Denn die Zeit mit euch gibt mir keiner zurück

Vor kurzem waren wir ein paar Tage im Harz und da habe ich eine Entscheidung getroffen. Eine wichtige. Eine, die mir nicht leicht gefallen ist. Eine, bei der ziemlich viel in meinem Kopf rumgegangen ist. Bei der es viel Für und Wider gab. Ja, eine große.

Es ging um einen Job. Aber für mich nicht nur um einen Job, sondern um vieles mehr. Eine ähnlich gute Option wurde mir schon einmal angeboten, da war meine erste Tochter Lütti 7 Monate alt. Ich konnte es damals darauf hochhandeln den Job anzutreten, wenn sie 11 Monate alt ist. Der Job war toll, aber ich habe vor allen in den ersten Monaten gelitten wie ein Hund. Besonders an den Tagen, an denen ich sie weder morgens noch abends sehen konnte. Alle aus meinem Umfeld sind seinerzeit später in den Job wieder eingestiegen. Auch das fiel mir schwer. Sehr schwer sogar. Ich fand sie irgendwie noch viel zu klein für fünf Tage Kindergarten. Trotzdem bereue ich meine damalige Entscheidung nicht. Ich hoffe, auch diese werde ich nicht bereuen.

Über Jahre ging es mir eigentlich um einen astreinen Lebenslauf. Höher, schneller, weiter. Besserer Titel, mehr Geld. Ja, das hat mich ziemlich motiviert. Nun wurde er mir angeboten: der tolle Titel verbunden mit gutem Geld. Und ich? Ich habe mich nach meiner Motivation gefragt. Sie gesucht und immer wieder gesucht. Mir die doch augenscheinlichen Punkte immer wieder genannt: Toller Titel für den Lebenslauf, sicheres und gutes Gehalt. Aber irgendwie, irgendwie kam diese Motivation nicht.

Nach der Elternzeit mit meinem Sohn habe ich mich selbstständig gemacht. Ich schreibe, fotografiere, ich berate auch mal und ich mache eins: Ich teile mir meine Zeit frei ein. Liegt heute Schnee, fahren wir Schlitten. Arbeiten tue ich dann abends oder eben morgen. Ich muss keinen Urlaub einreichen und wir gönnen uns den Luxus, auch mal in der Woche einfach zu Hause zu bleiben, einen Reitausflug zu machen, oder einfach Kuchen zu backen. Ja, ich arbeitete auch oft abends spät. Ja, das was ich verdiene, ist oft weniger als in meinem alten Job und ja, ich weiß auch nie, was in welchem Monat reinkommt.

Was ich aber weiß: diese Zeit jetzt, ist die Zeit mit meinen kleinen Kindern. Die Zeit, in der sie mich besonders brauchen. Mit mir als ihre Mama Zeit verbringen möchten. In der sie sich nachts an mich kuscheln, nicht schlafen können. In der sie nachmittags mit mir Wasserfarbe malen wollen und sich morgens Pfannkuchen wünschen. In der sie Zöpfe geflochten kriegen möchten und erste Wörter sprechen. Die Zeit, in der ich sie eigentlich von morgens wie abends aussaugen möchte. Nichts verpassen möchte. Keinen Schritt, kein Wort. Die Zeit, in der ich ihnen ganz viel mitgeben möchte. Die Zeit, die oft nur uns gehört. Uns als Familie, weil wir uns eben selbst genug sind.

Und diese Zeit, die ist jetzt. Genau jetzt. Und eben genau diese Zeit mit euch, meinen Kindern, die gibt mir keiner zurück.


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11 Gedanken zu “Denn die Zeit mit euch gibt mir keiner zurück”

  1. Ich traff diese Entscheidung auch kürzlich u habe lange abgewogen – obwohl es auf der Hand lag. Arbeite TZ, verdiene ne Ecke weniger, jedoch im Ort u mit direkter Nähe zu den Kindern. Es ist kein sehr aufregendes Tätigkeitsfeld u für mich nur eine Etappe. Aber auf dieser Etappe bin ich aktuell sehr glücklich u zufrieden. Und das merken die Kinder. Es war somit die richtige Entscheidung. Es gibt für alles eine Zeit. Und jetzt ist Familienzeit.
    Ich gratuliere dir zu deinem Entschluss.
    Alles Liebe

  2. Eine gute Entscheidung, für Dich und vor allen Dingen auch für die Kleinen.
    Das ist ein unglaublicher Schatz (eben diese Zeit mit den Kindern und die Erinnerung daran).
    Freue Dich und genieße die Zeit.
    Liebe Grüße von einer Oma/Mama

  3. Ich kann dich gut verstehen und habe es genauso gemacht. Ich gehe gern arbeiten aber diese Zeit ist einmalig und da habe ich lieber etwad weniger Geld, als soviel zu verpassen. Ich empfinde es als Privileg, dass ich soviel Zeit mit meinem Sohn verbringen kann. Viele müssen ja auch wieder Vollzeit arbeiten.

  4. Ich finde diese Entscheidung so traumhaft aber für uns so unmöglich, da wir auf mein Einkommen angewiesen sind…Daher genieße diese manchmal wenige Zeit die wir haben umso mehr ♡ und wenn wir die Zeit mit den kleinen (egal ob Stunden oder Tage) zu 100% aufsaugen und nutzen, dann spüren das unsere Mäuse und wissen das wir alles für Sie tun würden ♡

    • Mir geht es leider genauso. Ich bin Hauptverdienerin und kann es mir nicht leisten, TZ oder in einem anderen Job zu arbeiten. Ich beglückwünsche die Autorin trotzdem zu ihrer Entscheidung, jeder der die Möglichkeit dazu hat sollte dies auch tun…

  5. Ich habe gerade eine ähnliche Entscheidung getroffen: dieses Jahr im August wieder in den Schuldienst einsteigen, wenn die Maus erst 9 Monate ist, oder eben erst im August 2018. Ich hab mir die Entscheidung nicht leicht gemacht: Du kannst doch nicht einfach so lange nix machen. Du kriegst 7 Monate kein Geld. Aber nun hat mir im Grunde der Kindergarten die Entscheidung abgenommen, da ein Platz für die Maus erst ab Juni 2018 frei ist. Was soll ich sagen?! Hab mich gefreut. Jetzt hatte ich endlich noch einen „vernünftigen“ Grund für meine lange Elternzeit – zusätzlich zu dem Gefühl in mir drin, das schon die ganze Zeit gesagt hat: genieße die Zeit mit den Mädels, denn sie kommt nie zurück.

  6. Ich und mein Mann sind auch selbständig. Auch wir haben uns der Familie wegen verkleinert und bereuen es keinen Augenblick. Unsere Tochter gibt uns soviel und da ist es es wert auch mal gegen das „Immer mehr, immer besser, immer in den Augen der anderen gut dastehen zu müssen“ zu schwimmen. Solche Entscheidungen sind mutig und braucht es in der heutigen Zeit. Auch schon unserer Kinder wegen.

  7. Genau die Entscheidung habe ich nach 6!!! Jahren Elternzeit auch getroffen. Ich hab mich auch selbstständig gemacht, blogge, fotografiere, backe, koche. Ich kann meine Zeit selbst einteilen und brauch, wie du schon schreibst, keinen Urlaub einreichen. Für mich die beste Entscheidung meines Lebens. Zwar mit weniger Geld dafür mit mehr Zeit. Das ist es mir wert. Denn Zeit ist nicht mit Geld aufzuwiegen.

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