Es ist in der Woche abends, 19:00 Uhr, und ich sitze mit einem Gin Tonic vor dem Rechner. Es gibt ja so Tage, sage ich euch….Scheidung mag ja vielleicht im Notfall in bestimmten Situationen unausweichlich sein. Alleinerziehend ist aber keine Option, kann ich nur sagen. Aber von vorn:

Ging eigentlich schon gut los am Nachmittag. Zwei Wutanfälle des 1,5-jährigen. Gesamtbelustigung des Drogeriemarktes – ich in Schweiß, nachdem ich ihn mit Schlangenhänden versucht habe im Kinderwagen zu fixieren. Alltag eben. Das Ganze gefolgt von diversen Disputen mit meiner 4-jährigen und unterschiedlichen Strafmaßen:

  • Steckenpferd einkassiert
  • Glitzer-Feenflügel einkassiert
  • Schleich-Stute inkl. Fohlen einkassiert

Dann haben wir uns wieder vertragen und ich habe frevelhafterweise gedacht, das WWF-Stickeralbum von REWE mit in die Küche zu nehmen um ein bisschen zu kleben, wäre eine gute Idee. VÖLLIGE FEHLENTSCHEIDUNG! Nochmal zum mitschreiben VÖLLIGE FEHLENTSCHEIDUNG!

OK, dass Lütti die Regeln nicht unbedingt beachtet oder sagen wir mal kreativ auslebt, das hatte ich mir schon gedacht. „Wieso kommt der Aufkleber nicht dahin? Ich finde das aber schön!“ Was ich mir nicht gedacht hatte: Welch ein Drama ein fehlender Bambi-Aufkleber bei einer Vierjährigen auslösen könnte. DER Bambi Aufkleber!

Weitschweifende Erklärungsversuche sind eklatant gescheitert. Etwaige Vergleiche mit vielleicht noch schlimmeren Dinge als einem nicht vorhandenen Bambi-Aufkleber werden abgeschmettert. Unter Tränen. Dies wäre schließlich das Schlimmste und das hätte ich hier auch ernst zu nehmen, wirft meine Vierjährige ein. Und außerdem „sage ich das auch Papa, wenn er nach Hause kommt!“

Da durchzuckt mich ein Geistesblitz – soll sie doch mal schnell ihren Vater anrufen und der sich dieses Drama anhören. Als Panini-Profi spielen sie ja vielleicht sogar auf einer Wellenlänge.
„Aber Mama, ich hab doch gar kein Handy!!“ Ok, dann nimm doch meins. „Aber Mama, ich bin doch ein Kind. Was ist wenn ich das kaputtmache? Oder Kratzer rein?!!“ Ähhh, hat sie das jetzt wirklich gesagt?
Ok, sie scheint wieder ein bisschen meine alte Lütti, denn „Ok, wenn du es willst, ruf ich an“ – das lass ich jetzt mal so stehen. „Aber mit Bild“. Ja, definitiv die Alte, sie will Papa die Misere mit den Tränchen auch verdeutlichen. Das hier ist schliesslich ernst!

Der Mann geht nicht dran. Scheiße. Mit fällt kurzerhand ein zweiter Aufkleber-Profi ein: die Schenkerin des Albums. Sollen wir S. anrufen? „Nein, Mama. Das nützt nichts. Ich glaube, die sagt das gleiche wie du.“ Jaaaaa, gut erkannt. Nämlich dass man das hier nun mal nicht ändern kann, VERDAMMTER MIST.
Ein Gespräch über den Tanzkurs am Nachmittag lenkt kurz ab. Dann geht das Gleiche von vorne los. Bambi und sein Aufkleber halten uns jetzt wohl schon ne Stunde auf Trab. Dementsprechend durch den Wind ist mittlerweile Lütti. Ich versuche es mit dem Kindergartentag und der Frage nach dem Essen. Hier habe ich das Thema bei ihrer Nachfrage, was es bei uns zum Abendbrot gibt, auch besser wieder fallen lassen. Ich weiß nämlich nicht, wozu „Fenchel“ in diesem ohnehin schon recht angespannten Gemütszustand geführt hätte. Bei uns gibt’s also weiße Soße. Und im Kindergarten? „Pfannkuchen, Mama. Ich konnte allerdings nur drei essen, weil dann tat mir mein Finger so weh.“ Sie zeigt auf eine mikroskopisch kleine Stelle am Finger. Ahh, ok.

Der Schlüssel in der Tür dreht sich um, der Mann kommt nach Hause „Papa, wenn du morgen bei REWE bist, kannst du da nach einem Bambi-Aufkleber fragen?“ Ähh, what??? Warum lief das hier nicht die letzten 1,5 Stunden so???

Der Mann sagt die Wahrheit – die will ich gerade ehrlicherweise gar nicht mehr hören, aber ja, es gibt keine Garantie für den Aufkleber.

„DOCH! Sag BITTE, du möchtest unbedingt einen Bambi-Aufkleber mit einem Stück Mutter!“

Im erster Artikel Es gibt schlimme Dinge und es gibt RICHTIG schlimme Dinge geht es übrigens um einen Schmetterling aus Knete, den ich versehentlich wieder in die Knetdose geräumt habe. FEHLER!
Ich habe Angst es könnte ein Serie draus werden….