Es sind Sommerferien. Früher war das für mich die schönste Zeit des Jahres. Einfach den ganzen Tag spielen – so lange draußen bleiben, wie man will. Ok, bis die Straßenlaternen angehen. Eis essen, das waren bei uns meist die 10er Pakete Lifties, die ich wirklich abgöttisch geliebt habe. Am meisten dunkelrot und weiß. Johannisbeeren pflücken, die gar nicht sauer genug sein konnten. Nein, wir haben sie sogar zusammen mit Brause aus Tütchen gegessen. Kurz: es war herrlich. Für mich als Kind.

Nun bin ich Mama und auch ich möchte, dass meine Kinder die Sommerferien als unheimlich schöne Zeit empfinden. Lange draußen sein, ins Freibad gehen, grillen und natürlich Eis essen. Und natürlich Harmonie bis der Arzt kommt. Ja, die Sache mit den Erwartungen. Ich habe kürzlich eine sehr ehrliche Urlaubsgeschichte von Stadt Land Mama gelesen und musste in den letzten Tagen viel daran denken. Nein, unser Urlaub war schön, aber die Ferien noch lange nicht vorbei. Wieder zuhause gab es Streit. Eine ganze Menge Streit. Die Kinder sind wortwörtlich über Tische und Bänke gegangen. Ich war genervt. Total genervt. Die Kinder aber auch. Wie zum Himmel soll man denn auch verstehen, wie man sich im Urlaub den ganzen Tag draußen bewegen kann, rumrennen, spielen, schwimmen, Trampolin springen und nun wieder daheim in der Stadtwohnung ist? Ja, das frustriert. Und nein, ein Trampolin haben wir nicht. Da muss das Sofa herhalten. Und nein, die Dreijährige versteht nicht, das ihr einjähriger Bruder solche Übungen gleich nachmacht und beim Hüpfen auf dem Sofa kopfüber runterfällt. Und nein, es ist für eine Dreijährige auch nicht verständlich, dass sie hier nicht allein mit ihrem Kinderwagen um sieben noch um die Häuser ziehen kann.

Aber Rettung nahte. Meine Eltern waren eingeplant hier das Ferienprogramm zu übernehmen, so dass wir Eltern arbeiten können. Lütti freute sich schon Tage vorher wie bolle, konnte gar nicht mehr schlafen. Fragte immer „Kommen jetzt Oma und Opa?“ Und dann waren sie endlich da. Mit vielen Geschenken und noch viel mehr Süßigkeiten. Die Kinder waren im Himmel. Ich auch, ein bisschen. An Tag zwei dann schon weniger. Natürlich dürfen die Kids bei Oma und Opa quasi alles. Verständlich. Sie wohnen weit weg und da will man in der wenigen Zeit mit den Enkelkindern alles, nur keinen Streit. Meine Kinder genießen das extrem. Ich soll am besten ganz ausziehen. Lütti will am liebsten die ganze Zeit was mit Oma und Opa alleine machen und Baby CJ kriegt das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht.

Und dann komm ich: die Spaßbremsen-Mama. Oder wie es das Kind einer Freundin gerne sagt: die doofe Kacka-Mama!!! (Lütti macht das noch nicht, ich warte schon drauf) So fühle ich mich nämlich heute Abend. Wie die doofe Kacka-Mama. Die hier verbietet die mitgebrachten Süßigkeiten zu essen, die an Schlafenszeiten festhält und die sich auch noch erdreistet, dass die Kinder das Gemüse essen sollen. Nicht zu vergessen rund um die Uhr ‚bitte‘ und ‚danke‘ zu sagen. Heute Nachmittag war ich sauer, genervt. Der Kleine hat nichts Gescheites zu Mittag gegessen, nicht geschlafen und die Größe war einfach nur frech. Ich hatte überhaupt nicht das Arbeitspensum geschafft, was ich wollte. Auch weil die tollen Sommerferien wettertechnisch eher Herbstferien sind und man die vier nicht wie geplant den ganzen Tag auf den Spielplatz schicken kann. Ich war die Motzkuh – die Kacka-Mama. Da sagte meine Mutter „Du hast doch so tolle Kinder, die sind doch in Ordnung, die machen doch so viel richtig.“ während mein Vater unseren Kleinen selbstverständlich mit Sahnetorte fütterte und im Anschluss an sich und die Kinder dicke Schinkenbrote verteilte. Nicht ohne stolz zu sagen: „Guck ma‘, das essen sie!“

Ja, vielleicht muss es nicht immer das perfekte Program sein. Stimmt. Und vielleicht muss es auch nicht so gehen, wie ich mir das gerade vorgenommen habe. Ich bin erstmal in die Badewanne gegangen, das tat gut. Die Kinder haben mit den Großeltern gemalt, bzw. die Stifte gegessen. Mit bester Laune. Heute Abend gehen wir Eltern essen. Der Kleine ist gerade im Bett und ich trinke einen schönen Gin Tonic. Lüttis Wunsch geht heute Abend in Erfüllung. Mit Oma und Opa allein bleiben. Wahrscheinlich hat sie, wenn wir wieder kommen, alle Süßigkeiten aufgegessen, hat sich 10 Geschichten vorlesen lassen und ist erst sau spät ins Bett gegangen. Aber sie hatte einen richtig schönen Ferientag mit ihren Großeltern. Und ich, ich versuche die Sommerferien auch zu genießen, auch wenn ganz anders laufen, als ich mir das vorgestellt habe.