Vor Kurzem hat die liebe Christin im Artikel Was heißt eigentlich Schreikind – ein Erfahrungsbericht berichtet, wie es ihr und ihrer Tochter ging. Das fand ich toll. Das fand ich mutig. Und das fand ich wichtig. Denn Christin und ihre kleine Tochter sind kein Einzelfall. Gern möchte ich an dieser Stelle ein Hilfsangebot vorstellen. Denn Hilfe, die gibt es. Es ist nur wichtig sich zu trauen. Sich Hilfe zu holen.

Ich freue mich sehr, dass Mareike Kachel von der SchreiBabyAmbulanz Hamburg und Stormarn mir einige Fragen beantwortet hat:MareikeKachel_sw

Sind Schreikinder eigentlich Einzelfälle?

Nein, in keinem Fall. Unser Zulauf ist in jedem Jahr ansteigend. Das Thema ist nicht neu, was neu ist, ist, dass es Hilfsangebote gibt. Dass es so etwas wie Schreikinder gibt, kommt immer mehr in das Bewusstsein der Menschen. 

Wie können Schreiambulanzen helfen?

Die erste Säule umfasst die Arbeit mit dem Kind. Wir wollen Eltern aufzeigen, wie sie ihr Kind beruhigen können. Das kann über die Atmung gehen, über Töne, z.B. Gesang, oder auch Massage. Es gibt völlig unterschiedliche Methoden. Kaiserschnittkinder müssen zum Beispiel sehr viel fester massiert werden.
Wir geben den Eltern positive Rückmeldungen. Sie befinden sich in einer extrem schwierigen Situation. Auch Gewaltphantasien sind völlig normal. Viele Eltern haben schon Angst vor sich selbst. Aber Schlafentzug ist einfach eine Foltermethode, unter der man extrem leidet. Wichtig ist es Auswege aufzuzeigen. Betroffene Eltern sollten in solchen Momenten das Kind sicher ablegen, zum Beispiel in die Wiege oder das Bett und rausgehen. Oft hilft es dann selbst einmal den Frust rauszuschreien, z.B. ins Kissen. Dann kann man sich der Situation wieder stellen. 

Die zweite Säule umfasst die Arbeit mit Mutter/Vater (Entspannung, Massagen, Haltetechniken, Atemübungen). Wir bieten zum Beispiel Massagen an. Mütter (zumeist sind es die Mütter, die die Kinder zu Hause betreuen) müssen erstmal selbst wieder spüren, wie sich Entspannung anfühlt.

Die dritte Säule umfasst das beraterische Gespräch (Ursachenforschung, Einbindung anderer Helfersysteme (Wellcome, Familienpaten, Familie, Freunde, Haushaltshilfen,…)
Die Eltern erzählen, wie Geburt und Schwangerschaft gelaufen sind, und wir können so mit der Ursachenforschung beginnen.
Auch versuchen wir in den Alltag Entspannung zu bringen. Wer kann z.B. kochen? Oder mal für eine Zeitlang Essen auf Rädern. Was bringt Entlastung?
Und wir wollen Raum zum Reden geben. Denn oft ist nirgendwo wirklich Platz zum Sprechen über die Situation. Bei uns können die Mütter frei erzählen. Ohne vermeintlich schlechtes Gewissen, ohne Zeitdruck.

Was kostest mich die Arbeit der Schreiambulanz?

Das ist individuell zu erfragen, da es von Bundesland zu Bundesland verschieden ist. Der Verein Rückhalt e.V. bietet über die PLZ-Suche Hilfe verschiedener Therapeuten an. In Schleswig-Holstein liegt der Eigenanteil zum Beispiel bei 10 Euro. In Hamburg gibt es einen Spendentopf. Einfach auf die PLZ-Suche gehen und den Therapeuten direkt fragen. In der Regel kann man auf jeden Fall sagen, dass meist 4 bis 5 Sitzungen ausreichen.

Mögen Sie betroffenen Eltern noch etwas mitgeben?

JA, alle Eltern tun das Beste und das ist gut genug: Das ist toll!