Auf dem Flug von Bali nach Hause habe ich ehrlich gesagt geweint. Weil es so schön war und ich nicht nach Hause wollte? Ja, das wäre auf jeden Fall der bessere Grund gewesen. Leider waren es Wut, Tränen, Enttäuschung und Fassungslosigkeit die mir die Tränen in die Augen trieben.

Wie sieht im Idealfall ein Langstreckenflug mit Baby aus?

Aber von vorn. Als wir vor einigen Wochen unsere Flüge buchten, hat mein Mann direkt bei der Airline angerufen um für Baby CJ eine Babyschale zu bestellen. Die ist eine Wanne, welche man bei Langstreckenflügen in der ersten Reihe in die Wand einhängen kann, damit die Babys dort schlafen können. Nach Größen- und Kiloangabe passt CJ noch rein und auf dem Hinflug bei Air France hat auch alles super geklappt. Sogar noch besser als super: Erste Reihe, vier Plätze, Babyschale auf dem langen Flug und auf dem kurzen auch die erste Reihe, wo Platz ist den MaxiCosi auf den Boden zu stellen. Unser Baby hat also beide Flüge größtenteils schlafend verbracht – einfach ideale Bedingungen dafür.

Die erste Reihe ist für Babys reserviert – das ist doch glatt gelogen

Und der Rückflug? Bei einer anderen Fluggesellschaft leider das Gegenteil von idealen Bedingungen. Beim Anruf vor Wochen hieß es bereits man hätte keine Babyschale. Es wären schon zu viele Babys. Ärgerlich, aber völlig verständlich. Angekommen am Flughafen fragten wir dann nochmal nach, vielleicht wäre ja jemand abgesprungen. Antwort: Nein. Alle ersten Reihen wären mit Babys belegt und überhaupt könnten wir wohl nicht zusammen sitzen. Es wären elf Kleinkinder auf dem Flug.
Wir haben wirklich alles versucht und nach langen Diskussionen erreicht, das wir zumindest für den Langstreckenflug (Flugreise Bali-Singapur-Amsterdam-Hamburg) zusammensitzen und hoffentlich einen Platz für CJ kriegen, wo wir zumindest den MaxiCosi platzieren können.

In der Maschine angekommen war die angebliche Besetzung von Babys in den ersten Reihen schlicht falsch!! Kein Baby zu sehen! Hier saßen Erwachsene, die sich über ihre Beinfreiheit freuten. Ich war enttäuscht und fühlte mich auf deutsch gesagt verarscht. An mir weinte mein Baby und alles Tragen und so weiter half nichts. Die Stewardess konnte das verstehen und sprach mit der Chefstewardess. Diese kam freundlich zu uns und sprach auch mit den Herrschaften in der ersten Reihe. Ich war mittlerweile auch den Tränen nah. Es war neun Uhr und CJ mittlerweile nur noch müde und weinend. Die Information an uns: drei wären nicht bereit für eine Familie zu tauschen, einer schon. Ich fand mich also mit dem MaxiCosi zwischen drei Sozialversagern wieder, aber CJ schlief. Kaum war er im MaxiCosi, ist er sofort eingeschlafen.

Nicht ärgern, dachte ich mir, ist nur der kurze Flug. Aber ich ärgerte mich doch, über die Leute und auch über die Fluggesellschaft: Wenn die erste Reihe für Babys reserviert ist, dann kann man das doch auch durchziehen.

Schlafende Kinder, müde Eltern, die Nerven liegen blank

Nach 2:20 Stunden Flug schliefen beide Kinder, die wir auf Grund eines technischen Stopps aus der Maschine schleppen, um sie 1,5 Stunden später wieder reinzutragen (fragt mich nicht warum). Alle waren müde, k.o. und wollten nur auf ihre Plätze. Die Stewardess des letzten Flugs hatte sogar noch eine Nachricht an die folgende Crew dagelassen. Aber auch auf dem Langstreckenflug bot sich das gleiche, traurige Bild: unser augenscheinlich jüngster Sohn auf dem Flug hatte keinen Platz in der ersten Reihe bekommen. Vielmehr grinsten einem die Gesichter des letzten Fluges wieder aus der ersten Reihe entgegen. Ich war traurig, ich war wütend. Das kann doch nicht sein????

Ich fragte das Flugpersonal, das sprach mit den Passagieren, ich sprach wieder mit dem Flugpersonal, das mit den Gästen und so weiter. Das ging bestimmt 20-30 Minuten so, Minuten, in denen die Herrschaften fein in ihrer Reihe saßen, ich das Baby durch die Gänge trug. Das Ende des Lieds ist so traurig, dass ich es auch heute kaum glauben will.

  • die Passagiere sind nicht aufgestanden; genau die Passagiere, die auf einem Flug davor mitgekriegt haben, dass das Baby nur in der Schale schläft
  • auch nicht einzelne, sie wollten zusammensitzen (Erwachsene)
  • dass ich allein wieder mit dem Baby zwischen ihnen sitze, wäre aber ok
  • das Boardpersonal hat nicht darauf bestanden, dass sie die für Familien mit Babys reservierte Reihe freimachen
  • und keiner der anderen Fluggäste hat auch nur einen Ton gesagt

Familienfreundlichkeit ist kein Statement – Familienfreundlichkeit muss umgesetzt werden

Und dann, nach den ersten 6 Stunden unterwegs liefen die Tränen. Nicht etwa weil meine Kinder so anstrengend waren oder wegen sonstiger Herausforderungen, die ein Langstreckenflug so mit sich bringt. Nein, ich weinte wegen dieser Sozialversager in der ersten Reihe, diesen Kinderhassern, wegen denen mein Sohn nicht einfach in einer Babyschale den Flug über friedlich verschlafen kann. Wegen Menschen, die da eine Familie mit zwei kleinen Kinder stehen sehen, aber trotzdem denken: Pech gehabt, jetzt sitzen wir hier. Schmarotzer eines Fehlers, der offensichtlich am Boden passiert ist.

Ich war wütend, wütend auf die Fluggesellschaft, die schon am Boden so viele Fehler gemacht hat. Waren es wirklich Fehler? Ich hoffe das einfach. Dass es irgendwie schief gelaufen ist, dass in allen ersten Reihen zusammen auf dem Flug nur 1! Kind saß. Dass unser Kind, auf dem Flug augenscheinlich das jüngste, angeblich keine Babyschale buchen konnte. Schon Wochen vor dem Flug nicht.

Ich war enttäuscht, enttäuscht über das Boardpersonal, welches nicht darauf bestanden hat, dass wir in die erste Reihe gehen. Ein Reihe, die für Familien reserviert ist. Die mich dastehen sehen mit meinem schlafenden Baby in der Trage, offensichtlich schon ziemlich k.o. auf Grund der ganzen Diskussionen und Widrigkeiten dieser Flüge. Die lieber einer Diskussion aus dem Weg gehen und dadurch das Handeln dieser Leute bestätigen. Die ihnen recht geben, sich so arschig gegenüber Familien zu verhalten.

Ich weinte auch darüber das kein einziger! Fluggast drumherum etwas gesagt hat. Keiner! Nicht das Boardpersonal, welches dazu autorisiert ist, und keiner der Fluggäste haben ein soziales Rückgrat bewiesen. Keiner! Frei nach dem Motto: erhebst du nicht Einspruch, machst du dich zum Mittäter. Und hier hätte ganz klar Einspruch erhoben werden können.

Ich hoffe unser Erlebnis war ein Einzelfall. Bei dieser Fluggesellschaft und in der Gesellschaft. Ich bin froh, dass mir niemals zuvor ein solcher Kinderhass entgegen geschlagen ist. Denn anders kann ich es nicht bezeichnen, wenn ein Kind nicht die für die erste Reihe konzipierte Babysschale bekommt um darin den Langstreckenflug über schlafen zu können, damit ein Pärchen nebeneinander sitzen und die Leute fröhlich bei ein bis drei Fläschchen Rotwein ihre Beine ausstrecken können.

Wahrscheinlich muss ich froh sein, dass wir nach diesem Affentanz einen weiteren Platz kriegten und ich CJ halb unter den Vordersitz in den MaxiCosi legen konnte. Was aber bleibt, sind die Tränen und die Wut. Und bei jedem Mal, wenn ich wieder an der vorderen Reihe vorbeiging, wo jetzt anstatt von Kinderfüssen genüsslich Erwachsene ihre Füße im wohl jetzt leichten Rotweinrausch ausstrecken. Menschen, die leider von ihrem umliegenden Gesellschaft nicht gespiegelt bekommen, dass ihr Verhalten so richtig Scheiße ist!

PS: diesen, wie auch den Hinflug, haben unsere Kinder zum größten Teil schlafend verbracht. Die Flüge waren für sie kein Problem und sie haben alles sehr gut mitgemacht. Ich würde jederzeit wieder einen Langstreckenflug mit der ganzen Familie machen und meine Kinder auch (so sagt es auch die ältere) Nur so für all diejenigen, welche hier um ihr Wohlbefinden besorgt sind…