Sorry, aber dieses Bild scheint aus meinem letzten Leben. Heut hätte ich null die Kraft für sowas. Wer mich teeren und federn möchte: gerade ist eine verdammt gute Gelegenheit, denn wahrscheinlich würde ich es nicht einmal merken. Ich fühle mich wie schmale 85 Jahre. Wenn ich mich bücke, komme ich nicht mehr hoch und muss mir ins Kreuz fassen. Wenn ich irgendwohin will, überlege ich im Auto krampfhaft dem Weg, um nach 10 Minuten festzustellen, dass es doch die andere Richtung war. Also Navi an. Wo ich wohne, weiß ich noch. Noch. Meine Gesprächspartner haben sich dezimiert. Geht gerade nicht anders, ich kann gerade nix aufnehmen. Selbiges gilt für Verabredungen. Da ich leider nie weiß, wie beschissen die Nacht wird – oder eigentlich doch, denn momentan immer total beschissen – verabrede ich mich auch nicht viel im Vorfeld. Spontan ist die Devise. Gerade kann ich nicht gut Freundin sein. Dafür reicht die Kraft einfach nicht.

Kürzlich hätte ich eine Nacht im Hotel schlafen können. Bei dem Angebot meiner Freundinnen sind mir die Tränen in die Augen geschossen. Aber ich habe es nicht gemacht. Warum? Weil wenn der Mann das fragen würde, würde ich Schnappatmung kriegen. Natürlich würde ich es ihm gönnen. Allerdings wohl solange, bis ich hier wieder drei Stunden um die Kinder herumgerannt wäre bis sie vermeintlich schlafen, um dann 30 Minuten später mit einem MAMMMMA! aus dem Schlaf geholt zu werden. Dies dann so ca. 8-12 Mal die Nacht. In immer unterschiedlichen Abständen. Alles andere sieht dann so aus – erholsamer Schlaf wohl anders.

Nein, allein geht gerade gar nicht. Kinder in der Überzahl ist gerade eine ganz schlechte Idee. Man muss sich das so vorstellen: Ist das Opfer schon sehr angeschossen, und das kann ich nach Wochen mit extremem Schlafmangel definitiv sagen, kann es ganz schnell von einer halben Mannstärke mehr überrannt werden. Meine Kinder schaffen das gerade schon nach 2 Stunden „Zubettgeh-Ritual“. Und ehrlich: Dann bin ich wohl eine dieser ätzenden Ehefrauen, die den Mann nach Hause zitiert. Denn ehrlich: für allein reicht die Kraft gerade einfach nicht.

Wie unsere Beziehung läuft? Nun ja. Wenn das Schiff zu sinken droht, schmeißt du nicht den aus dem Boot, der mit dir das Wasser raus schiebt. Aber du lässt ihn nochmal wissen: „Schneller! Jetzt mach mal!“. Aber wenn es geschafft ist. Das Schiff an Land. Rettung. Dann fällst du ihm in die Arme: Ohne dich hätte ich das nicht geschafft!

Ich versuche gerade diese Zeit zu schaffen. Gerade geht nur Mama und das kostet mich meine gesamte Kraft. Ich versuche mich an meine Tipps zum Durchhalten zu halten. Das hilft. Sonst halte ich mich an nichts. Keine Regeln. Es läuft mal gut? Dann darf es auch ein Glas Sekt zum Frühstück sein – abends ist das eh nicht drin. Und wenn hier nix mehr geht, dann ist vielleicht auch der kleine Maulwurf auf dem Handy eine Hilfe.

Alle Regeln über Board. Wir müssen gerade das Schiff irgendwie durch dieses Gewitter manövrieren und dann? Dann bin ich auch wieder Frau und Freundin. Bestimmt.