So, nun sitze ich hier und heule wie ein Schlosshund. Eigentlich wollte ich in diesem Jahr gar keinen Brief an meinen Sohn schreiben. Die letzten beiden Jahre habe ich das getan. Zu deiner Geburt Brief an meinen neugeborenen Sohn. Ja, irgendwie übermannen mich dabei immer noch meine Gefühle. Dieses kleine Baby, mit dem niemand gerechnet hat. Der einfach da war, auf einem Schwangerschaftstest. Auch auf dem zweiten und dritten noch. Der auch nicht weg war, als wir beim Frauenarzt waren, sondern der mit einem pochenden Herzen ganz deutlich zeigte: Ich will zu euch!
Ja, er ist ein Wunder. Ein wunderbares Wunder.

Du bist das Kind, das mich hat in meiner Mutterrolle ankommen lassen. Kein Zweifel, keine Unsicherheit, völliges Vertrauen, totales Selbstverständnis. Einfach eine Mama sein. Sich nicht von anderen beirren lassen. Es gut machen. Gut genug für mich und meine Kinder. Vieles hat sich seit dem ersten Jahr mit dir nicht geändert. Brief an meinen Sohn: morgen wirst du ein Jahr mein Baby. Immer noch schläft du am liebsten im großen Bett. Was sich geändert hat: Heute kannst du das auch sagen: „dose Bett!“. Und ja, du duldest es nach wie vor nicht, wenn ich mich mit dem Rücken zu dir drehe. Nein, die Mama muss ganz nah sein. Ganz nah bei dir. „Mama? Maama? Mamaaa!!!“

Ja, Mama ist dein absoluter Star. Deine Allerbeste. Gerne nennst du mich auch Mamas! Und für dich bräuchte man eigentlich auch ganz viele Mamas, denn du bist vor allem eins: unternehmungslustig, völlig angstfrei, ziemlich frech und lustig. Ja, du bist mein absoluter Sonnenschein. Daran hat sich nun wirklich gar nichts geändert. Du lachst so viel, nimmst andere mit. Grinsefisch würde ich sogar sagen. Aber dich zu erziehen, dafür bräuchte es eine ganze Truppe. Ja, du machst viel Quatsch. Extra. Und lachst dabei über beide Backen. Die Augen strahlen gleich mit, wenn du unter den Augen der Eltern mal wieder was ausgeheckt hat. Ja, du bist ein Schelm, ein großer.

Du bist mutig, aber es ist für dich ganz wichtig, dass ich dabei bin. Mama in der Nähe? Dann bist du stark! Ja, du bist ein Mamakind, brauchst den Körperkontakt. Kannst „Mama, smusen“ sagen! Brauchst ganz viel mich. Manchmal denke ich, du würdest es dir auch gerne nochmal in meinem Bauch gemütlich machen, so sehr schmiegst du dich an mich.

Und während ich das hier schreibe, sehr sehr stolz auf meinen kleinen Jungen bin, so froh um unser enges Band, so traurig bin ich darüber, dass sich das wohl bald ein Stück weit lösen wird. Die letzten beiden Jahre warst du immer noch mein Baby. Ich habe dich getragen, du schläfst in unserem Bett, ich habe erahnt, was du mir sagen willst. Im vor uns liegenden Jahr wird sich einiges ändern. Dein drittes Lebensjahr. Schon jetzt kannst du deutlich sagen, was du willst und was nicht. „Ich auch!“ Sagst sehr deutlich, dass du neben deiner Schwester nicht zurückstecken willst. Du willst überall hin selber laufen, sogar schon mit dem Roller fahren. Vielleicht schläfst du sogar bald nur noch in deinen eigenen Bettchen. Ja, viel wird sich verändern. Mein Baby wird ein Kleinkind. Wehmütig und stolz, das bin ich heute an deinem zweiten Geburtstag.