Oh, ich bin schon sehr gespannt auf das Feedback zu diesem Artikel. Habe ja schon lange überlegt, ob ich das hier überhaupt thematisieren soll. Gebe ich so doch dem Wolf im Mütterkostüm eine Plattform. Aber es gab ja Gründe, warum ich dieses Blog gegründet habe, also los.

Ich bin ja am meisten auf Instagram unterwegs, also ziehe ich mir dies einfach mal als Beispiel für eine Social Media Plattform raus. Instagram ist eine Plattform, welche nach meinem Verständnis schöne Fotos zeigen soll. Was auf den Bildern drauf ist und was man selbst als schön bezeichnet, entscheidet natürlich jeder selbst. Geschmack ist ja wie weitreichend bekannt ein sehr subjektives Thema. Als Konsument – bei Instagram nennt sich das Follower – entscheide ich mich aktiv mit dem Klick auf einen Herz-Button, ob mir die Bilder gefallen und wenn ich gerne die Bilder der Person im Stream haben will, folge ich der Person. Bei Instagram sind es mittlerweile auch häufig die Geschichten, sprich die Bildunterschriften, die mich ansprechen – oder eben nicht. Ich entscheide ob ich diese Botschaften in Wort und Bild konsumieren will.

Es ist schon einige Monate her, dass mir das erste Mal auffiel, dass diese Bildunterschriften wohl nicht nur dazu genutzt werden, um eigene Bilder oder erlebte Situationen beschreiben. Vielmehr diente der Textbereich dazu mal ordentlich seinen Meinung darüber kund zu tun, was andere denn so für Bilder posten. Mhmmm. Warum? Wusste ich ehrlich gesagt auch nicht. Wenn mir Blumenbilder nicht gefallen, dann schaue ich mir die einfach nicht an. Verteile keine Likes oder drücke, wenn es mir arg zu viel wird, einfach den Entfolgen-Button. Das Ganze aber ordentlich durch den Schmutz zu ziehen, dafür fehlt mir das Verständinis. Nun gut, vielleicht hat diejenige einfach einen Scheißtag gehabt und mal gerade ein Ventil gesucht, dachte ich mir. Schade, dass dafür wohl nicht mehr, wie jahrelang ja gut funktionierende Praxis, der Ehemann herhält, aber nun gut. Wird wohl ’ne Ausnahme gewesen sein.

Die Monate gingen ins Land und ich habe noch sehr viel mehr dieser Texte gelesen. Texte, die nicht bei der Person und dem Account selbst bleiben. Nein, Texte, die andere angreifen. Warum? Keine Ahnung. So langsam habe ich aber vielleicht doch eine Ahnung. Was sich nämlich liebend gern unter provokanten Texten in den Kommentaren abspielt, da bleibt einem auf deutsch gesagt die Spucke weg. Jeder, oder besser gesagt jede, fühlt sich eingeladen ihre eigene Meinung auch kund zu tun, und das zumeist auf eine Art, bei der ich überrascht bin, ob diese Leute auch sonst im Leben so „rumrotzen“. Anders kann ich das nämlich wirklich nicht bezeichnen. Gern sind es Themen wie Stillen, Beikost, Co-Sleeping oder eben richtig ernste Themen wie Blumen, Kassettenrekorder, Eis am Stiel, Gläser, Strohhalme, die aufregen. Im Alltag in der wirklichen Welt mag man hier als Mutter zumindest bei ersten drei Themen oft erleben, dass andere Mütter einen blöd angucken, tuscheln, oder maximal noch nachfragen. Das hinterlässt ein ganz schlechtes Bauchgefühl. Aber dass jemand einen angreift? Das Wort gegen einen ergreift? Das passiert doch nicht, oder doch?

Mittlerweile braucht es aber lang keine provokativen Aussagen mehr unter Bildern oder ähnlichem. Es hat sich eine Eigendynamik entwickelt, welche meiner Meinung nach doch ganz schön erschreckend ist. Da wird auf unterstem Niveau herausgepustet, was das Zeug hält. Es ist verletzend. Es ist unter der Gürtellinie.
Wer sich jetzt fragt, oha, auf ihrem Account? Nein, aber das ist auch nicht das Entscheidende. Das Entscheidende ist für mich, dass grundsätzliche Freundlichkeit und Respekt zu meinem Leben gehören. Ganz nebenbei versuche ich das auch meinen Kinder zu vermitteln. Ich mache hierbei keinen Unterschied, ob ich mich auf der Strasse oder im Web bewege. Klar finde ich nicht alles toll, klar treffen Fotos, Aussagen, Themen nicht immer meinen Geschmack. Aber genauso wie ich im wirklichen Leben nicht unter der Gürtellinie „rumrotzen“ würde (sorry für das wording, aber ich glaube das lässt die Ausdrucksweise hier doch bildlich werden), tue ich dies auch nicht im Social Web.

Konstruktive Kritik ist immer gut, bringt Themen nach vorne. Diskussionen können bereichern. Verschiedene Blickwinkel machen das Leben facettenreich. Mütter habe ich persönlich schon immer als ziemlich heterogene Gruppe erlebt, in der schnell verurteilt oder besser gesagt abgeurteilt wird. Im Übrigen im Normalfall nur durch die eigene Sicht, welche gar keinen Input aus anderen Richtungen zulässt. Das Social Web hat dies wohl auf eine gravierende Stufe gehoben. Zum Aburteilen anderer Mütter ist nun nämlich die Sicherheit der vermeintlichen Anonymität gekommen. Zurückhaltung aus dem wirklichen Leben ist zu einem Aufdrücken der eigenen Meinung geworden, die Ihresgleichen sucht. Rat wird nicht mehr gesucht, nein, es wird geraten. Besser: es wird befohlen. Es gibt wohl genug Mütter da draußen, die genau wissen, wie man es richtig macht und die sagen dir das auch, da kannste Gift drauf nehmen. Pardon, sie schreiben es dir. Ins Gesicht sagen würden sie es dir nämlich mit Sicherheit nicht.

Schade, dabei können Gruppen gerade durch die Kommunikation im Social Web ja durchaus gestärkt werden. Und die Gruppe Mütter, die hätte das durchaus nötig.