Uih, was habe ich mir bei meinem ersten Kind alles von anderen angenommen. Es begann ja mit diesem Stillzirkus. Im Krankenhaus, in dem ich entbunden habe, war ja keine Anstrengung groß genug einen Tropfen Muttermilch zu gewinnen. Ziemlich gebrainwasht kam ich nach sechs Tagen nach Hause und hatte große Angst mein Kind nicht richtig ernähren zu können. Dass zu wenig Milch kommt, weil ich es ja nicht sehen kann. Das Wort Flasche war gar nicht existent. Schon gar nicht im Rückbildungskurs mit überengagierten Hebammen. Ich habe mein erstes Kind dann irgendwann gerne gestillt, trotzdem ich es nicht als Wahl, sondern als Muss empfunden habe. Bei meinem zweiten Kind habe ich mir die Wahl gelassen, mich nicht beeinflussen lassen. Von Anfang an gesagt, dass es auch völlig in Ordnung wäre, wenn er die Flasche bekäme. Und siehe da: Wir hatten von Anfang an eine sehr glückliche Stillbeziehung.

Mit „Alles kann, nichts muss, und es muss auch nicht so sein wie bei allen anderen“ war ich bei meinem zweiten Kind ohnehin SEHR gut beraten. Denn er war und ist was die Ernährung angeht ganz, ganz anders als seine große Schwester. Als die Breizeit begann, bei uns übrigens erst im Alter von 6 Monaten, war sie Feuer und Flamme fürs Essen. Ich kochte ein wie eine Wahnsinnige. So gut schmeckte ihr das selbstgemachte Essen. Ich kaufte Babykochbücher, war wöchentlicher Gast auf dem Bio-Wochenmarkt. Die Eltern, die damals sagten, ihr Kind möge gar keinen Brei, sich Sorgen machten usw., die verstand ich nicht. Aber genauso wie beim Stillen scheint es in all diesen Babygruppen und Elterninitiativen meist nur einen richtigen Weg zu geben.

Dann kam mein Sohn und mit ihm jemand, der auf gar keinen Fall meinen selbstgekochten Brei essen wollte. Mhmm. Versagt? Die gute Mutter kocht doch selbst, oder? Es wurden verschiedene Fertigbreie und Gläschen ausprobiert. Das einzige, was er ab und an aß, war genau eine Geschmacksrichtung (Süsskartoffel, Rind, Möhre) und die war nebenbei nicht von einem der vielleicht noch akzeptablen Demeter-Anbieter (naja, wenigstens Bio). Aber ich habe versucht mich nicht irre machen zu lassen. Habe verschiedene Rezepte ausprobiert (Bananenbrot oder Zucchini Puffer) und nach neuen Ideen gesucht. Deshalb habe ich mir SEHR über die neue Plattform Die ersten 1000 Tage gefreut! Hier findet ihr alles wichtige zur Ernährung der ersten 1000 Lebenstage: Sprich zur Schwangerschaft, Stillzeit, Beikost- und Kleinkindalter. Und von diesen Rezepten haben wir dann einige gekocht. Zum Beispiel Kartoffelmaultaschen mit Apfel-Birnen-Ragout, oder was hier immer gut ankommt, auch bei Gastkindern, sind die herzhaften Waffeln.

Ja, ich habe mir nicht reinreden lassen, auch nicht als sich mein Sohn mit 13 Monaten selbst abstillte (ich persönlich war ja der Meinung, der junge Herr lässt sich minimal bis zum Schulbus stillen) und wir ihm dann weiterhin Milch gegeben haben. Dann aber in Form einer Flasche. Anfangs hat er sogar bis zu drei Flaschen getrunken. Natürlich sagten wieder einige, das müssten wir ihm abgewöhnen, das bräuchte er ja nicht, es äße anscheinend nicht gut genug Abendbrot usw. Ich denke, fast jeder kennt die unerfragten Weisheiten.

Ich für mich weiß, dass ein Kind in den ersten Tagen einen besonderen Ernährungsbedarf hat. Es muss bei ihnen ganz besonders auf eine ausreichende Nährstoffversorgung geachtet werden. Pro Kilogramm Körpergewicht haben sie zum Beispiel einen etwa bis zu sieben Mal höheren Bedarf an Vitamin D, einen viermal höheren Bedarf an Eisen und einen dreimal höheren Bedarf an Jod als Erwachsene. Vitamin D sorgt für starke Muskeln und ist zusammen mit Kalzium wichtig für den Knochenaufbau. Eisen benötigen Kinder, um körperlich und geistig fit zu sein. Jod trägt zum Wachstum und zu einer normalen Funktion der Schilddrüse bei. Deshalb ist eine altersgerechte Ernährung mit einer optimierten Mischkost besonders wichtig (Quelle 1000 Tage). OK, das klingt jetzt in der Theorie gut und total einleuchtend. Auch die Sache mit dem Vitamin D. Da sind wir auch gut drin, gehen jeden Tag mindestens eine Stunde raus um den Vitamin D-Haushalt auszufüllen. Aber die Dinge, die über die Ernährung kommen? Es könnte hier ehrlich wahrlich besser sein. Ich koche frisch und das tut auch die Kita (da essen meine Kinder übrigens sehr viel besser als zu Hause). Obst und Joghurt essen meine Kinder gut und gerne. Abends bekommt mein gestern zwei gewordener Sohn eine sogenannte Kindermilch. Bewusst keine Kuhmilch um ihm noch einige Nährstoffe zu geben, die er vielleicht über das Essen nicht aufnimmt.

Darauf gebracht hat mich übrigens mein Mann, dass es ab 12 Monaten eine extra Kindermilch gibt. Ich glaube, er wäre gar nicht darauf gekommen, dass es Diskussionen um Stillen versus Flasche, Kinder- versus Kuhmilch oder am besten nach dem Abstillen gar keine Milch mehr gibt. Also, ihr lieben Mamas, lasst euch nicht verrückt machen.