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Stillen ja, aber sorry: Ich brauch auch mal eine Pause

Ja, ich habe meine beiden Kinder gestillt. Weil ich das selbst wollte und nicht weil ich dachte, ich muss das tun, weil es die Gesellschaft von mir erwartet. Schon vor der Geburt meines ersten Kindes wurde ich gefragt, wie lange ich stillen möchte. Öhhh, weiß ich nicht??? Wie denn auch auch? Woher denn auch? Auf dem Bild ist mein zweites Kind übrigens fast 11 Monate alt.

Ich habe in einem sogenannten Stillkrankenhaus entbunden. Einem Krankenhaus, was besonders dafür ausgezeichnet ist das Stillen zu fördern. Ich fand mich an Tag zwei nach der Geburt in einem Stillzimmer wieder. Mit zwei blanken Brüsten und an eine Art elektronische Melkmaschine angedockt. Ich war nicht die einzige in dieser Runde. Ich fand diese Situation ehrlich gesagt sehr erbärmlich. Als man dann einige Tropfen Milch in eine kleine Spritze aufzog und mir versicherte, dass dies schon wie Gold für mein Kind sei, habe ich gedacht: Ich und das Stillen, das wird wohl nichts.
Auch Fragen wie „Wie viel kommt eigentlich da raus aus dieser Brust? Wird mein Kind überhaupt satt?“ haben mich ziemlich verwirrt. Nein, ich fand das Stillen nicht von Anfang an schön.

Der Onkel meines Mannes – ja, ihr habt richtig gehört – hat mir dann eine solche Philips Avent Milchpumpe zur Geburt geschenkt und ganz ehrlich, ich glaube, ich bin echt ein wenig rot geworden. Aber es war glaube ich eben diese Milchpumpe, die mich am Ende hat beide Kinder ein Jahr stillen lassen. Warum?

Mit meinem ersten Kind hat es natürlich ein wenig gedauert, bis wir uns eingespielt hatten. Bis das mit dem Stillen gut klappte. Und ich kann mich an viele Tage erinnern, an deren langem Ende der Mann nach Hause kam, ich auf dem Bett mit einer ausgepackten Brust, daran unsere Tochter. Ja, sie brauchte mich und meine Brust sehr. Und ich, ich sehnte mich danach, auch mal wieder rauszukommen. Ein bisschen Zeit für mich. Ich weiß es ehrlich gesagt noch, als wäre es gestern gewesen: Das erste Mal wieder allein in der Stadt. Vorher hatte ich Milch abgepumpt, Stefan war mit Lütti zu Hause und schickte mir ein Bild – Lütti fröhlich grinsend mit der Flasche in der Hand. Ich gebe zu, dass ich auch ein Tränchen verdrückt habe bei dem Gedanken: Und jetzt liegt sie da und kann ein Fläschchen halten.

Es klappte gut und somit hatte ich ein großes Ziel: mit meinen Mädels feiern zu gehen. Ich legte einen Vorrat auf Eis an. Immer nur wenig abpumpen, nicht dass die Milchproduktion durcheinander gerät und dann hatte ich sie: meine Night Out – und es war einfach toll.

Diese kleinen Inseln waren es, die mich haben sehr lange gerne stillen lassen. Weil ich wusste, es geht auch mal ohne meine Brust. Lütti nahm ohne Probleme die Flasche. Von etwaigen Saugverwirrungen war nie die Rede. Ihr Bruder war da schon ein ganz anderes Kaliber. Auch ihn wollte ich früh an die Flasche gewöhnen. Einfach um auch für mich Freiheiten zu haben und sei es nur mal einige Stunden am Stück zu schlafen. Die Milch musste ich am Anfang sogar abpumpen. Baby CJ schlief anfangs einfach zu viel, so dass zwei seit Stunden auf ihren Einsatz wartende harte Steine ein wenig Druck ablassen mussten. Das Eisfach war also voll mit Muttermilch. Baby CJ hatte ja aber gar keinen Grund sich aus diesem zu bedienen, seine Mama war ja da. Dafür musste ich erstmal aus dem Sichtfeld.

Dann nahm er von meinem Mann auch die Flasche. Also hatte ich auch bald bei meinem Sohn Auszeiten für mich. Konnte auch mal abends ein Glas Wein trinken. Diese Freiheiten habe ich sehr genossen und so habe ich die Kinder erst abgestillt, als für uns beide der richtige Zeitpunkt gekommen war: Mit gut einem Jahr. Nicht etwa, weil ich etwas vermisste. Übrigens weiß ich noch, dass ich da bei Lütti von meinem Job her schon wieder auf einer Messe war. Die Milchpumpe bei mir im Gepäck :-)

In diesem ersten Lebensjahr haben sie übrigens nicht nur Muttermilch getrunken. Beide Kinder – Lütti musste das sogar schon in der Klinik zur Brust über einen Schlauch – haben dazu auch mal PreMilch bekommen. Ich bin in keinem Fall jemand, der denkt, das wäre Teufelszeug. Ich erinnere mich daran, wie eine Hebamme mir völlig fertiger Erstlingsmutter, als ich Lütti nachts mal eine PreMilch-Flasche gegeben hatte, vorausgesagt hat, „DAS sei der erste Weg zum Abstillen!“ Ich war verwirrt und fühlte mich regelrecht schuldig.

Ich denke Stillen sollen Babys und Mütter genießen. Wenn es im Zwang endetet, ist das nur Stress und ich finde diesen überhaupt nicht nötig. Ja, ich habe schon Artikel zum Stillen geschrieben. Eben weil mich das Thema und der Umgang damit in der Gesellschaft bewegt.

Stillen – ein Thema, das die Läger trennt, leider auch die der Mütter
Stillen – Überlebensstrategien einer Milchmaschine
Waaaas, du stillst immer noch??!!

Ich habe sehr gerne gestillt. Ich glaube auch, weil ich mal Auszeiten für mich hatte. 

 

7 Gedanken zu “Stillen ja, aber sorry: Ich brauch auch mal eine Pause”

  1. Das ist so schön zu lesen…. Danke. In der 30 Woche schwanger fragen mich angefangen bei meiner Mutter bis IrGeNDwer ob und wie lang ich stillen will. Trotzig sagt meine Innere Stimme, bald gar nicht mehr und ich werde einfach behaupten, dass es nicht geklappt hat.

    Deine kleiner Bericht entspannt mich wieder etwas. (Ist das eine Eine elektrische oder per Hand?)

    Merci Merci

  2. Stillen ist ja ein regelrechtes Reizthema, wie es scheint. Ich muss sagen: Am Stillen hat mich vor allem eines tierischst genervt – alle anderen Meinungen… meine war irgendwie egal… Ärzte, Hebammen, Krankenschwestern, Familie, Freunde, Fremde… boar, das war so so furchtbar und setzte mich sehr unter Druck. Ich konnte meine Große nur 6 Wochen stillen und das unter Schmerzen aus der Hölle. Zudem war sie stark gelbsüchtig und schlief unweckbar bis es sogar gegährlich wurde. Dann gab ich auf. Später kriegte ich mit, dass ihr Zungen- und ihr Lippenbändchen schuld waren an den Schmerzen und eine sofortige Fototherapie (nicht erst nach 7 Tagen) ihr geholfen hätte, nicht so schwach zu werden, dass nix mehr geht… aber diese Erkenntnisse kamen zu spät, da war der Drops gelutscht und Stillen passe. Die Mini war trinkfaul und es lief nicht. Bis 4 Monate gab ich mein bestes, pumpte noch 2 Monate ab und gab dann guten Gewissens pre.

  3. Oh liebe Sarah, vielen Dank für deinen Beitrag! Auch ich fand es schrecklich wie viele Meinungen rund ums stillen mir bereits in der Scheangerschaft „aufgedrückt“ wurden…
    Bei der großen habe ich es immerhin 3 Monate geschafft voll zu stillen, dann wurde die Milch einfach immer weniger und auch abpumpen hat nicht geholfen, nach und nach wurde sie also zum flaschenmädchen „umerzogen“ – und welch Wunder! Auf einmal war sie wohl satt und konnte durchschlafen! Und so hat es für uns alle gepasst :-)
    Bei dem kleinen war es schwieriger, der Druck größer… eigentlich wollte ich ihn länger stillen, aber dann ist es kürzer geworden… von allen Seiten war der Druck sehr groß und wir haben wohl nie zur Ruhe und zueinander gefunden. Schon recht bald wollte er gar nicht mehr (trotz allen Versuchen mit Hilfsmitteln und abpumpen) bei mir trinken und nur noch die Flasche… ich denke, ich – nein, wir – hätten uns gut damit abfinden können, wenn bloß das Umfeld verständnisvoller reagiert hätte. So war zwar das Kind glücklich, aber mich als Mama ließ man mit Gewissensbissen allein. Auf meine eigene Situation zurückblickend plädiere ich wirklich für mehr Verständnis gegenüber jungen Mamas und dafür, dass man selbst am besten weiß wie man das stillen oder eben auch nicht-stillen handhaben möchte! Ich hoffe ihr versteht mich ;-)
    Und DANKE nochmal an dich, Sarah!
    Liebe Grüße,
    Isabelle

  4. Hallo Sarah,
    ich danke dir für die offenen Worte und hoffe sie werden auch, oder besonders von Muttis gelesen, die das ganze noch vor der Brust haben !
    Beim Thema Stillen fällt mir immer noch dieser unglaublich beknackte Kursabend vor vier Jahren ein. Er war Bestandteil der Geburtsvorbereitung und ich habe danach zum ersten Mal darüber nachgedacht ob ich das überhaupt schaffe mit dem Stillen! So war es sicher nicht gedacht aber danach war ich total schockiert von all den furchtbaren Dingen die dabei schief gehen können.
    Meine zweite Erfahrung mit dem Stillen als anscheinend etwas wozu jeder ungefiltert losträllern und einen zum Besten geben darf war einen Tag nach der Geburt meiner Tochter. Wir lagen gemütlich im Krankenhausbett und machten uns miteinander vertraut als mir die Stillschwester ungefragt erklärte, dass es nicht gut sei, quasi ein No-Go das Kind während der „Stillmalzeit“ am Köpfchen zu streicheln!! Ich hab so geheult und mich unglaublich geschämt in meinem Hormonoverkill „Oh Gott ich hab das Kind gestreichelt, wie konnte das passieren? Ein Anfängerfehler?“
    Was soll ich sagen mittlerweile bin ich dabei Kind zwei abzustillen und ich bin etwas wehmütig. Ich hab mir irgendwann einfach mal selbst zugetraut, dass das schon klappen würde und mir ist noch nichts in meinem Leben so leicht gefallen! Ist ja am Ende auch nur ein Jahrmillionen alter Reflex!
    Alles Liebe und lasst euch nicht verunsichern!

    Camilla☺

  5. Das hast du sehr schön geschrieben, Sarah. Schade, dass das Thema Stillen schnell bei Müttern in so einen Streit ausartet. Ich würde mir immer wünschen, dass jede von ihnen die Unterstützung bekäme, die sie braucht, statt blöde Fragen oder Vorwürfe.
    Ich habe übrigens meine heute 18 jährige 14 Monate gestillt, dann wollte sie nicht mehr – nur noch Milch von der Kuh und ihre Teebuddel und die Kleene (heute 13) 2 Jahre und das ist mir einfach so passiert… es gibt Kinder, die lassen einen nicht gehen ( bzw. hat dieses kleine „Monster“ immer das Würgen gekriegt, wenn sie einen Sauger in den Mund bekam. Nix mit Abpumpen ;-) Aber es war okay und vielleicht auch der verrückten Schwangerschaft geschuldet. Und trotzdem halte ich es mit den Worten meiner Freundin: “ Warum sagt eigentlich keiner den werden Mamas, das Stillen manchmal auch echt fies ist – ich sag nur Brustentzündungen…“ Was für ein kluges Geschenk doch die Milchpumpe ist. Ich hatte so eine fiese Handpumpe. Schrecklich.
    Also ihr Mütter da draußen, fragt, wenn ihr Fragen habt, aber lasst euch nix aufschwatzen. Jede von uns ist anders und jedes Baby auch.
    Alles Liebe vom Deich
    Claudia

  6. Unsere Kleine wird Samstag vier Wochen alt und hat bereits im Krankenhaus Pre-Nahrung bekommen, zusätzlich, damit sie schneller zunimmt. Dabei war sie zwar leicht, aber im gesunden Rahmen. Somit hatten wir aber auch keine Schwierigkeiten zwischen Brudt und Flasche zu wechseln. Obwohl das Stillen gut klappte hat man uns aber auch fast keine Zeit und Ruhe gegönnt und jeder hatte einen anderen Tipp: mir wurde in die Brust gekniffen, das Kind wurde angedrückt und dann gab es noch Stillhütchen, weil meine Brustwarzen zu flach wären…

    Ich war gestresst! Und hatte irgendwann auch noch eine entzündete Brustwarze. Die Schmerzen habe ich dem Kind zu liebe ertragen so lange es ging. Aber das Kind wurde nicht satt. Und somit haben wir erst zugefüttert und dann festgestellt, dass die Mich immer weniger wird und seit dieser bekommt sie nur noch Flaschennahrung und ich pumpe nur noch sporadisch ab, damit es keinen Milchstau gibt.

    Und obwohl es meinem Kind und auch mir damit gut geht, habe ich ein schlechtes Gewissen…

  7. Hallo! Ich habe deinen Blog erst heute gefunden und mir erstmal die Sachen mit dem stillen durchgelesen. Du sprichst mir aus der Seele das ist unglaublich. Ich stille auch ganz gerne obwohl mittlerweile nicht mehr. Ich hab diese Auszeiten leider gar nicht weil meine kleine die Flasche nicht nimmt ich hab es immer wieder versucht keine Chance schön wenn sie eine Flasche sieht fängt sie das weinen an! Also für mi h alles nicht mehr ganz so schön aber sie braucht mich also versuche ich mich jeden Tag zu motivieren und hoffe das sie irgendwann die Flasche nimmt, und ich wieder ein wenig Freiraum habe. Lg Christin

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