Eine meiner besten Freundinnen wird bald ihr erstes Baby bekommen und während ich das hier schreibe, schießen mir schon wieder die Tränen in die Augen. Ich bin so voller Freude, so berührt. Diese emotionalen Gefühlsausbrüche, das hat übrigens glaube ich mit den Kindern angefangen. Nein, mit der ersten Schwangerschaft. Ich, und ich glaube auch Nummer 4 der Thronfolge, erinnern sich noch sehr gut daran, wie ich irgendwann in den ersten Wochen am Frühstückstisch ohne ersichtlichen Grund in Tränen ausgebrochen bin. Ich konnte sie nicht mehr stoppen, es lief Rotz und Wasser und gleichzeitig habe ich auch gelacht, denn der letzte Rest klarer Gedanken in meinem Gehirn haben mir wohl signalisiert wie bescheuert das wohl gerade ist. Grund meines extremen Gefühlsausbruches war nämlich A circle of life, welches Elton John gerade aus dem Radio trällerte. Ihr wisst ja, circle of life und so und ich gerade ein Baby im Bauch, ich, ein Baby, wirklich, ich. Emotionen pur. Nr. 4 der Thronfolge war amüsiert bis geschockt, aber wenn eins ein Mann wohl nie, aus guten Grund, nachvollziehen kann, dann ist es ein Baby im Bauch zu haben und alle Emotionen die damit einhergehen. Da sind Ängste, das ist auch mal Wut, aber das ist zumeist auch unglaubliche, grenzenlose Freude. Zu allen dreien, will ich eine kurze Erinnerung aus meinen Schwangerschaften aufschreiben.

Ängste – die hatte ich und nicht zu wenige. Interessanterweise galten die bei mir in beiden Schwangerschaften nicht dem Baby, sondern mir (ja, so selbstlos, die Frau). Auch nicht etwa meiner Gesundheit, sondern meinem beruflichen Werdegang. Mir ging auf deutsch gesagt der Arsch auf Grundeis. Klar, Frauen sind heute berufstätig, gehen nach einem Jahr wieder in den Job, in dem es natürlich möglich ist Teilzeit zu arbeiten oder sind einfach glücklich wie die Honigkuchenpferde komplett zu Hause. Für mich waren keine dieser Dinge eine Option und das hieß eine große Ungewissheit. In beiden Schwangerschaften. Übrigens schönen Gruß an die, die sich denken, so was plant man doch anständig. Nö. Außer man gehört zur Fraktion Flugsperma. Das sind die mit so Aussagen „Und dann haben wir es nur einmal probiert und zack war ich auch schon schwanger. Grinsegesicht.“ Danke.
Ich hoffe inständig, dass es in naher Zukunft möglich ist, sich auch mit Kind nicht mehr wie eine amputierte Ex-Berufstätige zu fühlen, die maximal noch durch Quotenerfüllung in einen Job kommt, für den sie eigentlich die berufliche Qualifikation hat.

Wut. Ich kann ja auch sonst mal aus der Haut fahren, aber in der Schwangerschaft erlebte das doch bei mir eine gewisse, na sagen wir es mal, leichte Erregbarkeit. Übrigens nur in den ersten Monaten. Danach war ich die Ruhe selbst und auch jetzt lässt mich kaum mehr was explodieren. Ok, sagen wir besser weniger.
Zum Thema Wutanfall in der Schwangerschaft: in der ersten konnte ich die ersten Monate morgens nur gebuttertes und gesalzenes Brötchen essen. Bloss nix Frisches und auch auf keinen Fall Aufschnitt. Dazu ging nur Rührei. Plain. Nur mit Salz. Nix sonst. Heute erinnert mich dieses Verhalten ja eher an irgend so ein Star oder Sternchen, aber nun gut, war halt so. Ich konnte einfach nichts anderes essen. Eines Morgens hatte sich mein Mann doch glatt erdreistest das letzte Ei zu essen! Um ehrlich zu sein bin ich in Tränen ausgebrochen. Alles frei nach dem Motto „Und jetzt kümmert der sich nicht, nicht um seine SCHWANGERE Frau, die jetzt NICHTS essen kann. NICHTS. So kümmert er sich also um SEIN UNGEBORENES KIND!“ Ca. so dann auch mein Anruf bei ihm. Nachdem ein Wortschwall auf ihn niedergegangen ist, kam maximal irritiert die Antwort von ihm: sorry, aber der Bäcker, der auch Eier hat, ist maximal 30 Meter über die Straße. Wo ist das Problem?
Im übrigen wurde in der zweiten Schwangerschaft auch um 22 Uhr noch Mikrowellen Popkorn besorgt, weil ich gerade NUR NOCH das essen konnte und AUF KEINEN FALL was anderes.
Ich frage mich ja im Nachgang oft, wie Männer diese Zeit ertragen und es doch relativ selten heißt er war nur mal eben Zigaretten holen gehen.

Freude. Als ich zum ersten Mal erfahren habe das ich schwanger bin, das kann ich bis heute nicht wirklich in Worte fassen. Es war so eine Freude. So eine ungläubige Freude. Ein Baby im Bauch. Da ist jemand drin, der lebt. In mir, von mir, nicht ohne mich, durch mich. Ein Wunder. So ein Baby ist einfach ein Wunder. Wenn ich jetzt damit anfange, wie das erstmal ist, wenn das Baby da ist, dann komme ich nicht mehr raus. Ja, auch aus dem Heulen. Denn Schwangerschaft ist nur der Anfang. Meine Kinder machen mich extrem emotional, verletzbar wie ich nie war, ich habe auf einmal ganz andere Ängste, welche über alles Fassbare hinausgehen. Da sind zwei, für die würde ich mich ohne eine Millisekunde zu zögern vor jedes Auto werfen. Da sind zwei, für die ich die Welt so schön machen will, wie ich es eben kann, da sind zwei deren Lachen mir die ganze Welt bedeutet, deren Sorgen mir ein sofortiges Magengeschwür machen könnten und für deren Glück ich alles tue. Und so freue ich mich auch so über das neue Baby, was so viel mit sich bringt. So viel Ängste, so viel Wut (ja, mein erstes Kind ist jetzt drei) und vor allem so viel FREUDE.

Und ich heule schon wieder…