Kürzlich sprachen wir über diesen Begriff: Super Mom. Ich mag ihn ehrlich gesagt nicht. Denn was super ist, ist ja ohnehin ziemlich individuell. Was man mag, was einem gefällt, ist Gott sei Dank völlig unterschiedlich. Das versuche ich zumindest meiner vierjährigen Tochter gerade beizubringen. Meine Kinder lieben mich so wie ich bin, für sie bin ich (zumeist) eine Super Mama. Aber für mich, bin ich das für mich auch?

Ehrlich gesagt zweifle natürlich auch ich oft daran, ob ich wirklich eine gute Mutter bin. Manche offensichtlichen Ansprüche einer „guten Mutter“ habe ich für mich abgelegt. Nein, ich bin nicht die Mama, die das geschnittene Obst schön in Tupper gefüllt mit zum Spielplatz bringt. Das hätte ich ja irgendwie vor dem Abholen fertig machen müssen und ich bin im Normalfall ehrlich gesagt froh, wenn ich mit wehenden Fahnen zu einer noch halbwegs annehmbaren Zeit vor der Kita-Tür stehe.

Ok, ohne Obst, Sonnenhut, Sonnencreme und meistens habe ich auch noch Windeln vergessen. Aber der Kindergarten hat ja alles da und die haben mich ehrlich gesagt noch nie schief angeschaut, dass ich mal wieder die Hälfte vergessen habe.

Was mich eher an mir zweifeln lässt: Oft gibt es schon Streit beim Abholen. Entweder weil die Kinder nicht aus dem Spiel gerissen werden wollen, weil mein Plan für den Nachmittag in ihren Augen doof ist, oder weil sonst irgendwas los ist. Ich reagiere da ungeduldig, oft auch frustriert und irgendwann sauer. Ich habe mich mit der Arbeit und meinen Einkäufen beeilt und jetzt sollen doch bitte die Kinder mitspielen bei einem perfekten Nachmittag. Aber das ist hier gerade alles, nur nicht perfekt, und von Super Mama bin ich Motzkuh gerade meilenweit entfernt. Und das nagt an mir, ich will eben doch die Super Mom sein, die glücklich ihre glücklichen Kinder zu einem voll spaßigen Nachmittagsprogramm abholt. Stattdessen bin ich gehetzt, gereizt und schnell genervt.

Nach Hause kommend duftet es schon aus der Nachbarwohnung nach Kuchen. Ob ich jetzt denke, ich sei eine schlechte Mutter? Nein. Meine Entscheidung war klar, zu den Kindern möchte ich auch arbeiten und alles geht einfach nicht. Da darf der selbstgebackene Kuchen ruhig mal durch einen gekauften Schoko-Muffin oder knallbunten Donut ausgetauscht werden. Finden die Kinder eh viel genialer als den selbstgemachten Kuchen (meine Mutter hat viel gebacken, gut ist was anders …;-) )

Was mich eher nach hinten wirft: Streit, weil nicht aufgeräumt wird, Streit, weil die Kinder sich streiten, Streit, weil beim Basteln mal wieder alles schief geht. Wieder weit weg von der Super Mama. Ich nehme mir vor entspannter zu sein.

Abends versuche ich ein schönes Abendbrot für die Kinder zu machen, ihnen dabei vielleicht schon was vorzulesen, verschüttete Trinkbecher aufzuwischen und bei der allabendlichen Zahnputzroutine nicht durchzudrehen. Und dann? Dann bin ich ehrlich gesagt froh, wenn ich den Schlüssel im Schloss höre und mein Mann nach Hause kommt. Nicht etwa weil ich mich jetzt auf Sofa lege, sondern weil neben dem Arbeits- und Familienleben ja auch noch das soziale Leben organisiert werden muss und das, und ja, ich glaube, ich bin kein Einzelfall, organisiere ich.

Ich möchte eine gute Freundin, eine gute Schwester sein. Ehefrau natürlich auch noch. Im Job natürlich bitte auch super. Das macht neben Super Mama noch vier andere Super Personen die ich gerne ich einer vereint hätte. Und ja eigentlich gibt es noch zwei mehr. Ich wäre nämlich auch gerne die, die immer super aussieht und eine super klasse aufgeräumte Wohnung hat.

Und ohh Wunder, abends bin ich ganz schön k.o. von diesem ganzen Super sein wollen. Total müde und erschöpft und das hat wohl zur Folge, dass ich morgens wieder leicht reizbar bin und mein Leben schnell als alles andere als perfekt sehe.

Aber ist es das nicht eigentlich? Habe ich da nicht zwei kleine, wundervolle Fans, die mich zumeist echt super klasse finden? Ist es denn schlimm, wenn ein bisschen weniger aufgeräumt ist, wir ein bisschen länger beim Abholen brauchen und wenn ich abends mit meinem Mann im Schlabberlook Pizza auf Sofa ins unaufgeräumte Wohnzimmer bestelle? Nein, ich glaube nicht. Ich glaube, das kann mir eher Energie zurückgeben und ich bin ehrlich: Ich mag mich eher zufrieden im Schlabberlook im Chaos, als mit leuchtendem Makeup, den frischgebackenen Kuchen noch in der Hand und motzend den Kindern hinterher zu gehen, weil die Bude mal wieder in Schutt und Asche liegt.

Ich glaube, die wahre Super Mama, wenn es die überhaupt gibt, das ist die, die auch für sich Sorge trägt. Denn bei meinen 7 gewünschten und von meinem Perfektionismus angetriebenen Superkräften:

  • Super Mama
  • Super Freundin
  • Super Schwester
  • Super Ehefrau
  • Super im Job
  • Super aussehend
  • Mit Super Bude

habe ich das für mich Sorgen ganz vergessen. Und da fängt das Ganze ja wohl an: Bei einem selbst.