Heulend auf den Boden schmeissen, dass kann Lütti ja schon länger. Ich glaube so mit zwei hat die erste Pubertät eingesetzt. Ich weiß nicht ob das jetzt schon die zweite ist, aber es trifft uns mit voller Härte. Eine Freundin sagte kürzlich das ist wie in einem Film. Ein Film dessen Drehbuch das Kind geschrieben hat, in dem es Regie führt. Wir, die Eltern sind da wohl nur die Schauspieler. Die Schauspieler, die das Drehbuch nicht gelesen haben. Und das bringt den Regisseur zum ausflippen und damit meine ich wirklich ausflippen!!!

Hier mal die letzten drei Best offs von Lüttis Ausrastern. Ausrasten heißt übrigens sie lässt sich auf gar keinen Fall mehr wieder beruhigen, egal was man versucht.

  1. Abendbrot. Mit der ganzen Familie. Ein schön gedeckter Tisch. Die Familie kommt zusammen. Alle erzählen ein bisschen von ihrem Tag. Hört sich harmonisch an? Ja, könnte es. Hätte die Rabenmutter nicht das Stück Brötchen gegessen. Das Stück Brötchen, von welchem die Tochter Sekunden vorher gesagt hat sie möchte es NICHT essen. Es handelt sich um genau zu sein um ein viertel Brötchen belegt mit Blauschimmelkäse. Dieses habe ich gegessen. Nicht einfach so, nein. Nach Absicherung, dass eben dieses nicht mehr gegessen werden möchte. Nun aber diese Reaktion „Du hast MEIN Brötchen gegessen. Ich möchte das.“ mit Bibern und Vorwurf in der Stimme, so das man gleich weiß was folgt und das sind Tränen. Jetzt gehts richtig los. Erklärversuche meinerseits werden nicht mehr gehört. Rauschen sozusagen an der Tränenflut vorbei. Der Vater, Nr. 4 der Thronfolge, versucht zu vermitteln. Völlig erfolglos. Ich schmiere derweil ein neues Bötchen. Aus meinen Augen typgleich. Nicht aber in Lüttis Augen „DAS ist NICHT mein Brötchen. Ich WILL MEIN Brötchen.“ Wiederum Erklärungsversuche. Die Versuche versinken im Nichts. „Du hast das gegessen. ICH WOLLTE das.“ Ok, Schluss mit Erklärungen. Bringt ja nichts. Anderer Belag? Das lenkt vielleicht ab? Fehlanzeige. Hochwürgen? Keine Option.
  2. Gerade eben hat sich der Vater erdreistet ihr die Gummistiefel auszuziehen. Heulkrampf „Das wollte ich!!!!!“ Ok, denkt sich der Vater, aber jetzt sind die Schuhe ja schon aus. Tränen rollen über Lüttis Gesicht, echte Verzweiflung macht sich breit. Nr. 4 der Thronfolge versucht nicht schon den Beginn des Nachmittags ins Wasser fallen zu lassen und die Stimmung zu retten. „Dann zieh sie doch wieder an.“ „Das kannnnnnn iccchhhh nicht!!!!“ Tränen. Ok, denkt sich der Vater, dann mach ich das eben. Das soll es aber nun gar nicht sein. Füsse werden weggezogen. „Iccccchhhhh wollte die aber doch ausziehen!!!!“ Ja ok, was machen wir jetzt? Ausgezogen sind sie, wieder anziehen nicht erwünscht. Also fail. Liegen lassen hilft. Das Kind meine ich.
  3. Lütti sitzt mit einer Freundin auf der Schaukel (diese Untertassen-ähnlichen Teile) auf dem Spielplatz. Man guckt mal kurz nicht hin, ist Lütti aus der Schaukel geplumpst. Großes Geheule. Meine Freundin stürmt hin, damit ich nicht mir Baby CJ am blanken Busen einen Sprint über den gesamten Spielplatz hinlegen muss. Tüten schnell eingepackt. Ich hinterher. Lütti liegt auf dem Boden mit Tränen und Dreck verschmiertem Gesicht. Alle Fragen nach etwaigen Verletzungen werden mit nein beantwortet. Gott sei Dank. Allerdings weint sie nach wie vor herzverreißend. Doch was passiert? Ihren Wortfetzen kann ich nicht wirklich was entnehmen. Irgendwann verstehe ich das Wort Birne. Ahhhh, die Birne die sie von meiner Freundin K. geschenkt bekommen hat. Die liegt nun allerdings unten im Dreck. Definitiv nicht mehr essbar. Alle Erklärungsversuche in diese Richtung scheitern. Die scheitern so extrem, dass das Projekt Spielplatz abgebrochen werden muss. Sofort. Um zwei Kinder irgendwie nach Hause zu kriegen, steuere ich den nächst gelegenen Supermarkt an. Auftrag: Birnenkauf. Aber das Kind ist schon in den Brunnen gefallen, bzw. die Birne in den Dreck. Diese gekaufte ist nach Aussage von Lütti eben nicht die, die sie von K. geschenkt bekommen hat. Das stimmt. Daran kann man nichts machen. Aber das ist AUCH EINE BIRNE! VERDAMMTE SCHEISSE!!! Nach zweimal hinwerfen auf dem Heimweg habe ich das Kind nach Hause verfrachtet. Dort beruhigt sich die Situation wieder. Dachte ich. Bis Papa beim Abendbrot nach Lüttis Nachmittag fragt……

Also ich weiß ja nicht wie es euch so geht, aber das Leben mit Kleinkind hat mal wieder ein neue Stufe im Überlebenskampf Familie erreicht.