Albern – grenzdebil sagt man wohl nicht, oder? Aber von vorn: Ja, Kinder verändern einen, sogar sehr. Und so manch ein Außenstehender mag nur ungläubig mit dem Kopf schütteln, wenn er der ein oder anderen Szene beiwohnen darf. Genau dies habe ich mir oft in unserem Pekip-Kurs vorgestellt: Was ein Außenstehender wohl denken würde, wenn er uns hier sehen würde. 12 Mütter, die im Leben vor dem Baby zum Beispiel Schulklassen unterrichtet haben, Gerichtssäle geleitet, als Architekten Häuser geplant oder als Krankenschwestern gearbeitet haben, sitzen nun hier und singen. Singen Kinderlieder wie „Ich bin da, du bist da….“. Ja, ich kam mir da häufiger auch ein bisschen albern vor. ABER: es hat Spaß gemacht, echt Spaß gemacht. Mir und vor allem meinem Kind. Oft habe ich Ohrwürmer und wir interpretieren hier die Lieder neu. Zum Beispiel habe wir eine Rockversion von „Wir klatschen in die Hände…“

Vor ein paar Tagen habe ich drei CDs geschickt bekommen.

  • Ohrwürmchen – Lieder aus dem Babykurs (*wie Pekip und Krabbelgruppen)
  • Ohrwürmchen – Lieder aus dem Zwergensprache-Kurs
  • Ohrwürmchen – Lieder aus dem Musik-Kurs, Vol. 1 (Herbst/Winter)

Sie sind ganz neu auf dem Markt und ihr bekommt sie unter anderem hier.

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Und kaum hatte ich die erste in der Anlage, wippte Baby CJ fröhlich mit, wackelte zur Anlage und versuchte davor zu tanzen. Also doch was richtig gemacht?

Ich habe euch da mal Auszüge aus einem Interview von Vivian König (Gründerin des Zwergensprache-Netzwerkes, Referentin, Autorin von Elternratgebern und Kinderbüchern zu Babyzeichen) und Isolde Gertig (Erzieherin und Sozialpädagogin (BA), PEKiP – Gruppenleiterin, Musikgarten-Dozentin) mitgebracht, die bei der Musikauswahl der Ohrwürmchen-CDs von EUROPA mitgewirkt.

Welche Rolle spielt Musik in den ersten Lebensjahren des Babys? Was bewirkt die Musik bei Babys?

Gertig: „In Kursen mit Musik werden alle Sinne des Babys/Kleinkindes angesprochen – über entsprechende Bewegungen, Kniereiter, Spiele mit Tänzen, mit Streicheln, Liebkosen, Schaukeln. Diese Sinnesreize wandern über die Haut, Augen, Ohren zum Gehirn des Babys – und ein grandioser Lernprozess erfolgt. Kinder erhalten vielseitige Anregungen. Neben der Motorik, der Kreativität wird die Phantasie gefördert und Kinder werden zur Eigeninitiative ermuntert und angeregt. Der gezielte und sensible Einsatz mit ersten Instrumenten unterstreicht und unterstützt das gemeinsame Singen.“

König: „Die Sprach- und Musikverarbeitung sind hirnphysiologisch eng miteinander verbunden. Musik hören und selbst Musik machen trainiert eine Vielzahl von Prozessen im Gehirn. Wenn wir unseren Kindern häufig etwas vorsingen, dann bringen wir ihnen die Intonation unserer Sprache und typische Sprachmuster auf unterhaltsame und abwechslungsreiche Weise näher. Wenn zu den Liedern noch Bewegungen und Babyzeichen verwendet werden, dann gleicht diese kleine Musikstunde einem lustigen Spiel. Bei Liedern, die sich reimen, haben die Kleinen außerdem die Möglichkeit, die minimalen Unterschiede in den sich reimenden Worten und Lauten wahrzunehmen. Diese Fähigkeit ist auch später beim Lesen lernen sehr wichtig. Über den Rhythmus der Musik finden Kinder zudem auch leichter zum Sprachrhythmus, besonders wenn sie ihn mit dem Körper spüren können.“

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Gibt es dazu auch wissenschaftliche Untersuchungen?

Gertig: „Man hat herausgefunden, dass Babys und Kleinkinder durch die Musik in der empfänglichsten Phase ihrer Entwicklung und Vernetzung ihres Nervensystems Gelegenheit zum Zuhören erhalten und dadurch eine aktive Anregung aller Sinnesorgane stattfindet.“

König: „Mit Musik geht vieles leichter, auch das Lernen. Forschung von S.A. Madsen (1991) hat nachgewiesen, dass Babyzeichen kombiniert mit Musik die Sprachentwicklung weit mehr unterstützen als der alleinige Gebrauch von Gesten ohne Musik. Durch den Rhythmus der Musik werden Kinder auch an den Sprachrhythmus herangeführt. Forscher vermuten, dass Kinder, die den Takt halten können, auch besser lesen lernen. Nachgewiesen wurde zumindest, dass Kinder, die Babyzeichen gelernt haben, leichter den Takt halten konnten.“

Also doch was richtig gemacht. Und wie geht das weiter? Baby CJ ist mittlerweile 14 Monate, der Pekip-Kurs ist vorbei. Meine Tochter ist drei und als sie nach Hause kommt, sieht sie gleich die neuen CDs. Sie kann sofort mitsingen, kennt eigentlich alle Lieder. Viele davon aus dem Kindergarten. Und dann „rocken“ wir alle drei das Wohnzimmer.

Haben Kinder, die mit Musik aufwachsen, Vorteile gegenüber anderen?

Gertig: „Lebendige Musik durch das Singen und Vorsingen der Eltern ist in den ersten Lebensjahren mit der wichtigste Baustein für eine gesunde Entwicklung. Die Bindung zwischen Eltern und Kind wird gefestigt. Sie erleben etwas gemeinsam. Und zu Beginn sind alle Kinder von Musik begeistert – es sind auch alle musikalisch – das heißt aber noch lange nicht, dass alle später auch ein Musikinstrument lernen werden oder müssen.“

Über letzteren Satz bin ich ganz froh. Ich bin wie viele Kinder der 80er durch die Blockflötenhölle getrieben worden. Bei meiner Schwester hat man es sogar mit Geige probiert. Gerade das ist ein Instrument, wo ich als Elternteil die ersten Jahre des Übens wohl lieber aus dem Fenster springen würde…

Und ja, ich habe einen anderen Musikgeschmack. Für mich sind viele der Kinderlieder einfach, wie soll ich sagen, zu weich. Ich denke also ein guter Mix macht es. Da halte ich es wie Frau König.

Wiegenlieder, Vivaldi oder Metallica?

König: Egal, Hauptsache ist, es gefällt. Die Wiegenlieder für die Allerkleinsten greifen vom Rhythmus her den Herzschlag der Mutter auf, so lassen sich Babys am besten beruhigen. Wenn sie dann schrittweise die Welt entdecken und erobern, lassen sich die neuen Eindrücke und Themen durch Kinderlieder aufgreifen und verarbeiten.

Das heißt, ja, wir hören Kinderlieder, tanzen dazu und singen mit. Die Kinder freuen sich, wenn sie „ihre Texte“ wiederkennen und mitsingen können. Es darf bei uns aber auch zu „Türlich, Türlich, sicher Digger“ abgetanzt und mitgesungen werden.

Dieser Blogbeitrag ist in Kooperation mit Sony Music entstanden.