Kürzlich habe ich mich mit dem Thema beschäftigt, dass unsere Kinder anders groß werden. Ihre Welt ist viel bunter als unsere. Das ist für sie ganz normal und das freut mich sehr! Mit dazu gehören Regenbogenfamilien. Familien die zwei Papas oder zwei Mamas haben. Vor einiger Zeit habe ich eine tolle Frau, Bloggerin, Mama kennengelernt und wenn wir über unseren Familienwahnsinn daheim sprechen, spricht sie über „meine Frau.“

Ich freue mich sehr, dass ich Dani vom Blog Siebenkilopaket für einen Gastbeitrag gewinnen konnte. Einen Beitrag bei dem mir ein bisschen die Tränen kullerten, weil er so ehrlich, schonungslos und vor allem schön ist. Übrigens wer mehr von Dani und ihrer Familie erfahren will, der ist herzlich eingeladen ihr einen Besuch auf dem Blog, bei Facebook oder Instagram abzustatten. Es lohnt sich!

Bühne frei:

„Guten Morgen Schatz! Dein Frühstück ist fertig!“

Ein Kuss auf den Mund, der Griff zur Aktentasche, der herzliche Abschied. So klischeehaft diese Szene aussehen mag, so normal ist der Alltag in einer Regenbogenfamilie. In meiner Regenbogenfamilie.

Ich bin Daniela und schreibe auf dem Blog siebenkilopaket über das bunte Leben mit Kind und Hund. Was die wenigsten wissen: was daran genau bunt ist. Nicht weil ich es nicht thematisieren möchte, sondern weil das für mich und uns so wahnsinnig normal ist, dass es kaum noch auffällt: ich bin die Frau meiner Frau. Eine Familie mit Baby, Hund und Haus im Grünen, der Inbegriff des Gesittetseins, würde da nicht der Regenbogen über uns leuchten.

Wir sind eine ganz normale (wenn auch für viele eine hochinteressante da in dieser Konstellation noch immer eher selten anzutreffende) Familie, zumindest in unseren Augen – und soweit wir es mitbekommen auch in den Augen unserer Familie, Freunde und Nachbarn.

In unserem Alltag haben wir trotzdem mit einigen Dingen zu kämpfen, die manches Mal den Regenbogen ganz schön grau aussehen lassen. Die anfängliche Freude endlich heiraten zu dürfen wich bald der Realität: die sog. Homo-Ehe ist noch lange keine Ehe.

Angefangen bei ganz „technischen“ Dingen wie der jahrelang unerfüllte Kinderwunsch – natürlich ist dieses Thema auch bei Heten nicht einfach, aber da macht das „Üben“ wohl mehr Spaß. Und selbst wenn nicht – immerhin muss da keiner die wertvolle Fracht untern Arm klemmen um sie quer durch die Stadt schnell und warm nach Hause zu bringen. Was für eine Scheißzeit. Getoppt wurde sie nur dadurch, dass wir in eine Kinderwunschklinik gehen mussten. Und mit wir meine ich nicht meine Frau und mich, sondern den Spender und mich. Weil wir Angst hatten, als Frauenpaar nicht behandelt zu werden. Auch wenn es sich nicht richtig angefühlt hat waren wir bereit, für unseren Traum einen hohen Preis zu zahlen – und das wahrlich nicht nur im übertragenen Sinne.

Im Hintergrund besuchten wir währenddessen zu dritt Stammtische, Anwälte und Notare, um uns darüber zu informieren, ob und wie wir alle uns vor möglichen Eventualitäten schützen könnten. Was ist, wenn der Spender das Kind doch nicht zur Adoption freigeben möchte? Was ist, wenn wir, also meine Frau und ich, uns trennen und ich den Spender dazu verdonnere, Unterhalt zu zahlen? Wenn mir bei der Geburt etwas passiert? Fragen, die uns lange begleitet haben und die heute, da die Adoption noch nicht durch ist, manchmal immer noch auftauchen. Auch wenn sie nicht ständig präsent sind, ganz ausblenden können wir sie trotzdem nicht. 

Der Besuch beim Jugendamt: was für ein komisches Gefühl. War meine Antwort auf „was möchten Sie trinken?“ vielleicht falsch? Habe ich richtig reagiert, als der Lütte sich wehgetan hat? Und der Besuch bei uns zu Hause steht noch an – ich hoffe, ich werde dann überrascht, wenn das Haus geputzt, der Hund ausgetobt, das Baby gut gelaunt und das Essen frisch gekocht ist. 

Solange die Adoption noch nicht abgeschlossen ist, lebt meine Frau mit dem sog. kleinen Sorgerecht. „Es passiert nur den anderen“ – ich bin grundsätzlich ein positiver Mensch, aber manchmal bin ich einfach ein Schisser. Als ich mich letztes Jahr unter Vollnarkose operieren lassen musste hatte ich einfach, ja, Angst. Was passiert dann mit unserem Baby wenn mir etwas passiert? Immerhin ist der Lütte zur Adoption freigegeben – kommt er dann in ein Waisenhaus?

Zu meiner Regenbogenfamilie gehört aber noch der Spender und seine Familie. Wir sind nach wie vor unglaublich dankbar darüber, eine so glückliche Kombination für uns zu haben. Wir kennen den Spender und seine Familie seit fast 20 Jahren, er ist wie ich in Brasilien geboren und aufgewachsen und seit jeher ein sehr sehr guter Freund. Besser kann man es eigentlich nicht haben. Und trotzdem – er ist nicht der Papa und seine Eltern sind nicht Oma und Opa. Ich denke, bei vielen anderen Regenbogenfamilien in ähnlicher Konstellation lauert hier Streitpotenzial. Und hoffe, dass bei uns zumindest diese Frage geklärt ist. 

Denn meine Regenbogenfamilie, das sind wir: Mama und Mama und Kind und Hund.