Ich stille und das grundsätzlich ganz gerne. Außer wenn mein Sohn durch Abdocken mal wieder entscheidet meine plattgelutschten Brustwarzen der Öffentlichkeit zu präsentieren, oder sich alle Welt schön ein Gläschen gönnt und ich bei Wasser daneben sitze. Nein, dies wird kein „nur Still Babys sind glückliche Babys Artikel“. Das weiß spätestens jeder, der meinen letzten Artikel übers Stillen gelesen hat.

Also ja, ich stille. Das überrascht mich manchmal selbst, denn nach dem Milcheinschuss, habe ich mich nicht nur einmal mit dem Gedanken getragen, abzustillen. Wenn wundert’s? Meine zwei A-Körbchen hatten sich im Rahmen der Schwangerschaft auf ein gutes B entwickelt. Was dann kam, konnte sich aber nicht mal eine zweifache Mutter vorstellen. Dolly Buster wäre vor Neid erblasst und wenn es Baywatch noch geben würde, hätten die mich von der Straße weggecastet. (Ok, an der Figur hätte ich noch ein BISSCHEN was machen müssen). Die Größe war aber nicht das einzige, was hier zu maximalen Irritationen führte. Die Dinger waren hart wie Steine und knallheiß. Nicht mal duschen konnte ich, da allein die Wassertropfen wie tausend Nagelstiche waren. Aber eine Hebamme weiß ja Rat. Meine ist schon seit 40 Jahren im Geschäft.

Variante 1: Kohlblätter. Wie das geht? Kohl kühlen, einzelne Blätter plattrollen, so dass Saft raus kommt und dann auf die heißen Tüten legen. Ergebnis: kühlt schön, stinkt wie Hulle – niemand will sich in deiner Nähe aufhalten.

Variante 2: Quark. Am praktischsten dick auf ganz dünne Lappen streichen, zuklappen und diese Quarktaschen im Eisfach anfrieren. Dann auf die Tüten. Ergebnis: kühlt schön, stinkt wie Hulle, wird zu Hüttenkäse.

Die wohl wichtigste Überlebensstrategie bei Milcheinschuss. NIEMANDEN einladen. Du willst nichts, maximal ein Unterhemd, auf deinen Brüsten haben. Du bist froh, wenn dein Kind andockt um Druck von den Tüten zu lassen, auch wenn dieses Andocken Schmerzen verursacht, die unwissender Weise nur mit in den Sack Kneifen zu vergleichen sind. Da kannst du jetzt wirklich nicht noch jemanden brauchen, der trotz Gestank (Kohl und Hüttenkäse) und blanken Doppel-D-Busen versucht mit dir ein Gespräch zu führen.

Unser Sohnemann gehört übrigens eher zur Sorte trinkfaul. Sprich ich musste während des Milcheinschusses irgendwann abpumpen. Und wäre es nicht schon schlimm genug mit Hinkelstein-großen und -schweren Busen rumzulaufen und zu stinken, kam jetzt wohl das Schlimmste: Mit links und rechts auf den Hupen je einer Milchpumpe auf dem Sofa zu sitzen. Das heißt praktisch: kein Handy, kein Getränk, nicht mal Umschalten auf der Fernbedienung geht, da keine Hand frei. Ich schaue also CSI und bemitleide mich selbst. Wegen CSI und wegen meiner Brüste. Übrigens, wer sich das gerade mit der Milchpumpe nicht vorstellen kann und auch noch nicht so firm in den weit verbreiteten Bauernhofbüchern für Kinder ist: Milchpumpen funktionieren eigentlich genauso wie Melkmaschinen, außer dass der Aufsatz noch durchsichtig ist und Mann sich schön angucken kann, wie die Brustwarzen immer schon raus- und reingezogen werden. Eklig? Na stell dir mal vor, das sind deine Brustwarzen, dann wird’s erst richtig krass.

Aber der Artikel heißt ja Überlebensstrategien. Also kommen wir mal zum positiven Teil der Milchpumpe. Das gute Zeug, was sich Muttermilch nennt, kann man natürlich im Internet verkaufen (nö) oder sich einen gesunden Vorrat an Muttermilch im eigenen Eisschrank anlegen. Gut dafür geeignet sind die Lanisol Einfrierbeutel. Kosten ein Vermögen, aber ich glaube nicht zuletzt deshalb MÜSSEN sie viel besser sein als normale Einfrierbeutel, hoffe ich zumindest. Und was macht man dann mit diesem Vorrat? Sich Auszeiten gönnen. Ich genieße gern mal ein paar Stunden ohne Baby oder auch mal ein Gläschen Wein. Ich glaube wenn ich das nicht gehabt hätte, hätte ich meine Tochter nie so lange gestillt.

Was ich am Stillen so gar nicht haben kann, ist es meinen blanken Busen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mag an nicht vorhandenen FKK-Strandbesuchen in meiner Kindheit gelegen haben. Wenn es nicht zu warm ist, trage ich unter jeder Klamotte einfach ein Top, was man leicht bis unter den Busen schieben kann. Sprich: oben liegt das Oberteil über dem Busen, der Bauch ist vom Top bedeckt und nur die Brustwarze muss hervorluken. Perfekt.

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Mittagessen im Restaurant. Wer sagt, Heißwasser für ein Flaschenbaby zu organisieren sei so unpraktisch, der soll mal versuchen einen Busen zu verdecken, an dem ein Säugling nuckelt. Das ist unpraktisch. Heißwasser hätten die in dem Restaurant wohl gehabt. Was sie auch hatten, waren ’ne Menge Gäste, die sich zum Mittag wohl auch was anderes gewünscht haben, als gemeinsam mit meinem Sohn zu lunchen. Also welche Klamotte verdeckt die Milchtüten? Kleider scheinen dieser Tage einfach immer hoch geschnitten zu sein. Für Stillende heißt das soviel wie: wenn, dann bauchnabelfrei und Unterbux an die Sonne. Anders kann man mit den Dingern ja nicht stillen. Trägertops oder Kleider mit Trägern lassen zwar Bauch und Unterbux verdeckt, der Busen blitzt aber in seiner gesamten Schönheit draußen. Die Lösung: ich investiere in schöne Tücher, unter denen mein Kind noch Luft kriegt, die nicht Spucktücher sind und Mama trotz offenen Busen noch halbwegs als normale Frau durchgehen lassen.

Wie habt ihr das Stillen so empfunden? Ist es euch immer leicht gefallen? Was war gut, was doof?