Ja, dieses Ding hat einen Namen – über Verklemmtheit und Erziehung

Ja, ich gebe zu, das mit dem Beitragsbild ist mir etwas schwer gefallen :-) Aber: Uhih, ich muss mich schon wieder aufregen und das über den Baby Newsletter. Da lese ich doch glatt
Sie werden auch etwas anderes feststellen: Kleinkinder spielen gern mit ihren Genitalien. Über diese natürliche Neugier brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen – solange es nicht pausenlos passiert. Wenn Ihr Kind sich in der Öffentlichkeit intim berührt, dann machen Sie deshalb keinen großen Aufstand. Erklären Sie ihm nur, dass bestimmte Dinge besser Privatsache bleiben.

Ähhh, what???? Das Verklemmtsein macht also vor nichts halt. Nicht mal vor einem Baby Newsletter und es möchte doch auch bitte schon bei 20 Monaten alten Kinder beginnen, oder wie soll ich dies interpretieren? Ja, machen sie deshalb mal keinen großen Aufstand, wenn ihr Kind das Ding da unten in der Öffentlichkeit – huch ja, in der Öffentlichkeit – berührt.

Erstens, die Genitalien haben Namen. Sie heißen Scheide und Penis und das Selbstverständnis diese wie Arme und Beine erst einmal zu benennen sollte das erste sein. Die Genitalien gehören nämlich ganz normal zum Körper dazu wie alles andere und für Kinder ist es wichtig, dass alle Körperteile ihren Namen haben. Wenn Mama und Papa sich schon schämen, dem Ding mal einen Namen zu geben, dann kann damit ja auch irgendwas nicht in Ordnung sein, oder? Außerdem ist es ja nun gerade bei Kindern auch wichtig, dass sie Antworten geben können. Ob der Popo oder die Scheide mal weh tut, möchte zumindest ich ganz genau wissen. Schlecht, wenn meine Tochter dann gar nicht weiß, was oder wo die Scheide ist…

Ich weiß, die Deutschen haben oft Probleme bei der Benennung der Geschlechtsteile. Penis – darf man das denn sagen? Die Band Joint Venture hat da mal ’nen guten Song gemacht: Es gibt kein einz’ges gutes deutsches Wort für das zwischen den Beinen.

Also: Bei uns hat mein Sohn einen Penis und meine Tochter eine Scheide. Auf beides können sie stolz sein. Es sind schöne Körperteile und das sage ich ihnen auch so und wenn sie Lust haben, da mal dranzufassen – ja auch in der Öffentlichkeit – finde ich das ok. Ja, wenn sie irgendwann groß sind, dann darf das gerne Privatsache sein. Dann kennen sie hoffentlich ihren Körper und erleben ihre Freude daran. Und was ich noch sehr wichtig finde: sie kennen sich und können sagen: NICHT anfassen, das ist MEINS.

Und ich sehe es als die Aufgabe von uns Eltern unseren Kindern Selbstverständnis und Selbstbewusstsein für den eigenen Körper mitzugeben und nicht meinem 20 Monate alten Sohn zu sagen, dass das Ding da unten anzufassen doch besser seine Privatsache wäre…


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13 Gedanken zu “Ja, dieses Ding hat einen Namen – über Verklemmtheit und Erziehung”

  1. Hallo Sarah!
    Das ist ein Thema das ja immer wieder aufgefasst wird. Oft habe ich Eltern gesehen die sich vor anderen für ihre Kinder schämen, die sich „da unten“ erkunden.
    Im Großen und Ganzen bin ich bei dir – diese Dinge gehören benannt. Ich muss sagen ich tue mich auch manchmal schwer, und maßregele mich innerlich dazu Penis und Vagina oder Scheide, anstatt Pullermann oder Mumu zu sagen.
    Ich hab irgendwo mal einen langen Text dazu gelesen, das man einem Kind erklären kann, dass es völlig okay ist sich an Penis/Scheide zu berühren und vermittelt wurde, das für sich zu tun. Ich finde es absolut nicht schlimm, wenn Kinder das auch mal in der Öffentlichkeit oder vor anderen tun, finde es aber auch nicht schlimm, wenn ab einem gewissen Alter darüber gesprochen wird, dass man das zu Hause macht: Dem Kind also vermittelt das der eigene Körper erkundet wird, aber eben nicht immer überall. Während ich über meine Gedanken nochmal nachdenke, frage ich mich: bin ich dabei verklemmt? Vielleicht, das kann wirklich gut sein. Denn mir ist es auch extrem unangenehm, wenn sich Jugendliche oder Erwachsene öffentlich intim berühren. (Also wirklich intensiv – einmal kratzen oder das die Männer was richten müssen, passiert ja.)
    Und da ziehe ich für mich meine persönliche Linie, die ich wohl auch meinem Kind mit gebe. Woher die kommt, weiß ich nicht. Ich kann mich an dererlei Gespräche mit meinen Eltern nämlich nicht erinnern. Ich bin gespannt auf weitere Kommentare zu diesem Thema!

    • Hallo Antonia, lieben Dank für deinen Kommentar. Na ich bin auch nicht gerade TOTAL locker. Und ja, ich weiß auch nicht ab welchem Alter ich das dann nicht mehr soooo gut finde würde. Übrigens ja, für mich glaube ich sogar, ich bin ein bisschen verklemmt. Und gerade das hoffe ich irgendwie bei meinen Kindern besser zu machen. Ganz liebe Grüße, Sarah

  2. Ja, es ist unglaublich wie verklemmt heute noch damit umgegangen wird. Ich sehe und handhabe das wie du, merke aber, dass alleine die Nennung vielen Müttern (Vätern bestimmt auch) unangenehm ist. Und immer wieder hört man „interessante/lustige“ Worte dafür.
    Liebe Grüße
    Jutta

    • Hallo Jutta, und ich finde gerade das laut aussprechen gibt Dingen wie Penis und Scheide eine totale Natürlichkeit. Da schafft es dann auch mal meine Generation so einen Mist wie Scham bei natürlichen Dingen abzulegen. Liebe Grüße, Sarah

  3. Hallo Sarah, ich gebe dir sowas von Recht. Wir haben Samuel seit er ganz klein ist gesagt dass er einen Penis hat, so wie Papa und andere Jungs. Und Mama eben eine Vagina oder auch Scheide. In der Hinsicht sind wir uns nicht ganz einig wie wir es bezeichnen sollen. Samuel ist jetzt 1.5 Jahre und weiß ganz genau wo sein Penis ist.

    • Hallo Jasmin, CJ genauso. Und momentan ist es für ihn total wichtig morgens und abends hier nackt rum zu laufen. Ich finde das auch wichtig. Wie soll man seinen Körperteil kennen lernen wenn die 24/7 in Plastik eingewickelt sind. Ganz liebe Grüße, Sarah

  4. Liebe Sarah,
    Ich danke Dir!
    Wie oft werde ich schief angeschaut, wenn ich erzähle, dass auch die Dinge beim Namen nennen, nämlich Scheide und Penis. Mich schüttelt es immer ganz furchtbar, wenn ich Muschi, Mumu oder Schnecke in diesem Zusammenhang höre. Sicher muss man es nicht übertreiben, auch wir laufen nicht permanent nackt durch die Wohnung etc. Aber ich finde durchaus, dass meine 3 Töchter ein Recht darauf haben, von Anfang an zu wissen, was da ist, wie es heißt und dass es eben dazu gehört!
    Hab einen schönen Abend!

  5. Oh, das Thema hatten wir auch erst. Vor kurzem gab es sogar einen Elternabend im Kindergarten darüber. Unsere Jungs wissen die richtigen Namen ihrer Geschlechtsteile schon, seit sie es verstehen können. Klar sagen wir auch mal Schnippel oder so aber eher im Spaß. Und wie das so ist mit den lieben Kleinen, hatten wir dazu eine lustige Begebenheit in der U-Bahn. Da wurde aufgezählt, wer Männlein und Weiblein ist…und das ging so…Vagina, Vagina, Penis, Penis…Kinder halt…LG Kerstin…

  6. Hallo Sarah! Sehr guter Artikel, danke!
    Wir haben bei unserer Tochter (im Juni 3) auch bewusst von Anfang an auf irgendwelche Kosenamen für die Intimzone verzichtet, erstens weil ich finde dass die alle so blöd klingen, und zweitens und viel wichtiger weil ich das so sehe wie du, das heißt nun einmal so. Momentan ist dieses Thema für die Madame gerade furchtbar interessant und es kann schon mal sein dass sie durch die Gegend läuft und wildfremden Menschen erzählt: „Mein Papa hat einen Penis.“ Viele schauen dann blöd, und sicher denken sich genug was wir wohl so zuhause machen. Garnicht bzw ganz normales, sie sieht halt einfach uns große beim Duschen oder andere Kinder im Schwimmbad und will die Dinge benannt haben. Wenn sie wissen will wie das Ding heißt dass da an ihrer Schulter dran hängt sage ich ihr ja auch das ist ihr Arm und nicht irgendeine Verniedlichung.
    Nur wenn wir mit unseren Kindern ganz frei und sachlich über diese Dinge sprechen können werden sie uns auch erzählen können wenn „dort“ was nicht passt.
    Danke also noch mal für den Artikel :)

  7. Ehrlich gesagt muss ich immer lachen, wenn Penis und Scheide von Erwachsenen anders benannt werden. Mumu klingt schon ziemlich dämlich – wer denkt sich sowas aus? Und was ist schlimm an den korrekten Bezeichnungen? Ich verstehe die ganze Aufregung nicht und mir wäre nie in den Sinn gekommen Penis und Scheide meinen Kindern gegenüber anders zu bezeichnen als das was sie sind.

  8. Liebe Sarah,
    ich gehöre eher zu den Verklemmten Mädels. Ich zeige mich nicht gern freizügig und schäme mich, wenn andere es tun. Aber seit ich Mutter bin und mir mein Osteopath (warum der eigentlich?!) gesagt hat, wie wichtig es ist, Geschlechtsteile zu benennen, sowie es nicht zu verbieten, wenn sie sich daran herumspielen. Auch nicht in der Öffentlichkeit. Denn dann würde ich wohl verklemmte, sich schämende Kinder heranziehen. Finde ich einleuchtend. Mein Sohn ist nun 11 Monate alt und fasst sich seit neuestem immer wieder an den Penis, wenn er windelfrei herum turnt. Und dabei freut er sich tierisch. Ich bin dann meistens unsicher und weiß gar nicht, wie ich darauf reagieren soll. Gar nicht? Soll ich sagen „toll“? Erzähle ich ihm etwas dazu? Schwierig für mich.

  9. Hallihallo,
    ich bin selbst noch nicht Mama geworden, aber schon häufiger Tante und Freundin von Mama-Freundinnen. Das Thema Verklemmtheit im Umgang mit dem Nacktsein und kindlicher Entdeckungstouren kenne ich also aus der leicht außenstehenden Perspektive.

    Ersteinmal empfand ich deinen Artikel selbstbewusst und schlüssig und stimmte beim Lesen kopfnickend zu. Als ich dann die Kommentare las, beklemmte mich auf einmal ein Gefühl und ich dachte mir dann dazu: Was ist falsch daran sich der Intimität der Geschlechtsteile und des Umgangs damit auch schon früh bewusst zu werden? Ist es nicht völlig in Ordnung auch ein bisschen verklemmt zu sein? Gemäß Beckenbauers Weisheit: „Wer offen für alles ist, ist nicht ganz dicht“, muss ich vielleicht nicht zwanghaft über mein eigenes Unwohlsein schmerzhafz krakseln, wenn ich selbst Intimität eben also solche auch empfinde und Scham mich besetzt, wenn ein dreijähriges Kind sich im Supermarkt in die Hose greift und mir den Finger entgegenstreckt und krakelt „Riecht nach Pop oder?“. So geschehen. Kann spontan drüber lachen. Darf man auch, aus meiner Sicht. Denn: Darf ich nicht auch in diesem Bereich sehr individuell meine Kinder erziehen oder als Umgebung ein spontan authentisches Reagieren zeigen? Und darf es nicht ebenso in Ordnung sein laut Penis durch den Supermarkt zu rufen, genauso wie aber auch ihn Pillemann oder sie Schnecke leise und gedämpfter zu nennen? Eine Vagina ist eben genauso selbstverständlich zu benennen und zu kennen wie den Arm -ja! Aber sie ist auch ein Körperteil das, ebenso wie der Penis, nicht in der Öffentlichkeit gezeigt und erkundet werden muss. Denn: Scham empfinde ich als ein auch respektvoll zu würdigendes Gefühl und hat auch einen Sinn. Es ist wichtig NEIN-sagen zu lernen um sich selbstbestimmt schützen zu können. Es ist aber auch wichtig schamhaft empfinden zu dürfen und nicht alles offen zeigen oder sagen zu müssen. Intimität gehört -für mich- nicht in die Öffentlichkeit und darf und sollte gerne privat stattfinden können. Im Idealfall und ich wünsche es jedem, ist sie dort auch geschützt und darf auch als besonders wahrgenommen werden. Spass zu haben mit seinem Körper, ob mit Armen oder Beinen, Schnecken oder Pillemännern, das darf und sollte individuell, nach eigenem Tempo und Lust ausgeübt werden. Und sowieso lernen die KInder ja meist durch Nachahmen und durch Vorbild der Eltern. So sollten diese es händeln wie sie sich selbst wohl fühlen und nach dem eigenen (natürlich auch gerne mal reflektiertem, hinterfragem Gefühl) ihren Kindern mitgeben, womit sie sich eben wohlfühlen. Nur dann passiert Erziehung auch sinnvoll, aus meiner Sicht. Und die Umgebung sollte es ebenso respektieren, dass es sowohl etwas extrovertiertere Menschen gibt, ebenso wie introvertiertere Menschen und genauso Schamgefühle bei dem einen Menschen mehr und dem anderen Menschen weniger intensiv vorhanden sind und beides hat (immer im Rahmen) seine Berechtigung und kann ein schönes Leben mit viel Spass am und mit dem eigenen selbstbestimmt erlebten Körper erleben lassen.

    So meine (aussenstehndere) Meinung.

    Liebe Grüsse und danke für die schönen gedanklichen Anregungen auf eurem Blog!

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