mama bin *LOL* …und wenn dann noch meine fast 8-jährige Tochter daneben sitzt, wundert sie sich warum mir die Tränen kommen „Mama, das ist komisch wenn du dabei weinst!“. Also ja, ich gehöre auch zu dem Club der Verrückten…nicht nur deswegen ;)

  5. Ich kenne die Lieder, weil meine Eltern sie früher gehört haben. Seit ich selbst Mama bin, rühren sie mich regelmäßig zu Tränen. Besonders ‚Menschenjunges‘ hab ich in den Schwangerschaften rauf und runter gehört…und dazu geheult.
    Aber seit ich Kinder habe, rühren mich auch andere Situationen mehr als früher. Heute beim 90. Geburtstag meines Opas hätte ich mehrmals Tränen in den Augen.

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