Zuhause bei Janina vom Blog Oh wunderbar. Oft muss ich bei dem Text schmunzeln, weil es einfach zu 100% Janina ist. Die Janina, die chaotisch ist, aber so sehr das Schöne und Einfache schätzt wie ein Blick aus dem Fenster. Die ihren Mann nachts Stühle vom Sperrmüll „klauen“ lässt, und sich noch Jahre später daran erfreuen kann. Die an manchen Tagen Hamburg sein kann, aber im Herzen doch Hannover. Ich freue mich sehr, dass sie bei meiner Serie zum Thema Zuhause dabei ist.

Heimat oder Zugezogen?

Heimat. Wenn man so mag, hat man mich hier vor fast 35 Jahren verpflanzt. Am Stadtrand von Hannover bin ich groß geworden und habe dort das schon eher dörfliche Leben als Kind sehr genossen. Felder, Wälder, Wiesen und der Garten. Ich denke wirklich sehr gern an viele schöne Sommer zurück. Und obwohl ich hier eine schöne Kindheit verbracht habe, zieht es mich schon immer weg. Ich erinnere mich, wie ich als ganz kleiner Knopf schon eine große Karte von den USA besaß und davon träumte, in diesem Land „der unbegrenzten Möglichkeiten“ zu leben. Generell war es meine ganze Jugend über mein sehnlichster Wunsch, wegzukommen. Schon mit 17 oder 18 wollte ich gern in Hamburg leben. Dieser Wunsch wurde mit den Jahren immer stärker. Und ins Ausland wollte ich. Kurzum, es hat mich immer und ständig aus Hannover weggezogen. Ich wollte weg. Hannover fühlte sich klein an, viel zu klein für mich. Aber wie das Leben so kommt, kommt es eben immer anders und in der Regel braucht es keine Pläne, denn die schreibt das Leben selbst. Heute lebe ich gern hier. Noch immer zieht es mich in die Ferne, ja. Aber ich fühle mich heute in meiner Heimatstadt heimischer als je zuvor. Ich wohne gern hier. Ich mag diese Stadt und ich finde, sie wird ordentlich unterschätzt. Denn gerade in den letzten 5 Jahren hat sich so viel getan. Die Stadt eine schöne Fassade erhalten und es entwickelt sich nach und nach eine gute Barkultur. Immer mehr coole Restaurants und Bars kommen hinzu, wir haben zwei sehr schöne Kinos {das Astor, ganz im Zeichen der damaligen Eleganz und das kleine Kino am Rastplatz, in dem viele tolle Independentfilme laufen}. Ich mag Hannover.

Heute wohne ich direkt in der Innenstadt. Alles ist fußläufig erreichbar. Ein Stadtpark vor der Haustür, in dem sich im Sommer die Menschen versammeln, um zu grillen oder einfach nur die Sonne zu genießen. Kinder gibt es hier wie Sand am Meer und das ist toll. Ich bin 15 Minuten Fußweg in der Stadt oder am Bahnhof, hab alle Einkaufsmöglichkeiten, die man sich nur wünschen kann.

Es ist toll hier. Und obwohl wir so zentral leben, fühlt es sich nicht selten nach einem Leben in einem Dorf an. Mit Routinen. Mit bekannten Gesichtern. Mit viel Grün und dem Maschsee direkt in der Nähe.

Stadt oder Land?

Wie bereits kurz angeschnitten, bin ich eher dörflich groß geworden und fand das immer toll. Jetzt lebe ich in der Stadt und genieße das ebenfalls sehr. Noch vor einem Jahr wollte ich wiederum nichts mehr, als hinaus aufs Land. In ein Haus mit Garten, in dem ich Gemüse und Obst anbauen kann. Ein großer Garten, der unserer Familie schöne Erinnerungen beschert. Jetzt aktuell bin ich ein wenig im Zwiespalt. Denn ich genieße das Leben in der Stadt momentan viel zu sehr und hätte ich die Möglichkeit, würde ich das lieber kombinieren. Sprich ein Haus mit großem Garten in der Innenstadt. Aber wir alle wissen, das ist hier utopisch bei den aktuellen Preisen. Aber Träume darf man haben, die muss man haben.

Clean oder Kitsch?

Chaot. Ganz klar Chaot. Nicht clean, nicht Kitsch. Heimisch würde ich sagen. Eine ganz besondere Mischung, die uns ausmacht. Ich habe nicht unbedingt das Gespür für Einrichtung. Bei mir wirkt es oft eher zusammengewürfelt, habe ich das Gefühl. Aber es wächst langsam und das mag ich. Ich finde man sieht es dem Heim oft an, ob es mit der Zeit gewachsen ist und das macht den Charme aus. Na klar liebe auch ich schöne Interieur-Bilder und teilweise sitze ich mit offenem Mund {vor Bewunderung} vor meinem Instagram- Feed und bewundere das Heim Anderer. Aber letztendlich ist es doch so, dass mir oft die Persönlichkeit fehlt. Mir ist das oft zu austauschbar, zu Hochglanz-Magazin-mäßig, als würde in diesen Räumen nicht wirklich eine Familie leben. Wisst ihr, was ich meine? Ich persönlich finde es besonders schön, wenn Wohnräume Persönlichkeit haben. So nach echtem Leben ausschauen. Nach Alltag. Nach Familie. Wenn sie Wärme ausstrahlen.

Teuer oder günstig? 

Ich war bis vor kurzem ganz klar Team Ikea. Heute ersetze ich und kombiniere teuer und zeitlos mit günstig. Aber das geht eben sehr langsam. Unser Heim wächst so ganz natürlich mit uns. Und das find ich schön. Der Gedanke ist schön und irgendwie trägt alles unseren Fingerabdruck.

Auch Fundstücke vom Sperrmüll gibt es hier – z. B. unsere Küchenstühle. Zu denen kann ich eine ganz putzige Anekdote erzählen. Henry und ich hatten damals {es ist einige Jahre her} Date Night und es rieselte der Schnee, alles war weiß. Kurz vor der Bahnstation kamen wir an einem Sperrmüllhaufen vorbei und da lagen diese wunderschönen alten Holzstühle aus den 60ern. Es war wirklich Liebe auf den ersten Blick. Es war düster und doch wussten wir, die gehören nun uns. Ich blieb stehen und Henry trug die Stühle nach und nach zu uns nach Hause. Seitdem sind sie ein fester Bestandteil unserer Einrichtung. Ich überlege immer, ob ich sie vielleicht abschleife und weiß lackiere. Aber in ihrem ursprünglichen Farbton sind sie auch irgendwie schön und ergeben einen tollen Kontrast zu unserer sonst sehr hellen Einrichtung.

Dein Lieblingsplatz?

Unsere Wohnküche. Ich liebe diesen Ort. Unsere Küche ist so herrlich groß und hell. Ich vermute fast, dass sie von der Größe mit manchen Wohnzimmer mithalten kann. Ganz viel Platz für gesellige Stunden, gemeinsames Kochen, Gesellschaftsspiele oder schöne Abende bei Wein {für mich bisher leider lau, weil ich entweder gestillt habe oder schwanger war, haha}.Die Küche ist der wohl wichtigste Raum unserer Wohnung und sie macht mich glücklich. Sie ist so voller Leben.

Auch schätze ich unser winzig kleines Schlafzimmer sehr. Es ist so herrlich hell und ich habe es ganz natürlich eingerichtet, mit einem hohen Holzbett von Ikea. Morgens kitzelt mich die Sonne wach und am Abend werde ich mit den schönsten Sonnenuntergängen beschenkt. Das macht mich glücklich. Manchmal liege ich einfach nur da, schaue aus dem Fenster in den unverbauten Himmel und bin dankbar für diese schöne Welt. Ein Grund, warum es z. B. keine Vorhänge oder Jalousien ins Schlafzimmer schaffen. Diese Schönheit muss man genießen und nicht ausschließen.

Was macht eure Wohnung zu eurem ZUHAUSE? Oder was wäre für dich und deine Familie jetzt das perfekte Zuhause? 
 Wohnt ihr schon darin?

Um ehrlich zu sein, habe ich mir genau darüber in den letzten Wochen den Kopf zerbrochen. Was will ich, was fühle ich? Fühle ich mich hier wohl und heimisch? Ich war mir lange nicht sicher. Natürlich habe ich die Vorteile unseres Wohnortes sehr geschätzt und natürlich mochte ich unsere Wohnung, aber ich war mir doch lange nicht sicher.

Jetzt aber weiß ich, ich wohne in meinem perfekten Zuhause. Das hier ist unser Heim. Hier bin ich gern und hier fühle ich mich sicher und wohl. Oft komme ich Heim, schließe die Haustüre auf und denke: Hach, das ist dieses Heimkommen, von dem du so viel gelesen hast.

Und obwohl unsere Wohnung wirklich sehr groß und großzügig ist, bräuchten wir zwei Zimmer mehr. Hätten wir diese, dann wäre alles genau auf den Punkt und ich würde wohl nie wieder über einen Umzug nachdenken. Aber leider gibt es Wohnungen mit so vielen Zimmern kaum. Und wenn, dann sind sie von den Kauf- und Mietpreisen fernab von gut und böse. Das Problem kennen sicher viele von euch.

Wer wie ich gerade denkt, er brauche so einen Holzrahmen über dem Bett und einen Kranz, oder gespannt ist wie es weitergeht im Hause oh wunderbar – schon bald werden sie nämlich fünf 🙂 der schaut unbedingt bei Janina auf dem Blog oder Instagram vorbei. Janina schreibt mit Herz und das merkt man jedem ihren Texte an!

Die Bilder sind von Leni Moretti und unterliegen ihrem Copy Right.