Ich weiß, das heißt eigentlich Erziehungsratgeber, aber das finde ich ein echt doofes Wort. Elternratgeber oder Elternbücher wären doch besser. Also Bücher für Eltern. Aber das ist meiner Meinung nach ja ein Widerspruch in sich, denn wann, bitteschön, finden Eltern denn die Zeit zu lesen???

Früher, also in meinem Leben vor den Kindern, habe ich ja abends gern im Bett gelesen. Aber mit Geburt deines ersten Kindes gehört dein Schlafzimmer ja nicht mehr dir. Ein Würmchen schläft, bestenfalls im Anstellbettchen, oder eben gleich in deinem Bett, mit in deinem ehemaligen Schlafzimmer. Jetzt ist es euer Schlafzimmer. Gespräche im Bett werden durch aufgeregtes „Psssstttttt!!! Er/sie schläft!“ im Keim erstickt und glaube mal bitte nicht, du könntest abends noch Licht anmachen. Fehlanzeige. Du fieberst also dem Tag des Auszugs des Kindes in sein eigenes Zimmer entgegen. Diesen verschiebst du aber immer wieder nach hinten, weil natürlich das Kind das bestimmt nicht so gut verkraftet (in Wahrheit bist es aber du, aber das ist ein anders Thema).

Irgendwann zieht jedes Kind offiziell ins Kinderzimmer. Nach dem anfänglichen Vermissen kommt das große Abfeiern der wiedergewonnen Freiheit und abfeiern, das kann schon das Betätigen deiner Nachttischlampe sein. Aber Moment, da hast du dich zu früh gefreut! Denn auf das offizielle Ausziehen des Kindes aus dem elterlichen Schlafzimmer folgen sehr, sehr viele inoffizielle Wieder-Einzüge. Nix also mit Nachtlicht an und lesen.

Ein E-Reader vielleicht und dann heimlich unter der Bettdecke? Also, ich falle ja seit den Kindern bei Erstkontakt mit der Matratze in einen komatösen Zustand, der nur durch ein durchdringendes „Maaaaama!!!!“ wieder unterbrochen wird. Wenn es gut läuft nur dreimal die Nacht. Joah, mein Alltag lässt also nicht sooo viele Situationen zum Lesen zu.

Bleibt der Urlaub. Zwei Betreuungspersonen, genannt Eltern, umgarnen den Nachwuchs. Hier muss also doch auch mal Zeit bleiben, die Nase in ein gutes Buch zu stecken. Ich sage nur: Schwierig… Denn ich bin ehrlich, meine Nase schnellt alle paar Minuten hoch. Unter dem Schreien der Kinder, was entweder als Jauchzen, alltägliches Gezanke oder eben auch Lebensbedrohung sein kann (meine Kinder neigen dazu sich teilweise ein gaaaanz bisschen zu viel zuzutrauen) kann ich einfach nicht ununterbrochen in ein Buch schauen. Selbst wenn die „Aufsichtspflicht“ gerade beim Vater liegt.

Meine literarische Urlaubsunterhaltung ist also seicht. So seicht, dass sie eine Unterbrechung alle 1-2 Seiten, oder auch jeden Absatz, zulässt. Also wann, bitte, ja sagt mir wann, lesen ELTERN, ja ELTERN, bitte diese Elternratgeber. Habe ich mich immer gefragt. ABER es gibt scheinbar eine Lösung: Hörbücher. Ja, ist jetzt vielleicht nicht das, was die Menschheit zuvor noch nie gehört hat – mein Mann ist ja auch sehr viel innovativer als ich unterwegs und hört immer auf dem Arbeitsweg – aber ich hatte es bis dato noch nicht ausprobiert. Dank Audible, die es auch so Nicht-innovationsaffinen Menschen wie mir durch simpelste Bedienbarkeit auf einer App auf dem Telefon möglich machen, habe ich mein erstes Elternbuch gelesen oder besser gehört.

„Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn“ war super. Noch besser, dass ich es gehört habe. Denn ich bin ehrlich. Hätte ich die ersten Kapitel, die viel über den Aufbau des kindlichen Gehirns erklären, lesen müssen, wäre das Buch wohl schnell in der Ecke gelandet. Die Vorlesedauer beträgt gut sieben Stunden. Sieben Stunden, für die ich mit Lesen wohl eher Monate gebraucht hätte und nicht zwei Wochen. In diesen zwei Wochen habe ich nämlich viel Wäsche gewaschen und aufgehangen. Unsere Kleiderschränke aussortiert und die Kommode im Badezimmer. Das alles mit Kopfhörer auf den Ohren. Ja, und ich habe sogar am Strand etwas vom Buch gehört, da hatte ich dann ja meine Augen auf den Kindern. Ging also auch. Und auf dem Sofa? Habe ich auch mal gehört, allerdings eher selten. Aber seid mal ehrlich, ein Bild wie ich den Schrank aussortiere, wäre ja auch nicht so schön gewesen, oder?

Egal wie, ich bin echt angetan von meinem ersten Elternratgeber/-buch. Ich werde es bestimmt nochmal hören, denn die Thematik bleibt aktuell. Nebenbei habe ich es noch dem Mann (kostenfrei) weitergereicht und mir zwei weitere Bücher bestellt. Ich freu mich schon drauf.

Elternratgeber Hörbuch