Ich weiß nicht wie es euch so geht, aber gerade nach den Schwangerschaften ist mein Bauch immer noch zu dick, die Brüste zu klein und straff ist ja hier auch nicht gerade das Stichwort…. Ein Gastbeitrag meiner Freundin Eva maritze.bill mit einem Thema, was mir sehr am Herzen liegt.

Nein, mit dieser Feststellung werde ich wohl nicht den Nobelpreis gewinnen oder ins literarische Quartett einziehen. Es geht hier vielmehr um eine Erfahrung die ich für mich aus einer kürzlichen Begegnung mit mir und meinem Körper mitnehmen durfte. Aber vorne angefangen: Es ist sicher nicht verwunderlich für die weiblichen Leser, wenn ich sage, dass ich mich sehr häufig sehr unwohl fühle in meiner Haut. Ich lasse mich verunsichern von Bildern der Medien und der dort abgebildeten Perfektion und schneide bei diesen vergleichen oft sehr mies ab. Man kann also sagen, mein Körper und ich: nicht die größten Buddys.

Ihr könnt euch also vorstellen, dass ich beim Thema Sauna und „Textilfreie Zone“ kein inneres Feuerwerk zünde. Und trotzdem machte ich mich vor ein paar Wochen, gemeinsam mit meinem Mann und meinem ach so wundervoll „unperfekten“ Körper aka bester Buddy auf ein Wellnesswochenende. Und da sitze ich also als blutiger Saunaanfänger auf der mittleren Stufe bei einem Aufguss der mich an körperlichen Grenzen bringt und es passiert: Ich habe doch tatsächlich vergessen darüber nachzudenken, wie ich wohl gerade aussehe und stelle fest, dass ich es mir schwitzend und schnaufender Weise im Kutschersitzt bequem gemacht habe. Ich erschrecke also kurz, stelle aber fest, dass Kopf heben, dank der mir ins Gesicht peitschenden Hitze, keine Option ist. Also blicke ich umher und stelle fest, dass nur wenige hier den Anschein machen, dass es ihnen in irgendeiner Weise grade wichtig wäre, wie sie aussehen. Stattdessen sehe ich „unperfekte“, echte Körper, die alle ihre Geschichten haben. Und mir wird wieder klar, dass Zufriedenheit mit dem eigenen Körper, keine Zahl auf einer Waage ist, sondern, dass sie darin anfängt aufzuhören. Aufzuhören sich mich vorgegebener Perfektion zu vergleichen und aufzuhören an seinen „Problemzonen“ herumzudoktern. Aus meinem Beruf weiß ich, dass es gerade dann sehr wichtig ist die „Problemzonen“ auch zu betrachten, wenn wir mit uns sehr unzufrieden sind. Uns diesen mehr zuzuwenden und sie nicht als ständige Baustelle sondern eben als zugehörig anzunehmen, so wie wir das eben auch mit manchen „unperfekten“ Charaktereigenschaften an uns tun. Wie oft kokettieren wir mit Eigenheiten die uns zu dem machen was wir sind, nicht aber mit unserem einzigartigen Hüftspeck. Auch weiß ich, dass wir insbesondere dann, wenn wir mit uns unzufrieden sind, nur die perfekten und tollen Körperstellen anderer Menschen fixieren, aber nicht sehen, dass auch diese „unperfekte“, echte Stellen haben.

Dieser textilfreie Ausflug hat mich daran erinnert, dass unser Körper unser Zuhause ist, unser Weggefährt, der uns so vieles ermöglicht und den wir gut behandeln sollen, nicht damit er perfekt aussieht, sondern weil er so viel leistet. Ich möchte aufhören mich an unrealistischer Perfektion zu messen und stattdessen wieder die Schönheit der Menschen in ihrer Echtheit zu sehen. Ich gebe zu hatte seither wieder viele Tage an denen ich das nicht geschafft habe, aber heute, da war wieder ein anderer Tag.