Die Sache mit der Liebe – 10 Dinge, die sich mit den Kindern verändert haben

Ja, ich erinnere mich. Ich erinnere mich noch gut, wäre zuviel gesagt. An unsere Beziehung vor den Kindern:

  • Dates, aufgebrezelt natürlich
  • Küsse – viele. Zum Guten Morgen, Begrüßung, Verabschiedung
  • Ja, sogar ZUNGENküsse!
  • Lange Ausgeh-Abende
  • Tanzen bis zum Morgengrauen
  • Gemeinsam in der Badewanne sitzen
  • Mit Sekt sogar!
  • Unterwäsche – heiß, gerne mit Spitze
  • Unterhose, im besonderen – gerne mit so wenig Stoff wie möglich
  • Dementsprechend Waxing oder Intimrasur oder wenigstens Frisur
  • Sex – heiß, häufig, laut
  • Ständige hormonelle Verhütung also vorhanden und lohnend!

Wann sich die Sache verändert hat: Als mir im Bett die Fruchtblase sprang.

Das hatte ganz wenig mit der Erotik zu tun, die diesen Ort bisher so umgab. Auch das, was die kommenden Stunden folgte, hatte wenig mit schöner Unterwäsche und Intimrasur zu tun. Wie unser Leben seit Tag X so aussieht:

  • Morgens geht hier der Wahnsinn los. Kinder fertigmachen, Kita, Arbeit. Ein persönliches „Guten Morgen“ kann hier schon mal vergessen werden.
  • Ein Kuss sowieso, an der Tür zum „Schönen Tag wünschen“ wird das nachgeholt – wenn nicht vergessen.
  • In der Badewanne zu zweit sitzen mittlerweile nur noch die Kinder – bei Schnittchen und Schorle.
  • Meine Unterwäsche ist eher praktisch denn filigran.
  • Um spätestens 23 Uhr bin ich todmüde, auch am Wochenende, auch bei Tanzabenden. Moment, welche Tanzabende?
  • Wir sind sehr gute Kunden von Amazon TV und jetzt auch Netflix geworden.
  • Aber, ja, wir daten uns. Wenn der Babysitter kann.
  • Und was machen wir dann? Wir reden über die Kinder.
  • Und Sex? Sagen wir es mal so: Die Rolle der ständigen Verhütung hat unser Sohn weitestgehend übernommen: Er schläft jede Nacht ab Mitte der Nacht in unserem Bett.

Und was macht das mit der Liebe? Ganz ehrlich? Die ist so groß wie nie!

Ja, wir streiten uns viel häufiger, die Nerven sind dünner, die Liebkosungen sind weniger. ABER es gibt keinen einzigen Menschen auf der Welt der mir sooo nah ist. Dem ich so sehr vertraue, auf den ich mich so sehr verlasse, der für mich sooo wichtig ist! Am Tag der Geburt haben wir ein ganz besonderes Wunder gemeinsam geschafft. Sogar zweimal durften wir dieses Erlebnis, das alles andere in den Schatten stellt, bisher gemeinsam erleben. Es sind unsere Kinder, die uns zwei immer verbinden werden. Mir fällt niemand ein, mit dem ich nachts fiebernde Kinder durch die Gegend trage, der mit mir vollgespuckte Betten abzieht, der sich genauso sorgt, der die Kinder genauso sehr liebt wie ich. Der durch die ganze Stadt fährt eine Milchpumpe zu besorgen. Mit dem ich grenzdebil lache, wenn es mal wieder eine schlaflose Nacht in der Reihe von vielen gibt. Der lieber nachts um vier aufsteht um zu arbeiten, als weniger Zeit mit uns als Familie zu verbringen. Der über sich hinauswächst, wenn es um seine Familie geht.

Wie die Liebe sich verändert hat, seit die Kinder da sind: Sie ist sehr, sehr groß geworden. Ehrlicher, verlässlicher. Wie ein Fels in der Brandung. Und nein, sie ist nicht leidenschaftlicher geworden, aber ja, das kann sie wieder werden. Das, was wir jetzt miteinander haben, das ist mehr!


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43 Gedanken zu “Die Sache mit der Liebe – 10 Dinge, die sich mit den Kindern verändert haben”

  1. Ich freu mich ja jeden Tag über deine Instagram Stories, aber hier hast einen echt tollen Text geschrieben, der mir aus der Seele spricht. Danke

  2. Wenn sich die Beziehung vorwiegend nur noch über die Kinder definiert, wird die Beziehung irgendwann auf der Strecke bleiben… es beginnt damit wenn sich die Eltern mit „Mama“ und „Papa“ gegenseitig ansprechen und wenn man sich nicht mehr Mühe gibt für den anderen auch attraktiv zu bleiben.

    • Wenn aus du und ich nur noch Mama und Papa geworden ist, ist das für mich der Anfang vom Ende. Wie man ja im Bekanntenkreis auch immer wieder sehen kann.

      • Verstehe genau was ihr meint. Ich würde so gerne daran glauben dass auch solch eine Phase, in der man mehr Mama & Papa als sonst was ist, trotzdem die Beziehung stärker macht, aber ganz ehrlich…ich habe wahnsinnige Angst, dass eines Tages die gegenseitige Anziehungskraft als Partner komplett weg ist und einer oder beide dann keine Basis mehr sehen die Beziehung als Mann und Frau auch weiter zu führen und nicht nur als Mama und Papa

  3. Liebe Sarah, das kann ich exakt so unterschreiben…ist bei uns ganz genauso!! GlG aus MS (ich hab euch am Samstag übrigens vor dem Fyal gesehen ), Tine

  4. Der Artikel ist hübsch geschrieben, stimmt mich aber auch nachdenklich. Ich habe ein Kind, einen tollen Vater dazu, und trotzdem habe ich mir alle o.g. 12 Punkte von „vor dem Kind“ oben erhalten. DAS allerdings mit einem neuen Partner. Will sagen: manchmal suchen wir den Vater für uns(ere) Kind(er) nach ganz anderen Kriterien aus als den späteren Mann den wir für unser Selbst brauchen. Und dann sollte man ehrlich sein und seine Weiblichkeit und Erotik nicht beiseiteschieben, weder als Papa noch als Mama. Ohne Sex, ohne Erotik funktioniert es auf Dauer sehr sehr selten in einer Partnerschaft, wenn man nicht gerade Lust hat im Zölibat zu leben. Siehe Trennungs- und Scheidungsstatistik unserer Zeit.

    • Ich glaube aber auch, dass manche Paare sich auch zu schnell trennen. Wir hatten auch ein ziemlich fieses Jahr drin, in dem ich dachte: Das war’s! Ich schmeiß‘ hin! Jeder war mit der Situation unzufrieden. Irgendwie hatten wir uns als Paar nicht mehr viel zu sagen. Und dann plötzlich ging’s wieder. Die kleinere wurde 3 und damit auch einen Tick selbständiger. Wir haben selbst endlich vermehrt auf meinen Bruder als Babysitter zurückgegriffen. Und seither ist alles wunderbar. Wir sind unschlagbar als Team. Auch wenn die Leidenschaft gerade etwas Pause macht, so ist das Vertrauen und die Achtung … und ja auch die Liebe, die wir füreinander empfinden, viel tiefer geworden. Zumindest fühlt es sich für mich so an. Ich bin froh, dass wir die harte Zeit überstanden haben. Aber ich glaube, dass es auch einige gibt, die das nicht überstehen. Meine Eltern und meine Großeltern hatten diese Phasen auch, aber damals hat man sich einfach nicht so leicht getrennt. Und sie hatten/haben eine tolle Beziehung.
      Ich beziehe mich damit jetzt auf die Scheidungsrate, und nicht auf dich. ;-)
      LG, Tina

  5. Sehr schöner Text!
    Und vom ersten bis zum letzten Wort sooooo wahr! Könnte ich selbst in jedem einzelnen Punkt genauso aufgeschrieben haben, das beschreibt unsere damalige und jetzige Situation perfekt.
    LG, Tina

  6. Herrlich ehrlich!! Dein Text könnte auch mein Leben mit unseren zwei Kindern beschreiben. Mir gefällt, dass du so positiv denkst und offensichtlich liebst du deinen Mann bis ins Mark (er sollte das lesen). Oft vergessen wir Mamis unter dem Stress eben dieses zarte Band zu unseren Partnern. Schön, dass du uns daran erinnerst und uns bewusst machst, wie wunderbar doch dieses Leben mit Buntstiftbemalten Wänden und den gemütlichen/statt durchtanzen Abenden sein kann. Danke und grosses Lob

  7. das dachte ich auch … und plötzlich kommt das böse Erwachen…..Männer sind nicht wie Frauen.Sie definieren Sich anders.Eine unglückliche Gelegenheit und Euer Ehemann ist von einer Frau verzaubert und fühlt Sie wie in alten jungen Jahren. Nur mit einer anderen Frau, obwohl er eigentlich lieber Dich hätte.Aber dieser Zauber… Erhaltet Euch den Zauber der Beziehung von vor den Kindern mit allen Punkten wie es Beschrieben wird, sonst steht man plötzlich vor den Trümmern der Ehe und weiß nicht warum.Oder… Rückblickend weiß man irgendwie doch warum,aber dann die Ehe zu retten ist harte,schmerzhafte Arbeit. Diese sich einschleichende Selbstverständlichkeit ist die größte Gefahr für eine Partnerschaft.Nur eine treue verlässliche Mutter zu sein reicht nicht. Ich spreche aus Erfahrung. Ich war mir so sicher .22 Jahre sind eine lange Zeit …Heute haben wir Vieles geändet. Raus aus dem Alltag zurück in die alte Zeit wie früher. Ein Hotel ohne Kinder .Auch wenn es nur für eine Nacht ist…. Dann klappt es auch weitere 22 Jahre ;-) Erspart Euch das böse Erwachen, so wie ich es hatte.Manchmal kann es so einfach sein, wenn man die Gefahren kennt und sich bemüht die zarte Blume names Liebe zu pflegen. Sonst vertrocknet Sie…..

  8. …täglicher Wahnsinn, Dauerstress, mehr Streit, ständige Müdigkeit, andauernde Sorgen, nachlassende Aufmerksamkeit in der Partnerschaft, Konflikte auf unabsehbare Zeit, stumpfes Seriengucken etc. da zu anderen Aktionen zu fertig, Zeitnot, Vernachlässigung der sozialen Bezüge…könnte man auch als ultimativen Alptraum bezeichnen.

  9. Danke für den tollen Beitrag, den Humor und die Ehrlichkeit! Das kann ich auch fast so bestätigen.
    Eine Frage: was sind die 10 Dinge, die sich für deinen Mann geändert haben und wie sieht sein Alltag seit Tag X aus?

  10. Das hast Du so wunderbar geschrieben liebe Sarah. Auf einmal ist alles anders!!!
    Aber wie schön „anders“, neben allen Anstrengungen sein kann, hast Du so liebevoll und berührend verfasst.
    Danke dafür:0)

  11. Obwohl schön geschrieben, finde ich den Text doch beängstigend. Ganz ehrlich, wenn so eine Ehe aussieht, dann ist das für mich bestenfalls eine tolle Freundschaft, aber keine Beziehung mehr. Ich finde, der Text wirkt gar etwas verklärt. Ohne Sex und Romantik wird keine Beziehung auf Dauer halten, und alles nur mit dem Kind als gemeinsamen Projekt zusammenzuhalten, ist extrem gefährlich. Man darf trotz der schönen Familiengefühle eben die Partnerschaft nicht hinten anstellen. Das ist nämlich alles andere als romantisch und zeigt eine gefährlich verklärende Weltsicht. Passt auf Euch auf! Und damit meine ich in diesem Fall Euch, als Liebespaar, nicht als Eltern oder als Familie.

  12. Pingback: Oh, du schöner März – mamAhoi
  13. Pingback: Eltern werden ist nicht schwer – Paar bleiben umso mehr – Lebe Berlin
  14. Super Beitrag, der mir persönlich als noch unverheiratete und kinderlose Frau Mut macht und einem zeigt, wie es sein kann.
    Vielen Dank Sarah!

  15. Sehr schön geschrieben, tolle Liebeserklärung an deinen Mann!!!
    Schon bei dem Punkt „Zungenküsse“ musste ich echt lachen… Insgesamt finde ich mich hier sehr wieder. Danke. Lg Tanja

  16. Empfinde ich genauso. So schön.
    Und doch interessiert mich die Sicht der Männer.
    Gibt es hier welche, die mitlesen? Was meint ihr?? Oder Sarah, hast du Stefans Sicht?
    Liebe Grüße,
    Sarah

  17. Das mit der Erotik und dem Sex wird wieder besser. Mein Mann und ich gehen auch gerne mal eine Nacht ins Hotel – nur als Mann und Frau!

    Und auch Zungenküsse gibt es wieder ; )
    Die Kleine findet sie spannend und das Pubertier rennt kreischend raus.

    Liebe Grüße

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