Kürzlich, an einem gemütlichen Sonntag, haben der Mann und ich entschieden, ein bisschen Heimkino mit der Familie wäre nett. Da das Dschungelbuch nicht verfügbar war, fiel die Wahl auf Bambi. Das wurde auch im Original angeboten, fand ich prima. Auch die doch eingangs etwas seeeehr langsame Story inklusive musikalischer Untermalung kam mir für den Kleinen ideal vor. Lütti sagte immer, es passiert ja gar nichts, der Mann hatte schon den Raum verlassen, aus Angst sonst direkt auf dem Sofa einzuschlafen, und ich? Ich fand’s super – voll was für Kinder dachte ich. An dieser Stelle die Anmerkung: Ja, ich finde es durchaus auch nicht unbedingt richtig, wenn 1,5-jährige Fernsehen gucken. Bei 4-Jährigen finde ich das aber ab und an mal ok – vorher hat unsere Tochter übrigens nicht wirklich geguckt. Jetzt darf sie mal, ihr Bruder dann auch. Thema für einen anderen Blogpost, was er alles darf, was die Ältere in seinem Alter nicht durfte… zurück zu Bambi:

Der Film plätscherte so dahin – fand ich. War dann jetzt doch super spannend – fand Lütti. War es doch nicht wert zu gucken, Duplos sind doch spannender – fand Baby CJ. Ich wollte gerade ausmachen – den Rest dann wann anders – da macht es PENG!!!! und zack: Bambis Mutter ist tot!!!
Ich krieg‘ ’nen Mordsschreck. Weniger wegen Bambi oder seiner Mutter, sondern wegen Lütti. Ich meine auch ein Tränchen in ihren Augen blitzen zu sehen und in diesem Moment würde ich mir gerne Walt Disney persönlich vornehmen, diesen Schuft! Der Mann, der einen harmlosen Kindertrickfilm zu diesem Grauen umdreht. Dem eigentlichen Mörder von Bambis Mutter!

Wie erkläre ich das jetzt nur? Film direkt aus ist keine Option. Das wäre ja das schlimmste vorstellbare Ende. Wenigstens kümmert sich jetzt Bambis Vater um Bambi – das Kitz ist also nur Halbwaise. Im nächsten Moment ist er schon ein jugendliches Reh – nur ohne Mutter. Ich versuche, das mit dem Jäger irgendwie zu erklären. Irgendwie sage ich nur. Es gelingt mir eher schlecht als recht.

Am kommenden Tag sind wir im schneebedeckten Wald unterwegs. Lütti entdeckt ein paar Spuren. Es sind Spuren von Rehen. Sofort kommt die Frage, ob die auch erschossen werden. Ob es hier im Wald auch Jäger gäbe? Mhmm, soll ich sie jetzt anlügen? Finde ich eigentlich nicht richtig. Stattdessen motiviere ich sie mit mir gemeinsam durch den Schnee zu stapfen, bis zum Hochsitz.

Ich erkläre ihr, dass Tiere im Wald weit mehr von dort oben beobachtet werden als erschossen. Dass nur kranke und alte Tiere getötet werden. Lütti glaubt mir ehrlich gesagt nur so halb. Sie hat vor allen Dingen eins: Angst vor Jägern. Und da spielt mir das Glück doch zu. Uns kommt ein Jäger entgegen, mit seiner Frau und seinem kleinen, süßen Hund. Ich spreche ihn einfach an und er versucht, meiner Tochter zu erklären, warum Tiere auch mal geschossen werden müssen. Aber vor allem sein Hund sammelt viele Pluspunkte. Lütti ist jetzt auf jeden Fall überzeugt, dass es auch nette Jäger gibt. Und ich habe ein bisschen Zeit gewonnen. Zeit, mir eine Story zurecht zu legen, warum Tiere eigentlich sterben müssen.

Danke Walt Disney, das hätte echt nicht sein müssen. Bambis Mutter hätte schön ihre zahlreichen Enkel auf der Wiese rumspringen sehen (laut Jäger wären das zwei im Jahr) und wäre irgendwann alt und glücklich eingeschlafen (und nicht verhungert, weil es auf Grund des ausufernden Bestandes kein Futter mehr gab). Wenigstens so ein bisschen Kindheit, das wäre doch schön.