Ich weiß nicht wie es euch geht, aber seitdem die Kinder da sind, ist die Anzahl meiner Museumsbesuche fast in den Negativ-Bereich gewandert. Ich weiß, dass ich in den Anfängen mit meiner Tochter das noch probiert habe, aber spätestens wenn aus niedlich schlafenden Babys aktive Kleinkinder werden, ist es mit dem entspannten Museumsbesuch vorbei. Das liegt zum einen an der absoluten Ruhe, die in fast allen Museen herrscht, zum anderen auch daran, dass man fast mit Schnappatmung durch die Hallen geht, weil man Angst hat, das Kind könnte was abreißen oder zerstören. Frei nach dem Motto: Ist das Kunst oder kann das weg?

Aber es gibt ja noch viel mehr Kunst in einer Stadt. In der Öffentlichkeit, wo Kinder laut sein können, auch mal rennen können, und die quasi unzerstörbar ist. Kunst für alle sozusagen, auch für Familien. Und sie kostet nichts, nur den wachen Blick, den wir ihr viel zu selten geben. Wir haben uns auf den Weg gemacht: Zu einem Streetart Spaziergang mit der ganzen Familie.

Unsere Ziele in Hamburg sind die Schanze, St. Pauli und das Karoviertel. Nicht gerade Kinderwagen geeignete Stadtteile. Sei es auf den Gehwegen oder noch weniger in den Cafés (und ja, in diese wollen wir auch zwischendurch mal einkehren). Also haben wir uns die Trage umgeschnallt. Super für Babys, aber auch den müden Zweijährigen, der dann doch nicht drei Stadtteile auf seinen kleinen Beinchen ablaufen kann. Standesgemäß haben wir uns natürlich mit der Keith Haring Collection von Ergobaby ausgestattet. In der Version „360“, der Adapt und sogar in der Puppenversion.

Wenn Leute an Streetart denken, verstehen viele fälschlicherweise nur Graffiti. Aber darunter fallen alle Formen von Kunst im öffentlichen Raum. Aufkleber, Poster oder Kacheln. Auch wenn ich persönlich Graffitis immer noch am beeindruckendsten finde.

Schanze

Los gehts in der Schanze. Vom Schulterblatt gleich links in die Rosenhofstraße. Dort kann man Diverses sehen. Am besten gefällt mir aber El Bocho mit seinen Frauenbildern. Klar gibt es auch an der roten Flora viel zu sehen, das finde ich mit Kinder für mich aber nicht sooo die richtige Ecke. Wir gehen also weiter durch die Bartelsstraße. Hier ruhig auch mal in den ein oder anderen Hinterhofeingang schauen, es lohnt sich. Vorher darf man übrigens ruhig gerne beim Portugiesen oder Italiener auf dem Schulterblatt auf ein Frühstück oder Mittagessen einkehren. Sehr empfehlenswert.

St Pauli

Am Neuen Pferdemarkt geht’s los. Hier heißt es wieder: Immer mal in die Hinterhöfe schauen. Weiter über die Wohlwillstrasse, wo man die 3D-Art von Push sehen kann. Ein wahres Sammelkunstwerk verschiedener Künstler könnt ihr in Höhe Hausnr. 35 sehen. Das ist für Kinder fast wie ein Wimmel Suchbild.

Ein bisschen Shopping zwischendurch? Ein ganz toller Second-Hand-Laden ist Fux Vintage. Viele tolle Marken und ausgewählte Schätze warten auf euch.

An der Clemens-Schultz-Strasse, Ecke Talstrasse gibt es unser absoluten Favoriten: Ray. Er schafft große Kunstwerke und setzt ziemlich beeindruckend Botschaften. Und bunt ist es. Die Kinder fanden es genauso spitze wie wir.

Zurück gehen wir über die Bleicherstraße. Hier hat an der Ecke Otzenstr. Björn Holzweg ein imposantes Streetartwerk geschaffen.

Karoviertel

Auch hier gibt es an jeder Ecke was zu sehen. Immer wichtig mit Kindern: Ihr könnt natürlich auch Teile des Walks streichen. Es soll ja immer für alle Spass machen und gut zu schaffen sein. Also den Teil der Karoviertel nur für euch, hier war die Vierjährige dann nämlich raus. 😉

Auf der Marktstrasse und in den Hinterhofeingängen gibt es überall etwas zu sehen. Wir biegen links in die Glashüttenstrasse ein. Bei Hausnr. 22 können wir Streetart von Los Piratos sehen. Zurück geht es über die Vorwerkstr. bei Haus Nr. 10 treffen sich livings beings & Alias.

Essen und Trinken könnt ihr im Karoviertel sehr gut im Café May, oder auf dem Rückweg über die Sternstraße in Richtung Schanze orientalisch-vegetarisch im Azeitona. Sehr lecker!