Wir hatten die letzten Monate einen Todesfall zu beklagen. Für Lütti zwei Todesfälle, denn für eine 3-jährige ist der Tod von Sunny, dem Vogel ihrer Babysitterin, wohl genauso schlimm wie von Elli, ihrer Uroma. Einziger Unterschied ist wohl, dass der Tod von Elli hier mehr thematisiert wurde – von uns. Dritten gegenüber hat Lütti den Tod von Sunny wesentlich mehr thematisiert.

Sunny ist für Lütti plötzlich gestorben. Elli nicht. Elli war alt und in den letzten Wochen vor ihrem Tod auch krank. Wir haben mit Lütti darüber gesprochen, dass die Uroma in einem Krankenhaus ist und wahrscheinlich auch nicht mehr in ihrem Haus wohnen kann. Bald darauf ist die Uroma dann verstorben. Nach 95 erfüllten Jahren. Praktisch orientiert hat Lütti gleich eine wichtige Frage gestellt „Und wer wohnt dann jetzt in ihrem Haus?“ Ja, wer wohnt dann in ihrem Haus?, Geht man dort noch hin?, Wohnt jemand anders drin?, Wenn ja, wer denn? und viel wichtiger: Wo geht Oma Elli hin?

Ich bin jetzt kein Profi im Muttersein. Mache den Job jetzt gut 3 Jahre, aber eins weiß ich soweit: niemals sagen der-, die-, oder dasjenige sei eingeschlafen. Sonst kann sich beim Kind Angst vorm Schlaf entwickeln, dass man nicht wieder aufwacht. Das finde ich absolut verständlich und was wir nun wirklich nicht gebrauchen können, sind etwaige Hindernisse auf dem Weg zum Einschlafen – da haben wir anscheinend so schon genug.

Also, wo ist die Oma nun hin? Nr. 4 der Thronfolge ist Agnostiker – glaub also an alles und nix. Schwierig… Ich glaube ja schon an Gott. An den Guten, den im Himmel, nicht den aus dem alten Testament. Also bin ich diejenige, die mit Lütti darüber spricht, dass die Uroma nun in den Himmel gezogen ist. Übrigens ist sie gleich Heiligabend am Nachmittag hingezogen, damit sie dort mit ihrem Mann noch feiern kann. Für Lütti logisch. Auch dass sie dort oben wohnt, ist logisch. Am Tag vor der Beerdigung malt Lütti ein Bild für Elli. Das soll der Papa ihr mitbringen, wenn er ihr Tschüss sagt. Dabei kommen dann doch Zweifel auf: „Aber die Oma Elli ist doch bestimmt ganz traurig, wenn sie ihre Enkel und Urenkel dann nicht mehr sehen kann. Dann kann sie mich ja auch nicht mehr sehen.“ Ich werde auch gleich ganz traurig, aber das hilft nun nicht weiter. Ich erkläre Lütti also, dass die Uroma aus dem Himmel gucken kann und dort dieses Bild und alle weiteren, die sie malt, sehen kann und überhaupt immer einen Blick auf sie hat.

Die Tage vergehen und das Thema verliert an Relevanz. Viel mehr Relevanz hat gerade die Zeit, als Lütti noch gar nicht auf der Welt war. Bei jedem Bild, auf dem sie nicht ist, fragt sie „Und wo war ich da?“ „War ich da noch bei dir im Bauch?“ Fragen über Fragen und auf einmal muss ich Antworten finden. „Da warst du noch ein kleines Sternchen im Himmel und dann bist du irgendwann runtergefallen und zu uns gekommen.“

Wie ich finde doch eine schöne Vorstellung. Für Lütti anscheint auch und sie zählt eins und eins zusammen: „Und wann kommt die Oma aus dem Himmel wieder?“

Übrigens greift das Buch Oma trinkt im Himmel Tee (Amazon-Affiliate-Link) das Thema ganz schön auf. Wie der Titel schon sagt, geht es ebenfalls um eine Oma, die sich auf den Weg in den Himmel macht. Wie ich finde mit sehr schönen Illustrationen, gut und verständlich geschrieben, wenn man von den original taiwanesischen Namen einmal absieht.