Letztes Jahr bahnte sich das ja schon an. Ich Depp hatte mich schwanger und mit meiner damals gerade 2-Jährigen auf dem Weihnachtsmarkt mit einer Freundin getroffen. Das hieß für mich Kinderpunsch. Ich weiß nicht, ob jemand den schon mal getrunken hat, aber ich kann unterm Strich eins sagen: Ich bin froh, dass sich meine Zähne nicht direkt auf Grund von Zuckerschock aufgelöst haben.

Den Kinderpunsch in der einen Hand, die Tochter an der anderen sind wir hin in Richtung Kinderkarussell. Kinder werden ja magisch angezogen von allem Blinkenden, auf dem man reiten kann. Bis dato war es meiner Tochter auch nicht bewusst, dass sich sowas auch bewegen kann. Bei etwaigen Fahrzeugen oder Tieren vor dem Supermarkt hatte ich bisher gekonnt verschwiegen das man da auch Geld reinwerfen kann. Und Geld reinwerfen, das kann man auch in so ein Karussell. Sorry, aber 2,50 Euro pro Fahrt – na, sind die denn wahnsinnig!?! Ich kaufte drei Chips zum schmalen Preis von sechs Euro und ab ging’s. Erste Runde ist noch in bester Stimmung. Mutti macht schön ’nen Foto mit dem Smartphone. Tochter ist gebannt von der Fahrt. Das Karussell macht drei Umdrehungen und stoppt. Fahrt vorbei, erster Chip weg. „Nochmal!!!“ Ok, weil’s so schön ist. Sie freut sich ja auch so. Ich auch, kann ich mich mal zwei Sätze mit meiner Freundin unterhalten. Danach ist Pause. Den letzten Chip sparen wir bis zum Ende auf.

Was ist schon bis zum Ende aufsparen? fragt sich die Zweijährige und tut ihren Protest auch laut kund. Essen – Essen ist immer gut. Meine Freundin organisiert Spekulatius vom Glühweinstand. Soll ja auch für jeden was dabei sein. Schön Spekulatius knuspern, Glühwein trinken und lachende Augen der Kinder auf dem Karussell. AUF dem Karussell ist hier das Stichwort – da will Lütti drauf und zwar pronto. OK, ich gebe mich geschlagen, letzter Chip und dann ab nach Hause. Nachdem meine Tochter ungefähr 9 Karussellumdrehungen für (es sei nochmal erwähnt!) den Preis von 6 Euro gemacht hat, mir die Finger abgefroren sind vom Spekulatius halten, alles klebt von dem Kinderpunsch will ich nach Hause – Lütti nicht, Trotzanfall. Das Kind liegt in seinem Schneeanzug vor dem Karussell. Na sehr schön! Androhungen schlagen bei einer gerade 2-Jährigen auch noch nicht ganz durch, also mit vereinten Kräften das Kind in den Kinderwagen und ab nach Hause – bis zum nächsten Jahr.

Das nächste Jahr ist jetzt. Mir fällt im Leben mit Kind auf, dass man sich im Nachhinein die Dinge schön redet. Das beginnt mit dem Geburtserlebnis und geht weiter über den Schlafentzug der ersten Monate und macht auch vor einem Weihnachtsmarktbesuch nicht halt. Ist ja auch gut so, sonst würde man manche Dinge nicht nochmal machen, Lütti wäre Einzelkind und wir nie wieder auf dem Weihnachtsmarkt.

Hier sind wir wieder und ich muss feststellen: es liegt wahrlich nicht an meiner Tochter, dass Weihnachtsmarktbesuch mit kleinen Kinder einfach nicht soooo schön und besinnlich ist wie man es sich wünscht. Mittlerweile ist Lütti älter und man kann ihr erklären, dass sie erstmal nur einmal! mit dem Karusell fahren darf. Vielleicht später noch ein zweites Mal, aber nur wenn sie brav ist. Ok, meine aktuell besten Erziehungshelfer, der Nikolaus, Knecht Ruprecht, der Weihnachtsmann und das Christkind unterstützen mich gerade ganz gut darin das Kind im Zaum zu halten. Denn wer es noch nicht weiß: der Weihnachtsmann sieht ALLES! Und damit meine ich ALLES! Klippo ist er, genauso wie der Nikolaus, mit Knecht Ruprecht und das ist der bad guy!

Also ist Lütti brav und bahnt sich erst einmal den Weg durch alle Fressstände auf den Weihnachtsmarkt. Das ist für mich nämlich der Inbegriff von Weihnachtsmarkt: 1001 und Köstlichkeit probieren. Fazit: es gibt keine Möglichkeit, wo man sich mit einer 3-Jährigen hinsetzen kann. Maximal gibt es noch einen Stehtisch (aber auch das ist leider selten), wo man das Kind drauf setzen kann. Gemütlich gemeinsam schlemmen also Fehlanzeige. Also weiter Richtung Kinderkarussell. Dazu können wir Eltern ja am Rand mal schön einen Glühwein trinken. Pustekuchen. Glühwein und Karussell liegen nicht nebeneinander – warum auch?! Wie haben für schmale sechs Euro wieder drei Chips, aus den Boxen dröhnt Rolfs „In der Weihnachtsbäckerei“. Motivierte Eltern versuchen in den Drehpausen des Karussells ihren Nachwuchs auf das Wunschgefährt zu hieven und dann noch schnell ein bis hundert Bilder für die Nachwelt zu schießen. Der Spuk hat schnell ein Ende. Drei Runden zuwinken, wieder runter von dem Ding. Wir wollen schließlich noch Glühwein trinken – auch hier keine Tische.

Wir entscheiden uns zum nächsten Weihnachtsmarkt zu fahren. Da liegen Karussell und Glühweinstand wenigstens nebeneinander. Wir kaufen Reibekuchen für alle (ok, das Anstehen hat ca. 30 Minuten gedauert) und finden dann alle! einen Platz, wo wir Essen können. Lütti sitzt auf der Theke, hinter uns brennt noch ein Feuer und über uns leuchten Herrnhuter Sterne – besinnlich. Fast. Aus den Boxen dröhnen „Remmidemmi“ und hinter uns schmökt sich schön einer eine. Aber ok. Lüttis Augen leuchten, sie hat direkten Blick auf das Karussell und da darf sie gleich noch drauf. Eine andere Beschäftigung gibt’s hier nämlich leider nicht. Die Krippe lebensgroß aufgebaut, scheint nur ein Ding der Bilderbuchindustrie zu sein. Die Weihnachtsmarktindustrie hat da ein anderes Geschäftskonzept. Nun ja, Lütti war ja brav, hat das Christkind auch gesehen. Nr. 4 der Thronfolge organisiert für uns Glühwein. Mit Glühwein in der Hand geht’s zum Karussell. Dieser ist nach Feuchttüchereinsatz am Kind und aufs Karussell Setzen bereits nah der Hälfte eiskalt und nicht mehr trinkbar. Also die stillfreundliche Glühweinalternative.

Lütti dreht glücklich auf einem Pferd ihre Runde und strahlt uns an. Mit riesengroßen strahlenden Kinderaugen. Hat sich also alles voll gelohnt, dieser Weihnachtsmarktbesuch!
Ich frage mich nur, wie es im kommenden Jahr wird, wenn CJ nicht mehr in der Trage dabei ist und dort fast die ganze Zeit verpennt… Aber wenn mich dann zwei paar Kinderaugen am Ende anstrahlen, dann weiß ich, wir werden auch im darauffolgenden Jahr wieder hingehen.