Manchmal krieg ich ganz schön Angst, Angst vor der ganzen Verantwortung, die ich eigentlich habe. Weglaufen gilt nicht, das geht nicht. Ich kann auch nicht sagen: Heute mal nicht. Heute fühle ich mich nicht gut, die Verantwortung ist mir zu groß, das soll doch bitte jemand anders machen. Nein, die einzige, die das machen kann, das bin ich, ich bin nämlich eins: eine Mama.

Ist man vielleicht in vielen Dingen des Lebens ersetzbar, als Mama ist man es nicht. Morgen bin ich nun vier Jahre Mama. Etwas, was ich mir sehr lange gewünscht habe, und auch häufig schon geglaubt habe, dass dies vielleicht nicht mehr passiert. Ich habe dem Tag der Geburt meiner Tochter sehr entgegengefiebert. Ihre Geburt – ein unbeschreibliches Glücksgefühl und auch ein zuvor nie da gewesenes Gefühl der Sorge. Sorge um einen Menschen, den ich vorher gar nicht kannte und der für mich doch alles ist. Für den ich alles bin. Kompromisslos. Ohne nachzufragen, ohne etwas zu erwarten.

Mein Kind, oder nun: meine Kinder, sind für mich mein größtes Glück. Für sie würde ich im wahrsten Sinne des Wortes alles geben. Alles geben, damit sie ein glückliches und gesundes Leben führen. Ich kann viel dafür tun. Kann ihnen Liebe und Vertrauen schenken, Zeit und ein offenes Ohr. Ich kann sie aber nur ein Stück weit begleiten und muss sie immer mehr ein Stück loslassen.

Ja, Kinder zu haben bedeutet viel Glück, aber auch viel Schmerz. Schmerz, der zwar physisch nicht deinen eigenen Körper betrifft, dich aber noch viel härter trifft. Da gibt es unheimlich viele Situationen, wie

  • wenn deinem Säugling Blut abgenommen wird. Deinem Kind, was noch nie in seinem Leben Schmerz erfahren hat.
  • wenn es einmal nicht mitspielen darf. Wenn es zum ersten Mal Zurückweisung erfährt.
  • wenn es böse über den Laufradlenker fällt. Dein Kind zum ersten Mal eine blutende Wunde hat.
  • wenn es schlimme Bauchschmerzen hat. Dein Kind zum ersten Mal ins Krankenhaus muss.

So viele Situation, die man seinem Kind ersparen möchte. Die man selbst für dein Kind übernehmen möchte. Man möchte sein Kind schützen vor allem und jedem. Das werde ich aber nicht können. Ich muss mit meinen Ängsten leben,

  • die Angst, wenn sie zum ersten Mal allein die Strasse überquert
  • die Angst, wenn sie ganz hochklettert
  • die Angst, wenn sie wie der Wind Fahrrad fährt
  • die Angst, wenn sie zum Schwimmen geht

Ja, ich habe unheimlich viele Ängste um mein Kind. Ich werde es aber auch ein Stück loslassen müssen und darauf vertrauen müssen, dass alles richtig läuft. Meine Angst darf mein Kind nicht bremsen. Seine Neugier darf nicht durch meine Sorgen beschnitten werden.

Morgen wird meine Tochter vier Jahre alt. Ich bin unheimlich stolz auf mein Mädchen. Ich bin unheimlich glücklich, dass ich ihre Mama sein darf. Danke, dass du mich ausgesucht hast.