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Jetzt mal ehrlich: Was werdende Eltern WIRKLICH vom Familienleben wissen sollten

„Das sieht bei euch immer so harmonisch aus“, „Immer so schön aufgeräumt“ – ja, ja, vieles, was Eltern so ins Netz stellen – im Besonderen bei Instagram – gibt jetzt wirklich nur einen kleinen Teil des Familienlebens preis. Den aufgeräumten, den harmonischen. Das liebevolle, romantische Familienbild. Irgendwie auch klar – sein tägliches Familienchaos muss man ja nicht noch mit der großen Runde online teilen.

Aber ich will auch ehrlich sein, das ein oder andere hätte ich vielleicht gerne vorher gewusst. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es Unternehmen wie BabyOne gibt, die mit ihrer Kampagne „Don‘t worry, be family“ – Druck raus, Alltag rein Eltern inspirieren möchten, sich nicht von Erwartungshaltungen, Ratgebern & Co. verrückt machen zu lassen.“ Denn darauf kommt es doch an, Eltern auf das doch zumeist ziemlich chaotische, aber unheimlich schöne Familienleben vorzubereiten.

Also jetzt dann mal ehrlich. Wie war das bei uns als wir Eltern wurden? Es nicht unbedingt die Ausnahme, dass man sich als Eltern mit kleinem Baby gerne auch mal an die Gurgel geht (im übertragenden Sinne natürlich ;-)). Aber ehrlich: Wem denn auch sonst? Das Baby kann ja nichts dafür. Es ist eben ein Baby. Aber wenn dieses Baby gerne die Nächte zum Tag macht und über Tag entweder gerne getragen, gestillt oder am Besten beides gleichzeitig gemacht haben möchte, ja, dann kann man den Partner, der gegen Abend fröhlich mit einem „Wie war dein Tag, Schatz?“ auf den Lippen ins Haus kommt, an die Wand nageln. Hätte man noch die Kraft dazu, denn viel Schlafmangel macht in Folge kraftlos. Ich erinnere mich noch daran, wie ich quasi den gesamten Tag versucht habe unsere Tochter und erstes Kind zum Schlafen zu bringen. Denn so ein Kind muss ja schlafen. Am besten auch mit einem verlässlichen Rhythmus. Ich habe sie also getragen, bin mit dem Kinderwagen los (ja scheiße, es hat so richtig geregnet, aber an der frischen Luft schlafen die ja angeblich besser…), habe sie in der Nonomo gewippt und als das alles nicht half, habe ich mich als Dauerlutscher mit blanker Brustwarze auf dem Bett neben sie gelegt, bis sie endlich, endlich geschlafen hat. Und dann? Dann kam der Mann mit lautem Gepolter von der Arbeit nach Hause und das Baby war wieder wach.

Bei Kind zwei ist mir das übrigens nicht mehr passiert. Nicht das mit meinem Mann, sondern dieses absolute Stressen mit dem Schlaf oder besser: der Schlaftaktung. CJ hat geschlafen, wann es ihm passte und das war für uns alle gut so. Besser noch: Wir hatten einen viel entspannteren Familienalltag. Schlief er abends nicht, wippte er fröhlich mit dem Rücken zum Fernseher und wir saßen davor.

Das nächste, womit ich mich habe völlig verrückt machen lassen habe, war das Stillen. Im Krankenhaus wurden wir sogar des nachts alle zwei Stunden geweckt zum Stillen. Für den Trinkrhythmus und so. Zuhause habe ich mir ernsthaft in der Anfangszeit auch einen Wecker gestellt. Boah, das hatte wenig mit so einer harmonischen Stillbeziehung zu tun. Nach Monaten mit wenig Schlaf und viel Stillen haben wir unserer Tochter übrigens mal eine Flasche Pre-Nahrung gegeben. Einfach um sie zu richtig „abzufüttern“ und zu schlafen. Herrlich war das. Am nächsten Tag im Rückbildungskurs hätte die Hebamme mir wohl am liebsten ein Kruzifix auf die Stirn gemalt: „Eine Flasche ist der erste Schritt zum Abstillen!!!“

Ich habe meine Tochter übrigens ein gutes Jahr gestillt. Am Ende zu meinen Bedingungen und nicht denen von manchen Hebammen und übermotivierten Ratgebern. Bei meinem Sohn war ich von Anfang an locker. Ich bin mit der Einstellung rangegangen, entweder es klappt mit dem Stillen oder eben nicht. Übrigens ganz ohne Rhythmus. Er hat getrunken, wann er wollte. Eine Freundin, die gerade ihr erstes Kind bekommen hat, hat mich kürzlich gefragt, wie ich das denn dann gemacht habe. Die Babys sollten doch eigentlich einen festen Trinkrhythmus entwicklen. Am Ende so alle vier Stunden. So wäre ja nichts planbar.

Ich bin ehrlich: ich fand es so für uns beide viel entspannter. Und entweder ich habe ihn einfach mitgenommen, oder er hat von Stefan die Flasche bekommen, wenn ich mal unterwegs war (ja, ich habe mich nämlich durchaus auch mal mit Freundinnen getroffen). Anders als bei unserem ersten Kind nicht mit über Wochen immer wieder abgepumpter Milch und Micro-Vorräten im Eis, sondern schlicht und einfach Pre-Milch. Er ist jetzt 3 Jahre alt – es ist kein Schaden erkennbar ;-)

Was ich damit sagen will: Durch das Umfeld, Ratgeber und so weiter, strömen so viele Meinungen auf die junge Mama oder besser die frischen Eltern ein, dass sie meist eine Erwartungshaltung an die Elternschaft haben, die wenig mit der Praxis zu tun hat. Sie selbst machen sich den allergrößten Druck. Natürlich will man als Eltern alles richtig machen. Das Baby ist das höchste Gut, ein rohes Ei, was ständig gehegt, gepflegt und beschützt werden will. Aber wir Eltern, wir wissen leider auch nicht alles und ich sage euch: Das ist auch gut so. Es ein bisschen auf sich zukommen lassen, nicht alles so verkrampft sehen und wichtig: Auch in das eigene Kind vertrauen. Die wissen nämlich eigentlich schon ganz gut, was sie brauchen.

Ich war in Vorbereitung zu dieser Kampagne übrigens mal auf der Seite von BabyOne, einem Familienunternehmen hier aus Münster, das schon seit 30 Jahren besteht. Und ich muss ehrlich sagen, beim Spot und bei dem Satz „Wir machen nicht nur Sachen für Familien, wir sind auch eine Familie“ – und das von einer Mama – musste ich ja ein Tränchen verdrücken.

Also, vielen Dank von einer Mama für die tolle Kampagne und ich bin ganz gespannt darauf, noch mehr Geschichten aus dem wahren Familienleben zu lesen. Die ehrlichen, die lustigen und auch mal die chaotischen. Die, die sich uns gut fühlen lassen, dass es bei andern Familien einfach genauso ist: Dieser wahnsinnig (und) tolle Familienalltag.


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4 Gedanken zu “Jetzt mal ehrlich: Was werdende Eltern WIRKLICH vom Familienleben wissen sollten”

  1. Hach ja – das Leben mit Baby oder besser noch „Was hatte ich nochmal für ein Leben vorher?!“ Ich denke jeder macht es anders, aber jeder für sich richtig – denn am Ende wollen alle (oder die meisten – 3Jahre in einer vollstationären Jugendhilfeeinrichtung zu arbeiten, hat mir auch die anderen Seiten gezeigt) das Beste für ihr/e Kind/er! Unser erstes Baby war ein „Schreibaby“ oder liebevolle ausgedrückt: ein besonders liebesbedürftiges Baby – 5Monate! Das war hart, sehr hart – es hat uns sehr viele Nerven gekostet, hat uns demütig gemacht und uns gezeigt wieviel man über seine eigenen Grenzen hinausgehen kann!! Am schönsten ist es doch immer wieder, wenn wir Eltern füreinander da sind, zuhören! Denn gerade das erste Jahr ist das Intensivste – im Schönen wie im Anstrengenden. Das schreibe ich jetzt mal so naiv, noch ist meine Große nicht in der Pubertät

    (Btw: ich mag deinen „neuen“ Blog sehr! Good Job ❣️)

  2. Oh ja.. Einfach mal den Mann an die Wand nageln weil man selber grade so kaputt und gereizt ist.. Und eigentlich kann er ja nichts dafür. Inzwischen bringt der Mann die Maus ins Bett und lässt sich fast jeden Abend 15 Minuten anschreien, ich bewundere ihn sehr dafür das er das aushält anstatt dann doch mich zu schicken. So habe ich dann 15 Minuten ganz für mich bevor er dann auch Aufmerksamkeit möchte. Seitdem bekommt er definitiv weniger schlechte Laune ab, weil ich erstmal runter fahren kann.
    Ich glaube, man wächst in das Familienleben einfach rein. :)

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