Während ich diese Zeilen schreibe, ist mein Baby fort. Aus der Wohnung. Weg. Diesmal nicht mit Papa, das hatten wir schon öfter. Nein, mit der Babysitterin. Nennt man das heute eigentlich noch so? Nanny finde ich ja einen ekelhaften Begriff. Babysitter passt aber bei uns aber irgendwie auch nicht. Wer mich von Insta kennt: es ist Lüttis ehemalige Erzieherin. Also eine echte Vertrauensperson. Das heißt an dieser Stelle: die Person ist volljährig, hat einen riesen Erfahrung mit Kindern (auch mit ganz Kleinen), weiß was zu tun ist, wenn der Kleine mal weint. Nebenbei war sie auch mal als Kinderkrankenschwester tätig. Also KANN eigentlich gar nichts passieren. Ja, KANN. Was Muddi als erstes gemacht hat, als die beiden das Haus verlassen haben: Handy checken. Ist der Ton auch an? Liegt es neben mir? Ja tut es. Ich bin trotzdem nervös. Das war ich schon vorher. Allein bevor ich das Date ausmachte, habe ich immer wieder hin und her überlegt, ob ich das wirklich machen soll, den Kleinen abzugeben. Frei nach dem Motto, er ist doch noch VIEL zu klein (3 Monate). Und als mir heute Morgen klar wurde, dass dies der Tag ist, wo mein kleines Baby das erste Mal das Haus ohne einen seiner Eltern verlässt, schossen die Tränen in die Augen (diese extremen Gefühlsausbrüche schiebe ich übrigens auf Hormone, Stillen UND Schlafentzug).

Es mag jetzt ja Eltern geben, die dies gerade lesen und denken: Wie kann sie nur???? Er ist doch noch VIEL zu klein! Rabenmutter!!! Ich bin mir relativ sicher, dass viele dieser – zumeist sind es ja Damen, Väter erlebe ich bei vielen Themen viel entspannter – Leute ihr Kind dann doch schon mal für 1, 2 Stunden abgegeben haben. An Familienangehörige oder Freunde. Einfach um zu schlafen, in Ruhe was zu essen, die Bude aufzuräumen und so weiter und so fort. Dieses zählt aber meist nicht unter „abgeben“. Das finde ich komisch. Worin liegt der Unterschied? Dass ich dafür bezahle? An der Betreuung kann es ja nun eigentlich wirklich nicht liegen, denn da habe ich für meinen Sohn wohl definitiv eine gute Wahl getroffen. Ich für meinen Teil bin sehr froh, dass wir in einer Stadt, in der wir keine Verwandtschaft haben und Freunde (leider) auch schon eigene Kinder am Start haben, jemanden gefunden haben, dem wir unser Wertvollstes anvertrauen.

Ich kann jedem, der es irgendwie schafft sich kleine Inseln zu schaffen, nur gratulieren. Dabei ist es ganz egal wie. Der Job als Eltern ist glaube ich der tollste, aber auch der anstrengendste, den es gibt. Es ist eine Bereicherung, wenn wir Menschen finden, die uns dabei helfen uns dabei nicht zu vergessen. Was denke ich am wichtigsten ist: wir dürfen uns selbst nicht verurteilen. Angefangen bei der eigenen Person. Es ist kein Scheitern, wenn man die Verantwortung auch mal einen kleinen Moment abgibt. Es heißt nicht, dass man sein Kind weniger liebt, dass man die Sache nicht gut macht. Aber auch über die eigene Person hinaus. Eine Rabenmutter oder Rabenvater ist nämlich keiner – für das eigene Kind ohnehin nicht.

Und was mache ich in der Zeit, wenn mein Baby um die Häuser zieht? Bloggen mit Kaffee!!! und Schlafen UND mich nach meinem Baby sehnen. Moment, ich guck mal kurz auf die Uhr: in 1:10 Std. ist er spätestens wieder da.