Ok, heute habe ich Geburtstag und auf dem Papier habe ich schon vor so einigen Jahren die Volljährigkeit erreicht.
Aber wann bin ich eigentlich erwachsen geworden?
Oder Hand auf Herz: Bin ich das eigentlich?
Oder besser: Will ich das sein?
Ist man als Erwachsener nicht der langweilige Spießer in Einheitsklamotte und kein Partygast mehr?

Neulich habe ich mit meinem zweijährigen Sohn ein Spiel gespielt und er hat sich schön eine andere Rolle geschnappt. Als ich frage, wie er heißt, antwortet er bereitwillig „Mogli!“ und als ich frage, wie alt er ist, sagt er ziemlich selbstsicher „WACHSEN!“. Erst dachte ich, ich hätte das nicht richtig verstanden, obgleich ich eigentlich weiß, dass die ersten Buchstaben der Wörter öfter bei ihm einfach hinten rüberfallen, aber auf Nachfrage kam ziemlich laut „WACHSEN, Mama!“ Ok, er ist also erwachsen! Und genau das wollte ich als Kind auch immer sein: ERWACHSEN.

Eigentlich hatte ich mir das Ganze mit dem Erwachsen-sein auch in Studienzeiten immer noch so traumhaft vorgestellt. Damals fühlte ich mich noch alles andere als erwachsen. Eher als cooler Fun- und Party-Tourist, der nebenbei noch studierte. Nach dem Studium, ja nach dem Studium, dann würde schließlich der Ernst des Lebens beginnen. So richtig mit Wohnung, Auto, Job. Ein bisschen was davon kam auch, anderes nicht. Was ich auf jeden Fall nicht in allen Bereichen meines Lebens sein wollte, war: erwachsen sein. Das hatte für mich immer so einen Charme von grau, etwas freudlos, ernst. Das waren vielleicht einige Teile meines Lebens auch. Gerade wenn ich so an den ein oder anderen Job denke, wo ich im grauen oder schwarzen Kostüm eine ernste, erwachsene, überlegene Person mimen musste.

Und heute? Bin ich jetzt endlich erwachsen? Ich bin verheiratet, lebe mehr oder weniger gesettelt in einem Haus, habe zwei Kinder, arbeite um und bei erfolgreich selbstständig.
Ist es das jetzt endlich, diese Erwachsen-Sein?
Ich hoffe inständig NEIN! Denn ja, ich habe viel Verantwortung. Ich habe zwei Kinder, einen Mann, einen Job. Aber das ist der eine Teil meines Lebens. Der andere sattelt sich mit meinen Kindern ein Steckenpferd und reitet selbst laut Hüah! rufend durch die Wiesen oder tanzt und singt bis fast (ok, das Alter hat doch Spuren hinterlassen) in die Morgenstunden. Und heute an meinem Geburtstag wünsche ich mir eins am meisten:

Dass ich noch lange nicht ganz erwachsen werde! Happy Birthday!