In meiner Mama-Blase und warum das Weltgeschehen uns betreffen muss

Seitdem ich Mama bin, befinde ich mich ein wenig in einer Blase. Das Weltgeschehen um mich herum hat einen sehr viel kleineren Anteil in meinem Leben als vor der Geburt meiner Tochter. Die Zeitfenster Nachrichten zu schauen werden immer kleiner, mit meinem zweiten Kind noch kleiner. Um acht, pünktlich zu Tagesschau, ist hier meist noch keiner im Bett. Ja, ich könnte ja den ganzen Tag online die Nachrichten verfolgen, tue ich aber meist nicht. Ich glaube das hat einen bestimmten Grund: ich will für mich und meine Kinder ein bisschen die heile Welt. Nicht zu viel hören von den schlechten Nachrichten da draussen. Nicht zu viel teilhaben an dem Übel dieser Welt.

Als ich vor vier Jahren kurz davor war Mama zu werden, habe ich im Wartezimmer des Kreisssaals des Krankenhauses die US-Präsidentenwahl verfolgt. Vier Jahre zuvor war Obama zum ersten Mal Präsident geworden. Ich weiß noch genau, wie damals sogar meine Oma die Wahlnacht wach blieb, weil sie nicht verpassen wollte, wie ein Afroamerikaner zum ersten Mal Präsident wurde. Sie mochte Barack Obama. Nein, ich würde sogar sagen, sie bewunderte ihn. Da habe ich ehrlich gesagt ein wenig gedacht, die Welt hat es geschafft. Meine Oma lebte auf dem Land. Auf einem Bauernhof. Sie hat den zweiten Weltkrieg und alles, was er in den Köpfen machte, mitbekommen. Ihre Begeisterung für einen schwarzen Präsidenten war für mich noch einmal doppelt so viel wert. Und als ich am 7. November 2012 zum ersten Mal Mama wurde und Obama zum zweiten Mal Präsident, habe ich gedacht, meine Tochter würde genau in die richtige Welt geboren.

Nun, vier Jahre später ist wieder US-Wahl. Die letzten Wochen und Monate habe ich immer mal wieder im Radio einige von Donald Trumps Aussagen im Radio hören dürfen. Seine frauenfeindlichen, sexistischen Sprüche. Sprüche, die ich hier nicht mal zitieren möchte, weil das ganz viel mit Fremdschämen zu tun hat. Auch seine Haltung zu Einwanderern und damit verbundene Aussagen, welche ich immer als völlig überzogen und nicht ernst zu nehmen eingeschätzt habe, sind glaube ich bekannt. Ehrlicherweise habe ich seine Kandidatur immer etwas belächelt. Nicht ernst genommen. So wie viele andere. Auch einen Tag vor der Wahlauszählung wurde klar Clinton als Wahlsiegerin gesehen. Aus diesen Gründen kann ich den Ausgang der US-Wahl auch immer noch nicht ganz glauben.

Heute, einen Tag später, mit Bildern, Reden und Artikeln zur US-Wahl im Kopf, wird es doch Wirklichkeit: Donald Trump ist Präsident des mächtigsten Landes der Welt und somit für die nächsten vier Jahre der mächtigste Mann der Welt. Dem ersten Schock machen langsam Ängste Platz. Ängste davor, wie es weiter gehen wird. Mit den Beziehungen von Amerika in die Welt, seiner Einflussnahme am Weltgeschehen, aber auch, was dieser überraschende Wahlausgang für andere Wahlen bedeuten könnte.

Kanzlerin Merkel hat gestern etwas über Werte gesagt: Deutschland und Amerika seien durch die gleichen Werte verbunden. Diese Werte seien

  • Demokratie
  • Freiheit
  • Respekt vor dem Recht sowie Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung

Gerade letzteres vermisse ich bei Trump. Ich vermisse sie aber auch hier, in meinem Land. Meine Mama-Blase ist gestern geplatzt. Etwas, was ich nicht für möglich gehalten hätte, ist passiert. Ich habe Angst vor den Wahlen in Frankreich und den Niederlanden. Ich fürchte eine Zusammenarbeit zwischen Russland und Amerika und ich fürchte um die Werte in meinem Land.

Es war gestern ein unschönes Aufwachen. Aber es war ein Aufwachen. Ein Aufrütteln! Ich hoffe für alle von uns. Das Weltgeschehen betrifft uns, es betrifft unser Land und was wir daraus machen.

Ich habe eine klare politische Einstellung. Manchmal verirren sich Teile davon auf diesen Blog. So könnt ihr auch etwas zur Flüchtlingsfrage zum Thema Solidarität und Integration oder zu meiner Meinung nach unwählbaren Parteien Scheiße sagt man nicht und Kacke ist braun hier lesen. Ich freue mich, wenn auch andere laut sagen, was sie denken. Zu obigem Thema möchte ich euch gerne den Blogbeitrag von Rebecca vom Blog Elfenkind Berlin ans Herz legen Gestern war heute morgen, ohne das Wahlergebnis von heute.

2 Gedanken zu “In meiner Mama-Blase und warum das Weltgeschehen uns betreffen muss”

  1. Sarah, Du sprichst mir aus der Seele! Auch ich habe mich sehr in meiner Mama-Blase bewegt was Nachrichten betrifft. Mein Mann (zufällig ein Amerikaner) hat mich natürlich mit den Wahlen immer auf den neuesten Stand gebracht, doch auch ich habe Trump nie als ernsthaften Kandidaten gesehen. „Die Leute können doch nicht so dumm sein!“ hab ich immer gesagt.. Aber wie dumm die Leute sein können, hatten wir ja auch zuletzt beim Brexit gesehen. Und nun ist es wieder passiert. Das Unvorstellbare.
    Der erste Satz aus dem Mund meines Mannes, nachdem er das Wahlergebnis erfahren hat: „Ich möchte die deutsche Staatsbürgerschaft!“. Das ganze Wahlsystem ist so ungerecht und veraltet. Die Stimme meines Mannes zählt nicht, denn er lebt in Texas. Durch und durch republikanisch.. :(

    Jetzt bleibt es nur noch abzuwarten wie sich die Dinge entwickeln und auf das Beste zu hoffen.. Aber auch ich habe Angst und das besonders wegen des Grundes, warum ich mich in einer Mama-Blase befinde: meine Tochter.

    Ganz liebe Grüße!
    Vanessa

  2. Hallo Sarah. Ja ich befinde mich auch völlig in einer Mama-blase. Aber mein mann hält mich auf dem laufenden, und das, ob ich will oder nicht.
    ich muss aber ehrlich fragen, ob denn Clinton so viel besser wäre? ! Sie war schon an einigen kriegen beteiligt. Und Krieg ist etwas, wo ich richtig Angst vor habe.
    Liebe Grüße Yvonne

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