Ist Fremdbetreuung eigentlich per se schlecht? Und sind arbeitende Mütter egoistisch?

Dieses Thema hat ja untern Müttern fast eine Brisanz wie das Stillen. Kinderbetreuung ja oder nein und wenn ja, ab welchem Alter? Interessanterweise führen diese Diskussionen meines Wissens nach nur Mütter. Interessant, denn eigentlich könnte, sobald ein Kind abgestillt ist, ja auch jeder Vater sagen: Jetzt bleibe ich aber mit dem Kind zuhause. Nein, es ist ein Mütterthema. Mütter nehmen sich diese Rolle.

Welcher Satz mich eigentlich beim Thema Kinderbetreuung am meisten ärgert:

Ja, wenn du arbeiten musst, dann muss das Kind ja in den Kindergarten

Dies besetzt beide Punkte doch gleich negativ. Ich wollte immer arbeiten. Gerne. Ich wollte mein Ding haben. Ja, ich wollte auch die Kinder. Sehr! Aber eben nicht nur noch. Ist das egoistisch? Enthalte ich meinen Kinder damit das Beste vor? Ihre Mutter 24/7? Nein, ich bin keine 24/7 Mutter. Dann wäre ich nicht glücklich und wenn ich nicht glücklich bin, wäre ich auch keine gute Mutter. Oder doch? Ist die gute Mutter die, die ausschließlich für ihre Kinder da ist?

Meine Kinder dürfen in den Kindergarten

Ich glaube, viele vergessen, in welch einer privilegierten Lage wir eigentlich leben. Ja, es könnte alles besser sein: Viel mehr Betreuungsplätze, mehr Über-Mittagplätze, Betreuungsplätze deutschlandweit kostenfrei. Auch wenn es noch an vielem fehlt, wir haben eine Menge und wir haben eine Menge Möglichkeiten. Unsere Kinder haben das Glück schon früh viel lernen zu können. Integriert zu werden in die Gesellschaft. Ihr Sozialverhalten zu bilden. Natürlich geschehen all diese Dinge auch in Familien. Jedoch bieten Familien nicht den Austausch und die Auseinandersetzung mit Gleichaltrigen. Das Spiel mit anderen Kindern in der Gruppe. Das sich finden. Seinen Platz in der Gruppe finden. Kinder brauchen Kinder – das ist meine Meinung.

Kinder zu unabhängigen Menschen erziehen

Das ist mir wichtig. Dabei finde ich es auch wichtig, dass ich sowohl meiner Tochter als auch meinem Sohn kein geschlechterspezifisches Rollenbild vorlebe. Mir selbst ist Unabhängigkeit immer sehr wichtig gewesen. Das kommt bestimmt in vielen Teilen auch daher, dass sich meine Mutter immer voll auf die Kinder konzentriert hat, oder sagen wir es anders: Neben den Kindern keinen beruflichen Werdegang verfolgt hat. Das mag sich jetzt sehr hart anhören. Soll es gar nicht. Es waren bestimmt auch andere Zeiten. Aber Kinder bringen einen ja auch in eine Art Blase. Alles dreht sich um die Kinder: Die Freundschaften, die Freizeitgestaltung und dann? Dann werden die Kinder irgendwann unabhängig. Gott sei Dank, das sollen sie ja auch. Das beginnt übrigens nicht erst mit dem Auszug, sondern wenn sie selbst ihre Freunde treffen und selbst zu ihren Hobbies fahren können. Und die Eltern, respektive die Mütter, bleiben die dann zurück? Ich will nicht nur in der Kinderblase leben. Ich möchte auch beruflich dranbleiben. Bestimmt weniger als vor den Kindern, aber eben nicht gar nicht. Ich wünsche mir, das ich selbst ein so unabhängiger Mensch bin, der seinen Kindern Kraft geben kann selbst unabhängig zu werden.

Menschen, die meine Kinder wertvoll begleiten

Ich kann meinen Kindern das Wichtigste geben: Das ist bedingungslose Liebe. Die ist mir mit der Geburt mitgegeben worden. Was mir nicht mitgegeben worden ist, ist eine pädagogische Ausbildung. Und ok, es fehlt mir in vielen Punkten auch an Geduld und Ruhe. Ja, es gibt Gründe, warum ich auch nie eine pädagogische Ausbildung angestrebt habe. Aber man sagt ja ohnehin, dass Lehrer dann nicht unbedingt die besten Lehrer für ihre Kinder sind… Müssen sie auch nicht. Es gibt tolle Erzieher und Lehrer, die genug emotionalen Abstand zu meinen Kindern haben und ihnen mit viel Spaß und tollen Ideen schöne Dinge vermitteln. Ich bin immer wieder überrascht, was meine Kinder in der Kita so machen. Welche guten Ideen die Erzieher haben. Buchstaben sortieren, schon früh zählen und schreiben lernen (da wäre ich noch nicht mal drauf gekommen) und auch erstes englisch ist sogar dabei (gut auf unseren Reisen ;-))

Unser Kleiner kann jetzt schon Lieder singen und bis zehn zählen. Meine Tochter konnte sehr, sehr früh richtig gut sprechen. Die Kita macht Ausflüge zum Verkehrstheater, ins Miniaturwunderland, in den Wald oder gehen einfach mal einkaufen oder schauen sich an wie Maronen gebrannt werden. Es wird mit dem unterschiedlichsten Materialien gebastelt, Rollenspiele, Tanz und Musik und ja, es wird sich auch gestritten und wieder vertragen. Es kann also doch nicht alles schlecht sein, oder? Hätte ich das als Mutter sehr viel besser gekonnt? Allein, ohne die Unterstützung der Kita? Ich kann das in meinem Fall mit ‚Nein‘ beantworten. Ein Programm wie in der Kita kann ich meinen Kindern nicht bieten. Da fehlt mir der Einfallsreichtum, die Geduld und die pädagogische Ausbildung.

Loslassen fällt schwer

Auch uns fällt das Abgeben von unseren Kindern manchmal schwer. Auch unsere Kinder haben Tage, an denen sie nicht in den Kindergarten möchten und auch ich genieße Tage, an denen wir einfach frei machen. Nix machen, nur so unser Ding. Ich weiß aber auch, das dies einfach toll ist, weil es etwas Besonderes ist, das wir nicht jeden Tag haben. Wir machen mindestens einen Tag die Woche frei. Dann nehmen wir uns was Schönes vor wie Schlitten fahren, Ponyreiten oder den ganzen Tag an den Elbstrand. Oder wir gammeln mal den ganzen Tag ab. Das ist schön. Wenn wir das jeden Tag hätten, würden mir und meinen Kindern aber die Decke auf den Kopf fallen.

Vielleicht ist dieser Beitrag an der ein oder anderen Stelle etwa holprig. Das liegt wohl daran, dass mir das Thema etwas schwer fällt. Einfach weil ich weiß, dass ich bestimmt mit Gegenwind zu rechnen habe. Es geht mir nicht darum, andere Wege zu verurteilen, ich möchte aber auch nicht, dass Kinderbetreuung verurteilt wird.

21 Gedanken zu “Ist Fremdbetreuung eigentlich per se schlecht? Und sind arbeitende Mütter egoistisch?”

  1. Super geschrieben! Ich war auch immer absolut gegen die Krippe und wollte meine Tochter erst mit drei in den Kindergarten geben, wir haben uns dann aber umentschieden, weil wir merkten das unsere kleine einfach Kontakt zu anderen Kindern brauchte (ich muss dazu sagen, das meine Nichte nur eine Woche jünger ist und das die beiden jeden Vormittag zusammen waren). Meine Nichte kam dann mit 1,5 Jahren in die Krippe weil meine Schwester wieder mit dem arbeiten anfing und meine Maus war dann immer alleine vormittags und das gefiel ihr gar nicht, also haben wir sie auch angemeldet und wir haben Ratz fatz einen Platz bekommen in der selben Gruppe wo meine Nichte schon war. Also ich, die absolut gegen fremd Betreuung war, muss sagen das es eine gute Entscheidung war, meine Tochter hat soviel Spass und die Kids werden toll gefördert. Also vom Krippen gegner zum Krippen fan

  2. Und ich habe eher das Gefühl, dass ich komisch angeguckt werde, weil es sich bei mir so ergeben hat, dass ich meine Tochter doch nicht, wie ich zuerst geplant hab, in die Kita gegeben hab und arbeiten ging… sondern nun wohl etwa bis zu ihrem zweiten Geburtstag “Vollzeitmutti“ (Was für ein beknacktes Wort, echt) bin und die Zeit total genieße. Bekomme eher schnippische “Kinder brauchen soziale Kontakte“ und “also mir wäre ja langweilig“ entgegen geworfen. DAS nervt genauso. Man ey, jede Mama soll es doch so machen, wie sie möchte.

    • Liebe Nadine, und das ist genau das, was ich mit meinen letzten beiden Sätzen mein „Es geht mir nicht darum, andere Wege zu verurteilen, ich möchte aber auch nicht, dass Kinderbetreuung verurteilt wird.“ Ich denke alle Eltern treffen doch für sich und ihre Kinder die richtigen Entscheidung. Ich möchte aber nicht das Kinderbetreuung als ein übles Muss bezeichnet wird. Das ist sie nämlich in meinen Augen nicht. Ganz liebe Grüße, Sarah

  3. Liebe Sarah, danke für diesen wunderbaren Artikel. Ich gebe dir sowas von Recht und bin grad sehr froh, dass ich mich noch nicht so oft dafür rechtfertigen musste, dass ich mein Kind fremdgetreuen lasse. Nur einmal: Im Krankenhaus, P. hatte eine Gehirnerschütterung, die Krankenschwester wollte natürlich wissen, wie es dazu kam. Ich erzählte, dass sie in der Kita hingefallen war. Und dann der Schreck: Das Kind ist schon in der Kita? Mit 1 3/4? Das ist ja unglaublich. Wie geht es ihr da?
    Ich hätte ihr alles sagen können, sie wollte es nicht hören! Nicht hören, dass meine Kleine die Kita über alles liebt, dass sie manchmal gar nicht weg will, weil sie ihre Lotta so sehr mag, dass sie am liebsten tagelang mit ihr durchspielen würde, dass sie dort leckeres, gesundes Bio-Essen bekommt und ich ruhig in mein Auto steigen und zur Arbeit fahren kann, weil ich weiß, dass es ihr da gut geht.

    Viele Leute denken da aber nicht drüber nach und sehen die Positionen der anderen nicht. Nicht, dass es in manchen Situationen nicht anders geht, als zu arbeiten, wenn man z.B. alleinerziehend ist, oder zum Unterhalt unbedingt beitragen muss. Nicht, dass man es nicht kann, weil man auch nicht der Typ ist, der sich 24/7 um sein Kind kümmern kann/will, einfach, weil es nicht zu einem passt.

    Und dann wird auch nicht gesehen, dass frühkindliche Bildung einen wesentlicher Baustein unserer Entwicklung und der unserer Gesellschaft ist. Frühkindliche Bildung ist eine wichtige Voraussetzung für die Verhinderung von Bildungsarmut, die zu Einkommensarmut führt. Wieviele Familien würden ihr Kind gerne fremdbetreuen lassen, aber können es nicht professionell in Anspruch nehmen, weil ihnen schlicht und einfach das Geld fehlt? Man denkt immer, dass das nicht viele sind, aber es sind gewaltig viele. Und Bildungsarmut ist einer der Hauptfaktoren für eine spätere Einkommensarmut. In diesen Faktor sollte politisch investiert werden und es sollte endlich aufgehört werden, Fremdbetreuung zu stigmatisieren und zu verpönen. Ansonsten wird sich an dieser Armutsspirale nicht viel ändern!

  4. Ein toller Artikel. Ich habe schon eine 19 jährige Tochter und eine 15 Jährige. Damals war ( wir wohnen auf dem Land),leider das Betreuungssystem noch nicht gut ausgebaut. Bei unserer älteren Tochter habe ich nach einem Jahr wieder meinen Dienst mit 20 Stunden aufgenommen. Dabei konnte ich mich aber auch auf meine Mutter verlassen die in selben Haus wohnte und einsprang wenn es zeitlich knapp wurde. Bei unserer jüngeren Tochter war ich drei Jahre Zuhause. Wir sind in der Zeit umgezogen und warteten entsprechend lange auf einen Kitaplatz. Keiner von beiden Wegen war falsch. Wichtig ist eins, dass man die Zeit die man mit den Kindern verbringt intensiv verbringt.Kaddi spricht mir aus der Seele. Ich kann aus ehemaliger 10jähriger Tätigkeially havet beim Jobcnter nur bestätigen: Bildungsarmut führt zu Einkommensarmut.

  5. Jede Mama soll und darf da ihren Weg finden!
    Nichtsdestotrotz bin ich traurig, dass der qualitative Ausbau der Kitas so langsam voran geht. Ganz klar müssen mehr Plätze her, besonders ganztags, aber könnte man nicht auch daran denken vorher die Erziehr auszubilden, vor allem auch im U3 Bereich?
    Mein Job ist es nun seit einigen Jahren als Evaluatorin hinter die Kulissen der Kitas zu schauen und da erlebt man leider immer auch sehr unschöne Szenen. Die Fluktuation in den Einrichtungen ist eine Katastrophe im Bezug auf Bindungsaufbau und verlässliche Betreuungspersonen. Die Haltung der „pädagogischen Fachkräfte“ ist überall, aber besonders im ehemaligen Osten, teils wirklich nicht mehr zeitgemäß und vor allem nicht individuell und kindzentriert.

    Long story short… Es kommt einfach auf die Betreuungsperson an und ich hoffe das jede Mama die ihr Kind fremdbetreuuen möchte/muss die Wahl und Zeit hat um genau hinzuschauen

    • Da sprichst du wahre Worte! Beim Einblick in so manche Kita dreht sich mir der Magen! Leider haben die wenigsten Eltern diese Einblicke ! Wenn sich die Kinder und die Eltern aber wohlfühlen und es in ihr Familienkonzept passt dann ist das wunderbar Wir müssen Tollerant sein! Bei mir ist es nämlich genau umgekehrt! Ich muss mich ständich rechtfertigen warum meine Tochter erst mit drei in den Kindergarten geht.Ich habe nun mal die Zeit meiner Tochter viel zu bieten sie richtig zu fördern Sprachlich und motorisch!Wir sind jeden Tag draußen. Mir macht dass viel Spaß ihr die Welt zu zeigen und mir die Welt von ihr zeigen zu lassen!Wir habe uns bewusst gegen die Kita entschieden!Weil meiner Meinung nach die individuelle Förderung der kleinen Charaktäre in einer Kita auf der Srecke bleibt.Mein Kind braucht andere Kinder,die treffen wir auch denn wir müssen nur vor die Tür gehen. Mir sind Gleichaltrige aber nicht am wichtigsten! Es ist mir wichtig dass meine Tochter mit vielen verschiedenen Altersgruppen zu tun hat, mit der Nachbarsoma, mit der Dreizehnjährigen , mit dem Fünfjährigen, mit Tieren, mit Baby mit der Natur mit groß und klein! Und dass ermögliche ich ihr indem ich viel mit ihr unternehme. Für mich wäre es undenkbar sie Stunden in eine Kita zu geben ,geschweige denn den ganzen Tag! Zum Thema Sprachentwicklung möchte ich nur eine Frage stellen? Wie wird diese genau gefördert wenn ein und zweijährige miteinander reden? Ich höre immer von so vielen Sprachproblemen, jeder geht zur Logopädin…Ein zu früher Eintritt in die Kita ist das Problem! Dass ist aber ein Thema für sich.Der Artikel ist sehr gut liebe Sahra du hast deinen Standpunkt vertreten! Wichtig ist zu wissen ,eine Medaille hat immer zwei Seiten☺️ Leben und Leben lassen und zufrieden sein mit der eigenen Entscheidung! Liebe Grüße Heinke

      • Liebe Heinke, ich kann deinen Kommentar über lange Strecken verstehen und finde es toll, dass es dir so großen Spaß bereitet bei deinem Kind zu sein und du es bestmöglich förderst und fördern willst. Wie du sagst, wir müssen tolerant sein und ich denke auch, dass nicht jeder Weg zu jeder Familie, jeder Mutter und jedem Kind passt und dass jeder individuell als Familie/Frau + Mutter und für das Kind den besten Weg finden muss.

        Was mir aber sehr wichtig ist: Dein letztes Argument mit den Sprachproblemen durch die Kita, habe ich das richtig verstanden: Ein zu früher Eintritt in die Kita führt zu Sprachproblemen? Wenn du das so meintest, dann muss ich dir da wirklich aus pädagogischer Sicht widersprechen. Ich bin selbst Lehrerin und meine Schwiegermutter und Schwägerin sind Erzieherinnen und ich kann sagen: Sprachprobleme und auch ein eventueller Logopädenbesuch haben nichts mit einem zu frühen Kita-Eintritt zu tun, sondern sind ganz oft im Kind/Mensch selbst angelegt.
        In der Kita wird in den meisten Fällen sehr bewusst und deutlich mit den Kindern gesprochen, man wird auf Sprachprobleme aufmerksam gemacht. Alles, was ich bisher erfahren haben, ob in unser eigenen Kita, der Arbeitsstätte meiner Familienmitglieder oder auch von Freundinnen läuft darauf raus, dass gerade in professionellen Einrichtungen sehr bewusst und geschult mit den Kindern gesprochen wird. Und um ehrlich zu sein: Man selber spricht ja auch noch mit den Kindern und hat dabei ja auch einen sehr großen Einfluss auf das Kind. :)

        Apropos Logopädie: Da würde ich ein wenig vorsichtiger sein, was eine zu rasche Urteilsbildung angeht: Denn so mancher geht zu einem Logopädie-Stunde und hat gar keine Sprachprobleme. Mein Mann z.B. hat Probleme mit der Stimmauslastung, was als Lehrer ein deutliches Problem darstellt.

        Und selbst wenn ein Kind zur Logopädin wegen Ausspracheproblemen muss, ist das denn so schlimm? Es ist eine Laune der Natur, wie so manches andere!

        Herzlich, Kaddi

  6. Liebe Sarah,

    ich finde deinen Standpunkt gut. Es ist wichtig das zu machen, was man will, für sich und seine Familie. In der „umgekehrten“ Lage fühlt man sich auch nicht besser. Wenn man mit den Kindern daheim bleibt, dann wird man auch oft schief angeschaut („Arbeitest du noch nicht?“) …. Wenn man die Kinder nicht „pünktlich“ mit 2,5 Jahren (ab diesem Zeitpunkt gibt es hier in Österreich üblicherweise Kiga-Plätze) in den Kindergarten gibt, ja vielleicht sogar erst mit 3,5 oder 4 Jahren, dann versteht das KEIN MENSCH. Ich habe das Gefühl es wird von unserer Gesellschaft erwartet, dass man früh wieder arbeiten geht und sein Kind abgibt (wie auch immer).Das finde ich auch nicht gut. Es sollte doch jedem selbst überlassen werden. Es wird für das Kind passen.

  7. Ich denke schaden wird dem Kind weder Krippe noch Vollzeitmuddi, bin aber der Meinung das Kinder es bis zum 2. Lebensjahr noch ganz gut bei Mama aufgehoben sind. Vor allem finde ich Argumente wie“ mein Kind ist so Selbstständig seit der Krippe und kann schon dies und das…“ nervig. Mein Sohn muss nicht unbedingt mit 2 nen Tisch decken können
    Jeder soll es so handhaben wie es zum eigenen Leben passt. Wenn die Kinder eingeschult werden wird man wohl keinen großen Unterschied feststellen!?

  8. Liebe Sarah!
    Finde auch, dass es so ist, wie du schreibst: jeder muss für sich entscheiden, welcher der richtige Weg für die eigene Familie ist. Es gibt gute Gründe für alle möglichen Lösungen. Und dass man selbst mit der Entscheidung glücklich ist, und dass es dem Kind gut geht, sind zwei ganz wichtige Punkte dabei!

  9. Schwieriges Thema, zu dem man eigentlich nur die falsche Meinung haben kann.
    Mein Sohn geht seitdem er ein Jahr alt ist zur Tagesmutter, ein Konzept, welches in Deutschland viel zu sehr unterschätzt wird. Ich bin selber Erzieherin und studiere momentan soziale Arbeit und habe mich bewusst gegen Krippenbetreuung entschieden, weil ich die Praxiserfahrungen in der U3-Betreuung in der Ausbildung einfach nicht schön gefunden habe. Meiner Meinung nach brauchen Kinder in dem Alter viel Liebe und Zuneigung und die ist in den Krippen in unserer Umgebung nicht gegeben, weil dafür der Betreuungsschlüssel einfach zu katastrophal ist.
    Und genau diesen Grundsatz vertrete ich auch, wenn es um die Diskussion geht: es ist wichtig das die Kinder sich gut aufgehoben fühlen und Zuneigung erfahren. Das kann durch Erzieher, Tagesmütter, die Oma, den Opa und natürlich die Eltern geschehen, ganz egal, aber es sollte immer im Fokus stehen :)

  10. Liebe Sarah,

    ein sehr guter und wie ich finde auch mutiger Artikel, denn ja, es geht um ein sehr kontroverses Thema.

    Ich bin Pädadgogin und Dreifachmutter und kann somit beide Seiten betrachten.
    Ich finde ich es wichtig, dass jede Familie ihren eigenen Weg findet und spüren „darf“ was sich für sie und ihre Lebensumstände der richtige Weg ist.
    Leider ist das „spüren dürfen“ oft in den Hintergrund geraten.
    Wir wohnen sehr dörflich. Ich habe unsere zwei großen Kinder schon relativ früh „fremdbetreuen“ lassen. Einfach weil ich wollte und ich beruflich wieder einsteigen konnte.
    Aus beruflicher Sicht wusste ich ja auch wie erfahrungs- und facettenreich eine gute Betreuung für unsere Kinder sein kann.
    Und was soll ich sagen – so gut wie jeden Mittag habe ich unsere glücklichen und sozial gestärkten Kinder wieder abgeholt.
    Außerdem war ich ausgeglichen und habe mich auf meine Kinder
    (zumindest meistens) sehr gefreut.
    In meinem Umfeld musste ich mich jedoch oft erklären, warum ich mich lieber um andere Kinder kümmere, als um meine eigenen Kinder. Das war, auch wenn wir alles aus guter Überzeugung getan haben, kein gutes Gefühl.
    Bei unserem jüngsten Kind, wohnten wir temporär in einer größeren Stadt. Es lohnte sich nicht sie für die Dauer des Aufenthalts betreuen zu lassen. Ihr ging es dabei gut und sie hat auch tolle Erfahrungen und soziales Miteinander in ihrem ersten Lebensjahren gelernt. Allerdings musste ich mich jetzt fast schon entschuldigen, warum ich denn nicht arbeiten würde und ob mir nicht langweilig wäre.
    Jetzt war ich verwirrt: Arbeiten war damals nicht gut aber nicht arbeiten jetzt auch nicht?
    Im Übrigen, nein – langweilig war mir mit drei Kindern nicht aber ausgeglichen? Nicht unbedingt.
    Gerade bin ich wieder beruflich eingestiegen. Es ist noch ganz schön anstrengend alles gut zu verbinden aber ich gehe gerne arbeiten und freue mich dann mittags auf die spannenden Erzählungen von den Großen und auf das freudige Gesicht unseren jüngsten Kindes. Bin allerdings schon sehr gespannt auf die Reaktionen in meinem Umfeld

  11. Hach ja, genau mein Thema. Und es ist tatsächlich so, dass da zwei Herzen i meiner Brust schlagen, denn:

    Fremdbetreuung….das ist für mich ein echt blödes Wort, denn ich sorge schon dafür, dass ich, mein Team und mein Haus den Kindern und Familien nicht fremd sind, wenn sie zu uns kommen. Trotzdem muss ich meinen Beruf manchmal verteidugen, als würde ich ein rumänisches Waisenhaus in den 80ern führe und nicht eine kleine, super familiäre Kita in der 15 Familien und 4 Mitarbeiter mit ganz viel Herzblut dafür sorgen, dass es den Kleinen gut geht und sie sich bestmöglich entwickeln können. Der Einsatz den meine Mitarbeiterinnen da bringen geht an den meisten Tagen über ihr Jobprofil hinaus. Weit.

    Arbeitende Mütter….. finde ich voll gut, denn letztlich ist es so, dass du nur eine gute Mutter sein kannst, wenn du als Mensch zufrieden bist. Klar ist es manchmal schwierig, alles unter einen Hut zu bringen und man ist mal genervt und tut sich auch mal leid (ich gerade zum Beispiel ;-)), aber anders wäre es noch viel schlimmer. Das hab ich auch ausgetestet. Das ist nichts für mich. Da geh ich ein.

    Vollzeitmütter….haben auch ihre Daseinsberechtigung. Absolut. Und ich als pädagogische Fachkraft glaube auch nicht, dass ein Kind ohne Kita per se unterfordert ist und ich glaube schon garnicht, dass man, wenn das Kind zuhause bleibt ambitionierte Laienpädagogik betreiben muss. Das Leben ist Lernort genug, in der Regel. Ich mag das garnicht, wenn das so klein geredet wird. Als würde ein Kind zuhause verblöden. Vorallem wenn das zur Folge hat, dass Eltern sich auch an Wochenenden und in Ferien nicht trauen, einfach mit ihrem Kind einen ganz normalen Tag zu gestalten. Das sehe ich nämlich in den letzten Jahren ständig. Das Eltern Urlaub haben und die Kinder in die Kita gehen, weil man „was im Garten“ macht oder eben „nichts besonderes“ machen will. Kita ist auch für Kinder Arbeit. Da brauchst du mal ne Pause. Und Kinder haben ein Recht auf ihre Familie. Nicht nur in Teilzeit. Die brauchen nicht 15 Stunden am Tag didaktisch aufbereiteten Input.

    Ich wünsche mir, dass wir einfach jedem seinen Lebensentwurf mit Freude und Respekt lassen können. Jede Familie, jede Frau und auch jedes Kind ist anders. Akzeptieren wir das einfach und lassen wir die Leute rausfinden und machen, was zu ihnen passt. Ohne Vorurteile und Abwertung. Und ich wünsche mir, dass bei diesen Entscheidungen alle Beteiligten gehört werden (auch die Kinder und ihre Bedürfnisse) und Kompromisse gefunden werden (und die Realität flexibel genug für die Umsetzung ist). Und dann hätte ich gerne noch gesetzlich verankerte „Urlaubspflicht“ für Kinder in institutioneller Betreuung und Kitas die sich in ihr soziales Umfeld öffnen, so dass Vollzeitmütter und ihre Kinder nicht allein auf leeren Spielplätzen sitzen. So. #wünschdirwas

    Liebste Grüße,

    Vanessa

  12. Also, ich hab das ja total falsch gemacht: Als meine Großen in der Krippe waren, galt ich als Rabenmutter, die sich nur selbst verwirklichen will (hatte noch keine Ausbildung und habe dann studiert). Meine zwei Kleinen sind nun nicht in der Krippe und nur halbtags im Kindergarten. Wieder falsch gemacht, jetzt gelte ich als Hausmutti, die sich an den Herd fesseln lässt… Fazit? Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Jede Mutter ist anders. Sie kann sich auch verändern. Jedes Kind ist anders. Das möchte ich manchmal gern etwas lauter sagen: JEDES KIND IST ANDERS. Was für das eine passt, kann für das andere falsch sein… Meinen Weg mit drei Krippen- und zwei Nicht-Krippen-Kindern kann man hier nachlesen: https://familienlebenmitgott.wordpress.com/2017/03/22/krippe-kita-kindergarten-muss-das-eigentlich-sein/

  13. Sehe ich ganz genauso, liebe Sarah. Jeder muss das selbst entscheiden, aber meinem Sohn hat die Kita und jetzt der Kindergarten immer gut getan und er ist auch immer gerne hin. Wenn wir den ganzen Tag aufeinander hocken, dann nerven wir uns irgendwann gegenseitig.
    LG Steffi

  14. Liebe Sarah,

    Du hast recht, das ist wirklich ein schwieriges Thema. Ich habe auf meinem Blog selbst gerade über unsere Krippeneingewöhnung geschrieben. Sehr schwer finde ich zu formulieren, dass die Zeit, die man zusammen mit dem Kind hat (bzw. den Kindern) durch die Krippe noch besonderer ist. Und das hört sich jetzt auch wieder so an als wär es vor zwei Monaten als 24/7 Mama nicht besonders gewesen. Hilfe! Natürlich war es das. Immer. Ich denke aber du verstehst wie ich es meine.

    Ich stehe momentan in keinem Arbeitsverhältnis und meine Tochter ist in der Krippe. Wenn ich das erzähle hab ich oft das Gefühl mich rechtfertigen zu müssen. In erster Linie ging und geht es mir dabei aber um meine Tochter. Wie du schreibst, „Kinder brauchen Kinder“ und gerade als Einzelkind, es sie noch ist, ist mir das sehr wichtig. Ich bin auch nicht die Mama, die vor kreativen Ideen à la Kita platzt. Meinem Kind kann ich einen solchen Alltag daheim nicht bieten.

    Vielen Dank für deinen Beitrag! Er bekräftigt mich in meiner Entscheidung und das hilft mir.

    Liebste Grüße,
    Susanna

  15. Hallo, durch Zufall bin ich auf deinen Artikel gestoßen und hab deine Sicht der Dinge mit großem Interesse gelesen. Ich komme aus Sachsen ( also der ehemaligen DDR) bei uns ist es hier eher so, dass man sich rechtfertigen muss wenn man länger als ein Jahr Zuhause bleibt. Ich war bei beiden Kindern 1 1/2 Jahre Zuhause, der Große hat „Glück“ denn da ich dann schon fast wieder schwanger war und schnell Beschäftigungsverbot hatte, hab ich ihn immer gegen 9 in die Krippe gebracht und 12 Uhr abgeholt. Tolle Zeit, die Vorzüge des Kindergartens und die Mama zum Mittagsschlaf.
    Und die Kleine ist jetzt ein großer Krippen-Fan, sie liebt Erzieher und Kinder und der große Bruder ist auch nicht weit weg. Also ich kann nur bestätigen, dass ich nie ein schlechtes Gefühl hatte meine Kinder in der Krippe oder Kita betreuen zu lassen. Ich arbeite 6 Stunden und meist sind die zwei 6 1/2 Stunden im Kindergarten. Ich bin ganz deiner Meinung was die „Animation“ angeht, wie soll man das denn Zuhause schaffen? Ich bin auch immer wieder begeistert was selbst die Kleinen alles machen. Ich stoße schon an meine Grenzen wenn der Große sich wünscht endlich mal wieder mit Farbe und Pinsel zu malen, die Beseitigung der Sauerei treibt mich immer in den Wahnsinn, da bin ich froh wenn er mit vielen Gemälden aus dem Kindergarten nach Hause kommt. Also, jeder wie er will, hört auf euer Herz und euren Bauch und nicht auf die anderen immer Besserwisser!!! Viele Grüße Nadja

  16. Ich bin durch Zufall auf deinem Blog gelandet und ich kann deinen Worten nur zustimmen. Zwar bin ich noch keine Mutter, aber ab Ende des Jahres lassen wir es drauf ankommen. Daher beschäftige ich mich verstärkt mit dem Themen rund um Kind und Karriere. Für mich ist klar, dass ich weder die volle Elternzeit zuhause bleiben, noch sehr früh wieder arbeiten gehen möchte. So 18-24 Monate kann ich mir ohne Arbeit vorstellen, danach wenige Stunden Teilzeit und das Kind von Tagesmutter bzw Kita betreuen lassen je nach Verfügbarkeit. Auch später in der Schulzeit möchte nicht Vollzeit arbeiten, aber so 30 Stunden wären schon schön. Ich habe selbst als Kind eine Mama gehabt die bis auf wenige Phasen immer zuhause war. Zu einem gewissen Teil möchte ich das für mein Kind auch. Zeitgleich weiß ich, dass ich nicht 100% in Haushalt und Kind aufgehe, ich gefordert werden möchte abseits dieser Themen. Hoffe sehr, dass mir dieser Mittelweg gelingt. Vielen Dank für deinen Beitrag, es würde viel Druck von Müttern nehmen, wenn sich eine tolerantere Haltung in der Gesellschaft durchsetzen würde. Viele Grüße, Silke

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